„Zurück zum Fußball“
Montag, 25. August 2008, 18:06 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 18. November 2009, 18:17 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Gewalt & Rassismus, Spielberichte

Die BSG Chemie Leipzig hat ihr erstes Pflichtspiel absolviert. Das 1:1 bei Lipsia Eutritzsch II sahen 500 Zuschauer. Eindrücke vom Neustart in der Kreisklasse

„Hurra, Chemie ist wieder da …“ - ob’s was wird, mit der alljährlichen Leutzscher Legende, muss sich zeigen. Neuanfang in der letzten Liga, der Weg ist steinig. Zumindest steiniger, als die guten Vorbereitungsspiele hatten erahnen lassen. Bei der „Zweiten“ von Lipsia Eutritzsch gab es jedenfalls zum Auftakt ein 1:1. Leistungsgerecht, dem Spielverlauf entsprechend. Und der sah so aus: Marco Blanc brachte die Leutzscher per Kopf in Führung - obwohl die um sechs Spieler aus dem Bezirksklasse-Team verstärkten Eutritzscher die erste Halbzeit größtenteils bestimmten. Unglücklich: der Ausgleich fiel quasi mit dem Pausenpfiff. Unsäglich: der Eutritzscher Torschütze entblödete sich vorm Leutzscher Anhang, provozierte mit überflüssigen Jubelgesten in Richtung der Gäste.

Lok und FC Sachsen blicken auf Chemie

Ja, natürlich ist Chemie eine Hausnummer in der Kreisklasse. Gegen den Staffelfavoriten macht nicht nur Toreschießen Spaß. Ganz Fußball-Leipzig scheint sich in diesen Tagen gezwungen zu fühlen, sich mit der BSG auseinanderzusetzen. In der Nacht zum Sonntag hatte Scenario Lok auf der Eutritzscher Sportanlage gesprayt und die Chemiker somit „standesgemäß“ im Leipziger Fußball willkommen geheißen. Natürlich wurde auch beim FC Sachsen nach Eutritzsch geschaut. Fans entrollten ein Transparent mit dem ungemein bescheidenen Slogan: „Wir sind die Guten in Leipzig“. Das sollte dann wohl ein doppelter Seitenhieb sein – sowohl in Richtung 1. FC Lok als auch BSG Chemie.

Die „Guten“, also die lediglich 3500 Hinterbliebenen im FC-Sachsen-Fanblock, konnten acht Ligen höher ebenfalls ein 1:1 bestaunen und dazu das Phänomen, dass die auf vielen Positionen ausgetauschte Mannschaft offenbar den Last-Minute-Komplex in die neue Saison retten konnte. Nicht auszudenken, dieser potentielle Ärger, hätte man sich nicht in Eutritzsch verlustigt. Beim FC Sachsen müssen sich die vielen „Guten“ trotz des Ausgleichs in der letzten Minute der Nachspielzeit in den Armen liegen. Diese ganzen Autonomen, Chaoten und Steinewerfer werden nicht mehr das heimelige Ordnungs-Sicherheits-Gefühl im gemütlichen Zentralstadion bedrohen. Naja, einen gewissen zahlenmäßigen Verlust müssen Lonzen & Co. wohl konstatieren: in Eutritzsch standen um die 500 Unentwegte am Spielfeldrand. Winfried Lonzen weiß genau, warum er seit Wochen agitiert, wer die wahren Chemiker wären …

Rassistische Pöbeleien gegen BSG-Spieler Irmscher

Jene, die jetzt nicht mehr zu den „Guten“ gehören, konnten indessen die in sie gesetzen Erwartungen offenbar nicht erfüllen. Es knallte nicht, in Eutritzsch blieb es ruhig. Soll heißen: Erstmal keine Skandal-Stories von den unverbesserlichen Chaoten bei der BSG Chemie. Stattdessen brillierten die Diablos mit Choreo, Gesang und Pyro-Show. Überhaupt, die Klientel in Eutritzsch war äußerst angenehm. Zumindest überwiegend. Abgesehen von einigen Eutritzschern, die Chemie-Spieler Abel Irmscher über das gesamte Spiel hinweg anpöbelten – frei nach dem Motto: „Was ist daran so schlimm, wenn ich ‚Neeeschor‘ sage?“ Widerlich!

Solche oder ähnliche Ausfälle aus dem Fußball zu verbannen, muss ein zentrales Projekt der BSG Chemie werden. Alles andere würde Beliebigkeit bedeuten. Wie auch immer, sportlich lief es zum Auftakt ganz gut. Zumindest in der Schlussphase. Marco Blanc scheiterte freistehend am Lipsia-Keeper, Marko Babick traf den Pfosten. Klare Chancen, die zum Sieg hätten reichen können, eher müssen. Offensichtlich war, dass die Leutzscher gegen Ende mehr Luft hatten als die Gastgeber. Und nicht jedes Team kann oder will auf Verstärkung aus der höherklassig spielenden „Ersten“ zurückgreifen. Lipsia gegen Chemie bedeutete gleich am ersten Spieltag das Duell zweier Staffelfavoriten – ein verheißungsvoller Auftakt auf dem Weg zur Leutzscher Legende.




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7 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of desbam
    Kommentar von
    26.08.2008 um 0:58
    1

    kein schlechter auftakt – der mannschaft und des fanblocks. angesichts der szenen zur halbzeit und bezüglich der rassistischen beleidgungen gegen abel wird man sich (bei der bsg) künftig allerdings gedanken machen müssen, wie man mit angestachtelten „störern“ umgeht – ohne die contenance zu verlieren. die krawall-gesteuerten gegner werden nicht weniger werden, allseits mit üblen provokationen, wie am vergangenen wochenende, den konflikt suchen. im zweifelsfall heißt es dann im polizeiprotokoll: auschreitungen bei der bsg chemie?


