Jetzt geht auch Fenger – Perspektiven einer Rückrunde
Donnerstag, 24. Januar 2008, 15:48 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:04 Uhr
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Reimann weg, Fenger weg: Kickt der FC Sachsen Leipzig ab Sommer 2008 fünftklassig oder droht doch gleich die Insolvenz? Eine Rückrunde der Entscheidung steht bevor

Da ist er wieder, der ganz normale grün-weiße Wahnsinn: Fenger sagt Nein!, titelt heute die Leipziger Volkszeitung. Soll heißen: Für den Beton-Multi und einstigen finanziellen Heilsbringer Torsten Fenger ist der FC Sachsen ein zu heikles Pflaster, ein Fass mit offenem Boden. Fenger geht, bevor er überhaupt angefangen hat, und nimmt seinen Marketing-Strategen Rüdiger Bartsch, der seit Dezember 2007 im Vorstand saß, gleich mit.

Insolvenz droht erneut

Richtig verwundern kann der Schritt Fengers, der zwischenzeitlich sogar als neuer Präsident gehandelt wurde, nicht. In den letzten Wochen gab sich der designierte Retter des FC Sachsen wortkarg, verweilte lieber zum Urlaub in den USA. Mit dem Rückzug Fengers steht der FC Sachsen wieder da, wo er eigentlich die gesamte Saison über stand – vor der Insolvenz. Die Vereinsführung gibt sich zweckoptimistisch: Am Konzept der Konsolidierung halte sie weiterhin fest. „Spätestens im April diesen Jahres soll die aktuelle Etatlücke geschlossen sein“, versprach Vorstandschef Winfried Lonzen auf der Website des Vereins.

Kommt Red Bull doch noch?

Welche Alternativen bleiben, welche Perspektiven bieten sich? Die Lösung für Pragmatiker heißt Red Bull. Für den im Sportsponsoring umtriebigen Weltkonzern steht Leipzig nachwievor auf der Agenda. Gestern sagte Karsten Oswald in der Bild:

„Ich weiß, dass die Österreicher immer noch ganz großes Interesse haben, in Leipzig einzusteigen. Das hat mir mein Freund Thomas Linke bestätigt, der nächstes Jahr Sportdirektor in Salzburg wird. Vielleicht ist das die einzige Chance für den Fußball in Leipzig!“

Stellt sich bloß die Frage, zu welchem Preis Red Bull einsteigen würde – droht Leipzig ein zweites Red Bull Salzburg, also gnadenlose Enttraditionalisierung und Kommerzialisierung? Das Engagement der Österreicher scheiterte bislang vor allem an den im internationalen Vergleich eher rückschrittlichen Statuten des DFB. Die umstrittene Regelung lautet „50+1“: Investoren ist es verboten, mehr als die Hälfte der Anteile – ergo 50 Prozent plus eine Stimme – eines Vereins zu erwerben. Zu diesem brisanten Thema lieferten sich übrigens Jürgen Born, Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen, und Martin Kind, Geschäftsführer von Hannover 96, auf SPOX.com eine kontroverse und lesenswerte Diskussion.

Saison abhaken und für Liga fünf planen?

Ganz anders ist die Lösung für Idealisten: der Schritt nach vorne, der radikale Neuanfang. Nach Reimann-Weggang und Fenger-Rückzug sieht es sportlich und finanziell prekär aus. Dass sich der FC Sachsen ohne einen einzigen Neuzugang mit dem derzeitigen Kader für die reformierte Oberliga qualifiziert, ist ebenso wahrscheinlich wie eine unbefleckte Empfängnis. Dass diese wenig verheißungsvolle Lage neue Sponsoren oder Investoren anlockt, dürfen die Verantwortlichen getrost ausschließen. Warum da noch Karsten Oswald (8500 Euro monatlich), Catalin Racanel und Marcel Rozgonyi (beide je 8000) auf der Gehaltsliste stehen, ist angesichts der Höhe der Verbindlichkeiten von 1,3 Mio. Euro unklar. Realistisch wäre es, einzugestehen, dass beim FC Sachsen der Saison 2007/08 einfach alles schief gelaufen ist. Abhaken und Mund abputzen, sich nicht weiter selbst belügen, stattdessen für die fünfte Liga 2008/09 planen – mit einem Kader ohne Großverdiener.

Achja, da wäre ja noch eine Lösung, eine für Utopisten: Die verbleibenden Leutzscher starten die Serie ihres Lebens, spielen in der Rückrunde die Aufstiegskonkurrenz aus Markranstädt, Halle, Plauen & Co. an die Wand und schließen die Saison mindestens mit Platz vier ab. Wie auch immer, wir dürfen gespannt sein auf die zweite Saisonhälfte. Langweilig wirds nicht.




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