Red Bull verleiht manchmal auch kurze Beine
Dienstag, 23. Juni 2009, 18:15 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 4. August 2010, 12:27 Uhr
Abgelegt unter: Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Gewalt & Rassismus, Kommerz- & Medienfußball, Vereinspolitik

Vor drei Jahren wollte Red Bull schon einmal den Leipziger Fußball beflügeln. Das avisierte Opfer: der FC Sachsen Leipzig. Damals interviewte die Redaktion des legendären Chemie-Fanzines Culthoch64 Moritz Grobovschek, den Vorstandsvorsitzenden des SV Austria Salzburg. Wie der Violett-Weiße heute den Red-Bull-Einstieg in Markranstädt bewertet, zeigt ein Gastbeitrag von Culthoch64-Redakteur A. Raithel

Nun ist es also passiert. Red Bull hat in Leipzig den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Eine widerspenstige Fanszene gibt es in Markranstädt nicht. Nennenswerte Proteste sind nicht zu erwarten.

Aber was eigentlich erwartet den Fan, wenn in acht Jahren die Bundesliga erreicht ist? Welchen Kommunikationsstil pflegt eigentlich dieser Konzern, der nun Fußballfilialen in Salzburg, New York und Markranstädt besitzt? Warum eigentlich investiert Red Bull gerade in Markranstädt und nicht Cottbus, Aue oder Rostock?

Antworten darauf sind zu lesen im Interview mit einem Aussteiger. Einem Fan von Austria Salzburg. Moritz Grobovschek erzählte im Februar 2007 dem Fanzine Culthoch64, wie die Fans den Kampf gegen den Verlust der Farben, des Namens und der Identität ihres Vereins verloren und eine „neue Austria“ gründeten ( „Wie Disneyland auf einer Skihütte“ – Moritz Grobovschek im Interview mit Culthoch64).

Was eigentlich bewegt einen Sprecher von Red Bull zur Aussage,

[die Ablehnung von Gewalt sei] der Grund gewesen, warum wir uns in Salzburg von der alten Fanszene getrennt haben: Dort haben wir kurzfristig tausend Anhänger verloren und mittelfristig zehntausend dazugewonnen[?]

Vor allem dieses Zitat aus einem Artikel von Spiegel Online gab uns den Anlass, das Interview noch einmal aus dem Archiv zu holen. Den aktuellen Kommentar von Moritz Grobovschek zum Gedächtnisverlust der Marketingstrategen liefern wir gleich mit:

Das Thema Gewaltabwendung ist das Totschlagargument, um von einem europaweit unschlagbar dilettantischen Einstieg in den Fußball abzulenken. Tatsache ist, dass damals kein einziger zu Schaden gekommen ist und sich schon aufgrund eines möglichen Neubeginns der Anhang in Violett fast zu gesittet verhalten hat, was in anderen Szenen wohl unmöglich gewesen wäre. Viel mehr war der Beginn durch peinliche Transfers gekennzeichnet und die Verwandlung des Stadions in einen Diskostadl kombiniert mit Fußballunkenntnis das Resultat.

Jetzt, fünf Jahre später, kann noch immer nicht von einem Klub gesprochen werden, der international für mehr Furore gesorgt hat als irgendein anderer Verein in Österreich. Selbst bezahlte Listungen vom Ausrüster in den Metropolen Europas tragen nicht dazu bei, dass mehr Menschen das Logo tragen, auf dem sich zwei Stiere gegenüberstehen mit dem Hintergrund eines Rühreis – oder doch einer Sonne? Nochmals zum Thema Aggressivität oder Gewalt, für den ach so friedensfreudigen Konzern sind ehemalige Kampfflugzeuge als Symbole für die Marke kein Problem.

