Aufstieg im Abseits
Sonntag, 29. Juni 2014, 19:24 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 29. Juni 2014, 20:06 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Kommerz- & Medienfußball

Die BSG Chemie Leipzig schafft 50 Jahre nach der DDR-Meisterschaft den Wiederaufstieg in die sechstklassige Sachsenliga. Doch für große Schlagzeilen sind längst andere zuständig

Es war ein Betriebssportgemeinschafts-Unfall, dieser Abstieg. Unverhofft, vielleicht auch peinlich, jedenfalls ein Rückschlag. Zur Saison 2012/13 hatte es sich die BSG Chemie im Alfred-Kunze-Sportpark, aufgehübscht fürs Fanvolk, das gerne ins neue alte Wohnzimmer kam. Dieses Finale aber hatte keiner erwartet: Am Ende der zweiten Sachsenliga-Saison stand der Abstieg. Nun, ein Jahr später, ist alles anders. Chemie ist wieder da. Angeführt von Schlüchti. Mit dem Segen der Helden von einst.

Chemie ist zurück in der Sechstklassigkeit. Das sind, 50 Jahre nach dem Legende gewordenen Meistercoup der Mannen von Trainer Alfred Kunze, gute Nachrichten. In Leutzsch übt man sich neuerdings in Bescheidenheit, ob man will oder nicht. Der Leipziger Fußballkuchen ist verteilt. Chemie darf sich für die Krümel anstellen.

Die Mitesser werden nicht weniger. Kaum scheint die SG Leipzig-Leutzsch Sachsen Leipzig von der engen städtischen Fußballbühne verschwunden, drängelt sich der nächste auf dem Markt der Eitelkeiten. Der FC International Leipzig hat sich in die Sachsenliga eingekauft und tritt in der neuen Saison als Gegner von Chemie an – prominent unterstützt, namhaft besetzt und großspurig in der Ansage. Über Inter Leipzig, wie man sich um Aerodynamik bemüht nennt, und die Ambitionen auf den Stammplatz im Windschatten von Zweitliga-Aufstieger RB Leipzig wird noch zu reden sein.

Ja, Red Bull hat es geschafft. RB Leipzig ist angekommen in der Mitte von FC Bayern & Co, darüber kann kein noch so spektakulär geführter Schaukampf um die Lizenzierung hinwegtäuschen. Es geht ausgesprochen kuschelig zu zwischen dem Ligaverband DFL, dem Klub der 36 deutschen Profifußball-Gesellschaften, und dem Neuankömmling aus dem Osten. Endlich Hoffnung für den seit der Wende darbenden Fußball zwischen Erzgebirge und Kreidefelsen? Die global denkenden Marketingprofis aus Fuschl am See lassen Funktionäre und Fans gerne in diesem Glauben.

Es ist eine ungleiche Liebe, doch die Stadt hat ihr neues Aushängeschild längst eingemeindet. Statt übers Wetter dürfen die Leipziger nun beim Büro-Small-Talk über ihren Bundesligisten reden. Man ist wieder wer in der Heldenstadt. Dem Ort der DFB-Gründung, des ersten deutschen Meisters. Das Klein-Paris und so. Kein Hypezig ohne Profifußball. Die BSG Chemie ist von beidem weit entfernt.




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5 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Spaceskull
    Kommentar von
    Spaceskull
    29.06.2014 um 20:44
    1

    “ Die BSG Chemie ist von beidem weit entfernt.“
    Das ist Schade! Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!


  1. Gravatar of Almir
    Kommentar von
    Almir
    29.06.2014 um 23:27
    2

    Ich persönlich habe für mich in Gedanken nach dem letzten Satz noch „Gut das es so ist.“ angefügt.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    30.06.2014 um 12:11
    3

    Gut, Almir, dass du es sagst 😉


  1. Gravatar of BUFC
    Kommentar von
    03.07.2014 um 22:31
    4

    Leipzig, das ist aktuell auch „Head of Global Soccer“ Oliver Mintzlaff (so wird es wohl auch auf der makellosen Visitenkarte stehen) und der Alfred- Kunze-Sportpark. Dazwischen liegen Welten, globales Zusammenrücken innerhalb der Erdkugel hin oder her.

    Mein Glückwunsch zum Aufstieg, dem respektablen Zuschauerschnitt sowie dem Kern-Charakter des Vereins! Jeder Fluss hat seine Quelle. Im Fall vom Marketing-Verein wurde schlicht ein Wasserhahn aufgedreht …


  1. Gravatar of hansdampf
    Kommentar von
    hansdampf
    02.09.2014 um 21:58
    5

    KEIN Widerspruch zu RB UND zur BSG zu pilgern, beides von mir selbst praktiziert … ich habe vor den Leistungen beider Klubs/Vereine/Konstrukte/Gebilde/larifari Respekt und hege Anerkennung für das jeweils sportlich Erreichte, auch wenn sich die finanziellen Mittel jeweils transzendal unterscheiden …

    im Windschatten von RB kann sich die BSG ruhig in einer eigenen Nische etablieren, Lok hin oder her, Inter muß erst einmal über längere Zeit konstante Tragfähigkeit nachweisen, finanziell ist ja da doch noch einiges ziemlich nebulös.




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