Über die Identität des Fußballs: Das Beispiel RB Leipzig
Dienstag, 16. März 2010, 15:13 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Samstag, 4. Dezember 2010, 16:35 Uhr
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Die Debatte über Kommerz und Tradition bedarf einer neuen Diskussionskultur. Red-Bull-Kritiker sollten lernen, differenzierter zu argumentieren

Dem Projekt RasenBallsport Leipzig ist viel Kritik und Häme, mitunter auch Hass entgegengekommen – auch in diesem Blog. Die Gruppe der „Skeptiker“ gegenüber den Marketingstrategien von Red Bull im Profifußball ist in sich sehr heterogen, was zur Folge hat, dass ein reflektierter Umgang mit Dietrich, Dietmar & Co. auch schon mal als modernisierungsfeindlich, völkisch und in letzter Konsequenz antisemitisch marginalisiert wird. Für manche steht somit dieses Blog auf einer Stufe mit faschistoiden Entblödungen der Saalefront-Ultras à la „Tötet RB“ . Das größte Verdienst des Red-Bull-Einstieges in Leipzig ist, dass eine Debatte über Identität und Wertvorstellungen – nicht nur im Leipziger Fußball – ausgelöst wurde. Über intellektuell anspruchsvolle Beiträge aus dem Post-Markranstädt-Lager musste man lange warten. Doch jetzt bin ich in einem Trackback über ein interessantes Blog gestolpert.

Neues in der Blogosphäre

Unter dem selbstironischen Pseudonym rotebrauseblogger hat der unbekannte Autor (die Domain zumindest ist auf Matthias Kiessling registriert) mehr zu erzählen als ein Hurra,-wir-haben-heute-gewonnen. Die Versuchung liegt nahe, die ein oder Argumentation zu sezieren, beschränken will ich mich aber auf das Wesentlichste. Das Projekt RB Leipzig definiert der Autor so:

RasenBallsport ist eine grandiose Metapher für fußballerische Aktivitäten und klingt nicht nach Grätschen, Beißen, Rennen, sondern nach Hacke, Spitze, Einszweidrei, klingt nach Real Madrid oder Bayern München und nicht nach Borea Dresden oder Schott Jena. Der Titel RasenBallsport übernimmt von den assoziativ naheliegenden Sportarten Cricket und Golf die Gediegenheit und leichte Noblesse und haucht damit dem Fußball und dem Fußballgucken konnotativ ein völlig neues (verheißungsvolles) Leben ein.

Wenn Fußball elitär wird

Demnach befreit Red Bull den Fußball endgültig aus dem versüfften Arbeitermilieu und bereitet ihm den sozialen Aufstieg. Entsprechend dieses Selbstverständnisses, und das ist das eigentlich Interessante, wird der Fußball zum Medium sozialer Segregation. Im Gegensatz zur Kommerzialisierung, in deren Zuge sich das Fußballpublikum ausdifferenzierte und der Fußball neue, finanziell potentere Gesellschaftsschichten erschließen konnte, liest sich dieser elitäre Ansatz wie ein Manifest der sozialen Desintegration und Selektion.

Dennoch kann man dem Autor nicht vorwerfen, fankulturelle Aspekte geringzuschätzen. Den Zustand des FC Sachsen Leipzig beispielsweise verortet er im Spannungsfeld der Leutzscher Identitätssuche:

Das Dilemma ist vor allem, dass der Verein auch perspektivisch finanziell keine großen Sprünge machen wird können, was auch daran liegt, dass man derzeit nicht gerade von Fans überrannt wird. Eine Chance bietet hier die angedachte Zusammenarbeit mit der gerade erst abgespaltenen BSG Chemie. Wie allerdings die Diablos wieder in den Schoß des FC Sachsen und deren Fans (Metastasen!) integriert werden sollen, ist mir ein Rätsel.

Nicht ohne Widerspruch sollen die folgenden Beiträge zur eingangs angerissenen Debatte bleiben:

Modernisierer versus Besitzstandswahrer

Zwei Sachen noch allgemein: Ich finde es erstaunlich, dass man mit dem Einstieg von Red Bull erkannt hat, dass die Traditionsvereine dadurch den Bach runtergehen. Da schaffen es fast alle ostdeutschen Traditionsclubs 20 Jahre lang (bei zugegebenermaßen schwierigen Ausgangsbedingungen), sich sukzessive zugrunde zu richten (wie man auch im Osten erfolgreich Fußball arbeiten kann, hat Energie Cottbus in einer 100000-EInwohner-Stadt mit strukturschwacher Region drumrum überzeugend gezeigt) und in die Insolvenz zu führen oder permanent an der Grenze zur Insolvenz zu verwalten und dann kommt Red Bull, gründet einen Fußballclub im Osten und ist Schuld, dass die Traditionsvereine den Bach runtergehen? Naja.