Die Rückseite von Culthoch64 aus dem Februar 2007 ist im Juni 2009 aktueller denn je:


Leipziger Fußballfans: „Für Erfolg tun wir alles“ (zum Vergrößern anklicken; Bildrechte: Culthoch64)




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10 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    24.06.2009 um 10:03
    1

    Na gut: Das Dummheit weh tut, dürfte allen vernunftbegabten und schmerzfrei lebenden intelligenten Wesen klar sein.
    Alledings: Das man „Gewalt“ als Totschlagargument für einen primitiven Stadelfußball an den Haaren herbei zieht, passt so richtig zu der dummen Politik am Standort Leipzig in den vergangenen 20 Jahren !
    Da haben sich also gleich mehrere gefunden, die a.G. ihrer Schmerzen glänzend zusammen passen:
    1. Der große „Mäzen“ des Leipziger Fußballs, der durch seine dilletantischen Adlaten einen Traditionsverein an die Wand knallen lassen hat, in dem er u.a. das „Mäzenatentum“ über Nacht (via fristlos gekündigter Verträge)in das Verhalten eines Kredithais wandelte, und dem man einst goldene Berge versprach, als man im Rathaus einen „Dummen“ als Investor und Betreiber für olympische und fußballerische Großmannssucht (der inzwischen entschwundene OBM nannte so etwas „Leuchtturm“).
    2. Die seit 20 Jahren typisch Leipziger Übertreiberpolitik, die uns – neben zusammenfallenden Schulturnhallen – vor allem eine überkandidelte Olympiabewerbung und eine U-Bahn für Arme bescherte, wird in einem Rathaus gemacht, dem der Fußball (typisch für Unwissende) stets Mittel zum Zweck war und die weder vor seltsamen Bürgschaften zur VfB-Finanzierung noch vor sinnlosen Finanierungsgebilden für das NWLZ des FCS zurück schreckten, allerdings die Drittelfinanzierung von Fanprojekten und Fansozialarbeit (das ist knallhartes Streetworking und keine medienwirksame Show !)als bis 5 nach 12 unnötig betrachteten. Zu allem Übel fanden sie in Herrn Kölmel auch noch einen, der in seiner ganzen positiven Naivität den Luftschlössern in Form neuer Stadien und der Olympiabewerbung auf den Leim ging.
    Und dann, als das (Fußball-)Kind im Sterben lag, wollten die Herrschaften im Rathaus nix mehr davon wissen (Tiefensee macht in Berlin Karriere, Tschense hat sich -im wahrsten Sinn des Wortes- ganz „schnell“ aus dem Staub gemacht und Rosenthal wusse und weis sowieso von nix was, warum also vom Fußball).
    3. Der Blubberwasserkonzern, dem der Fußball Mittel zum Zweck ist, was jeder nachvollziehen kann, der die Mechanismen von Marketing und Profit rund um ein Produkt als Realität anerkennt.
    Sie werden ja in Leipzig nicht 1000 Fans verlieren, um 15000 zu gewinnen. Die 1000 wurden ja schon vorher aus dem FCS vertrieben, der Verein sturmreif geschossen und ausgeblutet. Und da, wo es keinen interessiert was RB in Leipzig macht, wo der Stolz und die Werthaltigkeit noch eine größere Rolle spielen wie Fußballkaspertheater (also bei der BSG und bei LOK), da konnten sie keinen vertreiben.
    Macht mal ruhig so weiter…..

