„Nazi“-Schmähung kostet 500 Euro
Donnerstag, 26. Dezember 2013, 2:29 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 26. Dezember 2013, 11:13 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fanszene, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus

Was als eine Diskriminierung gilt, kann eigenwillige Interpretationen hervorrufen. Dem Sächsischen Fußball-Verband genügt es, wenn ein NPD-Kader als „Nazi“ bezeichnet wird

Das Leben kann manchmal ungerecht sein. Schließlich muss es gar nicht so einfach sein, als politisch engagiertes NPD-Mitglied einen Verein zu finden, dessen Kameraden nichts gegen einen braunen Schlussmann haben. Mathias Möbius sitzt für die NPD im Stadtrad von Wurzen – und hütet für den ATSV Frisch Auf das Tor. Beides ist keine leichte Aufgabe: den Wurzenern unter der Woche was von Überfremdung erzählen und am Wochenende die Bälle aus dem Netz des Bezirksliga-Vorletzten holen.

Da muss die Reise Mitte Oktober in den Alfred-Kunze-Sportpark zur BSG Chemie Leipzig eine Zumutung gewesen sein. Die Wurzener verließen beim Stand von 0:2 vorzeitig den Platz, nicht etwa, weil der Schiedsrichter gerade den dritten Elfmeter für Chemie gepfiffen hatte. „Nazi-Schwein“ und „Nazi-Bastard“ sollen die Heimfans gerufen haben. Eine bedrohliche Atmosphäre, befanden Möbius‘ Kameraden. Der mutmaßliche Adressat der Schmähungen stand zwar nicht auf dem Platz, aber offenbar hinter der Trainerbank.

Jetzt hat ein Sportgericht des Sächsischen Fußball-Verbandes NPD-Mann Möbius & Co. offiziell zu Opfern erklärt. „Nazi“-Rufe seien „diskriminierend“, lautet der Vorwurf. Der Richterspruch zeigt: Die 500 Euro, die Chemie an einen Antidsikriminierungs-Fonds zahlen soll, wären nicht nur in Wurzen gut angelegt.




«
»




Keine Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!



Einen Kommentar hinterlassen