Rechte Fans: Schlagkräftige Unterstützung für „Legida“
Mittwoch, 31. Dezember 2014, 11:58 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 31. Dezember 2014, 12:01 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, Fanszene, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Medienschau

Für den 12. Januar 2015 planen „Leipziger gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Legida“) den Aufstand der Unanständigen. Die Strippenzieher sind rassistische Fußballfans

„Pegida“ auf Leipzigerisch: Ein Bündnis aus rechten Denkern und Machern versucht sich an einem Leipziger Ableger der flüchtlingsfeindlichen Bewegung, die seit Oktober auf „Montagsdemonstrationen“ durch Dresden irrlichtert. An der Pleiße ist dann nicht mehr die Rede von „Patriotischen Europäern“, sondern „Leipzigern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Legida“). Die Volksseele kocht jedenfalls, da ist ein Sündenbock schnell gefunden. Leben nicht schon 10.000 Menschen mit muslimischen Hintergrund in Leipzig? Siehste! Und: Na klar, es werden immer mehr!

… weiterlesen





Fußball ist immer noch wichtig
Freitag, 26. Juli 2013, 9:16 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 26. Juli 2013, 9:43 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Gewalt & Rassismus

Das Melt! war diesmal wahrlich zum Dahinschmelzen. Europas größtes Electro- und Indiefestival unter den Stahlmonstern von Ferropolis, 20 000 immer entspannte Partymenschen jeder Herkunft, ein alljährlicher Pflichttermin mitten im Juli. Zelte und all das andere Inventar schleppen, im Campingstuhl lungern, ohne Unterlass Bässe von irgendwoher aufsaugen, viel zu warmes Bier schlürfen – jedes Jahr das gleiche, es wird nie langweilig. Abschalten, vier Tage lang. In diesem Jahr glühte die Sonne wie im Badeurlaub, nur dass so mancher nachher eine Krankschreibung brauchte.

Mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Fußball ist dort nicht wichtig, genauso wenig wie die restliche Außenwelt, schon allein weil die Akkukraft unsere Nachrichtenzentralen nicht über vier Tage am Leben hält. Samstagvormittag, die Smartphones werden heiß, der Empfang ist so mies, wie man es in einer Ödnis erwartet, die ein paar Mal im Jahr von Zehntausenden bevölkert wird. Habt ihr schon gehört – so beginnt der Satz, der damit endet, wer am Vortag die Etappe der Tour de France gewonnen hat.

Am Freitag, da war doch was. Drittligaauftakt. Eine große Feier im mitteldeutschen Heimatfernsehen. Ein Kulturderby, habe ich irgendwo gelesen, solche Worte wären vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, wenn vom Halleschen FC die Rede war. RB Leipzig, auf diesem Projekt liegt alle Hoffnung der Stadt, in der ich groß geworden bin, mit deren tragikomischen, in meinen Augen grün-weißen Fußball ich sehr eng verbandelt bin. Noch immer. Ich muss wissen, wie das Spiel ausging – und bin im nächsten Augenblick enttäuscht. 1:0 für RB.

Ich schimpfe etwas, soweit es die unaufgeregte Atmosphäre zulässt. Meine Zeltnachbarn und ich, wir sind uns einig (zumindest noch). Wir sind Leipziger, aber die Stadt und ihr Fußball hat unseren Lokalpatriotismus nicht nötig. Wo man auch hinkommt, jeder scheint die New York Times gelesen zu haben. Auch wer noch nicht da war, findet diese Stadt schön, lebenswert, hip. Das schickt sich so. „Hypezig“, sagen fremde Frühzwanzigerinnen beim oberflächlichen Kennenlernen stolz und erwarten, dass sich das Leipziger Gegenüber über diese Sprache freut.

Um die Stadt hat sich seit ein paar Jahren jener Hype entwickelt, den Red Bull im städtischen Fußballalltag zunehmend zu kopieren weiß: Kein Vorbeikommen an den Dosen und RB Leipzig, wohin man auch geht. Ein bisschen fühle ich mich wie ein fußballpolitischer Flüchtling, aber das zählt nicht, ich bin freiwillig nach Berlin gegangen, und das ist schon eine Weile her. Aber wenn ich den Sportteil aufschlage, weiß ich manchmal nicht, was ich in Leipzig noch sollte.

Ein paar warme Bier später (die Temperatur nimmt proportional zur Tageszeit zu), auf dem Festivalgelände. Man trifft dort Leute, von denen man ahnt, sie könnten da sein, auch wenn man sich nicht verabredet hat. Meine ehemalige Mitbewohnerin, mein ehemaliger Mitbewohner und so weiter. Ich bleibe bei einem Bekannten hängen, er hat sich dem Halleschen FC verschrieben, er meint es sehr ernst mit dem Verein. Ich bekunde höflich Beileid zur vorabendlichen Niederlage gegen meine Stadt und ihr Projekt, das ich doch lieben müsste. Am nächsten Tag lernen wir auf dem Zeltplatz die Gruppe von nebenan kennen, natürlich Hallenser, sie haben am Morgen zuvor unsere sanften Tiraden eingedenk des Ergebnisses gehört – wenn sie davon erzählen, klingt es so, als wunderten sie sich, wie man es in Leipzig nicht so gut mit RB halten kann.

