Große Worte
Samstag, 21. Mai 2011, 10:10 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Samstag, 21. Mai 2011, 10:16 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Vereinspolitik

Manchmal werden große Worte einfach so dahin gesagt. Ganz beiläufig, so dass man sich ihrer Bedeutung zunächst gar nicht bewusst wird. Hans-Christian Kaubitzsch hat es fertig gebracht, mit einfachen Worten über Grundsätzliches zu sprechen, das alles andere ist als selbstverständlich:

In Leutzsch muss weiter Fußball gespielt werden, der Kunze-Sportpark darf nicht zur Ruine werden. Dann heißen wir eben wieder BSG Chemie, bleiben Grün-Weiße. (in: Leipziger Volkszeitung, 21. Mai 2011)

Noch vor Wochen, ja sogar vor wenigen Tagen wäre das undenkbar gewesen: Ein Verantwortlicher des FC Sachsen Leipzig äußert sich wohlwollend über die Perspektive, in naher Zukunft unter dem Namen BSG Chemie im Alfred-Kunze-Sportpark zu spielen. Zu tief waren die Wunden, die ewige Hoffnungen und sportlicher Misserfolg, unzählige Aufbrüche und fehlende Konzepte, innere Zerwürfnisse und mangelnde Selbsteinsicht über Jahre hinweg aufgerissen hatten. Zu tief hatte sich nach der Spaltung der Leutzscher Fanszene die Rede von einem „Verrat“ in das kollektive grün-weiße Gedächtnis eingebrannt – auf beiden Seiten.

Reformversuche gab es zur Genüge. Jens Fuge kam, sah und scheiterte. Die „IG Chemie“ versuchte sich an ähnlichen Zielen – mit dem gleichen Ergebnis. Noch vor wenigen Monaten polemisierte der Leutzscher Honoratior Bernd Bauchspieß gegen jenen Namen, unter dem sein Verein einst legendäre Erfolge gefeiert und ihm persönlich eine große Karriere ermöglicht hatte.

Dieser Tage ist hingegen nichts mehr undenkbar, was bis vor Kurzem noch dem Reich der Utopie zu entspringen schien. Die Vorzeichen haben sich grundlegend gewandelt. Mit dem FC Sachsen Leipzig scheinen auch die tiefen Gräben, die die Leutzscher Hemisphäre teilten, untergegangen zu sein. „Wenn sie ‚Chemie‘ rufen“, sagte vor einem Jahr ein älterer, ergrauter Besucher des Spiels FC Sachsen gegen RB Leipzig im Zentralstadion zu seinem Sitznachbarn, „können sie auch wieder ‚Chemie‘ werden“. Manchmal sind große Worte eben doch die einfachsten.




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6 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Almir
    Kommentar von
    Almir
    21.05.2011 um 11:23
    1

    Wahrscheinlich ist das der einzige Weg, wie wieder etwas Gemeinsames entstehen kann. Man muß ja ehrlich sagen, dass der FCS seit mindestens einem halben Jahr tot war, ohne Chance auf Heilung. Irgendwie musste der FCS erstmal fallen, damit die Hin- und Hergerissenheit verschwindet.
    Jetzt ist es eben an allen, sich zurückzunehmen und das Kommende auch tatsächlich als etwas Gemeinsames zu betrachten. Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass wenn man dem Ganzen etwas Zeit gibt, da wirklich wieder etwas wachsen kann und die Hypersensibilität auf beiden Seiten verschwindet. Derzeit ist es mir persönlich auch nicht so wichtig ob Stadtliga oder Landesliga, Hauptsache solide und nach Möglichkeit im AKS, zum Affen haben wir uns lange genug gemacht.


