Lonzen: Leutzscher als Spielball politischer Ränkespiele
Samstag, 15. März 2008, 14:26 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:02 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Medienschau

Zuerst wird die Partie FC Sachsen Leipzig gegen SC Borea Dresden wegen einer Nazi-Demo abgesagt, dann fällt die Demo selbst flach. Die Leutzscher sind Leidtragende der Rivalität zwischen Dresden und Leipzig

Willkommen im sächsischen Provinzialismus! Die Hauptakteure: Leipzig und Dresden, die zwei um die Vormachtrolle in Sachsen rivalisierenden Städte, bei denen es selten ein Miteinander, öfter ein Nebeneinander, nein, eigentlich fast ausschließlich ein Gegeneinander gibt. Mittendrin: der Fußball, allen voran der FC Sachsen Leipzig, der seine ambivalente Stellung quasi schon in seinem Namen in sich trägt.

„Es ist zum Kotzen! … Wir werden zum Spielball politischer Ränkespiele zwischen Dresden und Leipzig“, traut Sachsen-Präsi Winfried Lonzen LVZ-Mann Guido Schäfer an. Hintergrund: Zuerst wird die Partie des FC Sachsen gegen SC Borea Dresden auf Druck des Innenministers Albrecht Buttolo (CDU) aus Sicherheitsbedenken abgesagt – weil in Leipzig die Rechtsextremen marschieren. Gestern dann sagte das SPD-geführte Leipzig – man fürchtet um den Ruf der Stadt, will nicht zwischen Rechts- und Linksextremen aufgerieben werden – so spät wie möglich die NPD-Demo ab. Erfolgreich, die Rechtsextremen wollten laut LVZ keine Rechtsmittel einlegen.

Dresden bleibt hart

Obwohl nun also der Grund für die Spielabsage weggefallen ist, gucken die Leutzscher in die Röhre. Dazu Guido Schäfer:

Als Sachsen-Chef Lonzen von der neuen Sachlage erfuhr, telefonierte er sofort mit der Leipziger Polizeidirektion und dem Fußballverband, wollte die Austragung des Heimspiels durchdrücken. Vergebens. Buttolos Innenministerium bewegte sich keine Millimeter, blieb hart.

Für die Leutzscher ist die Absage sowohl finanziell als auch sportlich ein Desaster, heißt es einstimmig in LVZ und Bild. Es drohten fest einkalkulierte Einnahmenverluste in Höhe von 25 000 (LVZ) bzw. 30 000 Euro (Bild). Zudem sind die schwächelnden Dresdner Tabellenführer in der Rückrunde bisher sieglos – bis zum avisierten Nachholetermin Mitte April wird sich das definitiv ändern.

Und das alles, weil die Politik in Dresden und Leipzig vor „Disco-Krieg“ und Rechtendemo kapituliert. Und weil sich Politiker beider Städte uneins sind, die Kommunikation scheint gegen null zu laufen. Die vermeintliche Personalnot der Polizei ist ein hausgemachtes Problem: Die massiven Kürzungen der Personalkosten durch die sächsische Landesregierung der letzten Jahre zeigen ihre Wirkung. Am Sonnabend ist Leipzig trotzdem voll mit Polizeieinheiten – auch ohne Fußball und NPD-Demo.




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