Als vom Melt! in meinem Leben noch nichts zu ahnen war, fuhr ich einmal nach Casaleccio di Reno. Zu den Mondiali Antirazzisti, dem Fußballfestival für Ultras, die keine Nazis mögen. „Antifa Hooligans“, so würden es Los Fastidios nennen. Ihr Auftritt, damals in Italien, liegt mir wieder in den Ohren, seit ich auf diesem Melt! Feine Sahne Fischfilet (die Herren spielen weder Electro noch Indie) gehört und mit Leuchtfeuer auf der Bühne gesehen habe. Es war ein bisschen so, als würden Egotronic noch einmal beim Roten Stern im Bierzelt oder im Leipziger Fanprojekt zwei Boxen aufbauen und die „Bismarck“ versenken.





„More Than Life“: Die Diablos machen seit zehn Jahren Theater
Samstag, 4. Dezember 2010, 15:25 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 6. Dezember 2010, 13:46 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig

Zehn Jahre Diablos: Die Leutzscher Ultras feiern Geburtstag und können auf eine aufregende Geschichte zurückblicken. Eindrücke und Gedanken von den offiziellen Feierlichkeiten

Offizielles Plakat (zum
Vergrößern anklicken)

„Jeansjackenchoreos“ auf dem Norddamm, eine „kuttige“ Szene, irgendwie „zu assi“: Wie die Zwickauer Ultras Red Kaos heute die Fanszene des FC Sachsen Leipzig anno 2000 einschätzen, steht stellvertretend für eine Bewegung, die Ende der 90er Jahre auch im Fußballosten zunehmend populärer wurde und sich anschicken sollte, die Stimmung in den Stadion zu revolutionieren. Dessen bedurfte seinerzeit nicht zuletzt der FC Sachsen dringend. Der Norddamm, Sinnbild der Leutzscher Hölle der 70er und 80er Jahre? De facto stillgelegt. Die Fanstruktur? Überaltert. Die Stimmung? Nicht gerade unter nennenswert zu verzeichnen. Die tiefe Krise, in der sich die Leutzscher Fanszene zur Jahrtausendwende befand, war – so kann man heute sagen – das beste, was der grün-weißen Fankultur passieren konnte. Denn sie war Ausgangspunkt und Geburtsstunde einer Subkultur, die im Laufe der Zeit einen unverwechselbaren Stil entwickeln und gestern ihr zehnjähriges Bestehen feiern konnte.

… weiterlesen





Chemie-Fans widersprechen Berichterstattung von „LVZ Online“
Montag, 20. April 2009, 21:21 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 21. April 2009, 17:59 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Medienschau

In ihrem Online-Auftritt hatte die Leipziger Volkszeitung fälschlicherweise behauptet, Chemie-Fans hätten während des gestrigen Auswärtsspiels in Miltitz Anhänger des FC Sachsen angegriffen. Eine Richtigstellung

Fans der BSG Chemie Leipzig widersprechen einem Bericht von LVZ Online, wonach während der Kreisklasse-Partie zwischen Grün-Weiß Miltitz II und der BSG Chemie am gestrigen Sonntag eine Gruppe von etwa 20 Fans des FC Sachsen Leipzig vom Platz gejagt worden sei. Die Aggressionen richteten sich nicht etwa gegen Fans des Regionalligisten, sondern gegen bekannte Kader der „Freien Kräfte Leipzig“. Der Auftritt der gewaltaffinen Neonazis stellte für die Fans der BSG Chemie eine gezielte Provokation und Bedrohung dar. Wiederholte Hinweise seitens der Chemie-Fans, das Sportgelände zu verlassen, ignorierten die Provokateure.

… weiterlesen





Frei von Kräften
Sonntag, 19. April 2009, 19:34 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 19. April 2009, 19:46 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus

Gelebter Antifaschismus: Fans der BSG Chemie wollen nazifreie Kurven und greifen zum letzten Mittel

Am Rande des heutigen Spitzenspiels zwischen dem SV Grün-Weiß Miltitz II und der BSG Chemie Leipzig (0:5) ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Kurz vor Anpfiff der Partie provozierte eine Gruppe von etwa 15 Personen, darunter führende Köpfe der „Freien Kräfte Leipzig“ sowie Metastasen, mit ihrer Präsenz und mit unter Rechtsextremen beliebter Kleidung. In Anbetracht der zahlenmäßigen Überlegenheit der Chemie-Fans war die Kontroverse schnell beendet. Die Miltitzer Gastgeber erhielten aus Fankreisen für eventuell entstandene Sachschäden eine finanzielle Zuwendung.

… weiterlesen





„Fußball ist doch unpolitisch…“, oder?
Freitag, 1. Februar 2008, 0:48 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 6. November 2009, 13:22 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus

Rechtsextremismus spielt vor allem im unterklassigen Fußball eine große Rolle. Aber warum ist das so? Und was kann man dagegen tun? Rückblick auf ein erkenntnisträchtiges Seminar

„Hooligans und Neonazis – Kommt da zusammen, was zusammen gehört?“ Es war eine reißerische Überschrift, unter der das Regionalbüro Leipzig der Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag zu einem Seminar zur Thematik Rechtsextremismus im Fußball eingeladen hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass die eigentlichen Adressaten der Veranstaltung fern blieben. Vertreter kleinerer Leipziger Vereine hatten die Einladung ausgeschlagen – dafür aber war das Teilnehmerfeld umso gemischter: von Polizeibeamten über Sozialarbeiter und Anhänger aus Leutzsch und Probstheida bis hin zum Lok-Vorsitzenden Steffen Kubald.

… weiterlesen