Einspruch I: Die Diskussion ist vor dem Hintergrund der Ängste der Vereine um ihren Besitzstand zu betrachten. Den Leipziger Vereinen wurde ein neuer, starker Konkurrent vorgesetzt, der das Potential hat, die eigenen Zuschauer abzugreifen (im Übrigen bezeichnet sich der rotebrauseblogger selbst als ehemaligen Fan des FC Sachsen Leipzig und von Energie Cottbus). Dadurch sinkt die Attraktivität für die bestehenden Sponsoren (Ja, ich teile ausdrücklich die Argumentation, wonach die Traditionsvereine für Red-Bull-Sponsoren ohnehin nicht attraktiv gewesen wären). Die ohnehin bestehenden standortbedingten Strukturnachteile werden dadurch weiter verstärkt.

Das zentrale Dilemma der ehemaligen DDR-Spitzenvereine besteht für mich in einer Diskrepanz zwischen den auf Grund der langen Liste an Erfolgen und des hohen Zuschauerpotentials überaus hohen Erwartungen einerseits und den überproportional schlechten ökonomischen, strukturellen und personell-strategischen Voraussetzungen andererseits.

Neureich versus Tradition

Zweitens ist es erstaunlich, dass die Gegner von Red Bull offenbar vor allem ein Problem damit haben, dass die Firma viel Geld hat und die Traditionsvereine nicht. Angenommen Red Bull hätte 100 Millionen Euro versprochen, um Sachsenring Zwickau (unter diesem Namen) in die Bundesliga zu führen, wäre Red Bull dann der Retter eines Traditionsclubs geworden oder auch ein Vernichter? Oder anders gefragt, was verbindet den FSV Zwickau von vor einem halben Jahr, der Geld ausgibt, das er nicht hat, mit der Fahrstuhlmannschaft Sachsenring Zwickau aus den Achzigern des letzten Jahrhunderts? Was ist es, was einen Traditionsclub ausmacht? Ist es das Image? Ist es eine Zuschreibung der Zuschauer, die zufälligerweise sehr lange in der selben Stadt wohnen und dabei die Höhen und Tiefen eines Vereins hautnah miterleben? Ich für meinen Teil glaube nicht, dass Vereine so etwas wie einen Kern haben, der sich über die Jahrzehnte nicht verändert und so etwas wie das Traditionsgerüst bildet. Vereine sind immer ganz stark davon geprägt, wie die aktuelle Leitung (Präsidium und sportliche Verantwortliche) arbeitet und deshalb verändern sich Vereine auch über die Jahre und sind eigentlich nur anhand ihres Namens (wobei auch das für viele Ostvereine nicht gilt), dem Traditionszimmer oder der Zuschreibung der Zuschauer (eine Zuschreibung, die nicht mal einheitlich ist für alle Fans desselben Vereins) auch nach 30 Jahren noch als die alten Vereine auszumachen.

Einspruch II: Es geht – zumindest mir – nicht um das Geld. Der FC Sachsen Leipzig hatte nicht nur in der Ära Michael Kölmels verschiedene millionenschwere Schnellboote ins Rennen geschickt, die allesamt vorzeitig abgesoffen sind. Es lag nur in den seltensten Fällen am Geld, sondern vielmehr am Missmanagement. Man vergleiche hierfür die unsägliche Saison 2006/07 unter der Ägide von Eduard Geyer. In letzter Konsequenz vertiefte dieses wiederholte Scheitern bei vielen Fans die Vorbehalte gegenüber dem Kölmel-FCS, worin der erste Schritt zur Abspaltung der BSG Chemie zu sehen ist.

Meine Kritik an Red Bull steht ganz im Sinne des Credos der BSG Chemie, „ehrlichen Fußball“ spielen zu wollen, und ist ebenso einfach wie unwiderstehlich: RB Leipzig ist Deutschlands „erster Marketingclub“. Der Fußball verkommt zum Medium einer PR-Kampagne eines Spitzenkonzerns.

