Korrumpiert und kritisch, braun und bunt: Die Vielfalt des Leipziger Fußballs
Dienstag, 6. April 2010, 18:05 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Samstag, 4. Dezember 2010, 16:35 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Kommerz- & Medienfußball, Vereinspolitik

In Leipzig konkurrieren mit RasenBallsport, 1. FC Lokomotive, FC Sachsen, BSG Chemie und Roter Stern fünf grundverschiedene Fußballklubs um die Gunst des Publikums. Die Fans haben die Wahl – für jeden erdenklichen Geschmack ist etwas dabei. Eine Vereinssoziologie

RasenBallsport Leipzig: Das austauschbare Franchise

Egal ob am Mitternachtsshop in der Tankstelle oder im Zentralstadion in der Red-Bull-Arena: Bei Red Bull geht es um Konsum, Events und Lifestyle. Wer sich mittwochabends 20:45 Uhr bei Sat.1 vorm Fernseher wiederfindet und von Johannes B. Kerner erklären lässt, dass Barcelona in blauen Hosen und Manchester in roten Shirts spielt, passt in die Zielgruppe. Hochklassiger, erfolgreicher Fußball ist garantiert, die Fernbedienung dirigiert die Perspektive auf Spielfeld und Kurve. Fußball, der nicht weh tut. Und am nächsten Morgen kann man im Büro trotzdem – oder gerade deswegen – mitreden.

In Salzburg, New York und Leipzig zielt Red Bull auf jene, die am Stadioneingang ihren kritischen Geist ablegen. Es geht um Unterhaltung im Namen der Dose, die vor allem Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz gut tut. Der duldet keinen Widerspruch. Nach der Übernahme von Austria Salzburg wurden die Verfechter der Tradition bewusst aus dem Verein gedrängt und kriminalisiert. Fanatische und gewaltbereite Chaoten, so der Duktus, hätten beim FC Red Bull Salzburg nichts zu suchen. Die ehemalige Austria wurde zum Prototyp des Bullen-Franchise: konturlos, austauschbar, massen- und marktkompatibel. Die viel zitierte Großraumdisco, zu der das einstige Stadion Wals-Siezenheim in Salzburg alias „Red Bull Arena“ umfunktioniert wurde, wird ab Sommer 2010 auch Fußball-Leipzig beschallen. Unterhaltung ist Programm: „Neben gutem Sport werden [wir] wie immer eine spektakuläre Show liefern!“, frohlockte Andrew Lafiosca, Verantwortlicher der US-Dependance von Red Bull, erst im März anlässlich der Eröffnung des Stadions in New York.

Die größten Fans dieses schmerzlosen Fußballs sitzen in den Vorstandsetagen von Audi und Adidas sowie in der Karl-Tauchnitz-Straße: Stadioneigner Michael Kölmel ist am Ziel seiner geschäftlichen Träume, früher oder später wird es keine Schlagzeilen mehr von einer zur Investruine verkommenen Weltmeisterschafts-Arena geben. Vor allem die Logenplätze seien begehrt, ließ die Leipziger Volkszeitung unlängst verlauten. Das potenzielle Red-Bull-Publikum scheint sich bereits herauszukristallisieren. Angehörige der gebildeten und sozial höhergestellten Schichten, die nicht im Spannungsfeld des geteilten Fußball-Leipzig sozialisiert wurden und die tiefen Gräben zwischen Leutzsch und Probstheida als hochgradig irrational empfinden, fühlen sich von Red Bull angesprochen. Das Franchise verspricht einen gewaltlosen, familienfreundlichen, pragmatischen, attraktiven und nicht zuletzt erfolgreichen Fußball.

Wenn RasenBallsport einmal den Sprung in die Bundesliga geschafft hat, wird das Red-Bull-Investment tausende Arbeitsplätze in die Stadt gebracht haben. Red Bull könnte der Publicity wegen zukünftig vor allem auf gefallene Leipziger Fußballgrößen setzen – ganz im Stile eines sozialen Wohltäters und Arbeitsbeschafffers. Die Medien spekulieren bereits, Guido Schäfer brachte zuletzt in der Leipziger Volkszeitung die Leutzscher Legenden Hansi Leitzke und Steffen Hammermüller als Trainer für das Leipziger Nachwuchszentrum ins Gespräch, und in der MDR-Fernseh-Talksendung Riverboat ließ Uwe Rösler durchblicken, dass es zwischen dem ehemaligen Leutzscher und der Salzburger Konzernzentrale Gespräche gegeben habe.

