Vom Insolvenzklub zum Überraschungsteam
Montag, 2. November 2009, 16:27 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 5. November 2009, 14:09 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Kommerz- & Medienfußball, Vereinspolitik

Während Red Bull souverän, aber nicht berauschend die NOFV-Oberliga Süd dominiert, überrascht der insolvente FC Sachsen Leipzig mit kontinuierlicher Aufbauarbeit. Eine Analyse nach elf Spieltagen

Authentizität, Solidität und sportlicher Erfolg – der FC Sachsen Leipzig ist im Herbst 2009 das Überraschungsteam unter den Leipziger Oberligisten. Es scheint zu laufen bei den Leutzschern. Mit dem unerwarteten 4:2 (2:1) bei Spitzenteam Germania Halbstadt stieg die Zahl ungeschlagener Spiele in Folge auf zehn an, auswärts ist der FCS diese Saison noch ungeschlagen. Noch vor einem halben Jahr war diese Entwicklung undenkbar.

Dirk Heyne scheint in Leutzsch das zu vollbringen, was ihm bereits vor sechs Jahren beim 1. FC Magdeburg gelang. Er bringt einen insolventen, an seinen Ansprüchen gescheiterten Klub per Jugendstil auf sportlichen Erfolgskurs. Die Alterspräsidenten im Leutzscher Kader heißen Kevin Kittler, Mario Scholze und Daniel Lippmann – mit gerade einmal 27 Jahren. Die Erfolgself von Halberstadt kam im Schnitt auf gerade einmal auf 22,7 Jahre. Die jugendliche No-Name-Lösung des FC Sachsen könnte zugleich der Schlüssel zur finanziellen Konsolidierung sein. In den Medien wurde kolpotiert, dass der Verein maximal 401 Euro pro Kicker im Monat ausgebe. Die Leutzscher Zukunft steht und fällt mit Dauer und Ausgang des Insolvenzverfahrens. Ist in Leutzsch langfristig ehrlicher, auf finanzieller Solidität und Fannähe beruhender Fußball möglich?

Seit dem Red-Bull-Einstieg in den Leipziger Fußball kann der FC Sachsen zumindest eines: in Ruhe arbeiten. Die Medienfrequentierung hat deutlich abgenommen. Am nächsten Tag steht nicht mehr in der Zeitung, welcher Spieler in welchem Lokal welche Blondine klargemacht hat. Der FC Sachsen ist längst nicht mehr die letzte Hoffnung verzweifelter Fatalisten, die Leipzig ohne Rücksicht auf Verluste in die Bundesliga führen wollen. Stattdessen scheint im Schatten des Expansionsdranges des Dosenimperiums genügend Raum für nachhaltige Aufbauarbeit.

Während sich RasenBallsport Leipzig den quasi jetzt schon feststehenden Aufstieg teuer erkauft und der 1. FC Lok Leipzig einmal nicht über seinen Verhältnissen spielt, begeistern die Leutzscher nicht nur mit erfolgreichem, sondern auch attraktivem Fußball. Beispielhaft dafür stand das Derby Ende August gegen Lok. Während es für die Probstheidaer nur zu besserem Altherrenfußball reichte, überzeugten die Leutzscher technisch und zeigten phasenweise sogar modernen One-Touch-Fußball. Allein vor dem Tor versagten die Gandaa & Co. Dass das jedoch kein Dauerzustand sein muss, beweist der Sieg in Halberstadt. Wie viel dieser Wert sein wird, zeigt sich schon am kommenden Wochenende. Gegen den Tabellenzweiten Carl Zeiss Jena II sollten die Grün-Weißen endlich auch einmal im Alfred-Kunze-Sportpark überzeugen.




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6 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Sündenbock
    Kommentar von
    Sündenbock
    04.11.2009 um 20:01
    1

    Sauber, Basti ; )


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    05.11.2009 um 11:10
    2

    Kaum gibt es einen Beitrag, der sich nur um Fußball dreht, lässt die Kommentarfreude der „Politik-raus-aus-dem-Stadion“-Verfechter nach. Komisch.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    05.11.2009 um 14:02
    3

    Danke für die Hinweise. Das erinnert mich frappierend an eine alte Journalisten-Weisheit: „Bad news is good news“.


  1. Gravatar of Sündenbock
    Kommentar von
    Sündenbock
    06.11.2009 um 1:43
    4

    Möchte an der Stelle anmerken, dass ich einer derjenigen bin, dass bei „politischen“ Beiträgen besondern aktiv ist. Dennoch finde diesen Artikel sehr gut.


  1. Gravatar of Sündenbock
    Kommentar von
    Sündenbock
    06.11.2009 um 11:27
    5

    Ups, Alex‘ Beitrag hab ich ja mal völlig fehlinterpretiert.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    06.11.2009 um 14:25
    6

    Na, kann ja nach dem siebenundzwanzigsten Bier auch gut mal passieren xD. Prosit!




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