Fußball bedarf der Identifikation

Trotz der Entfremdungsprozesse der letzten Jahrzehnte bedarf der Fußball – davon bin ich überzeugt – nach wie vor der Identitätsbildung und Identifikation durch und über seine Akteure: Verbände, Vereine, Spieler und vor allem Fans. Der Verweis auf Tradition als ausschließliches Legitimation konstituierendes Moment ist verfehlt. Tradition ist ein nettes Beiwerk, wichtig ist aber, was ein Verein aus seiner Identität und Geschichte macht, welches Milieu er anspricht und wie er sich selbst definiert. Diesbezüglich gibt es verschiedene Wege – Red Bull geht einen davon. Daran Kritik zu üben, darf und muss möglich sein, ohne mit völkisch motivierter Red-Bull-Hetze identifiziert zu werden. Dass jedoch ein Gros der Kritik, mit der Red Bull konfrontiert ist, alles andere als fundiert und kultiviert ist, ist ebenso offensichtlich wie bedauerlich.

Mein persönliches Identifikationspotential mit einem Konzern, der sein Produkt als Kultgetränk stilisiert und zu diesem Zweck Fußballvereine aufkaufen muss, ist leidlich gering. Fußballfan zu sein ist ein hochgradig irrationaler Lebensentwurf, das zeigten zuletzt die Randale bei Hertha BSC Berlin nach der Last-Minute-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg. Denn auch „sogenannte Fußballfans“ sind nicht einfach nur „Chaoten“ oder „Krawallmacher“, sie sind vor allem eines: „Fans“.




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  1. Gravatar of rotebrauseblogger
    Kommentar von
    17.03.2010 um 9:32
    1

    „Demnach befreit Red Bull den Fußball endgültig aus dem versüfften Arbeitermilieu und bereitet ihm den sozialen Aufstieg. Entsprechend dieses Selbstverständnisses, und das ist das eigentlich Interessante, wird der Fußball zum Medium sozialer Segregation.“

    Das ist aber eine Interpretation, in der Du Deine eigenen Kategorien benutzt. Mir ging es gar nicht so sehr um soziale Kategorien, sondern eher um sportlich, fußball-ästhetische. Mir geht es also gar nicht so sehr um das soziale Aufstiegsversprechen RasenBallsport (also um soziales Elitedenken), sondern tatsächlich um das Versprechen eines sportlich-unterhaltsamen Aufstiegs (also um ein sportliches Glücksversprechen). Also Spiele gegen Borussia Dortmund in der Schüssel mit Videowand und Halbzeitshow statt Spiele gegen Achim Steffens jeweils aktuellen Verein bei Nieselregen im AKS oder Freundschaftsspiele gegen dritte Mannschaften von Traditionsclubs im WKS (und das soll nicht heißen, dass letztere keine Existenzberechtigung hätten). „Noblesse“ und „Gediegenheit“ bezieht sich vor allem auf die Möglichkeit, sich nicht mit dem Verein überidentifizieren zu müssen, sondern in gewogener Distanz, sich einfach dem fußballerischen Treiben auf dem Platz widmen zu dürfen. Das ist dann auch die Analogie zum Golf bspw., wo das zurückgelehnte Mitfiebern quasi perfektioniert wurde. Oder vergleichbar mit dem Mitfiebern mit Bayern München im Champions League-Finale.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    17.03.2010 um 11:03
    2

    Steile Interpretation von mir, zugegeben, sollte auch etwas provozieren. Das Argument Erfolg kann ich voll und ganz nachvollziehen. Die Metapher, die du in dem Beitrag durchziehst, ist durchaus gelungen, aber die Assoziation mit den sozialen Kategorien kam mir sofort, schien für mich eine logische Konsequenz deiner Argumentation. Ich denke, ich bin ganz bei Dietrich Mateschitz, wenn ich dir hier verspreche, dass besagte „Noblesse“ und „Gediegenheit“ schon sehr bald in Leipzig einkehren werden.


  1. Gravatar of généralité
    Kommentar von
    généralité
    17.03.2010 um 19:58
    3

    @rotebrauseblogger.
    „Personen, die mehr als 2–5 Dosen innerhalb von 24 Stunden konsumiert hatten, empfanden teilweise Symptome wie Unwohlsein, Übelkeit, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Blähungen oder Schlaflosigkeit.“
    Quelle:Wikipedia; Red Bull.


