Guerilla-Kampf als letzter Weg?
Mittwoch, 26. August 2009, 13:50 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 26. August 2009, 13:51 Uhr
Abgelegt unter: Fanszene, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Kommerz- & Medienfußball, Medienschau

Viele Ultràs und engagierte Fans scheinen dem Modernen Fußball machtlos gegenüberzustehen. Eine Leseempfehlung

Auf dem Ultrà- und Hooligan-Portal ultrafans.de bin ich auf einen interessanten Beitrag von Peter Gernhocke gestoßen, in welchem sich der Autor ebenso kritisch wie polemisch mit dem aktuellen Zustand der deutschen Fanszenen im Allgemeinen und der Ultrà-Bewegung im Besonderen auseinandersetzt. Gernhocke rechnet so ziemlich mit allem ab, womit man abrechnen könnte und was sich unter Moderner Fußball subsumieren lässt: der „Siegeszug der Marketing und Finanzzexperten“, der Kapitalismus, die Kriminalisierung von Fußballfans, Polizeiwillkür, Event-Fußball und Konsum-Fans, willfährige Verbände, korrupte Funktionäre, die Sexualisierung des Fußballs, die Kritiklosigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien und auch die Hopp-Hoffenheim, Volkswagen-Wolfsburg, Gazprom-Schalke, RasenBallsport „Red Bull“ Leipzig und Guido Schäfer.

Den Ultràs nimmt der Moderne Fußball zunehmend den Lebensraum:

In einer vom Geld gesteuerten Gesellschaftsordnung ist kein Platz für aufsässige junge Menschen mit Idealen, die nicht konform mit der kapitalistischen Grundordnung sind. Kapitalismus bedeutet Kommerz und nur mit ständig neuen Märkten und steigendem Wirtschaftswachstum kann er auch von seinem Aussterben bewahrt werden. Sozialismus oder Kommunismus sind Märchen aus längst vergangenen Tagen und neue Gesellschaftsordnungen wird es niemals geben!

In seiner radikalen Rundumkritik lässt Gernhocke auch am Zustand der deutschen Ultrà-Bewegung kein gutes Haar:

Man streitet sich ob man linke oder rechte Politik mit ins Stadion nehmen sollte um vielleicht auf diesen Weg etwas in die richtige Richtung zu verändern.

Anstatt sich auf den „wahren Gegner“ zu konzentrieren, würden sich viele Gruppen eher auf das Fetzen von gegnerischen Fanutensilien spezialisieren.

Wenn alles schlecht ist, was will Gernhocke dann? Sein zu diskutierendes Schlussplädoyer zitiere ich einfach mal unkommentiert, bei all dieser Tendenziösität und Meinungsmache in diesem Blog:

Für Ultras und deren Anhängerschaft könnte eine weitere Niederlage in diesem ungleichen David-Goliath-Kampf [mit Red Bull, d. Verf.] gegen den immer unerträglich werdenden Kommerz schon bald endgültig das völlige Aus bedeuten. Die einzigste Chance besteht im großen Zusammenhalt der deutschlandweiten Szene und dem Kampf auf einem bisher unbekannten Terrain. Eine Art Guerilla Kampf mit absurden Mitteln und Möglichkeiten ist praktisch der letzte Weg um vielleicht hier noch einmal ganz groß zu punkten. Der Kreativität sollte man dabei keine Grenzen setzen. Banner und Transparente sowie Rufe mit Scheiß Red Bull kann man sich durchaus sparen, der Nutzen liegt bei Null. Sollte am Ende auch dieser Kampf in die Hose gehen, kann die letzte Generation der Ultra Nachkommenschaft Ihre Ultra Rente beantragen und Ihren Kindern irgendwann erzählen, was sie alles so in Ihrem obercoolen Ultradasein so Alles erreicht haben – nämlich rein gar nichts.

Disclaimer: Alle grammatikalischen und Rechtschreibfehler in den Zitaten jeweils im Original.




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  1. Gravatar of Das Red-Bull-Dossier | chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
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    [...] bisher dennoch vergleichsweise gering und erschöpft sich – zugegeben – an dieser wie an anderer Stelle in theoretischen Pamphleten. Als der FC Sachsen zum Spiel gegen RB Leipzig vom [...]




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