Red Bull und Leipzig auf dem wohldosierten Höhenflug
Montag, 18. November 2013, 21:23 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 18. November 2013, 23:17 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, Kommerz- & Medienfußball, Medienschau, Vereinspolitik

Nach dem Training, vor dem Spiel – der Genuss von Red Bull, dem Energy-Drink, verleiht den Rasenballsportler-Beinen Bundesliga-Flügel. Das hört sich gut an. Sicher nimmt’s auch jemand für voll

​Zufälle sind im Red-Bull-Konzern so zahlreich wie die Nachwende-Erfolge des Leipziger Fußballs. Da muss es schon dumm zugehen, wenn mal wieder ein Hoffnungsträger für immer abstürzt. Aber das hat mit den Erfolgsnachrichten aus Leipzig nichts zu tun. Da läuft alles nach Business-Plan: Ralf Rangnick, der Fußballchef des Konzerns, und seine Getreuen können ausg​​eben, was sie vor Ort nicht einspielen müssen. Die Herzen der seit Jahrzehnten darbenden Leipziger Fans sind ihnen ohnehin gewiss. Die dritte Liga? Allenfalls eine Durchgangsstation zu werbewirksameren Märkten. Die Bundesliga? Keine Frage des Könnens, sondern der Zeit. Das ist kein Zufall. Professor Rangnick weiß für jede erdenkliche Aufgabe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter an seiner Seite. Einer dieser Experten ist Marco Spielau.

Spielau, 31 Jahre, Knitter-Sakko, das Notizbuch zur Rechten, ein angedeutetes Profi-Lächeln im Gesicht – dieser Mann berät die Rotbullen in Sachen Ernährung. „Unserer Caterer musste das Kochen teilweise neu lernen“, gestand Spielau der Leipziger Volkszeitung. Der diplomierte Ernährungswissenschaftler hat viel zu erzählen. Nutella? In Maßen okay, aber bitte nicht so selbstverständlich zum Frühstück wie im Fernsehen. Fast Food? Naja, ein Burger haut den Athleten nicht um, aber langfristig kann damit schon mal ein Zehntel der Leistung draufgehen.

Solche Ratschläge aber werden kaum in Spielaus Jobbeschreibung stehen. Die Nutella-Werbung nicht für voll zu nehmen, darf man von jedem designierten Bundesliga-Profi erwarten. Also vertilgen die Rasenballsportler seit Spielaus Antritt im Februar tatsächlich neue Mehle, Gewürze und anderen Zucker. Weniger Weizen, mehr Hirse, das Fleisch fettarm, scharfe Würze, dazu Obst und Gemüse. Spielau: „Wichtig ist, das Entzündungspotenzial in den Zellen zu senken.“ LVZ-Autor Joel Stubert erklärt:

Kleinere Entzündungen treten nach jeder körperlichen Belastung auf, sind Bestandteil des Trainingsprozesses. Eine extreme Form der Entzündung ist der Muskelkater. Durch die richtigen Lebensmittel können die Entzündungen gehemmt werden und die Regeneration der Zellen gelingt schneller. Spezielle Getränke, wie auch der hauseigene Energy Drink der Roten Bullen vor und nach Training oder Spiel, gehören genauso zum Standard wie bestimmte Zutaten. (Hervorhebung d. Verf.)

Eine Dose Red Bull geht also immer, nicht nur zum Burgerrunterspülen. Wer noch etwas tiefer gräbt, wird vielleicht in Gelsenkirchen jemanden finden, der Gazprom-Macher Wladimir Putin zum lupenreinen Demokraten erklärt. Ein paar wertvolle Tipps zum nächsten Autokauf kann gewiss der Fuhrpark-Manager des VfL Wolfsburg geben. Und die uneingeschränkten Highspeed-Klicks auf den Seiten des FC Bayern München präsentiert demnächst die Telekom. Wer würde da schon an Zufälle glauben. Zumindest wenn die Marketingstrategen ihren Job überall so gut machen wie in Leipzig.




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2 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Presse 21.11.2013 | RB Leipzig News – rotebrauseblogger
    1

    [...] [Chemieblogger] Red Bull und Leipzig auf dem wohldosierten Höhenflug: http://www.chemieblogger.de/20.....oehenflug/ […]


  1. Gravatar of BUFC
    Kommentar von
    24.11.2013 um 0:34
    2

    Bin froh das es überhaupt noch zu Reflexionen dieser Art kommt! Danke „Chemieblogger“!
    So lange das Produkt schmeckt, passt und gefällt, ist es ziemlich egal woher es kommt und was es im Schilde führt. Und genau DIESE Trägheit gilt es aufzubrechen. Immer wieder – und sei es nur der verzweifelte Versuch. Wogender Idealismus sollte nie in Gleichgültigkeit oder gar Resignation stranden.
    http://www.youtube.com/watch?v=zRDbeAavzlY




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