Herzensangelegenheit Chemie
Montag, 3. November 2008, 20:25 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 13. November 2008, 11:17 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Vereinspolitik

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat in der Sendung „Sport im Osten“ die BSG Chemie Leipzig porträtiert – unmittelbar vor einem Spielbericht des FC Sachsen Leipzig. Über einen nicht alltäglichen Beitrag von Stefan Schönau

Ja, es gibt sie noch: Sportjournalisten, die nicht dem Hurra-Stil ihrer Kollegen verfallen und vernab vermeintlicher sportlicher Großtaten hinter den Kulissen investigieren. Und das beim MDR! Stefan Schönau hat sich am vorletzten Wochenende in die Niederungen der Kreisklasse hinab begeben und seine journalistischen Erkenntnisse für die Sport-im-Osten-Zuschauer aufbereitet. Ausgesprochen wohlwollend porträtierte Schönau für den MDR am gestrigen Sonntagnachmittag die BSG Chemie – standesgemäß umrahmt von Spielberichten des VFC Plauen und FC Sachsen Leipzig.

Die Protagonisten des zweiminütigen Beitrags über die gespaltene Leutzscher Fußballseele: BSG-Vorstand Thomas Heier und Diablos-Mitglied Menne. Von Seiten des FC Schauer Lonzen FC Sachsen Leipzig stellte sich der Geschäftsführer und Experte für Außendarstellung, Lars Schauer, den Fragen nach (bis zuletzt lange verleugneter) chemischer Identität und Tradition.


Choreografie der Diablos zur FARE-Aktionswoche 2008 gegen Grün-Weiß Miltitz II
Foto: http://www.chemie-leipzig.de/galerie/cpg1418/displayimage.php?album=25&pos=5

Zur Chronologie: Als Aufhänger zeigt Schönau die Diablos-Choreo zur FARE-Aktionswoche, anschließend kommen Thomas Heier und Menne zu Wort. Beide erzählen, was beim FC Sachsen schief gegangen ist und bei der BSG Chemie anders laufen soll. Stadionfrage, Kommunikation mit den Fans, Verbot von sich auf Tradition beziehende Fahnen – die Streitfragen sind bekannt. Und die Folgen auch. Der FC Sachsen ist mit der Neugründung der BSG Chemie in die Legitimationskrise geraten. Die juristische Sachlage (und indirekt die Befindlichkeiten des FCS) erörtert Lars Schauer:

Es ist sehr schade, dass für den Außenstehenden der Eindruck erweckt, dass wir in irgendeiner Form gespalten sind. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir der einzig wahre Nachfolger der Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig sind.

Für Stefan Schönau Anlass genug, den zu dieser Saison eingeführten PR-Slogan „FC Sachsen – Die Chemiker“ (löste das ebenso einfallsreiche „Leipzig, kick it!“ ab) einzublenden. Wie war das gleich mit dem „Chemie-Mief“ (Jens Ellinger)? Thomas Heier lächelt süffisant:

Ja, seitdem wir im Spielbetrieb sind, ist es auch uns aufgefallen, dass natürlich dort gerade was die Tradition betrifft man sich jetzt wieder auf die Historie der ehemaligen BSG Chemie besinnt, was 18 Jahre lang mehr als vernachlässigt wurde.

Unmittelbar danach wieder Schauer, der nicht müde wird, auf die rechtliche Lage zu verweisen und offensichtlich das Wort „Betriebssportgemeinschaft“ lieb gewonnen hat:

Es ist einfach der Fakt, dass wir die Chemiker sind, dass wir der Nachfolgerverein der Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig sind. Insofern steht das auch uns sehr gut zu Gesicht, uns die Chemiker zu nennen. Das ist ganz sicher keine Reaktion auf irgendwelche Fangruppierungen.

Gerade der letzte Satz regt zum Schmunzeln an, aber das nur nebenbei. Viel interessanter ist: Je öfter Verantwortliche des FC Sachsen darauf insistieren, der legitime und rechtliche Nachfolger zu sein, deso stärker drängen sich zwei Fragen auf. Erstens: Warum hat der FC Sachsen das nötig? Zweitens: Erreicht der Verein damit nicht das Gegenteil des ursprünglich Intendierten – und redet sich freimütig selbst in die Identitätskrise? „Rein juristisch sind sie die Chemiker“, weiß auch MDR-Mann Schönau. Doch seinen Beitrag schließt er mit dem Blick auf die Diablos-Choreo. „Love Football – Hate Racism“, heißt es da. In der Mitte ein entflammtes Herz mit dem Chemie-C. Schönau: „Rein juristisch sind sie die Chemiker. Oder ist es doch mehr eine Herzensangelegenheit?“


Herzensangelegenheit statt Worthülse: BSG Chemie Leipzig
Foto: http://www.chemie-leipzig.de/galerie/cpg1418/displayimage.php?album=25&pos=7




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5 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    07.11.2008 um 22:25
    1

    >>>Es ist einfach der Fakt, dass wir die Chemiker sind, dass wir der Nachfolgerverein der Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig sind. Insofern steht das auch uns sehr gut zu Gesicht, uns die Chemiker zu nennen. Das ist ganz sicher keine Reaktion auf irgendwelche Fangruppierungen.<<<

    Lächerliche Reaktion eines Angestellten, der ja immerhin ein viertel Jahr „Chemiker“ ist.