Dass auch ein kultartiger Energy-Drink ein ausreichendes Identifizierungspotenzial für Fußballanhänger bietet, lässt sich bereits beobachten. Red-Bull-Fan zu sein, kann nicht sonderlich schwer sein: Ob Lindsay Vonn oder Sebastian Vettel, einer aus der viel beschworenen „Red-Bull-Familie“ gewinnt schließlich immer.

1. FC Lokomotive Leipzig: Viel Licht, noch mehr Schatten

Der 1. FC Lok stellt gewissermaßen den Widerpart zu RB Leipzig dar. Roh, prolet(ar)isch, fannah. Die Probstheidaer können auf eine langjährige Erfolgsgeschichte verweisen – sowohl auf dem Platz als auch daneben. Vom ersten deutschen Meister 1903 (als VfB Leipzig) bis hin zum europäischen Pokalsieger-Cup-Finalisten 1987, vom angepassten bürgerlichen Verein im Kaiserreich über den staatsnahen „Fußballclub“ in der DDR bis hin zur Probstheidaer Fan-Herrschaft auf Leipzigs Straßen in den 1990er und 2000er Jahren: Lok reüssiert(e), Lok fasziniert(e), Lok war und ist eine Institution. Auf Grund seiner Erfolge war der Klub stets attraktiv für gewaltaffines und abenteuerlustiges Publikum. Sinnbildlich für diese Kontinuität steht der bekennende ehemalige Hooligan Steffen Kubald als heutiger erster Vorsitzender des 1. FC Lok.

Nach der Wende als VfB Leipzig – mit langjährig erfolgreichem Fußball in der 1. und 2. Bundesliga – sowie insbesondere nach der kultbehafteten Neugründung als 1. FC Lok bot die Gewaltbereitschaft eines Teils der Lok-Anhänger Nährboden für eine Politisierung der Szene. Autoritätsorientierte Gruppierungen schufen Schnittstellen zwischen Hooligans, Nationalisten und organisierten Neonazis. Der Vereinsführung wurden die Probleme zu spät bewusst, so dass sich die Nachwirkungen bis heute zeitigen.

Seitdem neben den rechtsoffen bis neonazistisch orientierten Gruppierungen „Blue Caps“ und „Crime Boys“ auch einzelne Neonazi-Kader mit Stadionverboten belegt worden sind, konzentrieren sie sich nach Informationen der „ag.doc“ verstärkt auf Politik als auf Fußball. Gleichwohl besteht nach wie vor enger Kontakt zur Szene im Stadion. Im Umfeld des 1. FC Lok verschwimmen die Grenzen zwischen gewaltaffinen Fans und agitierenden Politkadern.

FC Sachsen Leipzig: Das Leben der Anderen

Nicht minder komplex ist die Situation beim historischen Rivalen des 1. FC Lok, dem FC Sachsen. Genauso wie Probstheida steht Leutzsch für den traditionellen Fußball. Der Klub ist das Kind eines durch sein Arbeitermilieu geprägten Stadtteils: charmant, süffig, nostalgisch. Der morbide Alfred-Kunze-Sportpark ist der Ort, an dem der Spieler der Gästemannschaft jedes Wort versteht, mit dem ihn der Vokuhila belöffelt. Er konstituiert eine Parallelwelt, in welcher der verwurzelte Dammsitz-Gänger dem Schiedsrichterassistenten schon einmal die Fahne durch den Zaun entwenden kann. Leutzsch steht für Aufruhr, Widerstand und Subversion.

Leutzsch ist anders. Ob Punker, Rocker oder Nazi – zu DDR-Zeiten war die BSG Chemie vergleichbar mit Union Berlin ein Sammelbecken für Nonkonformisten und Dissidenten. Während des Kaiserreichs und im Nationalsozialismus bot der proletarisch geprägte Leutzscher Fußball Freiräume und Nischen, der Verein zählte in den dreißiger Jahren zu den populärsten in Deutschland und wurde zu einem Ort des Widerstands. Den Klub, der 1963/64 die Leutzscher Legende hervorgebracht hat, umgibt eine einzigartige Verve, die auch Intellektuelle wie Erich Loest oder Clemens Meyer anzieht.

