Reise an das andere Ende von Sachsen
Donnerstag, 29. September 2011, 19:42 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 30. September 2011, 11:42 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig

Auf in die niederschlesische Oberlausitz: Dort gibt es ein hübsches Städtchen, leckeres Bier und Fußball

Görlitz, fernes Görlitz. Nett ist es da drüben, im weiten Osten. 185,964 Kilometer liegen Luftlinie zwischen dem Alfred-Kunze-Sportpark und dem Stadion in Görlitz, das den schönen Namen „Junge Welt“ trägt. Mit Geographie Vertrauten ist klar: Görlitz ist das am weitesten entfernte Ziel, das die Landesliga in diesem Jahr für die BSG Chemie Leipzig zu bieten hat. Am Sonntag reist Grün-Weiß in die niederschlesische Oberlausitz. Mit viel Rückenwind und Neugierde.

Geteilt

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. 56 000 Einwohner leben dort. Es waren mal mehr. Damals, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, war Görlitz wegen tausender Kriegsflüchtlinge zwischenzeitlich sogar eine Großstadt. Seit dem Ende des Nationalsozialismus hat Görlitz ein polnisches Pendant: Zgorcelez heißt der heute eigenständige Teil östlich der Neiße, der früher zu Görlitz gehörte und 32 000 Einwohner hat.

Historisch

Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört. Wegen tausender Baudenkmäler wird Görlitz häufig als größtes nationales Flächendenkmal bezeichnet. In der Innenstadt stehen Häuser aus Spätgotik, Renaissance und Barock, berühmt ist das ausgedehnte Gründerzeitviertel in der Altstadt. Die Görlitzer Synagoge überstand die Reichspogromnacht, weil sie von Feuerwehrleuten geschützt wurde.

Beschenkt

Eine halbe Million Euro erhält Görlitz jährlich von einem anonymen Spender – seit 1995. Das Geld, im Volksmund „Altstadtmillion“ genannt, darf nur zur Restaurierung der historischen Bausubstanz eingesetzt werden. Wer der Spender ist, fragt keiner. Dafür hübscht man sich das eigene Wohnzimmer auf. Entsprechend schmuck sieht die Altstadt aus.

Feinherb

In Görlitz lässt sich gut Bier trinken. Seit 1869 hat die Landskronbrauerei dort ihren Sitz und produziert ein sympathisches Gesöff, das ebenso unbekannt wie empfehlenswert ist. Das Verhältnis von Preis und Leistung stimmt.

Namhaft

Fußballerisch hat Görlitz durchaus große Namen zu bieten. Dixie Dörner spielte bis er 17 war bei Empor und Motor WAMA, Torsten Gütschow erlernte das Kicken um die Ecke bei Traktor Zodel, Thomas Ritter bei der ISG Hagenwerder, Jens Jeremies wuchs bei Motor WAMA auf und Heiko Scholz war, bevor er über die BSG Chemie Leipzig den Sprung in den Spitzenfußball schaffte, bei Dynamo Görlitz und der ISG Hagenwerder aktiv.

Erfolgreich

Dass der NFV Gelb-Weiß Görlitz 09 aktuell punktgleich mit der BSG Chemie auf Platz vier rangiert, ist durchaus überraschend. Im Kader finden sich kaum bekannte Spieler – was in dieser verrückten Liga offenbar kaum etwas aussagt. Görlitz ist eine Reise wert, nicht nur des Fußballs wegen. Fahrt hin und bringt die Punkte mit.




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6 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    30.09.2011 um 8:10
    1

    Für einen kleinen Teil der anreisenden Chemiker ist die Neugierde vielleicht nicht ganz so groß: Im November 2004 gewann der FC Sachsen in Görlitz das Viertelfinale im Sachsenpokal mit 4:0. Das Spiel ist mir vor allem in Erinnerung wegen der außerordentlich nassen Anfahrt und des – sonst außerordentlich selten – intonierten „Hund-in-der-Küche“-Gesangs in der Kurve. Ich drücke die Daumen, dass die BSG wieder mit einem Sieg aus Görlitz zurückkehrt.    


  1. Gravatar of NORTHEND
    Kommentar von
    30.09.2011 um 22:36
    2

    DAS nenne ich mal einen feinen Vorbericht! So schmeckt man Spiele-Suppen eigentlich nur zu Finalspielen ab … 

    vom Feinsten! 


  1. Gravatar of Bango
    Kommentar von
    Bango
    01.10.2011 um 13:25
    3

    http://www.nfv09.de/ 

    Dort findet man auch einen sehr guten Vorbericht auf das Spiel!


  1. Gravatar of NORTHEND
    Kommentar von
    01.10.2011 um 23:01
    4

    Gelb und Weiß. Ein Hauch vom Vatikan. 


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    02.10.2011 um 13:51
    5

    Wohl wahr!


  1. Gravatar of Mario di Motta
    Kommentar von
    Mario di Motta
    27.10.2011 um 15:17
    6

    ich bin einen starken Eindruck von diesem Artikel bekommen und will diese kleine hübsche Stadt besuchen




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