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    dröhn
    18.03.2010 um 14:24
    4

    Dem letzten Satz dieses Blog-Eintrags muß ich, wenn ich ihn richtig verstehe, kritisieren. Definitiv NEIN, die Idioten die in Berlin den Platz stürmten sind definitiv keine FANS sondern einfach nur „Chaoten“ oder „Krawallmacher“!

    Ein Fandasein hat nichts, aber auch rein garnichts, mit Gewalt zu tun.

    Macht einen Sitzstreik vor dem Mannschaftsbus, hängt Transparente aus oder pfeift meinetwegen die Mannschaft zusammen aber sobald auch nur ein Funken Gewalt, und ja dazu gehört auch das Werfen eines Feuerzeugs, kommt zählt für mich keine Pseudoentschuldigung ala „Das sind doch emotional gebundene Fans!“.

    Ich hoffe die Berliner Knallschoten kriegen Stadionverbote und Meldepflichten für den Rest ihres Lebens.


  1. Gravatar of dröhn
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    dröhn
    18.03.2010 um 14:33
    5

    Zu RB Leipzig,

    mir ist ehrlich gesagt egal auf welchem intellektuellen Niveau die Diskussion um RB, den Leipziger Fußball, die Leipziger Traditionsvereine oder die Blähungen der Leipziger Ultras geführt werden.

    RB ist da, wird aller Voraussicht nach in Kürze im ZS spielen und zwar hoffentlich ohne gewaltbereite Idioten von Rechts oder Links. Die können sich meinetwegen vor dem Stadion treffen und sich den letzten Rest Alkoholpegel aus dem Schädel prügeln. Hauptsache zu Spielschluß, wenn ich das Stadion verlasse, sind die Überreste, das ganze Blut und die Trümmer beseitigt. Je höher die Spielklasse und je inteessanter die Gegner desto häufiger meine Stadionbesuche.

    Und jetzt noch eine Botschaft an die Traditionalisten „Hätte oder könnte man bei euch ein Fußballspiel besuchen ohne Angst um Leib und Leben zu haben würde es die Thematik RB in Leipzig gar nicht geben!“

    Selbst Schuld.

    P.S.: Freue mich schon auf ne Wurst und ein Getränk, egal ob Brause oder Bier, im Stadion. Allein dafür ein Dankeschön nach Salzburg.


  1. Gravatar of Alex
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    Alex
    19.03.2010 um 15:13
    6

    „Mir ging es gar nicht so sehr um soziale Kategorien, sondern eher um sportlich, fußball-ästhetische. Mir geht es also gar nicht so sehr um das soziale Aufstiegsversprechen RasenBallsport (also um soziales Elitedenken), sondern tatsächlich um das Versprechen eines sportlich-unterhaltsamen Aufstiegs (also um ein sportliches Glücksversprechen). Also Spiele gegen Borussia Dortmund in der Schüssel mit Videowand und Halbzeitshow statt Spiele gegen Achim Steffens jeweils aktuellen Verein bei Nieselregen im AKS oder Freundschaftsspiele gegen dritte Mannschaften von Traditionsclubs im WKS (und das soll nicht heißen, dass letztere keine Existenzberechtigung hätten).“

    Glücksversprechen? Schreiben wir wirklich noch über Fußball? Über den Sport, in dem der VfB Stuttgart bei Greuther Führt sang- und klanglos aus dem Pokal fliegt und in dem die gleiche Monate zwei Monate später den FC Barcelona um ein Haar besiegt?

    Videowand und Halbzeitschow? Schreiben wir wirklich noch über Fußball? Bei meinem ersten Besuch im Westfalenstadion bestand die „Halbzeitshow“ darin, 15 Minuten wie ein Rohrspatz darüber zu schimpfen, dass Vollidioten die beiden Tore mit Werbeplanen zugehängt haben. Damals war das für mich eine Entweihung von nahezu heiligen Symbolen. Und ja, Achim Steffens, Nieselregen und AKS haben mich fußballsozialisiert und bleiben für mich unterhaltsamer als jeder dumme Werbespot auf einem Videowürfel. Bleib wo du bist, Videowürfel, und vielen Dank, Achim Steffens, Nieselregen und AKS.

