„Gott, lass’ schnell Hirn herab!“
Montag, 17. November 2008, 11:00 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 17. November 2008, 14:29 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Spielberichte, Vereinspolitik

Guido Schäfer ledert über den FC Sachsen ab – endlich. Über Auflösungserscheinungen, schlechte Musik und systematisches Schönreden

Er hatte sich lange in vornehmer Zurückhaltung geübt, doch das, was Guido Schäfer (Leipziger Volkszeitung) gestern beim 0:3-Offenbarungseid gegen den FC Oberneuland auf die Augen bekam, war offensichtlich einfach zu viel des Schlechten. Richtig gut weg kommt kein Akteur des FC Sachsen. An dieser Stelle werden die besten Guido-Schäfer-Zitate des Tages dokumentiert. Viel Spaß!

Die Fans

Von denen gab es gestern viel Häme in Richtung der eigenen Spieler. Sicherlich bringt Schäfer dafür Verständnis mit. Sein abschließendes Urteil ist dennoch vernichtend: „So etwas nennt man dann wohl Auflösungserscheinungen.“

Der Schallplattenunterhalter

Der krampfhafte Versuch, die Musikauswahl an die sportlichen Vorfälle auf dem Platz anzupassen, mündet zwangsläufig in Eintönigkeit:

Seit Wochen dudelt nach Heimniederlagen ein „Sag zum Abschied leise Scheiße“ über die Lautsprecher. Soll das lustig sein?

Die Stadion-Regie

Viele Fans wissen wahrscheinlich nicht, dass sich nach Spielschluss der beste Leutzscher Kicker des Tages zum exklusiven Interview mit dem Stadionsprecher stellt. Denn bei den letzten Spielen war das Stadion zu diesem Zeitpunkt stets schon gänzlich leer. Bei Bier und Lachs im VIP-Raum fällt das Fliehen ungleich schwerer:

Auch die Nummer mit dem live in den VIP-Raum übertragenen Interview mit dem „Sachsen-Spieler des Tages“ sorgt für Kopfschütteln. Falls sie beim FCS nicht ohne Kür leben können, muss der Titel den Realitäten angepasst werden. Wie wär’s damit: „Der Einäugige unter den Blinden – heute sprechen wir mit …“

Der Präsident

Winfried Lonzen hat keine Ahnung vom Fußball – und teilt das auch mit.

Man habe doch gesehen, „dass die Mannschaft Fußball spielen kann“, sagte Präsident Winfried Lonzen wohl unter dem Eindruck der viereinhalb drangvollen Minuten unmittelbar vorm Wechsel.

Selbigen Satz gab es von Lonzen auch schon im MDR-Interview zu hören. Auf die Frage, ob ein erfahrener Spieler fehle, der die jüngeren wieder aufrichten könne, sagte Lonzen:

Ja, das kann natürlich sein, dass ein erfahrener Spieler fehlt, der die Leute lenkt, der die schickt, wie auch immer (großer Spaß, Anm. d. Verf.). Aber, auf der anderen Seite, wenn man es gesehen hat, sie können Fußball spielen, sie haben es ja gezeigt, phasenweise. Nur nach einem Gegentor ist immer wieder das selbe, dann bricht die Moral zusammen.

Da liegt die Betonung offensichtlich auf dem „phasenweise“.

Der Trainer

Auch Dirk Heyne, wahrscheinlich der schuldloseste an der ganzen Misere, bleibt bei seiner Linie, die positiven Aspekte eines trostlosen Sachsen-Kicks hervorzuheben:

Trainer Dirk Heyne schärfte den Blick auf die drei Chancen von Stürmer Thomas Hönemann (11./38./41.) und schlussfolgerte: „Das war offensiv besser als zuletzt.“ Eine Kleinigkeit hatten die Herren übersehen: Es war nicht der FC Bayern München oder eine Regionalliga-Toptruppe, die gestern im Zentralstadion zu bespielen war. Die Sachsen empfingen O-b-e-r-n-e-u-l-a-n-d. Das ist ein Mitaufsteiger aus einem Vorörtchen von Bremen.

Die Spieler

Daniel Lippmann, als einziger das gesamte Spiel über vom Anhang gefeiert, sah beim 0:1 (Schäfer: „(e)in nicht ganz unhaltbarer Freistoß“; landete in der Torwartecke) unglücklich aus. Wie schon zuletzt bei Türkiyemspor. Verteidiger Kai Hempel half bei den Gegentreffern zwei und drei mit:

In der zweiten Halbzeit schlug Francky Sembolo zweimal zu (55./69.). Jeweils nach Vorlage von Kai Hempel, der übrigens beim FC Sachsen spielt.

