Testspiele und andere Zukunftsprognosen
Montag, 2. August 2010, 12:26 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 4. August 2010, 0:41 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, FC Sachsen Leipzig, Transfers

Der FC Sachsen Leipzig hat sich punktuell verstärkt und muss nun lernen, Tore zu schießen. Die Saisonvorschau

Testspiele in der Saisonvorbereitung haben einen überschaubaren sportlichen Wert. Während Trainer A seine Schützlinge gerade noch auf dem Mount Everest ins Sauerstoffzelt gebeten hat, übte sich Trainer B zuvor im Hütchenaufstellen und dem Verschieben von Namen auf Taktiktafeln. Raus kommt dann ein alle überraschendes Spielergebnis, bei dem der Trainer der höherklassigen Gästemannschaft den Gastgeber devot lobt, der unermüdlich gekämpft und eine schwere Probe dargestellt, am Ende aber nicht die unabdingbare Abgezocktheit aufgewiesen hätte. Am Ende sind alle so schlau wie zuvor und freuen sich auf die Saison.

Genauso, aber irgendwie völlig anders ist das auch beim FC Sachsen Leipzig. Die Leutzscher sind momentan ein sportliches Mysterium: finanziell, personell und strukturell am Boden, mimt Dirk Heyne den Fels in der Brandung. Der Trainer meint es ernst mit dem FC Sachsen – sonst wäre er schon längst weg. Dazu kommen zwei beachtliche Neuzugänge in der Sommerpause 2010. Mit Khvicha Shubitidze (u. a. FSV Zwickau, Erzgebirge Aue, FC St. Pauli, Hallescher FC) und Matthias von der Weth (1. FC Magdeburg, Borussia Mönchengladbach II) konnte der FC Sachsen zwei Spieler gewinnen, die zuvor Regionalliga (von der Weth) und höher (Shubitidze) gespielt haben. Das Leutzscher Transferglück wäre beinahe perfekt gewesen, hätte der zuvor beim Chemnitzer FC kickende Benjamin Boltze zugesagt. Seine Verpflichtung scheiterte an der Finanzierung, Boltze spielt jetzt beim Halleschen FC – eine Liga höher.

Doch auch ohne Boltze ist der Kader spannend. Vor allem der Zugang Shubitzidzes verspricht viel. Der noch 35-Jährige gleicht läuferisch-konditionelle Defizite durch Spielintelligenz aus. Er ist der Typ Spieler, der dem FC Sachsen in der letzten Saison gefehlt hat. Einer, der den Pass in die Tiefe spielen, den Ball dorthin chippen kann, wo ihn der Stürmer braucht. Shubitidze trifft auf junge Spieler, die fast ausschließlich ihre Zukunft noch vor sich haben. Sie haben Ambitionen, mit dem FC Sachsen verbindet sie eine Zweckgemeinschaft: Der Verein dient als Karrieresprungbrett, die Spieler wiederum sind nicht nur hungrig, sondern auch noch preiswert.

Mit der Frage nach Shibitidzes Kompetenzen schließt sich der Kreis zu den Testspielen. Er ist Vorbereiter, kein Vollstrecker. Gegen Babelsberg, Gladbach II, Meuselwitz, Teplice und Middlesbrough, also gegen alle sportlich relevanten Gegner, stand die Null – und zwar vorne. Von demjenigen, der Abhilfe verschaffen soll, ist nicht viel mehr bekannt, als dass er ein „Hüne“ (Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung) ist: 23 Jahre, 1,95 Meter, 90 Kilo, Stoßstürmer lauten die Eckdaten des Tschechen Ondrej Barvinek. Schlägt Barvinek nicht ein, droht dem FC Sachsen dasselbe Schicksal wie in der vergangenen Saison, nämlich in Schönheit zu sterben. Die Testspiele stimmen nicht gerade optimistisch. Bleibt die Hoffnung auf die Bestätigung der eingangs formulierten Weisheiten. Der FC Sachsen der Saison 2010/11 ist eine Wundertüte. Alles ist möglich.

Wenn es um bescheidene Testspielresultate geht, ist das andere Leutzsch, die BSG Chemie Leipzig, vorne mit dabei. 1:5 bei TuS Leutzsch (Bezirksliga), 0:2 bei Olympia (Stadtliga), 4:5 bei Böhlitz-Ehrenberg (Stadtliga) und 1:2 bei Naunhof II (Muldentalliga) – zugegeben, das waren alles höherklassige Gegner. Aber nach zwei souveränen Aufstiegen in Folge sind die Erwartungen entsprechend hoch. Normalzustand in Leipzig. Mögen die (Punkt-)Spiele beginnen.




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2 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Almir
    Kommentar von
    Almir
    03.08.2010 um 10:21
    1

    Schöner Artikel, langsam kann ich nur noch wenig gegen die Feststellung sagen, dass der FCS personell und strukturell am Boden ist, auch wenn es weh tut, insbesondere wenn man sich in unserm Forum und auf dem Norddamm umschaut.
    Habe jedoch das Gefühl, dass bis auf die ganz Verknöcherten beim FCS, immer mehr sich auch mit dem Namen (BSG) usw. anfreunden können. Ich denke die Kurzfristigkeit des Angebots und das Gefühl unter Druck gesetzt zu werden, hat wohl vielen etwas die Sicht verstellt und es den Anti-BallSGern leicht gemacht (Haste aber glaub ich schonmal geschrieben).
    Zurück zum Thema: Einzige Chance für den FCS wird ne starke Saison sein, die durchaus mithilfe der wundersamen Neuerwerbungen möglich ist, dann kommen hoffentlich auch wieder paar andere Leute ins Stadion, die versöhnlicher gestimmt sind. Ansonsten wird es leider der pure Rentner- und Jungmetaverein. BSG steigt auf.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    03.08.2010 um 12:50
    2

    Ich bin sehr gespannt, wie sich der Leipziger Fußball in der Spielzeit 2010/11 entwickelt. Wieviel Zuschauer können FC Sachsen, 1. FC Lok und natürlich RB ansprechen? Das Derby am Sonntag ist richtungweisend: Wer gewinnt, kann eine Serie starten, die für beide Vereine wichtige Einnahmen in Form von Eintrittsgeldern bedeuten könnte. Ich sehe es genauso wie du: Der FCS braucht sportlichen Erfolg, sonst wird es eng. Eng mit bisherigen und neuen Sponsoren, eng mit der finanziellen Perspektive.

    Was die BSG-Frage betrifft, stimme ich zu, dass die Einigung überstürzt kam bzw. überstürzt kommuniziert wurde. Trotzdem schade, dass es nicht geklappt hat. Es gab ein window of opportunity – ich weiß nicht, ob das in einem Jahr noch da ist, zumal die gesamte Entwicklung in hohem Maße mit der Personalie Jens Fuge verknüpft war.

    Wie gesagt, ich bin gespannt auf die nächsten Wochen und Monate und habe mir vorgenommen, neben den ganzen Ränkespielen, Irritationen und Ausfallerscheinungen abseits des Platzes auch mehr über die sportliche Entwicklung zu bloggen.




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