Es zählt allein das Leitbild und sonst nichts
Montag, 17. Oktober 2011, 22:40 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 7. März 2013, 20:48 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Vereinspolitik

Eine Wiedervereinigung des Leutzscher Fußballs braucht keiner. Denn das würde zwangsläufig eine Preisgabe des Selbstverständnisses der BSG Chemie bedeuten. Ein Kommentar

Friede, Freude, Wiedervereinigung – eine Faninitiative will den geteilten Leutzscher Fußball wieder zusammen bringen. Doch die Mühen gleichen einem Kampf gegen Windmühlen – und sind obendrein gar nicht nötig. Denn niemand braucht eine Wiedervereinigung – das hat nicht zuletzt eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit den Vorständen der BSG Chemie und SG Leipzig-Leutzsch gezeigt.

„Tradition“ ist kein geeigneter Kitt

Die beiden Vereine wiederzuvereinigen, scheint auf den ersten Blick ein hehres Ziel. Schließlich geht es um die Leutzscher Fußballtradition. Den Alfred-Kunze-Sportpark. Das grün-weiße, einigende Band. Die Leutzscher Legende. Allemal ausreichende Erzählstränge, die das zerrüttete Verhältnis zu kitten vermöchten, so scheint es.

Doch die Leutzscher Teilung ist manifester, als es die (zumindest mir) unbekannten, mindestens ein Jahr zu spät kommenden Verfechter einer Wiedervereinigung wohl glauben. 1964 reicht längst nicht aus, den für Außenstehende womöglich provinziell anmutenden Zwist beizulegen. Denn eine Wiedervereinigung zweier sportlich gleichstarker Partner müsste unter dem Vorzeichen von Kompromissen und Zugeständnissen erfolgen. Die BSG Chemie jedoch darf von dem Weg, den sie 2008 eingeschlagen hat und seit Sommer 2011 unter zunehmend professionelleren Strukturen fortsetzt, keinesfalls abweichen.

Unterschiede in Kultur und Selbstverständnis

Beide Vereine unterscheiden sich fundamental in Kultur und Selbstverständnis. Die BSG Chemie sieht sich frei nach Jens Fuge als „geiler Stadtteilverein“, als Akteur vor Ort, der sich mit und über den Kiez identifiziert. In Zeiten von Red Bull ist dieser Teil des Leutzscher Fußballs geerdet. Dem Größenwahn wurde abgeschworen, stattdessen reifte die Erkenntnis: Am besten können’s wir doch im Kleinen! Ehrlicher Fußball, Fußball von unten, Fußball für unten. Ein Verein, in dem die Fans eine tragende Rolle spielen. Und ein Verein, der die treuesten seiner Anhänger, namentlich die Ultras, aktiv einbindet. Unmissverständlich verankert ist dieses Selbstverständnis im Vereinsleitbild.

Dem Fußball mitunter genuine Erscheinungen, wie Rassismus, Sexismus oder Homophobie, jegliche Spielart Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, kurzum: neonazisitische Ideologeme, finden bei der BSG Chemie keinen Platz. Der Verein positioniert sich offen gegen Faschismus und Alltagsrassismus – qua Vereinssatzung und Stadionordnung ebenso der gelebten Kultur. Was viele (ideologische) Gegner der BSG Chemie als vermeintliche „Politik im Stadion“ verschmähen, ist nichts anderes als die radikale Einforderung jener Werte und Normen, die im Grundgesetz festgeschrieben sind.

Etabliertenvorrechte und Senioritätsprinzip

Die SG Leipzig-Leutzsch repräsentiert genau das Gegenteil. Jamal Engel & Co. bilden einen Verein alter Schule. Menschen, die sich auch fernab ihres Geldbeutels mit kreativen und frischen Ideen einbringen wollen, schlägt Skepsis entgegen. „Ich bin schon zu Chemie gegangen, als du noch in die Windeln geschissen hast“, führte ein Fan in der Diskussion mit den Vorständen an. „Die Diablos waren nie Chemie Leipzig, sind nicht Chemie Leipzig und werden nie Chemie Leipzig sein“, meinte ein anderer. „Politik bleibt raus“, sagte der nächste. Bei Facebook hieß es im Nachgang angesichts des bevorstehenden „Derbys“ zwischen beiden Vereinen Ende November: „Es kommt die Antifa zum Fußball und wollen den Rechten de Fresse polieren. Nehmt es als Priorität!“ (alle Zitate laut Leipziger Internet Zeitung).