  1. Gravatar of J.M.
    Kommentar von
    J.M.
    21.05.2011 um 11:24
    2

    „Es wird keine weitere Saison auf Kosten der Gläubiger geben!“; sagt der Insolvenzverwalter (bitte mal den Sinn und den Auftrag verinnerlichen, den ein solcher hat) anlässlich der Pressekonferenz beim FCS.
    Ich könnte auch sagen: „Wie recht hatte ich doch mit meinen Prognosen und Befürchtungen!“
    Während Letzteres kontraproduktiv ist, spielt ersteres für die Zukunft eine wesentliche Rolle. Das bezahlte Lehrgeld ist nämlich, so bitter es auch ist, bestes und nachhaltigstes Kapital für die Zukunft. Wir sollten niemals vergessen, wer die wirklichen Verantwortlichen für das Desaster sind und mit welchem Masterplan die feinen Herrschaften seit Jahren ihr Ziel verfolgen: Die Etablierung des „Wohlfühlfußballs“ an der Jahn-Allee!
    Wenn, wie den Vergesslichen nicht mehr ganz gegenwärtig, die vom „großen Mäzen“ geschickten Vereinsoberen und Generalbevollmächtigten Hallenwarte, Rennrodler und Atomphysiker dafür sorgten, dass über Nacht und, vorbei an Mitsprache und Einfluss der Mitglieder und Gremien, aus Sponsoren –, Vermatkungs -und Werbeverträgen Darlehen wurden (man nennt es „Umwandlung“), so ist der Satz des IV zwar sachlich und verfahrenstechnisch absolut richtig, moralisch aber in Bezug auf die Verursacher verwerflich.
    Die Strategie des Investments ist aufgegangen und allein die Betroffenheitsfalten auf der Stirn des Leipziger OBM, regelmäßig in der RB-Seifenoper Samstags 18.00 Uhr auf MDR anzusehen, rufen bei mir nicht nur tiefe Abscheu sondern ein nicht zu unterdrückendes Ekelgefühl hervor. Wenn sich dieser Mann heute vor die Kamera drängelt und von RBL als dem Heilsbringer sabbert, sogar wieder mal tausende Arbeitsplätze im Zuge des unaufhaltsamen Bundesligaaufstiegs prognostiziert, rührt sich eine substanzielle Abneigung gegenüber jeder Politik in dieser Stadt der Leuchttürme.
    Ja, und auch wir Mitglieder und Fans haben versagt! Das Versagen besteht darin, dass wir (jeder für sich, mal mehr und mal weniger, mal länger und mal weniger lang….) den Heilsbringern geglaubt, uns selbst und das Gelaber unterschiedlicher Vereinsanführer viel zu wenig hinterfragt und falschen Versprechungen geglaubt haben.
    Nein, man kann nicht das Geld der Gläubiger aus dem Fenster blasen für etwas, was nicht zukunftsfähig ist.  Warum es aber für den FCS keine Zukunft mehr gibt, ist für niemanden Anlass zur Besserwisserei oder dem berühmt-berüchtigten Zeigefinger. Hier ist für jeden Beteiligten tiefe Demut und Nachdenklichkeit angesagt, aber nicht zu erwarten….
    Ich persönlich erwarte diese Nachdenklichkeit und Demut nicht von denen, die maßgebliche Verantwortung für das Desaster tragen; also weder an der Jahn-Allee, noch in der Pleißenburg. Da haben ja Leute beim 1.FC Lok mehr Demutspotenzial, als diese sauberen Herrschaften zwischen Salzburg und Leipzig.
    Auch erwarte ich dieses Demutspotenzial nicht bei den Superschlauen, die bis heute jedem Vorstand hinterher gerannt und dem naiv-blinden Glauben auf „Rettung“ auf den Leim gegangen sind, weil sie ihn für ihre persönlichen Interessen brauchten. Also wird es auch keine Demut bei denen geben, die jetzt, quasi über Nacht, den „Retterverein“ (BSG Sachsen Leipzig oder wie das auch immer heißen mag und soll) herbeigründen und mit übler Demagogie das verhindern, was eigentlich hätte schon vor 5 Jahren passieren müssen: Besinnung auf das Machbare, Bezahlbare und inhaltlich Notwendige, statt Schnellbooten, Pseudoauifstiegen, faulen Investoren -und Mäzenatenlösungen!
    Es ist zutiefst bedauerlich, dass (und genau hier setzt Demut ein) dieser Kämpfervorstand des FCS es nicht geschafft hat. Aber er war sich dabei selbst im Wege, weil er den Propheten und Flüsterern gefolgt ist, die da nur eines im Sinn hatten: Schutz der eigenen Interessen durch Diffamierung und Ignoranz gegenüber allem, was die BSG Chemie Leipzig oder auch eigene Fans und Mitglieder (IG) an Vorschlägen zur Diskussion gestellt haben.
    Man kann nur hoffen, dass die BSG Chemie Leipzig die Kraft und den Mut findet, eine große Tradition irgendwann mal fortzusetzen! Allein mit einer Übernahme unseres Wohnzimmers, an dem die Herzen so vieler Menschen hängen, wird das nicht getan sein. Auch hier ist Demut angesagt, z.B. in der inneren Auseinandersetzung mit einer aus meiner Sicht immer noch übereilten und ob der Verantwortung und der Konsequenzen übereilten Aufnahme des Spielbetriebes, sowie der Frage, wie man gemeinsam der Verantwortung für diese große Tradition gerecht werden will; gemeinsam mit denen beim FCS, die ehrlichen Willens sind.
    Man kann nur hoffen, dass diese BSG Chemie Leipzig das Selbstbewusstsein entwickelt, sich endlich auch von den unsäglichen Strukturen und Beeinflussungen im s.g. Leipziger Fußball zu verabschieden und konsequent ihren Weg geht! Man muss dabei nicht gegen RB polemisieren, aber man kann dieses Gebilde a.G. der Vorgeschichte des Investments einfach ignorieren, sich auf eigene Stärken besinnen und endlich, jawohl endlich das tun, was ureigener Auftrag eines solchen Vereins ist: Das sportlich-soziale Zentrum eines ganzen Stadtteils werden, in dessen Mittelpunkt der Fußball mit Herz und Tradition steht und von dem aus eine ganze Region zu begeistern und mitzunehmen ist.