    Lächerlich auch, zwei Jahre alte Vorschläge „irgendwelcher Fangruppierungen“ für ein fanfreundliches Zentralstadion erst umzusetzen, nachdem „igendwelcher Fangruppierungen“ frustriert ihrem Verein den Rücken gekehrt haben.

    Lächerlich nicht zuletzt, wenn einige FC Sachsen-Fans ihre ganze Kreativität auf den Verkauf von Duplos beschränken: http://www.feinherb.net/galeri.....ge_id=1475

    FC Sachsen Leipzig – Die Lächerlichen.


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    13.11.2008 um 10:06
    2

    Bild Leipzig von heute:

    Geschäftsführer Lars Schauer (31) zitiert dafür aus der Vereinshymne seines Ex-Arbeitgebers Borussia Dortmund: „Wir halten fest und treu zusammen.“

    Was wohl die vielen Schalke-Fans in den Reihen des FC Sachsen dazu sagen werden? Und wer schenkt ihm eigentlich ein Leutzscher Liederbuch? Mit dem könnte er aus einem der Lieder zitieren, die Fans für seinen aktuellen Arbeitgeber gedichtet haben. Wie wäre es in Zukunft zum Beispiel mit „Wir halten zusammen, wie der Wind und das Meer“?

    Noch einmal zur Erinnerung des Geschäftsführers Zitat aus dem MDR: >>>Es ist einfach der Fakt, dass wir die Chemiker sind […]<<< Na dann viel Spaß.


  1. Gravatar of GAP
    Kommentar von
    GAP
    15.11.2008 um 8:19
    3

    Den Streit, wer hier „der wahre Chemiker“ ist, empfinde ich als ausgesprochen lächerlich.

    Ich gehe seit fast 30 Jahren zur BSG, zu Grün-Weiß, und jetzt zum FCS. Die Jungs die nunmehr zur neuen „BallSG“ gehen, haben zum größten Teil die „echte“ BSG noch nie spielen sehen. Das sie Chemie im Herzen haben ist unbestritten, aber auch „wir“, die wir heute noch zum FCS, als legitimen Rechtsnachfolger der Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig, stehen, lassen uns nicht die Ehre abschneiden. Ich denke dass dies das Problem der (leider) rivalisierenden grün-weißen Fanszene ist.

    Ich für meinen Teil habe kein Problem damit beide Vereine zu mögen und mir auch gelegentlich ein Spiel der 3. KK anzusehen. Auch zahle ich brav meinen Mitgliedsbeitrag bei BEIDEN Leutzscher Vereinen, auch wenn ich bei dem einen kein Mitspracherecht mehr habe (trotz Mitgliedschaft).

    In diesem Sinne: „Leutzscher aller „B“SGs vereinigt Euch!“


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    17.11.2008 um 10:39
    4

    @ GAP

    Du hast Recht: Jeder muss seinen individuellen Weg gehen. Wenn ich hier den Vorstand des FCS kritisiere, heißt das nicht, dass ich den Weg der BSG mitgehe. Im Gegenteil: Die Spaltung im Sommer hat mich bewogen, erst einmal keine Spiele in Leipzig mehr zu sehen.

    Trotzdem finde ich den Umgang von Vorstand/Geschäftsführung des FCS mit dem Thema Spaltung sehr bedenklich. Was Lonzen und Schauer dazu in der Öffentlichkeit sagen ist einfach hochgradig unglaubwürdig.


