Lebenszeichen
Samstag, 3. März 2012, 21:37 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 5. März 2012, 23:39 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Vereinspolitik

Verein und Mannschaft leben, das haben die vergangenen Wochen bewiesen. Die BSG Chemie Leipzig startet mit einem 7:0 bei Merkur Oelsnitz in die Rückrunde

Bumm, bumm, Norman Lee Gandaa. Bumm, bumm, Thomas Hönemann. Bumm, Martin Gröbel. Bumm, Matthias von der Weth. Bumm, Marcus Wolf. Sieben Mal schlug es ein im Tor von Merkur Oelsnitz. Chemie hat die Vogtländer mit 7:0 deklassiert – ein Rückrundenauftakt nach Maß. Das unmissverständliche Signal an die Konkurrenz in der sächsischen Landesliga: Chemie ist obenauf und nie wirklich weg gewesen, mit der Mannschaft ist zu rechnen, an guten Tagen ist alles drin. Das Team von Trainer René Behring bestätigt den Aufwärtstrend zum Abschluss der Rückrunde nach einer guten, aber nicht belohnten Leistung beim 0:0 im „Derby“ gegen die SG Leipzig-Leutzsch und dem überzeugenden Auftritt in Markranstädt mit einem 2:0-Sieg bei den „Roten Jungbullen“ Ende 2011.

Querelen in der Vereinsführung

Dabei standen die Vorzeichen vor der Fahrt nach Oelsnitz alles andere als gut. Der Verein war in der Winterpause nicht zur Ruhe gekommen. Nach Meinungsverschiedenheiten in Vorstand und Aufsichtsrat über die künftige Ausrichtung der Nachwuchsarbeit nahm Präsident Oli Krause seinen Hut und Chemie-Idol Hansi Leitzke sowie Abwehrroutinier Kevin Kittler gleich mit. Der Abgang des sendungsbewussten Machers galt als Verlust, vor allem auch deshalb, weil er im Sommer den Deal mit Blau-Weiß Leipzig eingefädelt hatte und somit den Start in der Landesliga ermöglichte. Krause finanzierte nicht nur einen Teil des Etats, sondern lockte auch Chemie-Urgestein Kittler nach Leutzsch, der sich nun in Richtung 1. FC Lok verabschiedet hat. Auch Leitzkes Abgang schmerzte: Der einstige Torjäger war die Identifikationsfigur im Vorstand, stand sinnbildlich für Chemie. Der Kämpfer, der Malocher, der Held von einst – in der Vereinsführung jedoch blieb er profillos.

Wenig förderlich seien diese Querelen gewesen, kommunizierte René Behring anschließend die Irritationen in seiner Mannschaft. Zudem verzögerte sich der Rückrundenauftakt, weil die Plätze unbespielbar waren. Das bereits einmal verschobene Spiel beim FC Eilenburg musste erneut abgesagt werden, in der vergangenen Woche fiel das Heimspiel gegen Kellerkind Kickers Markkleeberg den Wetterbedingungen zum Opfer. Das Team bei diesem Terminchaos bei Laune zu halten, musste eine Herausforderung gewesen sein. Aber Behring gelang es: Das 7:0 deutet nicht gerade auf Motivationsprobleme.

Formschwankungen auch in der Rückrunde?

Rätselhaft sind allenfalls die Formschwankungen, die die Hinrunde durchzogen haben. Den berauschenden Partien gegen Grimma (7:0) und Oelsnitz (5:2) und dem starken Auftritt gegen RB II stehen die derbe Pleite bei Einheit Kamenz (0:5) und unnötige Punktverluste wie gegen Plauen II (1:2) gegenüber. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob auf den erneuten Triumph über Oelsnitz bald wieder Ernüchterung folgt.

Verein und Mannschaft leben, das sind die Erkenntnisse der vergangenen Wochen. Chemie versteht sich nicht als autokratisch geführter Verein, in dem Aufsichtsrat und Mitglieder jede Entscheidung des Präsidiums und der Finanziers abnicken. Debatten und Widerspruch wirken befruchtend hin zu einer Kultur der gelebten Teilhabe, die dem Credo des people’s club Rechnung trägt. Das Andere zu leben, scheint allemal besser als auf markige Sprüche und große Namen zu setzen, die inhaltlich nichts beizutragen haben. Der Stimmung in der Mannschaft scheint dies jedenfalls nicht zu schaden.




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1 Kommentar bisher
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  1. Gravatar of Zola Jesus
    Kommentar von
    Zola Jesus
    04.03.2012 um 19:37
    1

    Ist die erste Mannschaft von Oelsnitz nicht geschlossen zurückgetreten?
    Die Ergebnisse der letzten 10 Spielen lassen es vermuten.
    Unter anderem:

    RB II – Oelsnitz 10:0 
    Kamenz – Oelsnitz  6:1 
    Oelsnitz – Radebeul  1:7
    Makrans – Oelsnitz 6:0
    SGLL – Oelsnitz 6:0 
     




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