Neue Gesichter, alte Probleme
Mittwoch, 12. Dezember 2007, 17:58 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 15. Mai 2009, 0:19 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Vereinspolitik

Zahlen, die gesessen haben: 600 000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten schleppt der FC Sachsen hinter sich her, die Gesamtschulden belaufen sich sogar auf 1,3 Mio. Euro. Und seit der freitagabendlichen Mitgliederversammlung wissen wir auch, wer sich der Verantwortung stellt, wer das Minus ins Plus umwandeln und aus der Oberliga so schnell wie möglich eine Regionalliga machen will.

Betonmulti Fenger steigt beim FC Sachsen ein

Die zentralen Figuren: Michael Kölmel, Chef des Kinoweltimperiums mit einer langjährigen Schwäche für Fußball, und Torsten Fenger, Betonmulti aus Kemberg mit dem nötigen Kleingeld, aber wenig Zeit. Deshalb wird letzterer nicht Präsident, sondern der Kölmel-Vertraute und Stadionbetreiber Winfried Lonzen. Gute Nachrichten: der Verein ist den Aufsichtsratsneuwahlen wieder handlungsfähig. Und mit Ex-Geschäftsführer Jens Ellinger und der 64er Legende Bernd Bauchspieß rücken ein engagierter Marketingfachmann und eine echte Integrationsfigur in das Kontrollgremium nach.

Bartsch wird Fengers verlängerter Arm im Verein

Den neuen Aufsichtsrat komplettieren Veit Arnold (führt ein Sanitärunternehmen in der Nonnenstraße), Gerhard Schweitzer (einst Mercedes-Niederlassung Leipzig), Christoph David Schumacher (in der Werbe- und Marketingbranche tätig) und Jan Kiebler (Unternehmer im Bereich Hausmeisterservice). Neben Lonzen sitzen ab sofort Rüdiger Bartsch (verlängerter Arm Fengers, Marketing), der zurückgekehrte KPMG-Chef Georg Flascha (Schatzmeister) und Nachwuchscoach Uwe Schlieder (Jugendbereich) im Vereinsvorstand. Mit der Wahl des Fenger-Vertrauten Bartsch in die Vereinsspitze ist klar, dass Kölmel mit dem Betonunternehmer endlich einen potenten Nebenfinanzier gefunden zu haben scheint, der etwas im Verein bewegen will und dazu noch personelles Know-how mitbringt. Die nächsten Wochen und Monate müssen zeigen, ob beim FC Sachsen tatsächlich Ruhe einkehrt.

Die personellen Fronten sind geklärt, jetzt geht es also ums Finanzielle. Kölmel und Fenger hoffen auf eine Initialzündung für den Verein, bis zum Ende des Monats müssen laut übereinstimmenden Medienberichten mehrere hunderttausend Euro in den FC Sachsen gepumpt werden, um ihn am Überleben zu halten. Kölmel dazu am Samstag gegenüber der Leipziger Volkszeitung: „Ich bin zuversichtlich, dass neben mir noch andere Sponsoren einspringen und die Stadt hilft.“

Kein Gehalt: Wie lange spielen die Spieler noch mit?

Besonders brisant ist in diesem Zusammenhang das Buhlen einiger Vereine um Christian Reimann, von dem die Bild heute wiederholt berichtet. Demnach hätte der Verein noch nicht einmal die angekündigten 25 Prozent des Oktobergehalts überwiesen. Die Verantwortlichen hatten in den letzten Tagen mehrfach betont, dass die Mannschaft unbedingt zusammen gehalten werden müsse, um weiterhin eine Chance auf die Qualifikation für die neue Regionalliga zu haben. Sollten sich Pünktlichkeit und Höhe der Gehaltszahlungen in den nächsten Monaten nicht schlagartig verbessern, wird es schwer sein, die Mannschaft zu motivieren – im schlimmsten Fall droht der personelle Aderlass. Warme Worte und geklärte Strukturen helfen da wenig.




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