Kapitän Richard Baum ereilte die Höchststrafe, wurde nach einer halben Stunde unter Pfiffen der Fans ausgewechselt. War wohl eher eine symbolische Geste von Dirk Heyne, es hätte jeden treffen können.

Das Gros der 2262 Zuschauer hatte schon nach wenigen Minuten Richard Baum auf dem Kieker, pfiff den völlig verunsicherten Kapitän gleichsam vom Feld. In der 31. Minute holte Heyne Baum dann runter, brachte Danny Moses. Man darf sich aussuchen, ob das die Höchststrafe oder eine Erlösung für „Baumi“ war.

Und schließlich noch Ronny Garbuschewski, der mit seinen Gedanken schon in der 3. Liga zu sein scheint:

Mit Ronny Garbuschewski macht sich ausgerechnet einer der wenigen Regionalliga tauglichen Sachsen-Profis unbeliebt bei seinem Chef. Heyne war mit den jüngeren Leibesübungen des Sprinters derart unzufrieden, dass er ihm im Trainingsspiel das gelbe Leibchen des Stammspielers entriss und „Garbu“ die Ersatzbank zuwies.

Wohlgemerkt, das war lediglich Guido Schäfers „Spielbericht“ und noch nicht sein Kommentar. In Letzterem fasst er noch einmal die Ereignisse des Sommers 2008 zusammen:

Für den FC Sachsen geht es schnurstraks zurück in die Oberliga! In einer Beziehung sind sie in Leutzsch immer noch spitze: Beim Suchen und Finden von Ausreden macht ihnen keiner etwas vor. Der Aufstieg, der jähe, hatte sie alle so übermannt, dass über Nacht der halbe FC Eilenburg dran glauben musste. Eilenburg spielte: Richtig, in der Oberliga. Anschließend wurde schnell noch ein Trainer geholt, der weitere drei, vier Fußballer bekam. Alle aus der: Oberliga, richtig.

Als die Chefs dann auf den aufgeblähten Kader schauten, sahen sie, dass es gut war. Leider sahen sie nicht, dass eben jener Kader nicht in eine Oberliga-Saison, sondern in eine Regionalliga-Saison geht.

Quo vadis, FCS? Guido Schäfer weiß, was besser werden muss: „Gott, lass’ schnell Hirn herab!“

Pointierter geht nicht. Beim FC Sachsen werden sie toben.




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9 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Grobi
    Kommentar von
    17.11.2008 um 19:48
    1

    Auch ich lese seit Jahren gern Guidos Beiträge. Seine direkte ironische Art ist der Hammer und das Verrückte: Er hat immer recht, auch mit Beiträgen, deren inhaltliche Entwicklungen noch in der Zukunft liegen.
    Allerdings ist mir etwas mulmisch im Magen, das seine Analysen dem FC Sachsen entsprechend zu 100% korrekt sind. Hier geht ein Verein dem Bach runter, der mir nach wie vor am Herzen liegt. Es ist kein schönes Gefühl, jeden Montag die Realität auf allerdings so brillant geschrieben weise zu lesen. Herr Kaiser würde sagen: „Ein Teufelskreis!!!“.
    So gut ich auch die hier veröffentlichen Beiträge von Chemieblogger finde, er sollte jedoch aufpassen, die beiden Leutzscher Vereine nicht gegeneinander auszuspielen. Jeder muss das für sich entscheiden und ich sage voraus, dass spätestens im nächsten Jahr beide Vereine gezwungen sind, sich an einen Tisch zu setzen. Der FCS steht vor einer Selbstauflösung, die BSG allerdings wird kein zweites KLO, hierfür stimmen die Voraussetzungen nicht. Sprechen muss man allerdings spätestens 2010 miteinander.
    Bis dahin guck ich in Gallien Fussball, hier wird fussball noch gelebt 🙂
    http://www.sv-seelingstaedt.de/


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    17.11.2008 um 21:39
    2

    Grobi, ich stimme dir absolut zu (zumindest hab ich das so herausgelesen), dass die Spaltung im Sommer 2008 so etwas wie die Ur-Katastrophe war. Ich war von Anfang an dagegegen, verstand aber gleichfalls die Position der Diablos. Was mich gestört hat, war, wie im FC Sachsen im Zuge der BSG-Neugründung mit den Diablos umgegangen wurde. Nach dem Motto: Wir haben euch nie gebraucht, ihr habt schon immer genervt, wir sind froh, dass ihr weg seid. Das ist nicht nur hinterfotzig, sondern auch verlogen. Es gab allen Grund, stolz zu sein auf eine Ultrà-Gruppierung, die bundesweit anerkannt ist und beim FC Sachsen eine fankulturelle Bereicherung dargestellt hat.