Diese Diskussionsbeiträge von Fans der SG Leipzig-Leutzsch zeugen von einer bezeichnenden Denke: eine subtile Mischung aus Etabliertenvorrechten und Senioritätsprinzip. Was schon immer da und vermeintlich gut war, ist heute und morgen auch noch gut. Schuld sind prinzipiell die anderen. Und die Ultras pflegen eine Unkultur. Und überhaupt: Was hat Antifaschismus im Stadion zu suchen, fragen jene, die Lieder aus dem Fundus vergangener Zeiten grölen. Ob „Führer-“ oder „U-Bahn-Lied“ – dieses Gesangsgut hatte schon früher nichts mit DDR-Opposition zu tun und bietet auch heute keinen Anlass für Stolz. Vor allem aber ist es eines: nämlich dezidiert politisch. Neonazistisch geradezu. Dass es die SG Leipzig-Leutzsch nicht vermag, solche Erscheinungen zu problematisieren, lässt zwei Varianten als möglichen Schluss offen. Entweder sind Fans und Vereinsführung naiv, oder aber – und das ist die wesentlich wahrscheinlichere – rechtsoffen.

Abspaltung war der richtige Weg

Wovon zeugen diese Diskussionsbeiträge? Ein Blick drei Jahre zurück ist unerlässlich, um die gegenwärtige Problematik zu verstehen. Damals, im späten Frühjahr 2008, gab es gute Gründe, das Projekt FC Sachsen Leipzig für gescheitert zu erklären und sich auf das zu besinnen, was den Leutzscher Fußball ausmacht: den Namen BSG Chemie, das Bekenntnis zur Heimat Leutzsch und dem Alfred-Kunze-Sportpark, eine dezidierte, ja reflektierte Distanz zu jeglichen neuen Schnellbootprojekten und ein entschiedenes Eintreten gegen Rassismus und Diskriminierung. Im Sommer 2011 folgte mit dem endgültigen, sich über Jahre abzeichnenden Aus des FC Sachsen die späte Gewissheit für die Diablos und die anderen Unterstützer, die sich für die BSG Chemie entschieden hatten – der entbehrungsreiche Schritt des Neuanfangs war der richtige gewesen.

Zwischenzeitliche Annäherung

Zwar hatte sich beim FC Sachsen nach der Abspaltung – vor allem jedoch nach dem Eintritt von Red Bull in den Leipziger Fußball – vieles zum Besseren gewendet. Die Strukturen aber blieben verkrustet, das Gebilde bewies sich als beratungs- und reformresistent. Außerdem machte sich in der Fanszene ein zunehmend problematisches Klientel breit. Jens Fuge, der unermüdlich kämpfende Reformator, wurde aus dem Verein gedrängt und gab entnervt auf. Unter seiner Federführung hatten sich FC Sachsen und BSG Chemie zwischenzeitlich angenähert. Spätestens die Liquidation des FC Sachsen in diesem Sommer sollte dann klare Verhältnisse schaffen, so schien es zunächst. Doch der real existierende FC Sachsen rettete seine Strukturen in einen neuen Verein über – die SG Leipzig-Leutzsch.

Hatte die BSG Chemie zuvor ein berechtigtes Interesse an einer Verständigung mit dem FC Sachsen, haben sich nun die Vorzeichen grundlegend gewandelt. Zwar trat die SG Leipzig-Leutzsch vor allem dank der Übernahme der Nachwuchsmannschaften de facto in die Fußstapfen des untergegangenen Vereins. Aber die BSG Chemie hat aufgeschlossen: gleiches Stadion, gleiche Spielklasse – schon allein der Name BSG Chemie und das glaubwürdige Bekenntnis zum Neuanfang sorgen für eine Abstimmung mit den Füßen. Zur BSG Chemie strömen in der Sachsenliga pro Heimspiel im Schnitt über 1000 Zuschauer. Das bedeutet eine Spitzenwert in der Liga – und natürlich die Vorherrschaft in Leutzsch.

Die Einheit ist kein Selbstzweck

Die SG Leipzig-Leutzsch lockt all jene ins Stadion, die bei der BSG Chemie aus guten Gründen keinen Platz für sich sehen. Die Differenzen zwischen beiden Vereinen haben nichts mit persönlichen Befindlichkeiten der Vorstände zu tun – sie reichen viel tiefer. Bei der SG Leipzig-Leutzsch findet sich neben rechtsoffenen und offen rechten Fans jener Klüngel wieder, der den FC Sachsen zu Grunde gerichtet hat. Diese Fans sind bei der BSG Chemie nicht willkommen. Insofern erfüllt die SG Leipzig-Leutzsch eine nicht unwichtige Funktion: Sie bindet problematisches Klientel, das an anderer Stelle nur für Konfliktstoff sorgen würde.