    Das Projekt RB Leipzig wird, so befürchte ich, eine neue Spirale der Gewalt in Gang setzen, denn wer Fußball „machen“ will, die Fußballfans aber nicht mitzunehmen bereit ist, der provoziert regelrecht das Abwandern in Nischen ! So hat man es in Leipzig u.a. bereits geschafft, dass Teile der Fanszenen politisch beeinflusst, um nicht zu sagen radikalisiert, sind. Wie beim Stadion in Bezug auf den FC Sachsen: Mehrere Tausend Unterschriften für Stehplätze und für ein Mitwirken der Fans am Stadionkonzept wurden (übrigens ein grober Verstoß gegen das nationale Konzept Sport und Sicherheit) einfach ignoriert. Die kleinen Provinzsonnenkönige haben sich ihr Stadion hingesetzt und der Bratschenspieler hatte seinen Fernsehauftritt. Was kümmern da diese Leute egentlich sozial-psychologische Zusammenhänge in puncto Fußball bzw. tausende (vorwiegend jugendliche) Fußballfans !
    Leipzig ist und bleibt der Ort des Größenwahns und daher haben sich die richtigen Leute gefunden, um im Fußball auf Kosten der Traditionsvereine verbrannte Erde zu hinterlassen, sich eine „disziplinierte“ Eventkultur an der Jahnallee zu etablieren und – siehe Entwicklung in der Hofberichterstattung – einfach zu übergehen, dass seit 1963 / 64 die Politik in dieser Stadt die Ursache allen Übels in Bezug auf die Provinzialität und Lächerlichkeit des Fußballs ist ! Es gibt keinen Unterschied zwischen den Sonnenkönigen von damals und denen von heute im Rathaus: Keine Ahnung vom Fußball und den Vereinen, aber immer wenn das Speilzeug nützlich ist einmischen !

    Was bleibt ?
    Die große Chance für Traditionsvereine, sich im Schatten dieser Leipzig heimsuchenden Gigantomanie mit Kreativität und Geschlossenheit, vor allem aber unabhängig von dieser Entwicklung (das ganze Geschwafel, dass der Leipziger Fußball von RB partizipieren werde und das man angeblich nict in Konkurrenz zu den Vereinen auf den Markt drängt ist doch unglaubwürdig und hirnrissig) zu konsolidieren und später sportlich und wirtschaftlich der Stachel im Fell des Establishments zu sein, gefällt mir am meisten am Einstieg von RB in den Leipziger Fußball. Dann wird der Leutzscher Fußball hoffentlich endlich in Ruhe gelassen von irgend welchen Rathaus-Möchtegern-Fußballexperten und Stadionbetreibern, wenn er sich nicht vorher noch zur Erlangung von Insolvenzmasse mit Haut und Haaren ebenfalls an die Brausemacher verkauft.

    Ein perfides Spiel nähert sich dem Höhepunkt und wie unwissend und absurd argumentierend die Herrschaften der Brausefabrik eigentlich sind, zeigt diese hier geschilderte Gewalt-“Argumentation“.

    Na gut, für mich war die Maske schon gefallen, denn ich hab mich mit der Austria und der Dampfhammerhistorie des RB-Einstiegs in Salzburg beschäftigt, als man Leutzsch schon einmalbedroht hat. Da kann ich nur sagen: DURCHHALTEN AUSTRIA, DENN IHR SEID DER FUSSBALL !

    Klar, in Leipzig werden sich auch genug Leute finden, denen ein Marketingevent garniert mit nem bissel Fußball gefällt. Ist nicht meins und da der Fußball DIE OPER DES VOLKES ist und bleibt, mögen sich die VIPs ruhig an die Jahnallee verziehen. Die erfolgshungrigen Schnellbootkapitäne mit dem Hauch von Championsleague in der zu hoch getragenen Nase werden sich auch dem „Erfolg“ zuwenden. Das reinigt die Luft im Stadtteil und lässt in den Vereinen (wenn diese aufpassen) kreative Ruhe einziehen.


  1. Gravatar of A. Zielke
    Kommentar von
    A. Zielke
    28.06.2009 um 16:14
    2

    Bei so viel Negativem möchte man sich eigentlich vom nächstgelegenen Hochhaus stürzen. Man kann aber auch auswandern wenn hier alles so schlecht ist!!!

