Rechte Fans: Schlagkräftige Unterstützung für „Legida“
Mittwoch, 31. Dezember 2014, 11:58 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 31. Dezember 2014, 12:01 Uhr
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Für den 12. Januar 2015 planen „Leipziger gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Legida“) den Aufstand der Unanständigen. Die Strippenzieher sind rassistische Fußballfans

„Pegida“ auf Leipzigerisch: Ein Bündnis aus rechten Denkern und Machern versucht sich an einem Leipziger Ableger der flüchtlingsfeindlichen Bewegung, die seit Oktober auf „Montagsdemonstrationen“ durch Dresden irrlichtert. An der Pleiße ist dann nicht mehr die Rede von „Patriotischen Europäern“, sondern „Leipzigern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Legida“). Die Volksseele kocht jedenfalls, da ist ein Sündenbock schnell gefunden. Leben nicht schon 10.000 Menschen mit muslimischen Hintergrund in Leipzig? Siehste! Und: Na klar, es werden immer mehr!

Ihre geballte Schlagkraft rekrutieren die „Legida“-Mahner auch aus dem Umfeld des Leipziger Fußballs. Dass hinter dem geplanten Aufmarsch am 12. Januar 2015 nach Antifa-Informationen eine eigenwillige Querfront aus rechten Fans von 1. FC Lok und der verblichenen „SG Sachsen Leipzig Leutzsch“ steht, wird langjährige Beobachter der hiesigen Szene nicht überraschen.

Marco Prager, 40, Lok-Fan und Symphatisant der früheren Nazigruppierung „Scenario Lok“, ist Anmelder der Demonstration. Und Silvio Rösler gibt den Versammlungsleiter. Der 51-Jährige spielt bei TuS Leutzsch, trieb sich einige Zeit in der Szene der damaligen SG Leipzig-Leutzsch (SGLL) um und wollte 1999 für die DSU in den Stadtrat. Rösler soll gut befreundet sein mit Siegfried Däbritz, einem der Organisatoren von „Hooligans gegen Salafisten“ („HoGeSa“), sowie dem bundesweit bekannten Neonazi Thomas Gerlach („Ace“, @Ace_79). Gerlach war einer der Protagonisten, als die SGLL für ihre rechte Klientel in die Schlagzeilen geriet.

Längst haben sich auch Antifa und Bürgertum formiert. Laut Leipziger Volkszeitung werden auf den bisher sieben angemeldeten Gegendemos mehr als 5000 Teilnehmer erwartet, während Legida lediglich mit 3000 Unterstützern angekündigt hat. Die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Linke) rechnet damit, dass der Leipziger „Pegida“-Ableger schnell wieder Geschichte ist:

Ohne es klein reden zu wollen, glaube ich, dass LEGIDA in Leipzig eher ein Placebo sein wird. Wie von Anfang an vermutet, stammen die Macher aus der rechten Fußball-Fanszene und mischen bei der virtuellen Hetz-Gruppe „Gohlis sagt nein“ mit, die nachweislich eine Vorfeldorganisation der NPD ist. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Nazipartei versucht mit Facebook-Tarnorganisationen rassistische Stimmung zu schüren, war aber im real life eher gescheitert. Ich denke, dass wir in Leipzig gut auf den PEGIDA-Ableger vorbereitet sind.

Auf der Straße sind die Umgangsformen derweil rauer geworden. Die Morgenpost hat „Alarmstimmung“ ausgerufen, nachdem über die Weihnachtsfeiertage der „Legida“-Kopf Hans-Thomas Tillschneider offenbar ungebetenen Besuch von Antifas hatte. Der promovierte Islamwissenschaftler sitzt bei der sächsischen AfD im Landesvorstand und steht als Mitglied der „Patriotischen Plattform“ in der nationalpopulistischen Partei am äußersten rechten Rand.




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