    „“Noblesse“ und „Gediegenheit“ bezieht sich vor allem auf die Möglichkeit, sich nicht mit dem Verein überidentifizieren zu müssen, sondern in gewogener Distanz, sich einfach dem fußballerischen Treiben auf dem Platz widmen zu dürfen. Das ist dann auch die Analogie zum Golf bspw., wo das zurückgelehnte Mitfiebern quasi perfektioniert wurde. Oder vergleichbar mit dem Mitfiebern mit Bayern München im Champions League-Finale.“

    Noblesse? Golf? Zurückgelehntes Mitfiebern? Schreiben wir wirklich noch über Fußball? Bierdusche beim Torjubel, völlig enthemmt gegen diesen A…. von Schiedsrichter pöbeln, irrwitzig viel Geld dafür ausgeben, um an einem Freitagabend zum Auswärtsspiel nach Essen zu kommen, Null zu Drei verlieren und trotzdem noch eine Stunde nach Spielschluss die Mannschaft hochleben lassen. Total überidentifiziert, dafür aber sicher, unter den Lebenden zu sein.


  1. Gravatar of J.Meurer
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    J.Meurer
    23.03.2010 um 11:51
    7

    Beides, der Fußball und die Kommerzinszenierung, haben ihre Existenzberechtigung und -möglichkeit. Fußball wird von Vereinen organisiert und betrieben. Für mich ist ein Verein kein Verein, der aus 7 Hanseln besteht, wovon 6 Österreicher sind. Keine Angst, hier soll kein antiöstereichischer Nationalismus rausgelesen werden. Aber dieser s.g. Verein hat für mich keine Legitimation, sich als solcher zu bezeichnen. Er ist ein Kunstprodukt und als solches ein Vorgriff auf Kind`sche Klage- und Demagogieattacken in Richtung 50+1-Eliminierung. Wohin das alles führt, musste doch der FCS leidoll erfahren. Obwohl 50+1 noch nicht abgeschafft war und ist, hat da eine kleine Klique von Spielzeugsammlern (manche sammeln Eisenbahnen oder Modellautos und andere Fußballvereine)und Möchtegern-“Ich mach jetzt mal auf Stadionbesitzer“-Gestalten einen Verein mit Hilfe der Liquiditätsfolterkammer durchexerziert.

    Aber gut: Mitglieder haben gepennt, sich nicht nur einmal ein „X“ für ein „U“ verkaufen lassen und willfährige, im Hintereingang der Protagonisten ruhende Postenopportunisten finden sich auch überall und zu jeder Zeit, die den ganz großen Deal (wie im Falle Insolvenz des FCS und Insolvenzmasse = größtes Kapital in einen Leipziger Vorort hinschenken, der über Nacht auf seltsamen Satzungswegen des NOFV/SFV zu Moneten und Spielrechten gelangt ist) möglich machen.

    Da hilft kein Heulen und kein Jammer, weil die Leuchtturmbrigade des Genossen Tiefensee nun nach der U-Bahn für Arme auch das Projekt Leipziger Fußball hinbekommen hat. Die Traditionsvereine sollten sich auf ihre ureigene Rolle und Kraft besinnen und sich mit dem beschäftigen (oder sich davon motivieren lassen), was den Fußball auch (Gott sei Dank!) ausmacht: Man kann die Siege und Aufstiege nicht immer (und schon gar nicht mit viel Geld) planen, kalkulieren und immer 100 % voraus sagen. (siehe auch Einntracht – Bayern und, und, und….)

    RB hat eine Existenzberechtigung, weil es nun mal auf (sicher zweifelhaftem, aber) legalem Weg die fußballerische Pest nach Leipzig bringen darf. Wer sich damit identifiziert (was allein schon die Intelligenzdebattte überflüssig macht), der soll das in diesem ach so freien Lande auch tun. Mir egal. Für mich gilt: ZSL = tabu + RB = tabu + Kommerzfußball a la RB und Co. = tabu ! Feierabend und aus die Maus.
    Es gibt andere Dinge, auf die man als Leipziger stolz sein kann und darf. Dazu braucht`s keinen Weltkonzern, der nicht einen vernünftigen Arbeitsplatz in dieser Stadt schafft, aber diese Stadt vom Dorf aus, via Fußball, quasi als Marketingplattform zu okkupieren sucht. Clever gemacht von den Strategen in Salzburg, im Rathaus und an der Jahnallee. Das muss man ihnen schon bescheinigen……

    Übrgens: Was wird eigentlich mit den s.g. „Sicherheitsspielen“, wenn RB, wie zu lesen war, dem Stadionbesitzerlein quasi das alleinige Club-Nutzungsrecht aufdrückt ? Allein schon DAS ist ein Grund, diese vermaledeite Fehlinvestition Leipziger GRößenwahns nicht mehr aufzusuchen, denn das Zentralstadion war immer das Stadion aller Leipziger und nicht nur das etwas dörflich hergerichtete Wohnzimmer einer Gilde von Blubberwasserkonsumenten.

