Profi-Fußballer trotzen Rassismus und Homophobie
Samstag, 5. Januar 2013, 14:35 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 6. Januar 2013, 0:24 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, Fanszene, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus

Die ersten Januartage gelten gemeinhin als nachrichtenarme Zeit, besonders im Fußball. Ausgerechnet jetzt sind zwei Geschichten in den Schlagzeilen, die nichts mit Wintertransfers oder der Rückrundenvorbereitung zu tun haben und keinesfalls originäre Fußball-Themen sind: Kevin-Prince Boateng, 25, vom AC Mailand wehrt sich gegen rassistische Fans und zwei aktive Profi-Fußballer outen sich offenbar als schwul – und das in Russland

Kevin-Prince Boateng nimmt den Ball an, dreht sich um die eigene Achse, dribbelt – und bricht plötzlich ab. Er greift sich das Leder und drischt es auf die Tribüne. Dass Schiedsrichter und Gegenspieler auf ihn einreden, ist ihm egal. Der Mittelfeldspieler des AC Mailand, frustriert von den permanenten rassistischen Sprechchören von der Tribüne, zieht sich das Trikot aus verlässt mit seinen Mitspielern das Spielfeld. Es sind Szenen aus einem Testspiel zwischen Pro Patria und Milan, die eine kontroverse Debatte entfacht haben. Boateng hat nun nachgelegt: Er kann sich vorstellen, Italien zu verlassen. Sein Verhalten stößt prompt auf Kritik, etwa bei Clarence Seedorf.

Boateng macht alles richtig

Dabei macht Boateng, einst bekannt für Eskapaden abseits des Spielfelds, alles richtig. Die italienische wie deutsche Öffentlichkeit diskutiert sein Verhalten – und muss zwangsläufig die Hintergründe reflektieren. Rassismus ist ein globales Alltagsphänomen, selbst wenn es sich hierzulande ungleich latenter äußert als in italienischen Fußballstadien. Affenlaute schallten früher auch in der Bundesliga schwarzen Spielern entgegen. Die Rassisten sind stummer, aber gewiss nicht weniger geworden. Umso bedeutsamer ist es, dass Boateng nun die Zustände in Italien anprangert. Das hilft beim Nachdenken über die „Deutschen Zustände“, nicht nur in den Fankurven.

Kokorin und Mamajew: Echtes Outing oder Satire?

Aus Russland kommen immer wieder Nachrichten, die von grassierendem Hass zeugen auf alle, die anders sind. In der Politik wie zuletzt im Fußball bei Fans von Zenit St. Petersburg. Nun könnten sich mit Alexander Alexandrowitsch Kokorin, 21, von Dynamo Moskau und Pawel Konstantinowitsch Mamajew, 24, von ZSKA Moskau zwei russische Profi-Fußballer als schwul geoutet haben. In einem sozialen Netzwerk finden sich Fotos, die beide zusammen in vertrauten Posen zeigen. Alex Feuerherdt (@LizasWelt) ordnet die Bilder ein und trägt zugleich berechtigte Zweifel zusammen, ob es sich tatsächlich um ein Outing handele oder um eine satirische Antwort auf die Petersburger Fan-Forderungen. Zumindest gilt auch hier: Politik, Medien und Gesellschaft kommen an einer Debatte nicht vorbei.




«
»




4 Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!

  1. Gravatar of BUFC
    Kommentar von
    26.01.2013 um 0:36
    1

    Ja, Boateng macht alles richtig. Abdrehen und gehen. So wie man schimmliges Brot nach versehentlichem Gebrauch wieder ausspeit, so hat der Mensch auf wuchernden Rassismus zu reagieren.
    Feierabend für den Fußball. So machen wir nicht weiter.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    28.01.2013 um 20:04
    2

    Mund abputzen, einfach so weitermachen wie man es von jeher kennt? Davon bin ich nicht überzeugt. Wer etwas ändern will, muss offensiv dafür eintreten.


  1. Gravatar of BUFC
    Kommentar von
    29.01.2013 um 19:26
    3

    … und genau so sind meine Zeilen zu verstehen! Also keine Ironie in meinen Zeilen versteckt!


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    29.01.2013 um 20:24
    4

    Ah, umso besser 😉




Einen Kommentar hinterlassen