    Von welcher fußballerischen Tradition reden wir eigentlich? Seit 20 Jahren eine Million nach der anderen verbrennen?? Sich nach über 40 Jahre nach der vermeintlichen Grund der Anfeindungen eines anderen Vereins gegenseitig auf die Fresse zu hauen randalieren und sich mit Polizisten (die mir in diesem perfieden Spiel am meißten leid tun!!) zu jagen?? Die richtigen Fans, die nämlich gepflegten und friedlichen Fußball sehen wollen immer mehr zu vergraulen?? Den unfähigen und völlig überforderten Vereinsspitzen noch hinterher zu trauern?? Wenn kein anderer zu sehen ist auf Jeden und insbesondere auf das Rathaus meckern, (die sich im Übrigen wirklich nicht mit Rum bekleckert haben)??? Die nächsten hundert Jahre hoffen, dass mit den zur Verfügung stehenden „9,50 Euro“ der Stadtteilverein in Leutzsch oder Probsthaida mal guten Fußball spielen??
    Ich bin gerne zu den Spielen des 1. FC Lok in den 80ern gegangen und erinnere mich insbesondere an die phantastische Stimmung im Zentralstadion gegen Bourdeauxe.
    Ich bin auch in den letzten Jahren gerne immer mal zum FC-Sachsen gegangen und erinnere mich auch gerne an das Aufstiegspiel gegen Schönberg.

    Und was ist geblieben??

    Insolvenz in Leutzsch und markige Sprüche sowie einen Erfolgschoach auf dem Abstellgleis in Probsthaida.

    Wie soll es weitergehen??

    Ohne Geld wird bald garnichts mehr weitergehen. Da nützt auch die beste Kreativität nichts!!! Es gibt in Leipzig so viele Vereine die besser und kreativer arbeiten als Sachsen und Lok zusammen und leider auch auf keinen grünen Zweig kommen.
    Aber das dürfte einen gelernten DDR Bürger nicht sonderlich wundern, denn wir haben es ja eigentlich in der Schule gelernt. Und wer gedacht hätte, dass der Kapitalismus um die Sportvereine einen Bogen macht sollte langsam nach 20 Jahren Vereinigung aufwachen.

    Sicher, auch ich könnte mir was Besseres vorstellen als RB Leipzig. Aber lassen sie uns dieses Projekt doch als Chance sehen, mit allen negativen und positiven Begleierscheinungen die es sicherlich geben wird, nicht für mich persönlich nicht für Sie persönlich, sondern für tausend fußballbegeisterte Menschen in und um Leipzig und nicht als Untergang des „freiheitlich demokratischen Fußballs“, der im übrigen ab der 4. Liga schon lange nicht mehr existiert. Wer die Kapelle bezahlt bestimmt auch die Musik. Daran muss man und wird man sich gewöhnen.

    Ich hoffe und glaube nur, dass sie nicht Recht behalten mit der Gewaltspirale, denn das wäre der Untergang des Fußballs in Leipzig für die nächsten „hundert“ Jahre. Dann hätten wir es auch nicht anders verdient. Ich hoffe die Leipziger lassen sich das nicht von 100-300 Idioten und Schwarz/Weißsehern ohne Hirn und ohne Mut zu neuen Wegen versauen.

    Und ein „Gutes“ hat RB auf jeden Fall. Die Chaoten und Traditionsfanatiker von Lok und Sachsen haben endlich ein einheitliches Feindbild, das schon zu Verbrüderungsszenen geführt hat. Wie krank ist diese Welt????


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    29.06.2009 um 12:41
    3

    Drei Totschlag-Argumente der RB Markranstädt-Verfechter. Drei Kommentare.

    Das „Ihr seid doch alle nur neidisch“-Argument
    Proteste gegen den Einstieg von RB in Salzburg gab es 2005 weltweit (http://www.violett-weiss.at/so.....bilder.php). Wenn Fans in Schweden gegen den Einstieg von RB in Österreich protestieren, kann Neid keine so große Rolle spielen. Dass es bisher außerhalb Leipzigs keinen Protest gegen den Einstieg bei Markranstädt gibt, liegt an der kleinen Fanszene des SSV, der Sommerpause und daran, dass der Verein in Deutschland keinen Namen hat. Sobald der Spielbetrieb in der Oberliga Nordost-Süd begonnen hat, werden nur wenige Spiele ohne Meinungsäußerung gegen RB über die Runden gehen. Und das würde sich in den Folgejahren oberhalb der Oberliga kaum ändern.

