0:0-Derbysieg und Gewaltexzesse
Montag, 17. März 2008, 16:49 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 15:04 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Gewalt & Rassismus, Medienschau, Spielberichte

Das Leipziger Sachsenliga-Derby zwischen 1. FC Lokomotive und FC Sachsen II hielt, was es versprach: Vor allem neben dem Platz ging es zur Sache. Mit dem 0:0 kann man in Leutzsch ganz gut leben

Gewonnen, ohne ein Tor zu schießen. Und Lok im Aufstiegsrennen zurückgeworfen. Das sind die guten Nachrichten vom Landesliga-Derby zwischen Lok Leipzig und Chemie II. Die Probstheidaer sind nur noch Dritter, zwei Punkte hinter der Doppelspitze FV Dresden 06 Laubegast und FC Erzgebirge Aue II. Auch Chemie II nimmt dieser Wochen Einfluss auf das Aufstiegsrennen. Vor einer Woche ließ sich die Zweite von Aue mit 1:5 abschlachten. Gegen Lok sah das dann quasi über Nacht besser aus.

Das Sportliche als Nebensache

Dass Lok in der ersten Hälfte eine Reihe guter Möglichkeiten hatte, aber vor dem Tor gnadenlos versagte und/oder an Marius Kansy scheiterte, und dass Chemie nach dem Wechsel besser ins Spiel kam, mit etwas Glück sogar hätte gewinnen können, ist eigentlich nur Nebensache. Zu pervers ist die Rivalität zwischen den Fanlagern, zu aggressiv war die Stimmung am Sonntag. Klar, man weiß, dass man sich nicht in Grün-Weiß auf der Straße blicken lassen kann. Man muss mit allem rechnen. Egal, ob ein 70-Mann-Mob auf Sachsen-Fans zustürmt oder ob einzelne, vom Spiel gefrustete Blau-Gelbe handgreiflich gegen junge Frauen werden. Auf Verdacht wohl gemerkt, frau muss nicht mal grün-weiß tragen, sondern nur ungefähr aus Richtung Chemie-Block kommen.

Chemiker klatschen – das sagt der Kategorie-C-Fan

Im Chemie-Forum machen „Erlebnisberichte“ die Runde. Hautnah und „von drüben“, überliefert mit allen intellektuellen, orthographischen und grammatikalischen Herausforderungen, die die deutsche Sprache zu bieten hat:

Da das Spiel absolut grottik war , verliere ich kein Wort darüber.

Viel Interessanter ist doch wie viele Chemiker heute mit gebrochenen Nasen etc. nach Hause müssen. Tja Liebe Chemiker das ist DERBY und Lok die Stadt.

Zu erst gab es Früchte vom Pfeigenbaum am Lindenauer Busbahnhof , wo 50 Chemiker gefallen sind.

Die Krönung war aber die Dammkrone. Dumme Chemiker die sich hinter einem Zaun sicher fühlen, die Große Fresse haben , und als das Tor dann auf ging , kalkweiß wurden, und leider nicht schnell genug weg waren. So viel Panik und Angst in den Gesichtern. Da wird es wohl einige feuchte Hosen gegeben haben. Und dann ging das geile “ Schlag – den – Uwe – Los. Man drosch knapp 60 Schaben windelweich. und zog sich danach erst einmal zurück. Weil alle Guten Dinge 3 Sind , und „Uwe“ so freundlich war , direkt in die Arme zu laufen , unterhielt man sich noch einmal an der Haltestelle.

Chemiker knie nieder , Lok leipzig ist zu Gast. !!

Chemiker klatschen – das sagt der Journalist

Und nun das Ganze noch einmal geordnet – von einem, der die Gabe dazu besitzt. Guido Schäfer fasst in der Leipziger Volkszeitung die Gewaltexzesse im Nachgang des Derbys zusammen:

Abpfiff, der Abmarsch der Fans ist von den Sicherheits-Experten minutiös geplant. Oberstes Ziel: Die Farben Grün-Weiß und Blau-Gelb dürfen sich nicht mischen. Das Ziel wird verfehlt, schon am Oberring kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen und Steinwürfen. Die Polizei trennt die Fraktionen auf der Festwiese, die Lage beruhigt sich. Allerdings nicht für alle. An der Straßenbahnhaltestelle Jahnallee liegt ein verletzter Sachsen-Fan. Der ist eigens aus seiner Wahlheimat München angereist, hatte just eine Begegnung mit einem Herrn aus dem Feindesland. Später sickern Meldungen von Schlägereien am Lindenauer Markt und anderen Örtlichkeiten durch.

Als der Spuk am Nachmittag vorbei ist, flattert eine Mitteilung der Polizeidirektion in die Redaktionsstuben. Drei vorübergehende Festnahmen, zwei Anzeigen, vier Verletzte, darunter ein Beamter. Zwischen den Zeilen liest man heraus: Es wird eben doch nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Bilanz ist windschief. Die vielen blutenden Nasen und Köpfe etwa vom Lindenauer Markt sind nicht erfasst. Unklar blieb auch, weshalb gestern Nacht im Kunze-Sportpark in Leutzsch ein Kassenhäuschen brannte.

Randale auch im Stadion – Polizei überfordert

Trotz Großaufgebots war die Polizei überfordert. Und das nicht nur auf der Festwiese, sondern sogar im Hochsicherheitstrakt Zentralstadion. Nach wenigen Spielminuten flogen Leuchtspuren aus dem Chemie- in den Lok-Block – die Hauptadressaten: die Ultras von „Scenario Lok“, aus deren Umfeld im weiteren Verlauf des Spiels übrigens auch „Zick zack Zigeunerpack“ zu hören war. Die Lage eskalierte, als ein paar Lokisten daraufhin den Chemie-Block stürmen wollten. Bis Polizei und Ordnungskräfte – für diesen Fall offensichtlich gänzlich unvorbereitet – eine Pufferzone zwischen den Blöcken einrichteten und der Konfrontation somit den Reiz nahmen, vergingen Minuten.

Zurück vom Spiel: wie schon in der Hinrunde wirkte die Lokomotive etwas altersschwach und wartungsbedürftig. Besonders in Halbzeit zwei dampfte sie aus dem letzten Loch. Auch vom Support her. Angetrieben von den Diablos war der grün-weiße Block einmal mehr innovativer und gesangfreudiger. Und das hat auch der Mannschaft geholfen. Fazit: Es bleibt die Hoffnung, dass auch im nächsten Jahr Leutzsch und Probstheida eine Spielklasse trennen werden. Unsere Zweite arbeitet daran.




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1 Kommentar bisher
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  1. Gravatar of Cartoon
    Kommentar von
    19.07.2008 um 22:05
    1

    Es kann ja nur noch besser werden. Sport bedeutet Steigerung der Leistung. Mit unserer Fan-Unterstützung und Glück schaffen wir es schon!!




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