Wer nach der Wiedervereinigung ruft, darf nicht vergessen, dass es keine Einheit nur um der Einheit Willen geben kann. Denn ein gemeinsamer Leutzscher Verein ist kein Selbstzweck. Die Fans, Mitglieder und Verantwortlichen der BSG Chemie haben lange dafür gekämpft, dass der Verein heute da steht, wo er ist. Je erfolgreicher die BSG Chemie wird, desto fragiler wird auch das Wertekorsett, dessen sich der Verein verpflichtet hat. Eine Preisgabe dieses Selbstverständnisses darf nicht zur Disposition stehen. Das Leitbild gibt den Weg vor – er ist alternativlos.

Ich danke @flohbude und @DeSiRe2Hav0c sehr für die Anregungen.




«
»




21 Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!

  1. Gravatar of NORTHEND
    Kommentar von
    17.10.2011 um 23:09
    1

    Bastian – ich schätze Deine Beiträge hier im Blog – auch unabhängig davon, ob die ich dargelegten Sichtweisen teile oder nicht. Das hat auch mit Offenheit zu tun und diese verlangsamt sich leider in diesen Tagen immer mehr.

    Ich möchte ganz offen sein: in mir regt sich letztlich nur noch Mitleid für die Situation in Leutzsch. Gerade als Außenstehender beobachte ich an mir jedoch noch etwas anderes: wachsendes Desinteresse sowohl an der Problematik als auch am Fußball dort. Der Krieg macht müde und die Hoffnung schleppt sich nur noch bleiern vorwärts. Wenn überhaupt.

    Alles Gute dennoch – wofür auch immer. 


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    18.10.2011 um 0:06
    2

    @NORTHEND: Hmm, kein Problem, ich glaube, man gewöhnt sich dran. Und dass es für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist, konzediere ich gerne. Aber das hier ist wirklich einfach nur eine isolierte Einzelmeinung 😉 Nach allem, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist, kann ich mir eine Einigung einfach nicht mehr vorstellen.


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    18.10.2011 um 4:37
    3

    Harter Tobak! Aber wohl die Realität: Es wird nix mehr werden mit dem einen Verein in Leutzsch via „Einheit“. Dennoch bleibt Respekt vor denen, die es (naiv? gutgläubig? Zusammenhänge nicht erkennend und deshalb ausblendend?) versuchen, denn ich hatte nicht den Eindruck, dass die Initiatoren in irgend einer Form SGLL-lastig wären. Das sie auf hahnebüchende Ablehnung und bewusste Skepsis stoßen, hätten sie wissen müssen. Aber schon irgendwie auch mutig, dass zu verdrängen und trotzdem einen Versuch zu machen, gegen Windmühlen anzurennen. An manchen Tagen geht es mir wie @NORTHEND, denn als „Älterer“ gibt es nichts mehr was man sich wünscht, als einen vollen AKS, in dem alle an einem Strang ziehen für die BSG. Allerdings ist Realität, was wir erleben und die zu verdrängen bedeutet, dass wir gefährlich nahe an Verhältnisse des Schnellboot-Wolkenkuckucksheim FC Sachsen kommen. Da, wo das „Windelchemiker-Totschlagsargument gebraucht wird, kommen wir ebenso nicht weiter, wie die einseitige Politisierung etwas zu bewegen vermag. Es wird nicht gelingen, unter dem Motto „Wir lassen die Vergangenheit weg und wollen nur noch die Einheit!“ auch nur den Hauch einer tragfähigen Zukunft zu realisieren. Dazu sind die An-und Einsichten zu grundverschieden. Diese Unterschiede sind nicht durch den Weg der BSG Chemie sondern mit der ebenso unsinnigen wie selbstverliebten Gründung der SGLL zementiert worden. Letztlich gehe ich mit, dass durch diese Gründung viel Konfliktpersonal vom Leutzscher Fußball fern gehalten wurde, weil die Auseinandersetzungen sich wieder in einem Verein konzentriert hätten. Die Wege sind grundverschieden und das kann man nicht zusammennageln. Das heißt nun nicht, dass man als Chemiker mit jedem Schritt auf dem Weg der BSG einverstanden sein muss und blind allem zu folgen hat. Nach wie vor denke ich, dass die Nachwuchssituation katastrophal ist (was letztlich auch der SGLL-Gründung geschuldet, aber auch hausgemacht ist). Auf die Stadtteilvereine zuzugehen, bleibt daher wohl dringendste Aufgabe in diesem Zusammenhang. Man hat das regelrecht verpennt in den letzten Jahren, aber niemand konnte auch damit rechnen, dass bei erwachsenen Menschen Anspruch und Wirklichkeit soweit auseinander klaffen, wie in Bezug auf den Nachwuchsfußball bei der SGLL-Gründung. Darüber jetzt zu sinnieren, bringt nicht weiter, weil die Situation so angenommen werden muss, wie sie von Engel und Co. geschaffen wurde. Man kann das nicht mehr ändern und muss abwarten, was von den Potemkinschen Dörfern der „Leistungsorientierung“ noch übrig bleibt. Ich finde schon, dass man sich bei der SGLL in Bezug auf den Nachwuchs ebenso in die Tasche lügt, wie man es bei der BSG Chemie etwas stiefmütterlich behandelt hat. 

