Verrückte Liga, bittere Wahrheiten
Sonntag, 18. Mai 2008, 18:35 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 18. Mai 2008, 18:43 Uhr
Abgelegt unter: Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Vereinspolitik

Drei Spieltage vor Saisonende hat der FC Sachsen noch immer Chancen auf die Regionalliga, sieben weitere Mannschaften kämpfen um Platz vier. Und über allen thront ausgerechnet der Hallesche FC

Während sich die Leutzscher selbst zerfleischen, hin- und hergerissen sind zwischen Kreisklasse-Romantik und FC Lonzen, wird weiter Fußball gespielt. Die NOFV-Oberliga Süd der Spielzeit 2007/08, sie ist ein Mysterium. Der Hallesche FC ist durch, der Chemnitzer FC so gut wie, und auch für den VFC Plauen sieht es gut aus – auf den ersten Blick keine Überraschungen. Wohl aber auf den zweiten.

Der HFC steigt auf, Ex-Leutzscher helfen mit

Angefangen beim HFC: Seit Jahren will man in der Saalestadt hoch hinaus, hat hochklassig besetzte Mannschaften, zum großen Wurf – Platz eins und der Regionalligaaufstieg – hat es aber nie gereicht. Dafür ist der HFC ausgerechnet jetzt auferstanden. Mit einer unglaublichen Rückrundenserie. Sinnbildlich der Auftritt der Hallenser beim FC Sachsen vor ein paar Wochen: Die Leutzscher drücken, machen das Tor nicht. Dafür der aber der HFC – fünf Minuten vor Schluss fällt das spielentscheidende 1:0. Ein Spiel, das symptomatisch für die Hallenser Rückrunde steht. Die starke Abwehr lässt nur selten Gegentreffer zu, dafür fällt vorne das entscheidende Tor. Mit einer unglaublichen Effizienz ist der HFC in die neue Regionalliga marschiert.

Tragende Stützen der Mannschaft sind ausgerechnet Ex-Leutzscher. Nico Kanitz und Kevin Kittler zählen zu den Toptorschützen, in der Hinrunde – bis zu seiner schweren Verletzung, nun droht sogar das Karriereende – hielt David Bergner die Abwehr zusammen. Ein Erfolgstrio, das man in Leutzsch nicht mehr haben wollte. Der HFC bedankt sich.

Punktabzug als Hallenser Initialzündung

Nein, konfliktlos ging es diese Saison nie zu beim HFC. Besonders in der Hinrunde wackelte der Trainerposten von Thomas Köhler, der HFC dümpelte lange mit dem FC Sachsen im Niemandsland der Tabelle. Erst als es wirklich darauf ankam, als jeder und alles auf den HFC einprügelte, lief es auf dem Platz. Der dreifache Punktabzug durch den NOFV für die „Juden-Jena“-Rufe war die Initialzündung. Seitdem gewinnt die Köhler-Elf fast alles, sogar den Landespokal.

Somit winken enorme Einnahmen aus dem DFB-Pokal, noch vor ein paar Wochen mussten sogar 15 000 Euro für die Beantragung der Regionalligalizenz mit dem Klingelbeutel eingesammelt werden. Dass der Verein sportlich und finanziell immer noch am Leben ist – ein pures Wunder, für einen Leutzscher nicht zu begreifen.

Leere Ränge im Zentralstadion, aber warum?

Stichwort Leutzsch, ähm Zentralstadion: Die Lonzen-Arena war auch beim deutlichen 4:1 gegen den VfB Sangerhausen übersichtlich besucht. Warum, ist offensichtlich noch nicht bis zur FCS-Führungsriege durchgedrungen. Wie gut informierte Kreise berichten, stürmte Vereinsboss Winfried Lonzen jüngst die Mannschaftskabine, machte die Spieler mit ihren Leistungen für die leeren Ränge verantwortlich. Ein Kicker, „nennen wir ihn einfach Norbert G.“, wusste es besser – in etwa so: Herr Lonzen, die Zuschauer bleiben nicht weg, weil es sportlich nicht läuft, sondern weil Sie Präsident sind!

