Das Erfolgsgeheimnis
Dienstag, 24. April 2012, 0:39 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24. April 2012, 13:28 Uhr
Abgelegt unter: Medienschau, Vereinspolitik

RasenBallsport Leipzig droht das zweite Mal in Folge am Drittliga-Aufstieg zu scheitern. Beim Halleschen FC hingegen kann gejubelt werden – nicht zu Unrecht

Fußball ist ein Mannschaftssport. Diese ausgelatschte Plattitüde ist kaum origineller als Franz Beckenbauers jüngstes Bonmot, mit einem Sieg nach Madrid zu fahren, sei eine ganz andere Situation (als mit einem Unentschieden). Allein, der ‚Kaiser‘ hat Recht, und genauso scheint es sich auch mit der eingangs aufgeworfenen These zu verhalten. Das abermalige Scheitern von RB Leipzig (Timo Röttger: Das war’s leider; Daniel Frahn: Das ist sehr, sehr bitter. Wir müssen uns gedanklich mit einem weiteren Jahr vierte Liga befassen) steht wohl fest. Und das scheint an Mängeln im Gesamtpaket zu liegen, zumindest attestiert dies Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung:

Dem Club mit dem XXL-Etat weht in der eh rauen vierten Liga heftiger Wind entgegen, die Rasenballer müssen sich mit ähnlichen Problemen wie die Bayern in Liga eins herumschlagen: Gegen RB und FCB geben alle alles. (…) Trainerteam und Mannschaft waren im Duett schlichtweg nicht gut genug, um all die Widerstände dieser speziellen Regionalliga regelmäßig zu brechen.

In der verhinderten Sportstadt begeht auch Red Bull jene Fehler, die für die Leipziger Malaise seit jeher symptomatisch sind. Roman Wallner – sein Name ist ein Sinnbild. Am 11. Januar hatte die LVZ Vollzug gemeldet: „Salzburg gibt Wallner frei.“ Ein Irrsinn, zumal das Team von Peter Pacult zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Punkt hinter Herbstmeister Kiel lag. Ein österreichischer Nationalspieler im besten Fußballeralter, bundesligaerfahren, wechselt in die deutsche Regionalliga. Wallner schlug ein, im ersten Spiel, beim 8:2 gegen den SV Wilhelmshaven, traf er dreimal – doch das war’s dann auch schon. In den folgenden elf Spielen reichte es nur für zwei magere Tore, beim 0:1 in Kiel blieb Wallner zum siebten Mal in Folge torlos.

Warum läuft es nicht? Trotz Transferflatrate, trotz schier unbegrenzter Möglichkeiten? Alles Spekulation. Zumindest leuchtet es ein, dass auch eine professionelle Fußballmannschaft mit permanentem Loyalitätsentzug überfordert werden kann. Carsten Kammlott, jenes gefeierte Talent aus der Region? Ein von Torgefährlichkeit befreiter Edeljoker. Maximilian Watzka, Tom Geißler? Leipziger Namen ohne rot-weiße Strahlkraft. Sven Neuhaus, Nico Frommer? Abgesägt. Dazu kommt die rege Fluktuation in der Vereinsspitze. Hoffnungsvolle und gewesene Namen kommen und gehen. Das Scheitern ist allgegenwärtig. Gewiss, so funktioniert Leistungs-Sport, das sind zugleich die zumindest theoretischen Spielregeln unserer Gesellschaft. Aber ein Erfolgsgarant ist diese Personalpolitik keinesfalls.

Die sportliche Entwicklung straft die populäre Erzählung von der Alternativlosigkeit des Projekts RasenBallsport Leipzig, von der Aussichtslosigkeit der sportlichen Ambitionen der ostdeutschen Traditionsvereine, Lügen. Im vergangenen Jahr gelang dem Chemnitzer FC mit Trainer Gerd Schädlich der Aufstieg. Schädlichs Leistung kann gar nicht hoch genug bewertet werden – er, der einst den FSV Zwickau und Erzgebirge Aue in die zweite Liga führte und in Leutzsch 1997 überstürzt aus dem Amt befördert wurde.

Nun steht der Hallescher FC vor dem Aufstieg. Bei aller sportlicher und Fan-Rivalität zur BSG Chemie Leipzig: Was Trainer Sven Köhler seit nunmehr fünf Jahren in Halle leistet, ist beeindruckend. Mit Anti-Fußball an die Tabellenspitze: Der HFC wäre ein verdienter Aufsteiger, sicherlich nicht wegen berauschender Fußballfeste, sondern vielmehr wegen der kompromisslosen Effizienz, die die Elf von Sven Köhler auszeichnet. Für hektische Personalentscheidungen sind die Hallenser, die einmal aus dem Schatten der großen Nachbarn aus Leipzig heraustreten könnten, jedenfalls nicht bekannt. Vielleicht liegt darin ja das Erfolgsgeheimnis.




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3 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Almir
    Kommentar von
    Almir
    25.04.2012 um 0:14
    1

    Volle Zustimmung!
    Es wiederholt sich für mich die Geschichte des FC Sachsen der 2000er Jahre. Auch damals schaffte es keiner der Trainer, potentielle 1. und 2.Liga-Spieler für niedere Aufgaben zu motivieren, was mir die Hauptursache für die derzeitige Situation erscheint.
    Trotz aller Rivalität kann ich den HFC nur beglückwünschen und hoffen, dass Jena oder (notfalls) Kiel es ihnen nächstes Jahr gleichtun.
    Nur noch Chemie!


  1. Gravatar of derherold
    Kommentar von
    derherold
    27.04.2012 um 10:53
    2

    „… in Leutzsch 1997 überstürzt aus dem Amt..“

    Das habe ich irgendwie ganz anders in Erinnerung.
    „Der schlechteste Trainer, unter dem ich jemals trainiert habe…“ oder „… daß so jemand überhaupt in der Oberliga trainieren darf…“ 

    … bevor er dann nach Hoyerswerda ging. 


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    29.04.2012 um 22:03
    3

    Die Zitate stammen von wem? Schädlichs erfolge in Zwickau, Aue und Chemnitz beweisen ja doch eher das Gegenteil.




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