    Es gibt zwei Vereine.
    Das ist nicht zu ändern und jeder muss sich auch mal sachlich und ohne primitive Vorwürfe an den anderen fragen, warum das so ist. Es ist schon so, dass sich altes Denken beim FCS und neues Denken in Bezug zu alten Werten (BSG) einen Weg gesucht haben. Wie werthaltig das ist, wird sich erweisen. Geschuldet ist es denen, die 22 Jahre lang den Leutzscher Fußball zu ihrem persönlichen Spielplatz, zu ihrer Bühne und zu ihrer Vorbereitungsplattform für RB und den Kommerzzirkus gemacht haben. 
    Dabei bleibt haften, dass
    a. WIR das alles jahrelang mitgemacht haben und uns haben vor den Karren spannen lassen,
    b. die SGLL auf einen „Naziverein“ zu reduzieren, um damit zu punkten, absolut primitiv ist,
    c. eine BSG Chemie nur eine Chance hat, wenn sie sich nachvollziehbar aus jeglicher Diskussion heraushält, die nur mit dem Finger auf andere zeigt.

    Mir ist egal, welche Verwirrten „hüben wie drüben“ zu irgendwas via Facebook aufrufen. Sie entlarven sich damit selbst und bringen ihren jeweiligen Verein damit in Verruf. Die dünnen Statements des Herrn Engel nach dem RSL-Spiel sprechen ebenso Bände, wie dümmlich-primitive Steckbriefaktionen unter der Gürtellinie. 

    Machen wir uns nichts vor: Dieses „Derby“, was keiner braucht, ist auf Engels Mist gewachsen. Man hätte das alles anders haben können, aber „Hätte liegt im Bette und ist krank!“. Es ist wie es ist und jeder soll seinen Verein unterstützen. Wem der Weg der BSG nicht passt, der kann fern bleiben oder sich einbringen und verändern. Wer sich einbringen will, der ist auch willkommen. Was die SGLL macht, ist dafür unerheblich. Sie sind für sich selbst verantwortlich und dafür, dass sie die vollmundigen Versprechen in Bezug auf Nachwuchs und unser Wohnzimmer einhalten. Die BSG hat sich an diese Verträge zu halten und sich um sich selbst zu kümmern. 

    Der „Einheitszug“ ist abgefahren, denn der „Schaffner“ hat bereits vor zwei Jahren begonnen, Fahrkarten zu verkaufen. Damals gab es viele, die das arrogant und wütend abgelehnt haben, die nicht mal zuhören oder wenigstens zusammen reden wollten (stimmt`s, Herr Bauchspieß, denn es ist genau so mit der „Leutzscher Einheit“, wie sich das in Ihrer niveaulosen Äußerung vom Arbeitskreis spiegelt oder dem sinnfreien Spruch über die Diablos und Chemie auf diesem Treffen), und die heute bei der SGLL sind. Jeder geht seinen Weg. Daran ändern (leider?) weder gläubige Kämpfer noch geifernde Schachspieler etwas…..


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    18.10.2011 um 7:59
    4

    Harter Tobak? Selten so viel an inhaltlicher Zustimmung von dir vernommen, lieber @Jan.


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    18.10.2011 um 13:00
    5

    „Bei der SG Leipzig-Leutzsch findet sich neben rechtsoffenen und offen rechten Fans jener Klüngel wieder, der den FC Sachsen zu Grunde gerichtet hat.“
    @ Basti: Hat die SGLL also 700 Zuschauer im Schnitt, die alle in diese Schablone passen?