Auch nach der Wende blieb die zum FC Sachsen transformierte BSG Chemie populär, aber erfolglos. Diverse „Schnellboote“ kamen nie im Ziel Profifußball an. Zwei Lizenzentzüge, zwei Insolvenzen und zwei Abspaltungen strukturieren die zwanzigjährige Geschichte des FC Sachsen. 1999 gründete sich der Rote Stern Leipzig, der zuvor im FCS-Umfeld als Fangruppierung organisiert war, 2008 verließen die antifaschistischen Ultras „Diablos“ den Verein und belebten die BSG Chemie Leipzig wieder. Dies blieb nicht ohne Konsequenzen für die Außenwahrnehmung des Vereins. Der FC Sachsen verlor allmählich sein Image als antirassistischer Gegenpol zum 1. FC Lok.

Der Weggang der Diablos spielte den „Metastasen“ in die Hände, die als klassische Hool-Gruppierung gegründet worden und in der Vergangenheit wiederholt durch rassistische Bekenntnisse aufgefallen waren. Das entstandene Vakuum sowie die zum Teil verbreitete Rechtsoffenheit in der Fanszene nutzten die „Metastasen“, um ihre politische Gesinnung wieder verstärkt im Stadion zu zeigen. Im Gegensatz zum 1. FC Lok geht es dabei weniger um die Rekrutierung politischer Nachwuchskader, als vielmehr um Provokation und Proletentum. Dass darin durchaus eine politische Qualität liegt, zeigten die innerhalb der Fanszene kontrovers diskutierten Vorfälle in Zwickau sowie die nach „ag.doc“-Angaben gescheiterte Etablierung einer eigenen, offen rassistisch agierenden Nachwuchsorganisation, die den Metastasen unter dem Namen „Jungsturm Green White“ Nachwuchs zuführen sollte.

BSG Chemie Leipzig: Jung, dynamisch, laut und bunt

Die Abspaltung der BSG Chemie, im Wesentlichen getragen von der Leutzscher Ultrà-Gruppierung „Diablos“ und einigen aktiven Fans, war eine Reaktion auf den real existierenden FC Sachsen. Nicht erst seit Winfried Lonzen ließ die Vereinspolitik jegliche langfristige Strategie vermissen und zeigte sich innerhalb der eigenen Fanszene im Umgang mit den „Metastasen“ auf dem rechten Auge blind. Das Gegenmodell bildet die BSG Chemie, die sich dem ehrlichen, fannahen Fußball verpflichtet fühlt. Chemie ist jung und dynamisch, laut und bunt. Die Diablos zeigen Woche für Woche, dass eine Ultrà-Gruppierung auch antirassistisch sein kann.

Dennoch stößt die kleine BSG im Tagesgeschäft an ihre organisatorischen und logistischen Grenzen. Die Zukunft ist ungewiss: Kann die BSG Chemie mit ihren hehren Idealen langfristig erfolgreich sein oder führt der Weg des ehrlichen Fußballs nicht aus der Unterklassigkeit heraus? Die Attraktivität einer Szene steigt und fällt auch mit der sportlichen Qualität – und dem Ansehen der jeweils gegnerischen Kurve.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Leutzscher Fanszene in der langfristigen Perspektive wiedervereinigen kann. Gleichwohl die Fronten verhärtet sind – die Konfliktfelder reichen von persönlichen Befindlichkeiten bis hin zu divergierenden Auffassungen über den Umgang mit Neonazis in der Kurve –, reicht der FC Sachsen den ehemaligen „Verrätern“ (Winfried Lonzen) unter dem Moderator Jens Fuge die Hand. Prognose: Ausgang ungewiss.

