Die Elfmeter-Versager sind Pokal-Helden
Mittwoch, 21. November 2007, 19:25 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:22 Uhr
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Chemie endlich im Glück: Die Leutzscher rehabilitieren sich im Oddset-Pokal von schlechten Leistungen, verschossenen Elfern und liegen gelassenen Punkten

Sieg in Eilenburg! Wieder eine Runde weiter, die Leutzscher lieben den Pokalfight: jedes Gegentor könnte das letzte sein, jede Begegnung avanciert zum Endspiel. Passt irgendwie zum Verlauf der letzten Monate. Eine Deadline jagt die nächste, die finanzielle Situation des FC Sachsen war, ist und bleibt wahrscheinlich per Definition für immer prekär. Wie LVZ und Bild unisono berichten, braucht der Verein bis zum 30. November 200 000 Euro, um zu überleben. Die Stadtwerke haben laut Bild schon abgewunken.

Wenig Glück, schlechte Punkteausbeute

Düster sieht es aus, vor allem finanziell, aber auch sportlich. Die Leutzscher Kicker stolpern in der Oberliga von Unentschieden zu Unentschieden und kommen tabellarisch nicht so richtig von der Stelle. Frustrierend, enttäuschend und schlichtweg peinlich war das Auftreten der Leutzscher in den letzten Spielen: In Plauen (0:2) und beim Schlusslicht Sangerhausen (1:1) sündigte Christian Reimann vom Elfmeterpunkt. Dazwischen brillierten die Leutzscher kämpferisch gegen Staffelfavorit Chemnitzer FC (2:2), verschenkten aber in den letzten Sekunden durch ein Eigentor den sicher geglaubten Sieg.

Der Tiefpunkt: das ernüchternd schwache und torszenenarme 0:0 am Wochenende gegen Kellerkind FSV Zwickau. Unliebsame Begleiterscheinung: wieder ein vergebener Elfer, diesmal scheiterte Marcel Rozgonyi vom Punkt. Die „Elfer-Versager“ (LVZ) oder – je nach Sichtweise – „Elfer-Deppen“ (Bild) ließen einmal mehr zwei Punkte liegen.

Gastfreundliches Ilburg-Stadion

„Wir müssen uns ins Elfer-Schießen retten“, witzelte Achim Steffens, Coach des FC Eilenburg, folgerichtig in der BILD vor der Pokalbegegnung gegen Chemie. Doch am Ende lachten – wie eigentlich immer im Eilenburger Ilburg-Stadion – die Leutzscher. Den Elfmeter verschoss diesmal nämlich der mit Ex-Chemikern (u. a. Daniel Ferl, Sebastian Seifert, Florian Korb, Stefan Maruhn, Felix Preußner) gespickte Gegner. Linkert scheiterte an Steffen Süßner, statt 2:1 hieß es in der 50. Minute weiterhin 1:1. Eilenburg, das eine starke zweite Halbzeit spielte, versäumte es, die Partie in der regulären Spielzeit zu entscheiden.

Stattdessen jubelten die Leutzscher, Ronny Garbuschewski erzielte den entscheidenden Treffer nach schöner Kombination zu Beginn der Verlängerung (92.). Zuvor waren die Grün-Weißen durch Youngster Timo Breitkopf nach einer Garbuschewski-Ecke in Führung gegangen (36.), kurz darauf hatten die Eilenburger jedoch durch Torjäger Gasch egalisieren können (43.). Am Ende bot sich eine offene Partie mit Chancen für beide Teams – in den Leutzscher Reihen scheiterten Tino Semmer an FCE-Keeper Becker und Karsten Oswald am Pfosten, auf der anderen Seite erwiesen sich Steffens‘ Kicker als abschlussschwach – es blieb beim glücklichen, angesichts der letzten Wochen allerdings verdienten 2:1. Von den Elfmeter-Versagern zu den Pokal-Helden: Chemie hat endlich das Glück, das in den letzten Partien gefehlt hat.

Im Halbfinale winkt Traumlos

Es bleibt schließlich die Frage, wie viel dieser Erfolg wert ist. Sportlich eine Menge, denn die Leutzscher stehen zum sechsten Mal in Folge im Halbfinale des sächsischen Pokalwettbewerbs. Erhält der FCS Heimspielrecht und dazu einen attraktiven Gegner – Dynamo Dresden, Chemnitzer FC sowie der Sieger der Paarung Oberlausitz Neugersdorf/FSV Zwickau werden im Lostopf sein – winkt ein echter Halbfinalknaller und eine große Zuschauerkulisse. Der Pokal kann und wird einige Überraschungen bereit halten – und sich für die Leutzscher eventuell finanziell auszahlen.




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