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    18.10.2011 um 13:10
    6

    @Alex:

    Ist das ein Pauschalisierungsvorwurf? Meines Erachtens lässt die Formulierung die Möglichkeit offen, dass es auch andere Fans gibt. Aber ich habe eine weite Definition von „rechts offen“: Letztendlich zähle ich jeden dazu, der nichts dagegen hat, dass es in der eigenen Kurve braune Umtriebe gibt.

    Im Übrigen zweifeln manche die Zuschauerzahlen an – dazu kann ich aber nichts sagen, ich war noch nie da.


  1. Gravatar of Flohbude
    Kommentar von
    18.10.2011 um 13:32
    7

    Da ist es nun, das große Statement gegen die aktuellen Vereinigungsbemühungen. Wie ist es entstanden? Kollaborativ. Ein Schnellschuss? Wohl kaum, eher ein mehrstündiges Diskussionsergebnis. So oder so ist es eine Demarkationslinie zwischen widersprüchlichen Einstellungen.

    Und das ist gut so, denn es bedient sich der Waffen des Diskurses: es positioniert sich eindeutig und unter einem bestimmten Namen. Es macht sich angreifbar, kritisierbar, verhandelbar, frei von Fundamentalismus. Nicht selten wurden in der Vergangenheit Debatten geführt, die im Kern Unaussprechliches beinhalteten, klüngelhaftes Hinterzimmerwissen, sattsam wiederholte Gerüchte, die sich irgend wann zu Scheinwahrheiten verdichteten und so Grundlage aller Auseinandersetzung wurden. Jetzt sind Ross und Reiter genannt. Fein. 

    Und dennoch bleibt ein schales Gefühl, wie Northend meiner Meinung nach nicht zu Unrecht moniert. Aber diese bleiben in Reformprozessen nicht aus, würde ich hier antworten wollen; ebenso wenig wie kommunikative Missgriffe oder vorschnelle Schlüsse von beiden Seiten über den jeweils Anderen. Wegwischen kann ich sein Unbehagen nicht, nur an seine Geduld appellieren. Hier lag so lange so viel im Argen, dass dieses Großreinemachen naturgemäß eine Menge Staub aufwirbeln muss. Einige beschweren sich über den Dreck, der da jetzt fliegt, verdeckte er doch so wunderbar still und leise so manchen Missstand; der nächste muss husten, weil er etwas in den falschen Hals bekommt. Und doch warten alle auf einen sauberen Neuanfang.

    Was bleibt uns in der Zwischenzeit zu tun? Vielleicht das: Hoffnungen und Wünsche formulieren. Northend hat dies hier auf seiner Homepage getan, ich wiederum habe mir eine Reaktion auf SGLL vs. RSL auf meiner Seite konstruiert. Denn nur so kann später ein Abgleich zwischen dem, was ist, und dem, was sein sollte, erfolgen. Forderungen hingegen treiben den Anderen immer in die Ecke.

    Am Ende hat man dann tatsächlich zwei Vereine mit einem bestimmten, divergierenden Leitbild. Vielleicht stehen dann diesen Vereinen Gruppen oder Einzelpersonen vor, die eine Vereinigung herbei führen können, auf Augenhöhe, mit aufgeklärter Vergangenheit. Vielleicht steht an diesem Ende auch eine Unvereinbarkeit. Aber eben erst dann. Eines gäbe es dann aber nicht: Verlierer. Und das wäre ja mal was.


  1. Gravatar of Flohbude
    Kommentar von
    18.10.2011 um 13:32
    8

    Keine All-Aussagen vermuten, wo keine sind, Alex.