Roter Stern Leipzig: Fußball als Weltanschauung

Völlig frei von identitären Konflikten ist der sich als explizit politischer Klub verstehende Roter Stern Leipzig (RSL). Mit ihrer Vereinsgründung 1999 markierten die Sterne in Leipzig den Anfangspunkt einer sich unter zivilgesellschaftlichen Maximen organisierenden Fangemeinschaft, die rassistischen Alltagszuständen insbesondere im Umfeld des Fußballs entgegentritt. Der RSL ist mehr als ein Verein, er ist eine Weltanschauung. Seine basisdemokratische Organisation garantiert den Fans Teilhabe. Ihr unkonventionelles Auftreten hat einen wesentlichen Beitrag zur Ausprägung von Toleranz und Vielfalt auch im Fußball geleistet. Der RSL erfüllt eine gesellschaftliche Aufgabe, die sich der Fußball gerne auf die Fahne schreibt, an der er jedoch allzu häufig scheitert: er integriert.

Das passt nicht jedem, wie im Oktober 2009 der brutale Angriff von 50 Vermummten auf Spieler und Fans des RSL in Brandis gezeigt hat. So zynisch es klingt, der Vorfall scheint nicht nur den organisierten Fußball zum Umdenken bewogen haben. Die Sterne werden nicht mehr als „linksextreme Chaoten“ wahrgenommen, sondern als legitimer, relevanter gesellschaftlicher Akteur, der ein spezifisches Problembewusstsein für Diskriminierung im Fußball geschaffen hat. Der RSL setzt auf politische Bildung und öffentlichen Dialog. Nach dem Vorfall in Brandis präsentierte sich der Verein offensiv in den Medien und kooperierte mit Polizei und Staatsanwaltschaft. In dieser Folge konnten bereits zwei der Täter verurteilt werden. Außerdem initiierten im Nachgang von Brandis verschiedene Roter-Stern-Vereine auf Bundesebene die (sport-)politische Kampagne „love sports – hate neonazism“.

Leipziger Fußballfans haben die Wahl

Ob erfolgsorientiert, traditionsbewusst oder kritisch-engagiert: Fußballfans in Leipzig haben die Auswahl. Die Entscheidung für einen Verein ist zugleich ein Bekenntnis zu einer unverwechselbaren Erzählung – von Siegen und Niederlagen, von Leidenschaft, von Identifikation und Rivalität. Leipzigs Fußballlandschaft ist bunt und vielfältig, aber seit jeher auch größenwahnsinnig, charakterlos und braun. Wie ihre Zukunft aussieht, bestimmen die Fans. Sie können beweisen, dass Menschen nicht ausschließlich korrumpierte Opportunisten sind.




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22 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Sündenbock
    Kommentar von
    Sündenbock
    06.04.2010 um 19:09
    1

    Wieder mal ein großartiger Artikel.


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    dröhn
    06.04.2010 um 20:58
    2

    Sehr schön, vielleicht findet ja jetzt jeder seine Glückseligkeit und läßt die „Anderen“ einfach in Ruhe.


  1. Gravatar of dor_marsl
    Kommentar von
    dor_marsl
    07.04.2010 um 22:55
    3

    Fazit: bei BallSG und beim RSL ist alles gut, bunt und schön, diejenigen, die zu den anderen 3 Vereinen gehen, haben keine Ahnung und zu den beiden, die am Montag das Derby gespielt haben, gehen eh nur Rassisten.
    Ich weiß ja nicht, wann du das letzte Mal beim FC Sachsen warst, aber ich geh dort Woche für Woche hin und ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass sich dort alles nur um die Metas dreht.

    Insofern kann ich mich meinem Vorredner anschließen: es soll doch bitte jeder mit seinem Verein zufrieden sein. Und so lange ständig irgendwelche abwertenden Äußerungen von denjenigen, die sich „wahre Chemiker“ nennen, kommen, wird das auch äußerst schwer mit einer Wiedervereinigung. Wie gesagt, wenn man nicht weiß, wie es bei den anderen Vereinen läuft, sollte man sich nicht allzu ausführlich über jene äußern. Denn die guten Seiten des FC Sachsen 2010 werden hier natürlich (wie fast immer) nicht erwähnt. Ich bin stolz auf diesen Verein, auch wenn es von Zeit zu Zeit Probleme mit gewissen Fans gibt, aber gibt es die nicht überall?


