RB Leipzig macht wohl bald in Farmen
Dienstag, 28. Januar 2014, 23:39 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29. Januar 2014, 21:55 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Kommerz- & Medienfußball, Vereinspolitik

Der FC International bewirbt sich als neue Nummer 2 in Fußball-Leipzig. Zwar ist der erste Versuch, bei der Basis Tritt zu fassen, gründlich schiefgegangen. Der neue Verein mit prominenten Fürsprechern würde dem Masterplan von RB Leipzig aber nicht im Bundesliga-Wege stehen

Als wäre das nicht ohnehin schon alles viel zu kompliziert. Selbst der gemeine Sportschau-Stammgast muss für gewöhnlich ins Straftraining, wenn die vormals zweigeteilte Fußballstadt mit ihren postsozialistischen Lektionen daherkommt: Ja, Fußball-Leipzig gibt sich neuerdings farbenfroh, was die Vereinslandschaft angeht. Inzwischen ist für jeden was dabei. Der Feingeist mit Jahreskarte fürs Opernhaus kann sich bei RasenBallsport Leipzig umtun, während die jeder Derbheit erliegende working class in Leutzsch und Probstheida etwas dafür tut, dem Klischee vom Fußballpöbel gerecht zu werden. Bis dahin ist noch kein Wort über Roter Stern Leipzig verloren, aber jemand, der sich mit Leidenschaft der Sportschau hingibt, hat fürs Milieu sicher weniger übrig.

Bekannte Gesichter und viele Unbekannten: der FC International

Vielleicht ist es Heiner Backhaus und Wolfgang Tiefensee ja zu unübersichtlich geworden. Der Westfale Backhaus, 31, hat fußballerisch nicht nur in Leipzig schon alles durch, was geht, spielte beim FC Sachsen, Lok, zuletzt bei Fortuna. 18 Vereine in 13 Jahren. Auch SPD-Politiker Tiefensee, 59, als Oberbürgermeister in Leipzig gefeiert und als Bundesverkehrsminister in Berlin verspottet, hat seine Karriere hinter sich. Beide sollen hinter einem neuen Fußballprojekt in Leipzig stehen: dem FC International. Fernab des Namens, der in bester lokaler Tradition auf jegliche Demut verzichtet, ist darüber wenig bekannt. Demgegenüber erscheint das Red-Bull-Imperium eines Dietrich Mateschitz wie eine gläserne Manufaktur.

Woher kommt das Selbstbewusstsein? Sind dem neuen Verein in Österreich heimlich Flügel verliehen worden? Lässt Red-Bull-Fußballboss Ralf Rangnick ein Farmteam für die Leipziger Filiale aufbauen? Zwangsläufig kommen diese Spekulationen auf, angetrieben durch die inzwischen widerlegte Jahresend-Nachricht, der angeblich von Sponsoren mit einer Viertelmillion Euro Starthilfe bedachte FC International hätte im TuS Leutzsch einen willfährigen Kooperationspartner gefunden – jenem Verein, mit dem die BSG Chemie im Nachwuchsbereich zusammenarbeitet. Das klappt mal besser, mal schlechter. Ex-Wanderprofi und FC-International-Vize Backhaus muss solches Gewerk in den Fußball-Niederungen für verzichtbar halten. Chemie und Lok soll er attestiert haben, sie seien „Scheißvereine, die in Leipzig keiner braucht“.

Nicht schon wieder: Abgesang auf Leutzsch und Probstheida

Wenn der TuS Leutzsch offenbar etwas nicht gebrauchen konnte, waren es solche Ausfälle, gepaart mit plumpen Abwerbeversuchen des eigenen Nachwuchspersonals durch einen im August 2013 gegründeten Verein, der nicht einmal eine eigene Internetpräsenz pflegt. Da ist noch viel zu tun für die Gründungsmitglieder um Backhaus. Darunter ist Christian Meyer, dessen Mutter als Sachbearbeiterin städtischen Sportamt beschäftigt ist. Oder Frank Watzka, dessen Filius Maximilian fußballerisch schon den VfB, den FC Sachsen und RB Leipzig durchhat. Auf welchem geistigen Fundament der FC International gebaut sein muss, geht aus der Betrachtung von Norman Landgraf hervor, der ebenfalls von Anbeginn dabei ist.

Was da so bekannt klingt, geht gut und gerne als schlechte Coverversion des Abgesangs auf das real existierende Fußball-Leipzig durch, das Dietrich Mateschitz 2009 den Hof machte. Seitdem darf man sich in Leutzsch und Probstheida mit der Perspektive abfinden, im Elsterflutbecken bestenfalls auf der größten Welle im Fahrwasser des Red-Bull-Schnellboots von Käpt‘n Mateschitz mitzureiten. Dabei nicht unterzugehen, darauf müssten sich Grün-Weiß und Blau-Gelb spätestens dann beschränken, wenn der FC International auch nur im Ansatz zu dem reifen sollte, was in Österreich der FC Liefering ist: ein Farmteam für die hiesige Red-Bull-Dependance. Was es dem gemeinen Sportschau-Publikum beim Blick auf Leipzig sicher nicht einfacher machen würde.




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  1. Gravatar of Presse 29.01.2014 | RB Leipzig News – rotebrauseblogger
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    [...] [Chemieblogger] RB Leipzig macht wohl bald in Farmen: http://www.chemieblogger.de/20.....in-farmen/ […]




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