  1. Gravatar of Sündenbock03
    Kommentar von
    Sündenbock03
    18.10.2011 um 17:26
    9

    Der Blogeintrag geht leider ebenso wie der L-IZ-Artikel am Inhalt der Diskussion am letzten Freitag vorbei. Zudem hat die L-IZ einiges vom Gesagten verkürzt wiedergegeben, wodurch der eigentliche Sinn völlig verzerrt wurde.
    Beispiel: „Die Diablos sind nicht Chemie Leipzig, waren nicht Chemie Leipzig und werden auch nie Chemie Leipzig sein.“ Die L-IZ-Autoren versäumen es völlig, zu erwähnen, was danach kommt: „Wir alle [der Sprecher zeigt durch den ganzen Raum] sind Chemie Leipzig“. Eine vollkommen zutreffende Aussage, denn Chemie Leipzig sind nicht nur die Ultras, gleichwohl sie das Bild des Vereins nach außen maßgeblich mittragen.
    „Die Politik“ spielte am vergangenen Freitag ohnehin eine untergeordnete Rolle. Zwar wurde unmissverständlich bekräftigt, man werde sich weiterhin am Leitbild orientieren, das war es dann aber auch schon mit diesem Thema.
    Die Antipathie gewisser Leute bei der SGLL gegenüber der BSG und den jungen Fans hat meineserachtens ohnehin andere Gründe: Zum einen Jobs, die am FCS hingen und jetzt mit der Existenz der SGLL verknüpft sind. Zum anderen habe ich den Eindruck, viele ältere Leute kämen nicht so recht mit der Situation klar, dass sich junge Menschen organisieren und das Vereinsleben maßgeblich mitbestimmen. Anscheinend herrscht noch die archaische Vorstellung in den Köpften, wonach „die Jungen“ sich „den Älteren“ und deren angeblicher Weisheit zu fügen haben.
    Dazu kommt noch eine gehörige Portion Stolz. Für viele „Hardcore-SGLL-Fans“ ist ihr Verein so etwas wie die direkte Fortsetzung des FC Sachsen. Man pflegt eine Art „Dolchstoßlegende“: Der FCS sei nicht aufgrund eigenen Versagens untergangen, sondern von Leuten aus den eigenen Reihen zugrunde gerichtet worden. Selbstkritik Fehlanzeige. Obendrein verstrickt man sich in Widersprüche: Einerseits sollen es „die Verräter von der BallSG“ gewesen sein, die Schuld am Ende des FCS tragen, andererseits wurde und wird immer wieder bekundet, man sei auf „die 200 Hanseln“ doch gar nicht angewiesen.
    Zum Schluss möchte ich noch einmal meine Hoffnung ausdrücken, dass publizistische Organe wie die L-IZ ihrer Verantwortung nachkommen, objektiv über das Geschehene zu berichten und keine verfälschenden, das zurechtgelegte Bild über die Personen bestätigenden Kürzungen der Aussagen vorzunehmen.


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    18.10.2011 um 17:33
    10

    @ Basti
    Ich habe eine Frage gestellt zu einer Aussage in deinem Text, die ich nicht einschätzen kann. Schließlich war ich noch nie bei einem SGLL-Spiel. Du ja auch noch nicht. Aber nun habe ich die Formulierung auch erklärt bekommen.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    18.10.2011 um 17:40
    11

    @Alex: Ok, kein Problem, ist ja geklärt.

    @Sündenbock03:

    Danke für die Richtigstellung. An meiner persönlichen Meinung ändert die verzerrte Wiedergabe eines Zitates allerdings sehr wenig. Zumal du ja die oben dargelegten Kernargumente selbst bestätigst.

    Die Diskussionsveranstaltung war nur der Aufhänger für diesen Beitrag – die Argumente und vor allem die These gelten unabhängig davon. Also müssen wir uns nicht zu lange damit aufhalten. Den Punkt trifft, was du sagst: Es ist nicht gewollt, dass sich junge Leute organisieren und ihre Ideen einbringen, etwas verändern, mitgestalten wollen. Seine berufliche Existenz an einen Fußballverein in der sechsten Liga zu knüpfen, halte ich nicht nur für naiv, sondern geht auch völlig an der Philosophie der BSG Chemie vorbei. Da bedarf es schon einer stärker problematisierenden Zuspitzung – das erwarte ich vor allem auch von dir, @Sündenbock03.


  1. Gravatar of sure, not
    Kommentar von
    sure, not
    18.10.2011 um 20:07
    12

    >Das Leitbild gibt den Weg vor – er ist alternativlos.<

    Jap, seh ich auch so. Nenn mir mal jemand einen einzigen Grund warum sich die BSG einen Millimeter auf die SGLL zubewegen sollte.
    Der Name ? Das Leitbild ? Die Fans ? Die Vereinspolitik ? Selbst der sportliche Mehr-Erfolg (soweit am Ende der Saison vorhanden) böte meiner Ansicht nach keinen Grund für die BSG plötzlich irgendwie neidisch zu werden oder sich anzubequemen. Wer es auf höherklassischen Fußball anlegt kann zu den Bullen gehen- Die echten Anhänger dagegen gehen auch in die 3. Kreisklasse für ihre Überzeugungen, für IHREN Verein.
    Und die Ewiggestrigen welche am FCS festhalten wie nicht nur vereinzelter Pöbel bei der SGLL am Führer sind kein Anreiz- sie waren der Grund für die Trennung.