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    08.04.2010 um 10:56
    4

    @dor_marsl: Ganz ehrlich, ich finde nicht, dass der FC Sachsen zu schlecht wegkommt. Die Darstellung ist differenziert, der Fokus liegt aber auf der politischen Dimension der Fanszenen, besonders abseits von RB. Zwickau ist und war Realität! Du verharmlost das Potential neonazistischer Unterwanderung, indem du von „Probleme[n] mit gewissen Fans“ sprichst. Die zentrale Frage ist, ob menschenfeindliche Einstellungen zum gesellschaftlichen Normalzustand gehören („gibt es die nicht überall?“) oder ob du und ich ein Problem damit haben, mit Neonazis in der Kurve zu stehen.


  1. Gravatar of dor_marsl
    Kommentar von
    dor_marsl
    09.04.2010 um 10:54
    5

    Du beschreibst das hier aber so, als wäre Zwickau Alltag, und das ist es nun beim besten Willen nicht. Beim Derby zum Beispiel war nichts dergleichen zu hören. Und der FC Sachsen wird beim besten Willen nicht „unterwandert“, die Leute haben eben leider diese hirnrissige Meinung, aber dass da irgendwer der Verein unterwandert, das kann ich bestreiten.
    Natürlich stört mich diese Meinung der Leute auch, besonders dann, wenn sie laut geäußert wird.
    Trotzdem beziehst du deinen Beitrag zu sehr auf diese Geschichten, was beim FC Sachsen in den letzten Monaten erreicht wurde, auch dass nach Zwickau nichts mehr passiert ist, oder die allgemeinen Fortschritte im Verein, vernachlässigst du weitestgehend. So bleibt ein von einem einmaligen Vorfall (den ich nicht herunterspielen will – auch ich war kurz davor, den Block zu verlassen) geprägtes und damit sehr unvollständiges Bild übrig.


  1. Gravatar of généralité
    Kommentar von
    généralité
    10.04.2010 um 10:19
    6

    +Leipziger Fußballfans haben die Wahl
    Ob erfolgsorientiert, traditionsbewusst oder kritisch-engagiert: Fußballfans in Leipzig haben die Auswahl. Die Entscheidung für einen Verein ist zugleich ein Bekenntnis zu einer unverwechselbaren Erzählung – von Siegen und Niederlagen, von Leidenschaft, von Identifikation und Rivalität. Leipzigs Fußballlandschaft ist bunt und vielfältig, aber seit jeher auch größenwahnsinnig, charakterlos und braun. Wie ihre Zukunft aussieht, bestimmen die Fans. Sie können beweisen, dass Menschen nicht ausschließlich korrumpierte Opportunisten sind.+

    Sehr gut beschrieben.


  1. Gravatar of Berti
    Kommentar von
    Berti
    10.04.2010 um 17:40
    7

    Wie so oft die übliche,tendenzielle Berichterstattung 1.FC Lok-Gewalt-Rechtsradikale-Nazis u.u.u.
    Den Verein Roter Stern,auf dessen Demo am letzten Donnerstag solche sinnfreien Losungen wie „Wer Deutschland liebt,den hassen wir“ propagiert wurde,
    als leuchtendes Vorbild hinzustellen, ist schon skurril.

    Eins ist aber Fakt : Eine deutliche Mehrheit der Leipziger Fußballanhänger lehnt diees permanente Hineintragen von politischem Extremismus beider radikaler Lager in den Sport ab.


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    dröhn
    10.04.2010 um 22:05
    8

    Berti ich danke Dir!

    Ich glaube allen Leipziger Clubs würde es ohne Politik erheblich besser gehen.


  1. Gravatar of Cantona
    Kommentar von
    Cantona
    11.04.2010 um 9:41
    9

    Wie kommst du darauf, die Gründung des RSL als „erste“ Fan-Abspaltung zu bezeichnen? Blödsinn. Die Kritik der „Melk die fette Katze“-Macher Mitte/Ende der 90er an den Leutzscher Zuständen und die Gründung des RSL sind zwei Paar Schuhe.
    Auch wenn dir das dramaturgisch gut in den Kram passt, ist es doch der einzige Blickfang in dieser erneuten Ansammlung ewig wiedergekauter Floskeln.


