Lonzens richtige Reaktion
Donnerstag, 15. November 2007, 10:41 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 6. November 2009, 13:23 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus

Sportlich am Abgrund, geraten rechter und linker Flügel der chemischen Fanszene aneinander. Aufsichtsratsvorsitzender Lonzen behält den Überblick und sperrt die Aggressoren aus

Sportlich läuft es nicht, nur 1:1 beim Tabellenletzten in Sangerhausen. Reimann verschießt zum zweiten Mal einen Elfer, Kraft und Wille scheinen nur für 20 Minuten starken Fußball zu reichen. Die Regionalligaqualifikation ist nicht nur höchst gefährdet, sie ist unlängst in weite Ferne – ohne Aussicht auf Besserung – gerückt. Passend dazu: Die Fanszene befindet sich in einer Identitätskrise. „Rechts gegen Links“ heißt es jetzt auch in den eigenen Reihen. Umso erstaunlicher: Der Verein – allen voran Aufsichtsratschef und Stadionbetreiber Winfried Lonzen – reagiert schnell, unbürokratisch und außenwirksam. Für 15 namentlich bekannte Metastasen gilt ab sofort ein Stadionverbot im Zentralstadion.

Im Sangerhäuser Friesenstadion provozierten gewaltbereite und rechtsextreme Metastasen Mitglieder der Ultrà-Gruppierung Diablos. Es gab tätliche Übergriffe, das U-Bahn-Lied wurde gesungen. Die zum Teil linksgerichteten Diablos reagierten mit „Nazis-raus“-Sprechchören, die Polizei musste noch im Stadion dazwischengehen. Der Höhepunkt: Nach dem Spiel attackierten die Metastasen die Diablos am Leipziger Hauptbahnhof. Es wird gemunkelt, dass die orangene Eingreiftruppe dabei sogar von Erlebnis orientierten Fans aus Probstheida unterstützt wurde.

Hass und Schlägereien innerhalb einer Fansezne, sind das schon italienische Verhältnisse? Für die Fankultur Chemie Leipzig ist es letztendlich gut, dass es zu dieser unsäglichen Auseinandersetzung gekommen ist. Bereits während des Fantreffens am Dienstag in der Sachsenstube hatte Lonzen Konsequenzen angekündigt. Gestern vermeldete der Verein dann die Verhängung der Stadionverbote.

Zentralstadionbetreiber Winfried Lonzen, erst seit ein paar Monaten als Aufsichtsratsvorsitzender im Amt, poliert seinen ursprünglichen Ruf als Handlanger des wankelmütigen Michael Kölmel auf. Sein Auftreten wirkt engagiert und kompetent. Die Stadionverbote sind genau die richtige Reaktion. Beim FC Sachsen setzen sich endlich auch die Granden mit dem Thema Rechtsextremismus und Antisemitismus auseinander. Zu lange wurden U-Bahn-Lied und „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ rechtfertigend uminterpretiert. Die neue Botschaft: Bei Chemie ist kein Platz mehr für rechtes Gedankengut. Wasser auf die Mühlen all jener Leutzscher, die seit Jahren gegen Rassismus und Diskriminierung kämpfen.




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3 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of tokyo-le
    Kommentar von
    tokyo-le
    17.11.2007 um 2:26
    1

    Man sollte mal die ganze, zugegebener Maßen, Scheißaktion, nicht nur von der ach so friedlichen Diablo-Seite betrachten. Oder!?
    Die Herren der linken bis linksextremen eite sollten sich auch mal an die eigene Nase fassen und mal kurz drüber nachdenken wer denn am Bahnhof eine Eskalation gesucht hat. Kann mich nicht dran erinnern das wir Metastasen das waren… Aber soweit ist es mittlerweile schon gekommen, das sogar unser toller Vorstand der linken gewaltbereiten Szene ein Plattform bietet, anstatt sich vielleicht erstmal beide Seiten anzuhören. Schönen Dank Herr Lonzen!!! Ich hätte sie eh nicht zum Cheffe gemacht.
    Und was ist denn am Spruch „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ so verwerflich?
    Habt ihr denn alle VERDAMMT NOCHMAL keinen Nationalstolz. Kriecht ihr immer noch auf Knien durch die Weltgeschichte wenn es um unsere Vergangenheit geht? Stolz darauf bin ich logischerweise auch nicht. Aber immer einen Mantel des Schweigens drüber decken und selber nichts tun? Armes Deutschland! Armes Leutzsch! Armer Verein!
    In diesem Sinne: B S G FOREVER!!!


  1. Gravatar of Neonazis im Stadion? Wo denn? | chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    2

    [...] alle Gewaltprobleme beim FCS gelöst. Wie auch immer, wer hier, hier, hier, hier, hier oder hier schon das ein oder andere Mal mitgelesen hat, dem ist allgemein bekannt, dass es beim FC Sachsen [...]


  1. Gravatar of „More Than Life“: Die Diablos machen seit zehn Jahren Theater | chemieblogger.de – Das Blog rund um FC Sachsen & BSG Chemie
    3

    [...] sportlichen Rückschläge, den Abschied aus dem Leutzscher Alfred-Kunze-Sportpark, die wiederholten Anfeindungen in der eigenen Fanszene, die Repressionen im Zentralstadion eines Michael Kölmel und seines Vollstreckers Winfried [...]




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