  1. Gravatar of Chemieschwein83
    Kommentar von
    Chemieschwein83
    26.08.2008 um 11:10
    2

    O Tempora, O Mores!
    Nun ist es also so weit gekommen – die „Guten“ haben sich aufgeteilt und gehen entweder zur BallSG oder zum FCS. Ich hatte in einem früheren Kommentar mal geschrieben, dass die Abspaltung der Ultras zu beiderseitigem Nachteil geschah – zum Nachteil der Ultras und zum Nachteil der meisten Fans des FCS. Ich befürchte, dieses Wochenende hat meine Befürchtungen bestätigt. Die BallSG bleibt für mich eine Totgeburt, ein Verein der Ultras. Aber auch die Kurve des FCS ist ohne die Ultras ärmer und lebloser.
    Was mich am meisten ärgert, ist die Sinnlosigkeit der Aktion der Diablos. Resümieren wir mal ganz kühl: Die Diablos und einige Andere sind mit der Vereinspolitik und Kölmel nicht einverstanden, gründen einen neuen Verein. Dabei spielen sie aber der Vereinsführung so gewaltig in die Karten, dass diese vermutlich noch heute Muskelkater von den Freudestänzen hat. Nie war es für eine Vereinsführung leichter, die „unangenehme“ Ultra-Szene chirurgisch und sauber aus der Fanszene herauszulösen.
    Das die restlichen Chemie-Fans den Ultras nicht folgen werden, stand aufgrund des „Charakters“ der Neugründung der BallSG, der Verweigerung des AKS als Spielstätte und dem Aufstieg des FCS fest.
    So werden die meisten Fans des FCS vermutlich für lange Zeit auf adäquaten Ersatz und eine (vereins-)kritische Fanszene warten müssen. Wir werden zugucken, wie die Diablos in Liga 25 ihre Klasse beim Totentanz der BSG vergeuden und wahrscheinlich mit ihr von der Bildfläche verschwinden werden – schöne Schei..e.

    Versöhnung wohl ausgeschlossen. 🙁


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    26.08.2008 um 17:20
    3

    @ desbam: Genauso sehe ich es auch. Sonntag blieb aber alles im Rahmen. Die Frage ist, ob es weiterhin ruhig bleibt. Aber immerhin wissen alle, dass wir unter Beobachtung stehen.

    @ Chemieschwein83: Ob die BSG Chemie eine Totgeburt ist oder wird, muss sich erst noch herausstellen. Wieviele Leute stehen auch noch im Dezember bei Wind und Schneeregen am Seitenrand? Und wie entwickelt sich das alles sportlich. D. h. wann wird es auch fußballerisch interessant, wird ein Fusionspartner gefunden, gibt es dafür Mehrheiten. Das muss sich alles zeigen. Fakt ist: die Fanszene beim FC Sachsen liegt auf der Intensivstation, darüber müssen die sich im Klaren werden. Und klar jubeln Lonzen & Co.: Es hat ja schon vor einem Jahr, wenn ich richtig informiert bin, Gespräche zwischen Vertretern des FC Sachsen (bzw. der Kölmel-Gruppe) und der BSG Chemie gegeben. Kein uncleverer Schachzug vom FCS. Nur: Das Ding kann auch gegen den Baum gehen. Nämlich dann, wenn der FC Sachsen sportlich untergeht und die Stimmung kippt – also wenn irgendwann mal mehr Zuschauer zur BSG kommen als zum FCS. Aber bis dahin ist es weit, vielleicht passierts auch nie …


  1. Gravatar of Grobi
    Kommentar von
    Grobi
    26.08.2008 um 23:29
    4

    Chemieschwein83 hat nix begriffen


  1. Gravatar of Chemieschwein83
    Kommentar von
    Chemieschwein83
    28.08.2008 um 19:24
    5

    Grobi, das nenn ich mal konstruktive Kritik. 😉


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    04.09.2008 um 14:36
    6

    @ Chemieschwein83
    Klingt ja fast so, als wenn die Diablos so etwas wie das „Wir-sind-das-Kritiker-Feigenblatt“ in der Fanszene des FC Sachsen bis Ende der letzten Saison waren. Meine Erfahrung vom Relegations-Auswärtsspiel geht in eine ähnliche Richtung, nur leider mit fadem Beigeschmack: aktive Parts der Fanszene wie das Fanzine Culthoch64 und die Initiative „Bunte Kurve“ wurden mit den Diablos in einen Topf geworfen und zum Teil angefeindet. Auch wenn von Einzelfällen nicht auf die Masse geschlossen werden kann, kritische Fans hatten nach meiner Erfahrung auf Dauer nie den großen Rückhalt in der Fanszene. Ein Aspekt, der mich auch immer wieder bei Mitgliederversammlungen nachdenklich gestimmt hat. Kritische Anstragsteller bekamen regelmäßig den Querulanten-Stempel aufgedrückt.

    Insofern könnte das Warten auf eine neue kritische Fanszene noch recht lange dauern. Zumindestens wenn kollektiv gewartet wird.


  1. Gravatar of lulu
    Kommentar von
    lulu
    29.03.2009 um 21:44
    7

    abel is unglaublich schön!!!!! i love you!!!




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