Ein Hauch von Vierundsechzig
Mittwoch, 13. Mai 2009, 18:02 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 18. November 2009, 18:29 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Spielberichte

Die BSG Chemie macht den Aufstieg an einem historischen Datum perfekt. Ein Spielbericht, der parallel im Fünfeck erschienen ist

„Am 10. Mai wir sind dabei – da legt Chemie das Meisterei!“ Ein Transparent, das sich wohl jedem Chemiker tief ins Gedächtnis eingebrannt hat. Es ist schon eine Weil her, dass der grün-weiße Anhang Anlass zu derartigen poetischen Höhenflügen hatte, um genau zu sein 45 Jahre. Damals, in Erfurt, strickte die BSG Chemie an der Leutzscher Legende, wurde nach einer ebenso fulminanten wie unerwarteten Saison mit dem „Rest von Leipzig“ DDR-Meister. Und das Beste daran: der Brückenschlag in die Gegenwart fällt nur bedingt schwer. „Am 10. Mai wir war’n dabei – da legt Chemie das Meisterei“, hieß es 45 Jahre später anno 2009.

Leipzig-Lindenau, Sportplatz Charlottenhof. Die dritte Vertretung des SV Lindenau 1848 empfing die BSG Chemie und schrieb sich mit vornehmer Großzügigkeit in die grün-weißen Geschichtsbücher ein. 9:0 hieß es nach 90 Minuten für die Leutzscher Gäste – womit letzte, ohnehin nur rechnerisch begründete Zweifel an Meisterschaft und Aufstieg ausgeräumt wurden. Wenn auch nur in der 3. Kreisklasse.

Die Leutzscher hätten sich keinen besseren Tag und Ort für diese Feierlichkeiten aussuchen können. Strahlende Sonne. Ein beschaulicher, schmucker Sportplatz. Und dazu Gastgeber, die nicht nur auf dem Rasen ihre Gastfreundschaft bewiesen. Ob am Einlass („Das sind ja alles gebildete Leute!“) oder am Bier- und Bratwurststand, wo trotz abgezählten Brötchen-Bratwurst-Kontingents auch einfach mal Backerzeugnisse ohne entsprechende Fleischzugabe verkauft wurden – für einen eher symbolischen Preis von 10 Cent. Das ist Fußball, das ist Kreisklasse, das sind die Niederungen der letzten Liga, wo Fußball noch gelebt wird. Auf das nächste Gastspiel in Lindenau – dann doch aber bitte bei der zweiten oder ersten Vertretung – darf sich jetzt schon gefreut werden.

Dass auch ein perfekter Tag nicht ohne Makel bleiben darf, ist gut für die Dramaturgie. Etwa eine ViertelStunde vor Abpfiff wurde den anwesenden Polizeikräften vor Ort bewusst, dass sie nicht nur zum bezahlten Gänseblümchenpflücken gekommen waren. Aus Beamtenkreisen kam die Information, dass sich Lok mit 100 Kaputten am Lindenauer Markt entblödete. Was man halt so macht, wenn man sich gerade öffentlichkeitswirksam vom Trainer und sportlich vom Aufstieg verabschiedet hat. Die grün-weiße Freude blieb nur kurz getrübt, denn auf dem Rasen gab es wenig später etwas zu feiern. Das war nicht nur der Aufstieg, sondern auch eine sehenswerte und dennoch unfreiwillige FKK-Einlage von Marc Nowarre. Es kann halt nicht täglich eine Meisterschaft gefeiert werden. Das klappt anscheinend nur am 10. Mai.




«
»




3 Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!

  1. Gravatar of Christoph
    Kommentar von
    Christoph
    13.05.2009 um 22:49
    1

    Ja! Schön! Gut (wie immer) geschrieben. Go ahead, BSG…


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    15.05.2009 um 8:45
    2

    Dem Beitrag kann man nur zustimmen !
    Allerdings: „Kaputte von Lok“ ???
    Sind Kaputte zwangsläufig mit Lok identifizierbar ? Man sollte es bei der Klassifizierung „kaputt“ belassen, um dem geneigten Leser die Schlussfolgerung selbst zu überlassen.
    In diesem Sinne:
    NUR DIE BSG !!!


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    15.05.2009 um 13:41
    3

    Es war in dem Sinne aber auch keine Gleichstellung von Lok mit kaputt 😉




Einen Kommentar hinterlassen