Wiederholt vom Schiedsrichter betrogen
Montag, 10. März 2008, 10:04 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:02 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Spielberichte

Chemie kommt beim FSV Budissa Bautzen nicht über ein 1:1 hinaus. Schuld daran ist weniger eigenes Unvermögen, als vielmehr ein fehlgeleiteter Schiedsrichter – einmal zu oft in dieser Saison

Es heißt immer, sie würden sich im Laufe der Saison ausgleichen: Fehlentscheidungen des Schiedsrichters. In Leutzsch kann man nicht mehr so richtig daran glauben. Jüngstes Beispiel: das magere 1:1 bei Budissa Bautzen, ein Rückschlag, ein doppelter Punktverlust. Vor allem angesichts des Spielverlaufs. Die Partie war so gut wie entschieden, Chemie führte 1:0, noch dazu in Überzahl, und hatte das Spiel im Griff. Bis zum Galaauftritt von Schiri Marcel Böhmer, „der sich in der letzten halben Stunde gewissermaßen beim FSV Budissa Bautzen einwechselte“ (Guido Schäfer in der Leipziger Volkszeitung).

Inflation an einseitigen Fehlentscheidungen 

Böhmer agierte skandalös, entschied das Spiel im Alleingang. Zwei (!) reguläre Treffer des FC Sachsen – das belegen die TV-Bilder des MDR – wurden zurückgepfiffen. Zunächst soll Timo Breitkopfs (54.) Treffer eine Attacke gegen den Torhüter im Fünfmeterraum vorausgegangen sein (Nie und nimmer! Wenn, dann war es eher ein Elfer…). Und kurz vor Schluss entschied das Schirigespann bei einem Tor von Tino Semmer (87.) auf Abseits (Waren da bewusstseinserweiternde Mittelchen im Spiel?). Doch das waren nicht die einzigen „exklusiven Sichtweisen“ Böhmers, wie Guido Schäfer herausstellt:

Zudem verweigerte der Mann in Rot den Leutzschern einen Hand-Elfmeter.

Fingerspitzengefühl konnte man Böhmer ohnehin nicht vorwerfen. Norman Lee Gandaa wurde nach 64 Minuten mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt. Wegen Ballwegschlagens. Böhmer hatte gepfiffen, Lee Gandaa drosch das Leder im selben Augenblick in die Maschen. „Ich bin in der Ausholbewegung, kann gar nicht mehr bremsen!“, sagte Lee Gandaa der Bild.

Bis zum Ausgleich deutete alles auf Auswärtssieg 

Desaströse Schlussminuten einer Partie, die für die Leutzscher sehr gut begonnen hatte. Bereits in der ersten Halbzeit hatte Lee Gandaa (20.) nach übersichtlichem Racanel-Pass Budissa-Keeper Schier umkurvt und lässig zum 1:0 eingeschoben. Ansonsten passierte nicht viel, bescheidene Leutzscher dominierten schwache Bautzner. Nach dem Wechsel dann die Dramatisierung der Ereignisse: Zunächst fliegt FSV-Kicker Riedel (59.) nach wiederholtem Foulspiel vom Platz, zwei Minuten später folgt der Ausgleich durch Dörry nach einem Konter.

Böhmer, Melms, Hammer und Wenkel kosten Chemie wichtige Punkte 

Die Endphase gehörte dann den verzweifelt anrennenden Leutzschern. Und vor allem Schiri Böhmer, der den Grün-Weißen den Sieg verwehrte. Sicherlich nicht absichtlich. Aber umso schlimmer, dass solche Dilettanten wie Böhmer überhaupt Oberliga pfeifen dürfen. Die Verbände haben ein echtes Schiri-Problem. Der FC Sachsen wurde diese Saison wiederholt verschaukelt. So erst letzte Woche beim 0:2 gegen den VfB Auerbach, als die Vogtländer von Gunnar Melms (Osterburg) einen fragwürdigen Elfer zugesprochen bekamen. Im November 2007 hatte Schiri René Hammer (Ranis) maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des 2:2 gegen den Chemnitzer FC. Im selben Monat wurde beim 1:1 in Sangerhausen Markus Richter ein Webley-Tor verwehrt, Tino Wenkel (Mühlhausen) hatten den Ball nicht hinter der Linie gesehen – TV-Bilder bewiesen das Gegenteil.

Das Schiri-Problem von DFB, NOFV & Co. 

Die totale Absurdität erreichte jedoch der Unparteiische Marek Preuß (Hamburg) in der Regionalliga-Begegnung Rot-Weiß Erfurt gegen Babelsberg 03. „Rot-Weiß betrogen“, titelt die Bild gewohnt boulevardesk. Weiterhin heißt es:

Es war der größte Skandal, die dreisteste Lüge und die dilettantischste Unwissenheit des Spieltages.

Und das sind zur Abwechslung mal keine Übertreibungen. Eine ungeahndete Flugparade des Torhüters gut 10 Meter vor dem eigenen Strafraum, das ist wahrlich skandalös. Derartige Fehlentscheidungen sind nicht mehr hinnehmbar – nicht für die Spieler, die Vereine, nicht für die Fans. Und schon gar nicht für DFB, NOFV & Co. Ob verstärkte Beobachtung, härtere Sanktionen, eventuell auch eine bessere Bezahlung für Schiedsrichter – für die Verbände besteht Handlungsbedarf.




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