Die Wahrheit kann manchmal so bitter sein. Leider ist nicht überliefert, ob Lonzen dieselbige inzwischen verstanden, geschweige denn verarbeitet hat. Regelmäßige Zeitungslektüre – oder gar eine Internetrecherche nach diversen Fanmeinungen – scheint offensichtlich nicht auf der Tagesordnung eines Vereinspräsidenten zu stehen.

Mit Schlussspurt in die Regionalliga

Zurück zum Sportlichen. Dass der FC Sachsen noch Chancen auf die Regionalliga-Qualifikation hat, ist schlichtweg skandalös. Die dubiosen Ergebnisse der Konkurrenz scheinen nur mit Leistungsverweigerung zu erklären. Seit Wochen verwehren sich Markranstädt, Meuselwitz, Gera & Co. gekonnt gegen jeden Erfolg, der Leutzscher Rückstand beträgt drei Spieltage vor Schluss schlüpfrige drei Pünktchen auf den zur Relegation berechtigenden vierten Platz (Nein, an dieser Stelle soll ausdrücklich nicht zusammengezählt werden, wieviele Punkte der FC Sachsen gegen Markranstädt, Bautzen, Chemnitz, Plauen usw. usf. verschenkt hat. Bitte nicht nachrechnen!).

Das Restprogramm könnte schwerer sein, unter der Woche geht es nach Zwickau, dann kommt Carl Zeiss Jena II nach Leutzsch (und nicht ins Zentralstadion, Bon Jovi sei dank) – die Jenenser liegen derzeit auf dem begehrten vierten Platz. Das Saisonfinale schließlich steigt in Eilenburg. Drei Siege könnten Platz vier bedeuten, auch, wenn mit Markranstädt, Gera, Borea Dresden und Meuselwitz vier aufstiegswillige Teams zwischen Leutzsch und Jena liegen. Denn auf eines ist Verlass: auch an den letzten Spieltagen werden Punkte verschenkt, selbst die derzeit elftplatzierten Auerbacher haben noch Regionalliga-Chancen. Problematisch, dass der FC Sachsen in dieser Saison resistent gegen unverhoffte Siegesserien ist. Insider wissen: Drei Leutzscher Dreier im Finale sind ebenso wahrscheinlich wie der sofortige Rücktritt von Winfried Lonzen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt.




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3 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of ml
    Kommentar von
    18.05.2008 um 20:23
    1

    Ich drück mal den Fans die Daumen, dass sie nächstes Jahr nicht gegen die andere Leipziger Mannschaft spielen müssen…


  1. Gravatar of Alex
    Kommentar von
    Alex
    18.05.2008 um 22:30
    2

    Skandalös ist der richtige Ausdruck. Skandalöse Saisonvorbereitung (Finanzen) + skandalöser Umgang mit der Mannschaft (Gehaltsrückstände)+ skandalöse Öffentlichkeitsarbeit (schwachsinnige Gegendarstellungen) + skandalöser Zeitpunkt für Trainerrauswurf + skandalöser Umgang mit den Fans (Zentralstadion) = skandalös diese Saison aus der Hand geschenkt. In Zwickau wird mal wieder nicht gewonnen. Alles andere wäre eine skandalöse Überraschung.


  1. Gravatar of Mixi Maxi
    Kommentar von
    Mixi Maxi
    10.08.2008 um 12:53
    3

    Ich wohne schon lange nicht mehr in Lpz. Schleusig.Versuche mich aber über’s Netz über den neusten Stand von Chemie zu informieren.Den alten Vereinsnamen abzugeben war schon schlimm aber wahrscheinlich notwendig,den Umzug von Leutsch in die Länderspiel-Schüssel werde ich allerdings niemals begreifen!




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