Demo statt Fußball
Freitag, 14. März 2008, 9:25 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 15:04 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Medienschau

Vorschnelle Absage: Sächsischer Fußballverband schickt Leutzscher lieber zur Demo als in die Kurve

Eigentlich sollte an dieser Stelle vom Duell der angeschlagenen Boxer zu lesen sein. Doch die Partie der mittelmäßig in die Rückrunde gestarteten Leutzscher und der schwächelnden Tabellenführer von SC Borea Dresden wurde abgesagt – die Sicherheit des Spiels könne nicht gewährleistet werden, heißt es beim Sächsischen Fußballverband. „Geboxt wird woanders“, könnte also die Botschaft heißen. Nein, nicht in Leipziger Discos, sondern auf der Straße. Guido Schäfer (Leipziger Volkszeitung) hat sich umgehört:

Kurios: Szenekundige Beamten hätten lieber grünes Licht gegeben, das Match in Leutzsch über die Bühne gehen lassen. Grund: Links angehauchte Fans des FCS haben nach der Absage einen freien Samstag, könnten auf die Idee kommen, sich in Leipzigs City mit den NPD-Ewiggestrigen zu „treffen“.

Kameradschaftlicher Aufmarsch und Leipziger Gegendemos

Genau, NPD und „freie Kräfte“ wollen am Samstag aufmarschieren. Hintergrund: Der „Disco-Krieg“ wird zum Anlass genommen, gegen Migranten zu hetzen. Laut den Jusos Leipzig werden mindestens 500 kameradschaftliche Teilnehmer erwartet. Klasse! Leipzig muss zeigen, wo es wirklich lang geht, Antifa und Bürgertum haben unlängst zur Gegendemo geladen. „Gegen Nazis, gegen Rassismus“ heißt es ab 9:30 Uhr am Südplatz, „Leipziger Freiheit gegen braune Gewalt“ ab 11:55 Uhr am Burgplatz.

Nun haben die Verantwortlichen also dafür gesorgt, dass die politisch interessierten unter den Leutzschern die Demo nicht verpassen. Der Punkt hätte eigentlich an die „szenekundigen Beamten“ gehen müssen, die sich aber offensichtlich in ihrer Behörde nicht durchsetzen können und keinen guten Draht zum Verband zu haben scheinen. Zumal die Partie gegen Borea definitiv keine sicherheitsrelevante Begegnung ist. Die Absage ist sportlich gesehen schade, aber langweilig wird es an diesem Wochenende auch vernab diverser Demos nicht. Am Sonntag steigt das Derby: Unsere Zweite ist zu Gast beim 1. FC Lok im Zentralstadion.




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