  1. Gravatar of Christoph
    Kommentar von
    Christoph
    11.04.2010 um 13:31
    10

    Mhm! Das ist aber ein frommer Wunsch, oder? – denn sie wird ja gemacht, nicht zuletzt von den Akteuren im Stadion… so weit hergeholt? Die Zeiten rein sportlicher Rivalität sind doch schon lange gelaufen und da waren die U-Bahn-Lied-Sänger nun mal ganz vorn mit dabei…


  1. Gravatar of Wolfsburger
    Kommentar von
    Wolfsburger
    12.04.2010 um 22:20
    11

    Wieder schöner Artikel. Keine komplett neuen Blickwinkel, aber doch wieder was gelernt.


  1. Gravatar of nwb
    Kommentar von
    nwb
    13.04.2010 um 18:07
    12

    Ausgezeichneter Artikel!

    Auch ich hab „damals“ die Gründung des RSL als erste Abspaltung empfunden.
    Die mich persönlich längerfristig von Leutzsch nach Connewitz brachte.
    Und ich bin nicht links!
    Warum sollte ich auch weiterhin zu einem Verein gehen der Menschenfeindliche
    Gesänge etc. toleriert wenn es auch anders geht…


  1. Gravatar of Almir
    Kommentar von
    Almir
    14.04.2010 um 9:35
    13

    @nwb und alle
    Die Logik solcher Abspaltungen ist mir dann nicht ganz klar. Ich bin beim FCS geblieben bis heute und habe damals wie heute im Rahmen der Möglichkeiten versucht solchen Gesängen etc. entgegenzuwirken. Durch Abspaltungen wird es uns aber schwerer gemacht und den „Singenden“ leichter.
    Würdest du dem zustimmen, daß man von einem Dorf, in dem es ein Naziproblem gibt, wegziehen soll anstatt zu versuchen das Problem zu bekämpfen? (solange Leib und Leben nicht in Gefahr sind)

    P.S.: Im oft zitierten „Fall Zwickau“, gab es ein Aufbegehren der „gebliebenen“ Fans, wenn auch erst hinterher. Dadurch wurde eine Erklärung des Vereins etc. vorm nächsten Spiel erzwungen. Soll nicht hochnäsig klingen, aber damit erreicht man meiner Meinung nach, gesellschaftlich, mehr, als sich in seinen eigenen Verein zurückzuziehen, wo es solche Probleme nicht gibt. (Ich sehe die BallSG differenzierter, und von außen haben sie genug Feinde, ist mir schon klar)


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    14.04.2010 um 14:40
    14

    Vielen Dank für Lob und Kritik.

    Ja, ich bleibe dabei und sehe auch die Gründung des RSL als Abspaltung. Mir ging es nicht darum, Vereinsneugründungen und Abspaltungen gut zu heißen, sondern ausschließlich sie als solche zu deklarieren. Solche Fälle sind von Fall zu Fall zu bewerten und ich finde, dass der RSL Großartiges aufgebaut und bewirkt hat. Auch bei der Wiederbelebung der BSG Chemie wurden meines Erachtens nachvollziehbare Gründe angeführt. Diese Vorgänge sind nun mal Realität, ihre Umkehrung scheint mit unermesslichen Kosten verbunden. Wie @Almir sagt, hatte der Weggang von Diablos & Co. verheerende Konsequenzen für die Fankultur beim FC Sachsen. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


  1. Gravatar of nwb
    Kommentar von
    nwb
    14.04.2010 um 15:21
    15

    @#13
    Ich denke eine Abspaltung ist eine logische
    Konsequenz. Wenn du über Jahre vergeblich versucht hast gewisse Leute vom singen gewisser Lieder abzuhalten bzw. andere dazu zu bringen endlich mal ernsthaft Position zu beziehen, geht es nicht anders.
    Ja, irgendwann muss man aus dem „Dorf“ wegziehen. Das tut weh, aber man fühlt sich schnell besser und mit ein wenig Abstand fragt man sich bald warum man den ganzen Mist überhaupt so lange mitgemacht hat.
    Und zu Leuten die diesem Verhalten mit dem Kommentar „Verräter“ begegnen kann ich nur sagen
    Chemie (FCS) ist schon lange nicht mehr Chemie. Die ruhmreiche BSG Chemie ist leider vor die Hunde gegangen. Der FCS ist heute für mich nichts anderes mehr als Eintracht Nordhorn (ohne diesem Verein zu nahe treten zu wollen).