    Das „Wir wollen keine Gewalt“-Argument
    Mit wenigen Promille der angeblich 100 Millionen Euro, die RB in ehemalige Nationalspieler investiert, könnte die Fan-Sozialarbeit in Leipzig auf wesentlich stabilere Füße stellen. Gesellschaftliches Engagement hat sich RB aber nicht auf die Fahnen geschrieben. Sicher hätte RB-finanzierte Fanarbeit auch ein Akzeptanzproblem. Mit einem naivem „Bei uns gibt es keine Gewalt“ wird RB aber in Leipzig keinen langfristigen Erfolg haben. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird nie Gewalt von RB-Fans ausgehen. Aber macht das den Fußball in und um Leipzig sicherer?

    Das „Wir wollen doch nur guten Fußball“-Argument
    Ehemalige Nationalspieler gegen Freizeitfußballer antreten zu lassen ist nichts anderes, als das Rennen eines VW Golf gegen einen Formel1-Boliden zu bejubeln. Guter Fußball ist das nicht. Sicherlich eine sehr subjektiv geprägte Sichtweise. Wer aber schon einmal selbst sportliche Wettkämpfe bestritten und die Spannung knapper Spiele lieben gelernt hat, wird an dieser Stelle ein Kopfnicken nicht unterdrücken können.

    Und wer Fankultur nicht ständig als Prügelei verfeindeter Prolls interpretiert, sondern eine mündige Fanszene als artgerechte Haltung für Fußballfans ansieht, der wird mit dem RB-Experiment ebenfalls wenig anfangen können. Zwischen der Bestellung einer Dose Red Bull vom Stadionsitz aus (siehe Interview mit dem Salzburger Moritz Grobovschek) und tagtäglich-freiwilligem Engagement für „seinen“ Verein liegen Welten. Unüberbrückbare Welten.


  1. Gravatar of Achim
    Kommentar von
    Achim
    30.06.2009 um 3:44
    4

    Möchte auch mal meinen Senf dazugeben:

    Die Diskussion bzgl. der Gewalt ist doch reichlich übertrieben bzw. lässt sich wohl kaum allein auf „Leipziger Rivalitäten“ zurückführen.
    Sicher gibt es diese Rivalität zwischen Leutzsch und Probstheida. Allerdings nicht vorrangig in der, von den Medien häufig übertriebenen dargestellten Gewalt gegeneinander. Es gibt tausende Anhänger beider Seiten, denen es kaum in den Sinn kommen würde, ihrer Abneigung gegenüber des gegnerischen Vereins durch Gewalt Ausdruck zu verleihen. Ich bin selbst Fan von Lok Leipzig und habe gleichzeitig einige Freunde und Bekannte, welche Chemie/FCS-Anhänger sind. Gegenseitig auf die Fresse hauen? Nö, wäre ja auch unsinnig. Feinde im Stadion? Selbstverständlich!

    Eine große Gefahr sehe ich in der zunehmenden „Politisierung“ des Fußballs. Ich will keine politischen oder rassistischen Äußerungen im Stadion hören oder sehen. Letztere auch außerhalb nicht!

    Nun zu Red Bull: Wer dieses Agieren dieses Unternehmens gutheißt, besiegelt für mich das Ende des Fußballs, zumindest von dem, was ich unter „Fußball“ verstehe. Lizenzen einkaufen, Vereine „plündern“, um sich dann als „Retter“ des Leipziger Fußballs aufzuspielen, ist für mich blanker Hohn gegenüber allen Fans, denen ernsthaft etwas an ihren Verein liegt. Wenn dieser Einstieg von Red Bull gerechtfertigt sein sollte, frage ich mich, welche Schlussfolgerung sich daraus allgemein ergeben soll? Fußball nur noch unter dem Gesichtspunkt des Erfolgs? Bloßes Handeln von Lizenzen zwischen Konzernen, welche dann je nach Bedarf bzw. Marketing-Budget irgendwo einem Verein ihr Logo im Sinne der Umbenennung aufdrücken können? Zur Not auch diesen Verein in eine andere Stadt transferieren können? Wohin soll das führen? Bald nur noch Thyssen-Krupp X-Stadt gegen Adidas Y-Stadt?