    Außerdem sind in den letzten Wochen in Verbindung mit dem FC Sachsen einige Sachen vorgefallen (Stichwort: Auftreten gegenüber der Faninitiative Bunte Kurve), die mich persönlich sehr enttäuscht haben. In der Summe ist dann das passiert, was du jetzt hier lesen kannst. Und diese Meinung musst du natürlich nicht teilen. 😉


  1. Gravatar of OMG
    Kommentar von
    OMG
    23.11.2008 um 21:47
    3

    Das mit dem Schäfer meint ihr doch nicht ernst oder? Die LVZ ist schon verdammt schlecht, halt Springerpresse, aber der Schäfer ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit. Gegen den helfen nur noch Steine.
    Wobei es natürlich stimmt, dass es endlich Zeit wurde, dass in den Medien kritisch mit dem FCS umgegaqngen wird. Die Lobhudelei der letzten Jahre, vor allen von GS, war ja nicht mehr zum aushalten.
    Wobei ich mich auch frage, was sich der besagte GS eigentlich erlaubt. Im (Fussball)Leben nahezu nichts erreicht, oh er war Fussballer in der 2.Liga beim FSV Mainz, tut der so, als ob er den Fussball erfunden hätte und zieht in nicht ertragbarer weise über andere Menschen her,die den lokalen Fussball voranbringen wollen und die nicht mit seiner Vorstellung konform gehen.
    Der ist genau das Gegenteil von einen investigiven Journalisten!

    Das beste für Chemie wäre, die würden genau wie der VfB damals in die Insolvenz gehen und einen wirklich soliden Verein neu aufbauen, mit Menschen die zu 100% hinter dem Verein stehen und nicht bloß das Scheinwererlicht suchen um ihr eigenes Geltungsbedürnis zu befriedigen. Die Kacke war schon unter Till am Dampfen!


  1. Gravatar of Grobi
    Kommentar von
    24.11.2008 um 19:24
    4

    Zitat OMG zu GS:
    „Im (Fussball)Leben nahezu nichts erreicht, oh er war Fussballer in der 2.Liga beim FSV Mainz, tut der so, als ob er den Fussball erfunden hätte und zieht in nicht ertragbarer weise über andere Menschen her,“

    Genau das Gegenteil ist der Fall. Niemand lästert so schön über sich selbst und seine Fußballvergangenheit wie GS persönlich. Das stimmt einfach nicht was du da schreibst…


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    24.11.2008 um 19:34
    5

    Grobi, ich stimme dir absolut zu. Die gs eigene Ironie und diese speziellen Zynismen müssen aber auch erst mal dekodiert werden …

    Im übrigen kann man gs nicht pauschal diesen im Sportressort durchaus geläufigen Hurra-Journalismus unterstellen. Wenn er kritisiert, dann richtig. Das weiß man auch beim FC Sachsen „zu schätzen“. Das war von Beginn an eine beiderseitige Hassliebe.


  1. Gravatar of chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    6

    [...] (27. November 2008) Verleumdungskampagne des DFB gegen Jens Weinreich (17. November 2008) „Gott, lass’ schnell Hirn herab!“ () Selbstverschuldete sportliche Krise (16. November 2008) Herzensangelegenheit Chemie (3. [...]


  1. Gravatar of Jagdfieber
    Kommentar von
    Jagdfieber
    31.12.2008 um 18:26
    7

    Kein Lokist, kein Hallenser, kein Fußballfan dieser Welt initiiert so eine Hasskampagne wie diese Internetpräsenz und seine Hinter“männer“. Einfach widerlich und schimmlig, aber einseitige „Berichterstattung“ ist man aus dieser Ecke gewohnt, man duldet keine andere Meinung als die eigen verbissene. Es kommt der Tag, da fällt euch das auf die kleinen, hellen, sonnenentwöhnten Studentenfüße, 100%!!!
    Man muss schon sehr verbittert sein, um solche stinkenden Gedankengänge zu veröffentlichen.

    Guten Rutsch Baschti and Friends


  1. Gravatar of Verwirrter
    Kommentar von
    Verwirrter
    03.01.2009 um 22:01
    8

    „Kein Lokist, kein Hallenser, kein Fußballfan dieser Welt…“

    Wo kommt denn dieser Beitrag her? Kann das nicht zum Thema zuordnen. Ich glaub der ist hier im falschen Forum…hat sich ja eh schon geoutet…IQ im Text der Eröffnungszeile erkennbar.


  1. Gravatar of chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    9

    [...] Lesende wissen: das gab es doch schon mal. Richtig. Vor ziemlich genau einem halben Jahr hieß es an gleicher Stelle „Gott, lass schnell Hirn herab!“ Beide Verweise auf eine transzendente [...]




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