    Na ja, ist halt wie im richtigen Leben: Manche SÜnden werden soort bestraft und manche halt eben später.

    Und noch was: Die dümmliche Ani-Ultra-Demagogie erübrigt die Intelligenzfrage auch. Die Leipziger Traditionsvereine bestehen nun mal, zum Leidwesen fußballsüchtiger Neutralospießer, nicht nur aus durchgeknallten Ultras oder politischen Wirrköpfen. Sie sind viel mehr. U.a. sind sie auch der Ort praktischer Jugendsozialarbeit und Plattform für die in diese Richtung wirkenden Fanprojekte. Wer hätte denn Zugang zu Jugendlichen, wenn es diese „überlebten“ Traditionsvereine nicht mehr gäbe ? Primitivlösung der Dosen-Hools (???): „Wir füllen die alle mit unserm Zeuchs ab bis zum Stehkragen; bis die vergessen, dass sie Ultras waren !“
    Albern, oberflächlich und einfach nur gesellschaftspolitisch dünn, was mancher Traditionsvereinen hier so alles zuschreibt. Aber gut: In einer Stadt, in der Leuchttürme und Pseudo-U-Bahnen mehr zählen als dringend notwendige Alltagsarbeit, wo man den Ridneer-Dosen-Olympiawahn lebt, statt sich um primitivse BEdingungen für den Schul-und Breitensport zu kümmern, da darf man wohl nichts anderes erwarten…. (???? Oder doch endlich mal ???)


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    J.Meurer
    23.03.2010 um 11:54
    8

    Mir sei nur die Frage erlaubt: Was hätten wir in Leipzig alles hinbekommen können mit der einen Milliarde, die dieses unseelige U-Bahn-Projekt kosten wird ?
    Und um dem gleich vorzubeugen: Auf keinen Fall die Verhinderung von Vereinsinsolvenzen, denn dafür sind andere (auch wir Mitglieder und Fans, denn wir haben uns., hüben wie drüben, mehrfach ganz schön and er Nase herumführen lassen) nun mal verantwortlich.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
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    23.03.2010 um 17:38
    9

    Jan, das war endlich mal was, dem ich fast vollständig zustimmen kann (große Abstriche würde ich bei der City-Tunnel-Polemik machen – tut einfach nichts zur Sache). Wer hätte das gedacht.


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    Kommentar von
    J.Meurer
    23.03.2010 um 18:04
    10

    @Bastian
    Schade, das Du keine Zusammenhänge sehen willst durch die Brille der rosa-roten Umfallerpanther.
    Ist doch so(von wegen Polemik): Geld wird sinnlos zum Fenster rausgeschmsissen und am Ende will es keiner gewesen sein. Na egal; wenigstens habe ich mal teilweise Zustimmung von Dir bekommen…. welche Ehre.

    P.S.: Mal sehen, wann die nächste Nachschlagshiobsbotschaft zum Thema U-Bahn kommt. „Gott bewahre“ uns davor, dass Tiefensee zurück kommt. Dann gibt`s womöglich auh noch `ne Ost-West-Achse unter Tage. Wundern würde es mich nicht, denn schließlich muss die RB-Belustigungs-Stadion.-Atrappe noch ans Netz angebinden werden.

    (Achtung: Ironie!)


  1. Gravatar of dor_marsl
    Kommentar von
    dor_marsl
    26.03.2010 um 10:45
    11

    @ Jan: um mal kurz off-topic zu werden: Die Stadt Leipzig hat am Tunnel nur einen Kostenanteil von 13 Mio, den Rest bezahlen EU, Bund und Freistaat. Also wäre ein Großteil des Geldes wahrscheinlich eh woanders hingeflossen, da ist auch mal ein wenig Realismus gefragt.