    Bei aller Feindschaft: ZUSAMMEN GEGEN DIESE ENTWICKLUNG!


  1. Gravatar of A. Zielke
    Kommentar von
    A. Zielke
    30.06.2009 um 9:56
    5

    Ich kann die Argumente gegen RB-Leipzig und den kommerziellen Fußball absolut nachvollziehen. Aber macht doch alle mal die Augen auf. Weltweit bestimmt seit Jahren im Profifußball das Geld die Richtung und die Qualität des Sports. (Real, Barcelona, Chelsea usw, die gesamte BL bis hin zur 2. Liga)
    Wir sitzen auf keiner einsamen Insel auf der der gemütliche Lokalsport ausgetragen werden kann und wir auf der anderen Seite von höherklassigen Fußball träumen. Wacht endlich auf, auch wenn es den Wenigsten gefällt, dass ist die einzige Chance möglicher Weise in einigen Jahren höherklassigen Fußball in Leipzig zu haben. Das da unterschiedliche Interessen und Ansichten aufeinanderprallen ist doch fast normal. Das wäre auch langweilig wenn es nicht so wäre! Ich kann aber auch Jeden verstehen der in RB den Heilsbringer und den Wasserträger in einer Fußballwüste sieht! Dass das nicht unproblematisch wird und wir uns sicher was besseres vorstellen könnten, wem sagt ihr das! Ich finde die Diskussion um die Gewalt nicht übertrieben. Das ist nämlich der Grund warum der „normale“ Fußballfan nicht mehr zu irgendwelchen Problemspielen kommt. Wer das nicht sieht sollte mal mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen!!!
    Und wenn alles so läuft wie es geplant ist dann haben wir vielleicht auch mal die Chance guten Jugendspielern hier in Leipzig eine Zukunft zu bieten und müssen nicht immer befürchten, dass ein FC Bayern oder BVB oder Andere finanziell sehr gut aufgestellte Vereine uns diese Talente wegschnappen, ehe sie überhaupt richtig gegen den Ball getreten haben.
    Wenn man jetzt diskutiert, dass das alles Mist ist und wir uns das nicht bieten lassen sollten und gegen RB zu protestieren müssen, dann denkt mal an die 10000-en Fans die nicht so fanatisch an ihren alten Traditionen hängen, die einfach nur guten Fußball sehen möchten, irgendwann. Nicht nur an euch und eure angeknackste kleinbürgerliche lokalpatriotische „Tradition“! Diese Leute wollen eine Perspektive sehen möchten. Und diese Perspektive, bei allem Lokalpatriotismus den ich selber habe, kann ich bei LOK oder Sachsen nicht sehen!!! Leider!! Wenn man was ändern möchte im Leipziger Fußball dann muss man doch Ideen oder halt Alternativen zu irgendwelchen Ideen haben und durchsetzen. Tut mir leid ich sehe keine Alternative zu RB, außer dann weiter in Liga 5 oder 6 rumgurken, von Jahr zu Jahr bibbern den Etat wieder zusammen zu bekommen und irgendwann am Ende der Saison gefrustet vom hinteren Tabellenplatz auf die nächste Saison zu hoffen. Und das nun schon fast 20 Jahre! Das davon einige die Nase voll haben und Opa und Oma vielleicht auch keine weiteren 20 Jahre Zeit haben 😉 ist doch wohl logisch!!


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    30.06.2009 um 11:29
    6

    Das Argument, höherklassigen, guten Fußball in einem Leipziger Stadion zu sehen, kann ich noch am ehesten nachvollziehen. Doch die Frage ist: zu welchem Preis.

    Gegen das Branding von Fußballvereinen durch global agierende Konzerne zu sein, die ausschließlich Marketinginteressen verfolgen, halte ich nicht für kleinbürgerlich und nicht mal für lokalpatriotisch.