  1. Gravatar of Bango
    Kommentar von
    Bango
    18.10.2011 um 22:18
    13

    Folgendes bleibt noch anzumerken. Das einzige Interesse einiger, auch rechtsoffener, SGLLer besteht am Namen BSG Chemie Leipzig.
    Nach einer wie auch immer gearteten „Wiedervereinigung“ könnten sich innerhalb kürzester Zeit wohl die selben verkrusteten Strukturen etablieren welche schon am Untergang des FCS eine Hauptschuld tragen. Stichworte wie „Klüngel“ erübrigen sich.
    Ereignisse wie z.B. in Sangerhausen oder Miltitz haben diese Entzweizung eingeleitet welche mit der Gründung der SGLL schließlich manifestiert wurde.
    Bleibt zu hoffen das die BSG Chemie Leipzig ihren Weg unbeirrt weitergeht. Der Fußball im Leipziger Westen braucht diesen kultigen Verein. Mit Fans die sich einbringen um den Verein mitzugestalten.
    Die SGLL geht einen absolut falschen, weil ignoranten Weg.


  1. Gravatar of grün
    Kommentar von
    grün
    19.10.2011 um 13:18
    14

    Basti?
     
    Welches Leitbild? … Das ist so befleckt … das könnt ihr auf den Müll hauen!
     
    Ehrlicher Fussball (Blau Weiß Leipzig, Puschen von Zuschauerzaghlen …) , Demokratisch (Diablos als Alleinvertretung ) … es könnte ewig so weitergehen.
    Der Name Chemie erreicht mit euch seinen absoluten Tiefpunkt. Alfred Kunze würde sich im Grabe rumdrehen was daraus gemacht wird.
    Macht weiter mit der Selbstdarstellerei … rhetorisch könnt ihr vll. was aber inhaltlich ist das nichts konkretes und handfestes!


  1. Gravatar of Leutzscher
    Kommentar von
    Leutzscher
    19.10.2011 um 14:05
    15

    Nennt diesen Blog einfach Hetzblog.Und nennt euch nicht Chemieblogger ihr schreibt nicht im Namen aller Chemiker,
    ihr schreibt im Namen einer Ultragruppe
    Und noch was ich bin Chemie und FCS Fan war aber nach dem Tod des FCS noch nicht wieder im AKS.


  1. Gravatar of Flohbude
    Kommentar von
    19.10.2011 um 14:49
    16

    Wenn man diesem, sagen wir mal: Protokoll Glauben schenkt, ist die Sehnsucht der Wiedervereiniger eine Melange aus Nostalgie, Wir-Gefühl und Gestaltungswillen, wobei sich letzterer etwas aktionistisch ausnimmt.

    Ich weiß nicht, wer an diesem Abend fanseitig teilgenommen hat, aber die zu lesenden Verhaltensweisen erschrecken und bestätigen mich zugleichen Teilen in meiner Entscheidung pro BSG. Denn genau diejenigen, welche hier gegen die BSGler wettern, sind es, die mir die Anteilnahme an den Geschicken des FCS so richtig vermiest haben. Klar, das kann man gerne als persönliche Befindlichkeit abtun, jedoch sollte man sich nach dem Lesen des verlinkten Beitrags auch mal ein paar Fragen stellen:

    Wer wird hier ausschließlich mit störenden Zwischenrufen bedacht?
    Wessen verhalten wird als „trotzig“ bezeichnet, also einer Redewendung, mit der gängigerweise irrational agierende Kinder umschreibt?
    Wer stellt sich hin und schreibt sich den alleinigen Verdienst der „Rettung des gesamten Ladens“ auf die Fahnen?

    Das sind Dinge, die einer Einigung im Weg stehen. Hier handelt es sich nicht nur verbale Überhebungen, vielmehr spiegeln das eine gewisse Asymmetrie im Verhältnis Verein-Rest der Welt wieder. Und das ist ein Selbstbild, das keine Möglichkeit einer gleichberechtigten Vereinigung zulässt, so sehr sich die (mir) immer noch weitestgehend unbekannten Initiatoren dieser Veranstaltung um Empathie und Rückhalt bemühen („Die Mehrheit der Fans will die Vereinigung! Vielleicht so 80 %.“).

    Ich rechne es Sündenbock03 sehr hoch an, dass er hier als Kritiker der eigenen Leute auftritt, zeigt er mir doch damit aufs Neue, dass hier, bei der BSG, ein kritisches Miteinander möglich und vorhanden ist.