    Was die Sache mit dem Kommerztempel angeht… Klar ist es schön, eine höherklassige erfolgreiche Mannschaft zu sehen. Aber zu welchem Preis? Ich persönlich gehe lieber in der Halbzeit meiner Wurst vom Holzkohlegrill essen, anstatt mich von irgendwelchen dämlichen Spielchen belustigen zu lassen. Ich persönlich gehe zum Fußball, weil ich dieses Spiel und meine Mannschaft liebe, und nicht die ganzen Aktionen drumrum, wo mir alle möglichen Leute was verkaufen wollen. Ob mein Verein da jetzt 5., 2. oder 8. Liga spielt, ist doch in dem Falle egal. Höherklassigen Fußball kann ich auch im Fernsehen gucken, da hab ich genausoviel Werbung.


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    26.03.2010 um 14:13
    12

    Liebes Zentralstadion,

    jetzt ist es um dich geschehen. Dein unverwechselbarer, ostzoniger und doch irgendwie kultiger Name ist weg.

    Immer werde ich an dich denken, wo ich doch in dir als Leichtathlet um Medaillen gelaufen und im Training deine Treppen bis bis zum Umfallen die hoch- und runtergerannt bin.

    Dein Name hat Sportgeschichte geschrieben. Manchmal ideologisch geprägt bei Sportfesten. Manchmal auch einfach nur sportlich bei hitzigen Derbys oder spannenden Europapokal-Spielen.

    Auch wenn ich mich mit vielen Chemikern vergeblich um Stehplätze in deinem neuen Gewand gekämpft habe. Auch wenn ich häufig nur ungern Spiele der dritten und vierten Liga in dir gesehen habe: Es ist schade um deinen alten Namen. Es ist schade um unsere gemeinsamen Erinnerungen

    Aber eins ist klar: Für mich bleibst du das Zentralstadion, egal welchen Namen du trägst. Und bitte sei mir nicht böse, wenn ich dich bald nur noch von draußen anschaue.

    Mach es gut.

    Alex


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    dröhn
    26.03.2010 um 18:03
    13

    Wenn ich so manche Einträge hier lese könnte man glauben die Leute werden mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen ein Spiel von RB zu besuchen. Wenn ihr Kommerz und höherklassigen Fußball ablehnt bleibt doch einfach weg und schaut halt Spiele in der 5. Liga.

    P.S.: Freue mich schon auf ne Wurst und ein Getränk, egal ob Brause oder Bier, im Stadion. Allein dafür ein Dankeschön nach Salzburg.


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    29.03.2010 um 12:21
    14

    Keiner zwingt jemanden, auch nicht Herrn @dröhn, den Charakter an Lonzens Kassen abzugeben. Die Akzeptanz neutraler Fußballkonsumenten wird von niemandem bestritten. Ein Verein besteht aber aus mehr als 6 Ösis und 1 Quotendeutschen, die jegliche weitere Mitgliedschaft von vorn herein ausschließen. Er besteht aus ehrenamtlicher Mitwirkung und aus Herzblut und nicht nur aus bezahlten Stellen.
    Und genau so ist es: WIR schauen uns lieber Spiele in Liga 5 oder 12 an, bevor wir uns unseren Charakter verbiegen lassen und denen auch noch Geld an ihre Kassen tragen, die uns unseren Verein und unseren Sport zerstört haben bzw. ihn einer sinnlosen Kommerzmaschine opfern wollen.
    Also @dröhn, schau Dir Deinen „Verein“ an und hab Spaß, triff Dich mit den 50 anderen vom „Bulls Club“ und verbring Deine Zeit, wie immer Du es willst. Nur verlang DAS nicht auch von anderen, denen nun mal der Sport, ihr Verein und das was da dran hänt wichtiger ist, als stupide, anonyme Konsumentenkacke.

    @dor_marsl
    Für mich ist jeder Cent (und wenn es „nur“ 13 Mio. € sind) zu viel, der in solchen Unsinn gesteckt wird !

    @Alex
    Tja, mein Freund, nun haben die ihren „Wohnzimmerstreit“, die ihn schon immer haben wollten und wir Leutzscher sind endlich raus aus dieser Folterkammer an der Jahnallee.
    Und eins kannst Du mir glauben: Ich drücke denen von Lok ehrlich die Daumen, dass sie in diesem, ihrem „Wohnzimmerstreit“ als Sieger vom Platz gehen. Das werden sie nicht schaffen, aber man wird ja dem Schwächeren noch mal die Daumen drücken dürfen…….
    Am meisten sollte man nicht den fehlenden Stehplätzen hinterher trauern, sondern wütend über die Ignoranz gegenüber Mehrheiten sein ! Aus dieser Wut heraus lässt sich trefflich analysieren, was wirklich zum Niedergang des Leipziger Fußballs und zu einer solchen Übernahme-/Übergabeakion geführt hat.