  1. Gravatar of Cantona
    Kommentar von
    Cantona
    14.04.2010 um 23:14
    16

    Zitat: „Ja, ich bleibe dabei und sehe auch die Gründung des RSL als Abspaltung.“

    Unglaublich…
    Hast du dich mal mit den Gründern des RSL unterhalten oder dich mit den Hintergründen auseinandergesetzt? Da waren beileibe nicht alle (vorher und auch nachher) bei Chemie anzutreffen. Ein Teil kam auch vom anderen Ufer, doch der Großteil wollte einfach nur ein kicken ohne Macho-Scheisse.

    Im übrigen reden wir hier von einer Gruppe von vielleicht 5 bis max. 10 Personen, von denen die überwiegende Mehrheit auch nach Gründung des RSL den AKS aufsuchte. Selbst 2002/2003 gab es zum Derby noch einen Autokorso vom Fischladen zum AKS.

    Aber ich schätze mal, dass dem werten Blogger die Fußballprollerei dazumal noch am Arsch vorbei ging – oder ihn die ZVS noch nicht nach Leipzig entsendete. Insofern sind deine rückblickenden Interpretationen und Schwarz-Weiß-Malereien m.E. verständlich, sind aber dennoch mit Verlaub Humbug


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    15.04.2010 um 0:49
    17

    @Cantona: Fakt ist, dass es zwischen RSL und Chemie Verbindungen gab, die auch personeller Natur waren, wie du selber beschreibst. Es ist im Übrigen sehr interessant, wie man auf Grund seiner vermeintlichen Herkunft (von der ZVS entsendet) und von Spekulationen über Dauer des Fanseins (am Arsch vorbei gehende Fußballprollerei) als unwissend abgestempelt werden kann. Vielen Dank dafür und weiter so.


  1. Gravatar of Sündenbock
    Kommentar von
    Sündenbock
    15.04.2010 um 1:36
    18

    „Es ist im Übrigen sehr interessant, wie man auf Grund seiner vermeintlichen Herkunft (von der ZVS entsendet) und von Spekulationen über Dauer des Fanseins (am Arsch vorbei gehende Fußballprollerei) als unwissend abgestempelt werden kann.“
    Zumal ich persönlich mich, wenn ich denn mal wieder Leute persönlich angreifen möchte, über den (lokalen) Hintergrund des Ziels informieren würde.


  1. Gravatar of Korrumpierte Opportunisten | rotebrauseblogger
    19

    [...] Nach dem locker leichten Aufgalopp in der rhetorisch direktesten aller Rubriken dieses Blogs folgt heute schon ein etwas anderes Kaliber: Menschen, die sich für ein Fußballdasein auf den Traversen von RasenBallsport Leipzig entscheiden, sind für den chemieblogger „korrumpierte Opportunisten“. [...]


  1. Gravatar of Leutzscher
    Kommentar von
    Leutzscher
    10.10.2010 um 15:52
    20

    Traurig, dass sich weder die eine noch die andere Leutzscher Seite auch nur einen cm von ihrem derzeitigen Standpunkten abbringen lässt.
    Vereinigung wäre der einizge Weg auch mittelfristig zumindest in Ostdeutschland wieder eine bedeutende Rolle einzunhemen.


  1. Gravatar of FC Sachsen Leipzig schreibt zum letzten Mal Geschichte | chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    21

    [...] dem Leutzscher Kiez und akquiriert neue (alte) Sponsoren Was man über den Leutzscher (und den Leipziger) Fußball unbedingt wissen sollte: Der FC Sachsen Leipzig ist 1990 als Rechtsnachfolger der [...]


  1. Gravatar of RasenBallsport Leipzig vs. SV Wilhelmshaven 3:2 | rotebrauseblogger
    22

    [...] Jubelorgie nach dem 3:1 entlud. Großartig, wieviel Spaß es macht mit 3500 anderen korrumpierten Opportunisten (wie sie der Chemieblogger nennen würde) ein Fußballspiel in der Red Bull Arena zu gucken. Zumal [...]




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