    Was demnächst unter RasenBall firmieren soll, heißt immer noch Fußball und ist eine Sportart, die auch auf professioneller Ebene in „Vereins“-Form betrieben werden kann. Das zeigen positive Beispiele in der Bundesliga. Das, was Red Bull gerade in Leipzig installiert, hat mit einem „Verein“, in dem Mitglieder und Fans mitgestalten können (oder bescheidener: eine Stimme haben), nichts zu tun. Diese Entwicklung halte ich für gefährlich – sie konterkarriert die Anfänge und historische Genese dieser Sportart. Und führt den Fußball immer mehr in Richtung eines Event- und Konsumerlebnisses. Sich eben dieses zu wünschen, halte ich für kleinbürgerlich. Wer sich auf eine Großraumdisco freut, in der soziale Probleme übertönt werden, dem spreche ich jegliches Reflexionsvermögen und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein ab. Nicht mehr und nicht weniger.

    P. S.: Danke, Alex, für deine Beiträge.


  1. Gravatar of Red Bull verleiht manchmal auch kurze Beine | chemieblogger.de … | Free Online Press
    7

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  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    03.07.2009 um 17:52
    8

    „Der Klub gehört jetzt diesen Arschlöchern, die sich einen Scheiß für Fußball interessieren.“

    Greg Dyke (ehemaliger Generaldirektor der BBC und vier Jahre lang das einzige Vorstandsmitglied bei Manchester United, das den Verein nicht an Murdoch verkaufen wollte). Das Zitat stammt aus „Sing when you`re winning“, einem Buch von Colin Irwin.


  1. Gravatar of wolfgang Diecke
    Kommentar von
    wolfgang Diecke
    16.07.2009 um 22:26
    9

    Ich gehöre zu der Generation, die Chemie im Meisterjahr zu jedem Heimspiel begleitet hat. Ich habe meine selbst gebastelte grün-weisse Fahne nach Leutzsch geschleppt und auf der Trompete geblasen, bis die Lunge wehtat.
    Und ich habe erlebt, wie gewissenlose Sportfunktionäre (auch aus den eigenen Reihen) den Leipziger Fußball ruiniert haben, sowohl vor als auch nach der sogenannten Wende.
    Was ist von den Träumen, die wir Jungs hatten, geblieben – 5. Liga und Grottengekicke zum Abwenden.
    Wenn dann jemand kommt, und den Versuch unternimmt, gewaltfreien Fussball zu installieren, jemand der mir die letzte Chance bietet, Spitzenfußball ohne große Reisen zu erleben, wenn auch mit mittlerweile weit überbezahlten und (teilweise )unterbelichteten Protagonisten, dann kann ich mich dem nicht verschliessen.
    Da ist mir die Tradition mittlerweile egal geworden.
    Ich habe fertig…


  1. Gravatar of A. Zielke
    Kommentar von
    A. Zielke
    16.10.2009 um 14:59
    10

    bastian

    Fußball ist ein Konsum- und Eventerlebnis, schon immer gewesen!! Oder haben sich unsere Väter und Großväter nicht amüsiert und nicht konsumiert neben dem Fußball?? Ich weiß schon wie du das meinst! War eher provokativ gemeint!
    Aber wenn du von gesellschaftlicher Verantwortung sprichst dann wird mir eigentlich übel!! Nicht wegen dir, ich spreche es dir in keiner Weise ab, im Gegensatz zu dir mir egenüber, obwohl wir uns garnicht kennen! Aber das von dem du redest fehlt einigen sogenannten Fans anderer Vereine völlig. Zum Gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein gehört auch die Akzeptanz anders denkender und die Tolleranz der Freiheit und Unversehrtheit des Anderen!! Und das spreche ich einigen von Euch völlig ab!!!
    Und wo habe ich geschrieben, dass ich mir das mit Rb wünsche?? Ich sehe bloß keine Alternative!!! Ihr seit es jedenfalls nicht!




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