  1. Gravatar of rotebrauseblogger
    Kommentar von
    30.03.2010 um 12:51
    15

    @j.meurer: „schau Dir Deinen “Verein” an und hab Spaß, triff Dich mit den 50 anderen vom “Bulls Club” und verbring Deine Zeit, wie immer Du es willst. Nur verlang DAS nicht auch von anderen, denen nun mal der Sport, ihr Verein und das was da dran hänt wichtiger ist, als stupide, anonyme Konsumentenkacke.“

    naja, es scheint doch, dass kommentierer dröhn von niemandem verlangt, ins zentralstadion zu rb zu gehen. im gegensatz dazu wissen sie offenbar ganz genau, dass nur ihre art des ehrlichen 5.- oder 12.-liga-fandaseins eine berechtigung hat, sie also anderen vorschreiben, wie diese aussehen müssten, um zum wahren fantum zu gehören.

    mist, dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, mit dem kommentieren ihrer postings gar nicht erst anzufangen.


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    30.03.2010 um 20:55
    16

    @j.meurer,

    ihre definition von gutem, ehrlichen fussi muß und wird gott sei dank nicht meine sein. kommentare und einstellungen wie ihre beweisen zudem eindringlich wie es um die soenannten traditionsvereine bestellt ist, nämlich ziemlich hoffnungslos. da sie uns kommerzfans charakterlich so weit voraus sind sehen wir sie ja auch nicht in er nähe des kommerzempels.

    sehr gut kann ich da nur anmerken, intoleranz und arroganzbeweise gibt’s von den fans der traditionsvereine ja schon genug


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    31.03.2010 um 17:20
    17

    Die Akzeptanz neutraler Fußballkonsumenten wird von niemandem bestritten. Ein Verein besteht aber aus mehr als 6 Ösis und 1 Quotendeutschen, die jegliche weitere Mitgliedschaft von vorn herein ausschließen. Er besteht aus ehrenamtlicher Mitwirkung und aus Herzblut und nicht nur aus bezahlten Stellen.

    Nur noch mal als Erinnerung zum Thema Arroganz und Ignoranz für Zuge“dröhn“te.

    Oder: Wer lesen kann ist klar im Vorteil…..
    Und wer dabei noch verstehen will, dass andere auch Andersdenkende sein können, der zeigt Größe.

    Außerdem ist mir egal, wer und wie viel Leutchen an die Jahn-Allee pilgern. Mit dem Stigma des ewigen Traditionalisten kann ich gut leben und mit dem des sturen alten Traditionalisten (der, so ganz nebenbei, den Zusammenhang zwischen RB „Leipzig“ und der Beugung deutschen Vereins-und Verbandsrechts zu hinterfragen wagt)kann ich sehr gut leben.

    Daher an alle Zuge“dröhn“ten: Viel Freude bei Euerm Event-“Fussi“. Keiner will es Euch vermiesen oder Euch zu etwas anderem zwingen, denn DAS ist Eure Sache. Aber bitte auch den Beipackzettel lesen: Zu viel davon kann erhebliche Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben. Fragt ansonsten auch mal Euer andersdenkendes Umfeld, Euern Arzt oder eventuell einen Apotheker, der in seinem Fachgeschäft gewisse Dosengetränke nicht führt.
    So viel Zeit muss einfach auch sein…..


  1. Gravatar of dröhn
    Kommentar von
    dröhn
    02.04.2010 um 13:20
    18

    @j.“Mauer“kopf,

    schön die eigenen Kommentare beherzigen die da lauten

    „Und wer dabei noch verstehen will, dass andere auch Andersdenkende sein können, der zeigt Größe.“

    Schönes Leben in Liga 5 – 12.


  1. Gravatar of Die Sache mit der Fankultur | rotebrauseblogger
    19

    [...] die zum bierduschenden, schiedsrichterbepöbelnden Auswärtsmob gehören „unter den Lebenden“ (by Alex). 3 prototypische Äußerungen über das Fandasein, wie es sie im Netz zuhauf gibt (und die [...]




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