Stühlerücken bei Red Bull: Beiersdorfer lässt keinen Stein auf dem anderen
Mittwoch, 10. Februar 2010, 20:43 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 10. Februar 2010, 20:48 Uhr
Abgelegt unter: Kommerz- & Medienfußball, Medienschau, Vereinspolitik

Präsi Andreas Sadlo weg, Physio Nils Haacke weg – das Personalkarussell dreht sich immer schneller, und am Ende bleibt Dietmar Beiersdorfer als Einziger sitzen. Eine Bestandsaufnahme

Es ist Winterpause – und im beschaulichen Markranstädt kommt RasenBallsport Leipzig nicht zur Ruhe. Nachdem zunächst vor drei Wochen mit Andreas Sadlo der Vater des Projektes im Zuge eines Machtkampfes geräuschvoll entsorgt worden war, musste nun Chef-Physiotherapeut Nils Haacke dran glauben. Dessen Weggang hatte der Red-Bull-Klub am Montag über die Vereinshomepage kolportiert. Zu dem Warum hieß es:

Hintergrund der überraschenden Trennung ist ein Trauerfall in der Familie von Nils Haacke, der sich bereits am 31. Dezember 2009 zugetragen hatte. „Aufgrund der permanent hohen Arbeitsbelastung hatte ich keine Möglichkeit, das persönlich Erlebte ausreichend zu verarbeiten“, so Haacke.

Die eigentliche Ursache der Demission Haackes hat Guido Schäfer heute in der Leipziger Volkszeitung aufbereitet. Schäfer macht „Risse im Hochglanz-Produkt RB“ aus und klärt auf:

Es knirscht im Gebälk der Rasenballer, die wahren Gründe für den Weggang von Chef-Physiotherapeut Nils Haacke werfen kein gutes Licht aufs Hochglanz-Produkt RB Leipzig. Von Einvernehmen kann keine Rede sein, der Aufmüpfige wurde schlicht und ergreifend entlassen. […]

Nach Informationen dieser Zeitung schwelte es seit Monaten zwischen Coach Tino Vogel und Physio, musste Chef Sadlo mehrfach befriedend eingreifen. Auch in Spielerkreisen war Haacke nicht der Beliebtesten einer, ging vor allem betagteren Profis mit seinem olympischen Motto höher, schneller, weiter auf den Geist. Als Sadlo nach einem Machtkampf mit Dietmar Beiersdorfer gehen musste, war der alles andere als unterwürfige Haacke zum Abschuss freigegeben. Plötzlich ging alles ganz schnell, sprachen Vogel und Kapitän Ingo Hertzsch bei Beiersdorfer vor, der wiederum Sportdirektor Joachim Krug anrief und befahl: Löse das Problem! Und Krug, der große Stücke auf Haacke hält, löste.

Makaber und pietätlos

Der Trauerfall ein bloßer Vorwand. Das ist nicht nur makaber, sondern – dass ich das noch einmal sagen werde: – pietätlos. Aber zurück zur Personalie: Es scheint, als wäre Haacke ausgerechnet seine Professionalität zum Verhängnis geworden. Das ist durchaus pikant, gebärdet sich doch der Red-Bull-Fußball als Inkarnation der rationalen Seriösität und lässt keine Gelegenheit aus, die (lokale) Fußballwelt mit folgendem Sendungsbewusstsein zu beglücken: Wir machen alles besser als bisher, einzig wir sind in der Lage, diese Stadt zu retten. Doch nach den unfreiwilligen Abgängen von Präsident Sadlo und Chef-Pyhsio Haacke kann das unterklassige Fußball-Leipzig aufatmen: In Fuschl-am-See-Markranstädt scheinen sie ihre Bälle auch nur mit Luft aufzupumpen.