    Nein, ich kann keine Häme empfinden, obwohl ich bereits vor 4 Jahren aus dem FCS ausgetreten bin. Ich empfinde Trauer und grenzenlose Wut gegenüber den Verursachern und Verantwortlichen; also auch Wut auf mich selbst und meinen eigenen Anteil am Versagen, der sich im Vergleich zu den Großkopferten zwischen Salzburg, der Jahn-Allee bis hin zur Pleißenburg zwar ziemlich mickrig ausnehmen mag, für mich aber Anfang von etwas Neuem ist: Nie wieder !

    Wenn der Hauptgläubiger (jeder wird wissen, wer es ist) auch nur ein Fünkchen Verantwortungsbewusstsein und Moral hat, dann wird er sich nie wieder in Leutzsch blicken lassen, sich nie wieder über Leutzsch äußern, dies alles auch seinen Adlaten strikt untersagen, und eine Starthilfe für den Neuanfang als anonyme Spende auf den Tisch des Hauses der BSG Chemie legen. Aber ich erwarte weder das Eine noch das Andere und daher werden wir es wohl selbst anfangen und richten müssen. Nur Charakter sollten wir dabei zeigen und LIEBER STEHEND STERBEN, ALS KNIEEND LEBEN!


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    21.05.2011 um 12:11
    3

    Almir und Jan, sehr gute Beiträge mit wichtigen und richtigen Hinweisen, vielen Dank.


  1. Gravatar of NORTHEND
    Kommentar von
    21.05.2011 um 21:11
    4

    Große Worte! Im wahrsten Sinn! Komme gerade von einem unglaublichen Fußballfest aus Dresden und musste dort inmitten des tosenden Lärms auch an die Chemie denken. Es muss doch möglich sein, die Kräfte zu bündeln? Schlimm wäre Resignation.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    22.05.2011 um 1:13
    5

    Ja, es nicht zu versuchen wäre peinlich und würde unser aller Handeln der letzten drei Jahre Lügen strafen. Chemie und der AKS, das gehört zusammen. Es gibt gerade eine einmalige Gelegenheit. Der Niedergang des FCS ist eben auch eine Chance – so zynisch das klingen mag.


  1. Gravatar of thomas
    Kommentar von
    thomas
    23.05.2011 um 2:58
    6

    NUR DER RSL!!!




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