Wie gewonnen, so zeronnen
Freitag, 11. April 2008, 12:42 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 11. April 2008, 13:22 Uhr
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NOFV-Sportgericht: Drei-Punkte-Abzug wegen rassistischer Ausschreitungen für Wiederholungstäter Hallescher FC

Zuerst gejubelt und dann doch abgewatscht: Der HFC gewinnt glücklich beim FC Sachsen, um vier Tage später vorm NOFV-Sportgericht zu verlieren. Drei Punkte Abzug wegen wiederholt rassistischer Anfeindungen im Fanblock, adé Tabellenführung. Völlig zurecht, im Übrigen. Mit welcher Penetranz sich Fans (die Nicht-Täter) und Verantwortliche des HFC vor der Wirklichkeit verschlossen hatten, war schlichtweg peinlich.

Kein Punkt trotz starker zweiter Hälfte

Nicht peinlich, sondern eher tragikomisch war der Auftritt der Leutzscher bei der 0:1-(0:0)-Heimniederlage gegen den HFC, oder besser: gegen HFC-Keeper Darko Horvat. Der hielt alles, was es zu halten gab und auch das, was nicht zu halten war. Dreimal Weltklasse reagiert, dreimal in derselben Ecke. Kein Vorwurf an die Schützen: Garbuschewski, Racanel und Richter scheiterten nicht am eigenen Unvermögen, sondern an Horvats sensationeller Tagesform. Ohne Fußballweisheiten zu bemühen: Es ist klar, dass dann der Gegner das Tor macht. In der zweiten Hälfte nicht präsent, reichte den Hallensern eine einzige Chance, um kurz vor Schluss (wann sonst?) das Spiel zu entscheiden.

Ärgerlich, ein Punkt wäre drin gewesen, trotz schwacher erster Hälfte, die der HFC dominiert hatte. Denn nach dem Wechsel spielte nur noch Grün-Weiß. Wenn der eigene Aufstieg schon nicht mehr möglich ist, sollte wenigstens alles dafür getan werden, dass auch der HFC nächstes Jahr nur fünftklassig (an dieses Wort muss man sich erst noch gewöhnen) kickt. Was auf dem Platz nicht klappte, schafft nun das Sportgerichtsurteil. Alle Details dazu liefert Steffen Enigk in der Leipziger Volkszeitung:

Drei Punkte Abzug und das nächste Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit: So lautete gestern das Urteil des Sportgerichts des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) gegen den Halleschen FC. Damit verliert der HFC seine durch den 1:0-Sieg beim FC Sachsen errungene Oberliga-Tabellenführung wieder an den SSV Markranstädt. Am Sonntag gegen Meuselwitz darf der Verein zudem nur 1000 Karten verkaufen, alle Zuschauer müssen auf der Tribüne sitzen.

Beim Spiel gegen Jena II am 30. März waren im Wabbel-Stadion mehrfach „Juden-Jena“-Rufe aus einem 500 Mann starken HFC-Fanblock ertönt. MDR-Aufnahmen dokumentieren dies. Doch die HFC-Verantwortlichen wollen ebenso wenig etwas gehört haben wie ihre Ordner und das Schiedsrichter-Trio, obwohl einer der Assistenten nur fünf Meter vor dem Block stand. Jenas Mannschaftsleiter und einige Fanprojekt-Vertreter vernahmen die Rufe zwar, wandten sich aber nicht an Referees oder Gastgeber, so dass niemand einschritt. Deshalb wurde gestern auch Jena bestraft, muss 500 Euro Geldbuße zahlen.

Beim HFC fehlt die Einsicht

Wahrlich skandalös, wenn da HFC-Präsi Michael Schädlich in der LVZ von einem „skandalösen“ Urteil spricht. Auch, wenn antisemitische Rufe juristisch nicht greifbar sind und es sich „nur“ um einen moralischen Delikt handelt, können sich Verein und Fans nicht aus der Verantwortung stehlen. Mal sehen, was sich jetzt beim HFC verändern wird. Wenn auch weiterhin die Einsicht ausbleibt, ist es eine Frage der Zeit, wann der nächste Wiederholungsfall eintritt. Dann drohen noch drakonischere Strafen – bis hin zum Zwangsabstieg.




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