  1. Gravatar of J.Meurer
    Kommentar von
    J.Meurer
    02.12.2008 um 14:05
    5

    Glorreich, was die (Wieder-)Entdecker der Tradition so alles von sich geben.
    Seit Jahren ist den Herrschaften nur das „Ausräuchern“ des „Chemie-Miefs“ in Bezug auf IHREN FC Sachsen eingefallen.
    Ja,ja…. Tradition(alisten) und Moderne(Globalisierer ? Profiteure ? … und ewig singt das Murmeltier. Es geht um Macht und um entsprechende Konstellationen; sowohl für die „Großen“ als auch für die „Kleinen“, die im Hintern der „Großen“ seit Jahren zu überwintern suchen.
    Fakt ist: Die BSG war immer da und, entgegen allen Legenden und Lügen, sie ist keine (!!!) „Neu“-Gründung ! Leider wollen das manche Leute nicht wahrhaben und führen ihre Spalterdebatte bis zum bitteren Ende.
    Mir passt die Liga auch nicht, in der Chemie nun spielt. Aber DAS ist allemal besser als „DAS“, denn nach hoffnungsloser Überschuldung, der völligen De-facto-Entmündigung der Mitgliedschaft durch diesen Überschuldungstatbestand und vor allem nach den Erklärungsversuchen, was denn die Ursache dafür sei, gibt es keine Möglichkeit für ein Engagement bei diesem FC Sachsen mehr.
    Chemie ist ein Stück Heimat fürs Leben.
    Lieber bin ich heimatlos, als das ich mich auch nur einen Tag bei den „Fußballfachleuten“ vom Schlage Lonzen heimisch fühlen soll.
    Eine Brücke bauen oder Spalter sein ?
    Der Spalter sitzt da, wo man sich „Die Chemiker“ zu okkupieren sucht ! Alle Gesprächsersuchen des BSG-Vorstandes hat der saubere Herr Lonzen geblockt. Und aus seinem Hause (dem Haus seines Geld- und Arbeitgebers, des „Mäzens“ des FC Sachsen) sind alle Vorschläge gekommen, die man der BSG nun zur Begründung für die Spalterverleumdungen unterzujubeln versucht.
    Der „lächelichste Verein Deutschlands“ ist in der Vereinsspitze sehr um Titelverteidigung bemüht nd genau dieser Führung ist jede Vergesslichkeit (Oder soll man es Lüge nennen ?) recht, mit der sie andere verleumden oder die Gutgläubigen hinter sich und dem „gemeinsamen Überlebenskampf“ versammeln kann.
    Eine Brücke bauen oder Spalter sein ?
    Selbstverständlich gibt es Möglichkeiten, die engagierten Fans und Mitglieder wieder zusammenzubringen. Dafür ist allerdings eines erforderlich: Ein Vereinskonzept ohne Seelenverkauf und totale Abhängigkeit.
    Zu 2 Mio. € Schulden und einem Verein unter Führung eines beim Gläubiger angestellten Präsidenten, eines mit dem Gläubiger in einer GmbH verbandelten Aufsichtsratsvorsitzenden, eines 3-Tage Chemikers und einem Rattenschwanz von ehemaligen VfB-Angestellten kann es keine Brücke geben. Man lese genau, denn hier geht es nicht um persönliche Animositäten sondern um das Totalversagen von bewusst geschaffenen Strukturen und Abhängigkeiten.
    So lange die da sind,wird der FC Sachsen weiter am Rande der Existenz dahindümpeln, weil sie die von ihnen selbst verursachte Misere nicht durch einen klaren Schnitt beenden wollen und werden.
    Das Märchen vom „schuldigen alten Vorstand“ ist eine der „sensationellen“ Legenden, welche die neu geborenen Sittenwächter des Chemie-Geistes dazu benutzen, gutgläubige Ehrenamtliche und Fans aufzuhetzten. Bilanzen und dere Veränderung nach einseitig gewollter, geplanter und von den Atlanten des „Mäzens“ geduldeter Vertragsbeendigung(zeitlich und inhaltlich relevant, sprechen eine ganz klare Sprache.
    Ja, ich war strikt gegen die 12. Liga und habe mich aus dem Vorstand der BSG verabschiedet, als es andere Mehrheiten gab. Aber verursacht wurde diese Situation genau von denen, die sich heute „Die Chemiker“ nennen und andere der Spaltng bezichtigen, die sie selbst gewollt, geplant und betrieben haben ! Sie benutzen etwas, was ihnen nichts und anderen heilig ist.
    Es wird, so meine Prognose, auch künftig zwei führende Vereine in Leipzig geben: Den 1.FC Lok und einen – wie auch immer dann heißenden – Verein, der mit viel Geld und aus der Anonymität heraus das neutrale Publikum an die Jahnallee zu locken versuchen wird.
    Aber es wird in der Vereinslandschaft der Region nun mal auch die BSG Chemie Leipzig geben,der man nur Erfolg, Geduld und absolute Unabhängigkeit wünschen kann, vor allem politisch.
    …. und es wird (eine Traum) mündige Wähler in dieser Stadt geben, die der Rathaus-Truppe mal ihr Totalversagen in den vergangenen fast 20 Jahren per Abstimmung unter die Nase reibt.

    In diesem Sinne: Die BSG war da, ist da und wird da sein ! … UND DAS IST GUT SO.




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