Unterdessen wird das Projekt RasenBallsport Leipzig immer mehr zur Salzburger Chefsache. Guido Schäfer enthüllt: „Brandheiß: Dietmar Beiersdorfer wird in Kürze als neuer RB-Präsident vorgestellt“. Im November war Dietmar Beiersdorfer das Amt als Leiter der Red-Bull-Fußballabteilung angetreten. Als erste Amtshandlung entließ Beiersdorfer im Januar Andreas Sadlo, im Februar folgte Nils Haacke, der im letzten Sommer erst „von Ex-RB-Boss Andreas Sadlo sturmreif geschossen werden [musste] für den Rückschritt in die 5. Liga“ (Schäfer). Und jetzt wird der ehemalige Sportchef des Hamburger SV Präsident der Leipziger Fußballhoffnung.

Red Bull Salzburg hausintern herabgestuft

Wie kommt das eigentlich beim Salzburger Prototyp des Red-Bull-Franchises an? Beiersdorfers zukünftige Tätigkeit als Multifunktionär sowohl als Mateschitz’ Fußballchef, als auch als dessen Leipziger Exekutor bedeutet nichts Anderes als eine Herabstufung des FC Red Bull Salzburg in der hausinternen Prioritätenliste. Dabei steht der „FC Salzburg“ (so die offizielle UEFA-Sprachregelung) unter Huub Stevens nach Siegen in allen sechs Gruppenspielen souverän in der Runde der letzten 32.

Wie auch immer, die Markranstädter Drähte in die Red-Bull-Machtzentrale werden in den nächsten Wochen sicherlich nicht länger werden. Und wenn Dietmar Beiersdorfer dann höchst selbst einmal Alexander Zickler zu RasenBallsport Leipzig delegiert, bin ich hoffentlich schon bei Red Bull akkreditiert: als Boulevard- und Society-Blogger. Zumindest wenn mir Guido Schäfer den Job nicht vorher wegschnappt.




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4 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Testleser
    Kommentar von
    Testleser
    11.02.2010 um 12:44
    1

    Ach komm, das Markranstädter Stühlerücken ist im Vergleich zur DFB-Posse doch nun wirklich weit weg davon, geräuschvoll zu sein. Dass Red Bull seine (Ex-)Mitarbeiter im Zuge einer Trennung nicht auch noch öffentlich abwatscht, ist ihnen zudem hoch anzurechnen. Dass G.S. daraus gute Stories bastelt ist wiederum diesem hoch anzurechnen. Da zeichnet sich schon ab, welch hohen Unterhaltungswert der RBL und seine mediale Bearbeitung in höheren Ligen haben wird..


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    11.02.2010 um 15:52
    2

    @Testleser: So wirds wenigstens nicht langweilig. Ich freue mich auf mehr davon, da kommt sicherlich noch was.

    Im Übrigen möchte ich mich bei allen Lesenden für die Überschrift entschuldigen: die ist mit zwei sprachlichen Bildern gnadenlos überladen 😀 – gelobe Besserung.


  1. Gravatar of Randleipziger
    Kommentar von
    Randleipziger
    15.02.2010 um 21:20
    3

    Beim Thema Rote Brause Markrans wirft sich doch ( abseits der Stars & Sternchen aus der Vorstandsetege) vor allem eine Frage auf: Was ist eigentlich aus dem großpratschig angekündigten „Widerstand“ gegen die pöhse Kommerzionalitis geworden?
    In Jena hats wenigstens noch zu ein paar Bierduschen vom leicht angekifften Horda Azzurro – Nachwuchs am ersten Spieltag und immerhin einem schneidigen Schriftzug an der neuen Brücke über die A4 gereicht – aber in LE? Können doch wohl nicht alle mit „Hasch mich – ich bin der Nazi/der Antifaschist/die Insolvenz/die eigentliche BSG/der Wahre Chemiker ( kein Anspruch auf Vollständigkeit)“ beschäftigt sein?


  1. Gravatar of Das Red-Bull-Dossier | chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    4

    [...] und Anfälle von Selbstironie in der RB-Fankultur, Salzburger Muskelspiele und diskussionswürdige Personalentscheidungen, eine bisher kaum ernsthaft verfolgte Marketing-Gegenstrategie für Traditionsklubs (bekannt [...]




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