Robert Enke (†): Gedenken und Mahnung
Donnerstag, 12. November 2009, 17:44 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12. November 2009, 17:48 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, Medienschau
Der tragische Tod von Robert Enke erschüttert nicht nur die Welt des Fußballs. Für mich persönlich ist es erschreckend, wie wenig ich über den Fußballer und Menschen Robert Enke wusste. Der gebürtige Jenenser war mir immer positiv aufgefallen: durch Leistung auf und Zurückhaltung neben dem Platz, ganz anders als viele seiner Torhüterkollegen.

Was für ein gebrochener Mensch Robert Enke war, kommt erst jetzt zum Vorschein. Er vermochte es, der Öffentlichkeit und scheinbar selbst seinem Umfeld seine Depressionen zu verbergen. Nur, wer genauer hinsah, konnte hinter seine Fassade blicken. Das gelang Ronald Reng in einem heute umso aussagekräftigeren ZEIT-Porträt bereits vor fünf Jahren.

Es ist nicht nur der Spitzensport, sondern die gesamte Gesellschaft, die sich nun unbequeme Fragen stellen – und entsprechende Antworten finden – muss. „Für Schwäche ist in dieser Gesellschaft kein Platz“, sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf gegenüber dpa. „Wir sollten das Thema bearbeiten, wir müssen darüber sprechen.“ Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt. Ein Phänomen, das im Leistungssport höchstwahrscheinlich besonders stark präsent ist. Thomas Kilchenstein kommentiert in der Frankfurter Rundschau:

Depression gehört wie Homosexualität oder Burn-out-Syndrom zu den Tabu-Themen der Bundesliga. Auch Sebastian Deisler ist an den Härten dieses Geschäfts fast zerbrochen. Vielleicht rüttelt der Tod von Robert Enke wach: Es ist nur ein Fußballspiel – das wahre Leben ist anders.

Tiefe Einblicke in den immensen Druck, der auf Bundesligafußballern und nationalen Hoffnungsträgern lastet, hat Sebstian Deisler erst vor einem Monat in einem bemerkenswerten ZEIT-Interview gegeben. Deisler blieb nichts Anderes übrig, als auszusteigen. Robert Enke gelang das nicht. Sein Tod ist eine Mahnung. Das Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie.




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