    Und @grün: Lass das Leitbild dreckig sein. Lass es auf dem Müll liegen. Weist Du was: Es spielt keine Rolle, dann das kann man abwaschen und flicken. Oder gleich neu machen und dafür richtig – und das findet bei der BSG gerade statt. Doch dazu braucht es Kommunikation und gegenseitigen Respekt und keine großväterlich-rhetorischen Rückgriffe auf tote rotierende Meistertrainer. Und wie tragfähig und handfest das ist, muss hier sicher nicht erläutert werden.


  1. Gravatar of annandale
    Kommentar von
    annandale
    19.10.2011 um 21:04
    17

    Seit63chemiker bin ich !


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    20.10.2011 um 7:56
    18

    @Basti
    Inhaltliche Zustimmung lässt sich nicht mengenmäßig abgrenzen. Es ist und bleibt ein Fakt, dass ich vielen Dingen nicht mit Deiner Auffassung konform gehe. Mir fehlt z.B. der Respekt vor den Leuten, die es trotz oder gerade wegen der Situation noch mal versuchen. DAS SIND (und da können mir Dumpfbacken erzählen was sie wollen) AUCH CHEMIKER (gewesen?/noch?….). Es ist so viel offen, aber eines nicht: DIe geschaffenen Umstände schließen eine „Einheit“ eigentlich aus. Und nun? Tja, wie gesagt: Jeder sollte sich auf sich besinnen und nicht mit dem Finger permanent auf andere zeigen. Wäre mal ein erster Schritt zu fairem Umgang miteinander.

    Übrigens: Die Klose-Äúßerung zum Thema Politik im Stadion finde ich nicht so abwegig. Würde mir wünschen, wenn wir die SGLL nich auf die Nazi-Debatte der vergangenen Wochen reduzieren.


  1. Gravatar of Leutzscher
    Kommentar von
    Leutzscher
    20.10.2011 um 15:52
    19

    Setzt euch lieber mal mit solchen Presseartikeln auseinander 
    http://www.sz-online.de/nachri.....id=2892045
    als hier immer wieder die SG LL als Rechten Verein da zu stellen.


  1. Gravatar of Krückhahn Steffen
    Kommentar von
    Krückhahn Steffen
    20.10.2011 um 16:11
    20

    Noch heute kann ich es nicht fassen was aus unserer alten BSG und aus unseren Fans geworden ist. Der Ruf  “ nur ein Leutscher ist ein Deutscher “ halte Jahrzehnte durch den AKS. Tausende sangen mit , normale Fans , Ultras , Alte und Junge. Heute sind die , die das singen “ Rechte , Nazis „Woher kommt der Wandel ? Zu DDR – Zeiten war das Lied Kult und heute wollen viele , besonders die von der BSG nichts mehr davon wissen. Warum sind die Ultras vom FCS fort gegangen , wegen eines eigenen Leidbildes? warum haben Sie nicht gekämpft beim FCS? Weg gehen und danach große Worte tönen kann jeder. Wer hat das Recht zu sagen , nur wir sind Chemiker , nur wir sind der Rechte Nachfolger der alten BSG. Keiner der jetzigen beiden Vereine hat das Recht dies zu behaubten auch wenn die jetzige BSG den Namen trägt. Eine Wiedervereinigung beider Jetzigen Vereine muss immer ganz oben auf der Tagesornung stehn.Denn Leipzig – Leutzsch ist – war und bleibt, Chemie , Grün – Weiss und Deutsch


  1. Gravatar of Trunzer
    Kommentar von
    Trunzer
    30.10.2011 um 2:04
    21

    Chemiker,

    vieles habe ich hier lesen können, was wahr ist.

    Aber: Wenn ich ein Wort, das in den letzten Jahren aufgekommen ist, nicht mag, dann ist es das Wort alternativlos.

    Die BSG Chemie Leipzig hat eine große Geschichte.

    Die Zukunft, auch jene des grün-weißen Fußballs in Leipzig, ist offen.

    Derzeit gibt es erstaunlich – und verständlicher Weise - viele, die zur BSG Chemie gehen.

    Andere gehen zur SGL.

    Vergessen wir nicht jene, die zur Zeit gar nicht mehr nach Leutzsch gehen.

    Chemie ist mehr, als wir alle.

    P.S. 
    Danke!- Ich weiß nicht genau, wem es zu verdanken ist, daß der kürzlich geschändete Rasen im Alfred-Kunze-Sportpark heute bei einem Chemie-Sieg wieder so grün leuchtete wie der blaue Himmel über ihn. Wie ich auch früher nicht wußte, wer im Zug bei der Auswärtsfahrt, im gegnerischen Stadion neben mir saß, stand. Aber eines wußte ich immer: Daß es Chemiker waren … 




Einen Kommentar hinterlassen