Erst Lust, dann Frust – Hammer-harte Tatsachenentscheidungen
Mittwoch, 7. November 2007, 23:18 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:22 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Spielberichte

Das wird eine ganz harte Saison. Nichts für Fans mit Bluthochdruck, nichts für Zartbesaitete. Heimspiele im Zentralstadion haben in diesen Monaten einen zutiefst zynischen Beigeschmack. Die Leistung stimmt oft, vor allem Kampf, Einsatzbereitschaft, allein der Lohn in Form von Heimsiegen bleibt aus. Späte Gegentore gab es bereits gegen Germania Halberstadt (1:1), den SSV Markranstädt (1:1) und nun auch gegen Ligaprimus Chemnitzer FC (2:2). Allein in diesen Spielen verschenkten die Leutzscher sechs Punkte – durch Unvermögen, Pech und gegen den CFC vor allem wegen des Schiedsrichters.

Ein Hammer-Spiel

René Hammer aus dem beschaulichen Ranis in Thüringen pfiff die Leutzscher diese Saison bereits bei der 1:5-Pleite in Auerbach und verteilte fleißig – insgesamt elfmal – gelbe Karten. Hammer mag Kartenspiele. Und kann, so er denn will, Spiele im Alleingang entscheiden. So geschehen in der Partie Chemie gegen den CFC. Nach 90+5 Minuten Kampf und Leidenschaft hatte die Statistik sieben gelbe, eine gelb-rote und drei rote Karten zu verzeichnen. Dazu gabs noch zwei Elfmeter, übrigens genauso salomonisch auf beide Teams verteilt wie die Platzverweise.

Klingt nach einer brutalen Partie, die wenig mit Fußball zu tun hatte. Aber tatsächlich war es Schiri Hammer selbst, der mit zunehmender Spielzeit die Kontrolle über das Spiel verlor und mit seiner Unsicherheit minütlich mehr Härte ins Spiel brachte. Im Nachgang las sich die Partie in etwa so: „Ich sag‘ ja sonst nix gegen Schiedsrichter, aber das war heute eine Katastrophe. Wir wurden richtig beschissen“, traute sich Christian Reimann LVZ-Ass Guido Schäfer an. Über die Schiedsrichterleistung kann sich jeder selbst eine Meinung bilden – die Fernsehbilder lügen nicht…

Zwei Fehlpfiffe bringen die Leutzscher aus dem Tritt

Spielentscheidend waren vor allem zwei Schlüsselszenen in der zweiten Halbzeit. In der 53. Minute sah Abwehrrecke Enrico Köckeritz Gelb-Rot – eine überzogene Entscheidung, denn „Köcki“ war zwar robust mit Körpereinsatz, dafür aber mit angelegtem Arm in einen Zweikampf mit CFC-Spieler Steven Sonnenberg gegangen. Bis dato regierte die Lust, lief es optimal für die Leutzscher, Catalin Racanel (13./Foulelfmeter) und Christian Reimann (33.) hatten jeweils nach starker Vorarbeit von Norman Lee Gandaa (endlich in der Startelf – zurecht!) ein beruhigendes 2:0 herausgeschossen. Der Platzverweis allein war es noch nicht, der die Leutzscher aus dem Tritt brachte. Nur wenige Minuten später zeigte Hammer völlig unverständlich (CFC-Liveticker: „wieder weiß keiner warum“) auf den Punkt im Leutzscher Strafraum, Steffen Kellig (59.) verwandelte sicher zum 1:2-Anschluss.

Russisches Roulett: Hammers falsches Kartenspiel

Der Ausgleich hätte bereits keine zehn Minuten später fallen müssen. Und zwar der zahlenmäßige. Kurz zuvor eingewechselt, grätschte Bakary Sinaba (67.) an der Leutzscher Grundlinie brutal einem Grün-Weißen von hinten in die Beine und sah dafür nur Gelb. Seinen Fehler schien Hammer kurz darauf wieder gut machen zu wollen. Für ein gelbwürdiges Foul an Christian Reimann flog CFC-Kapitän Mike Baumann (72.) vom Platz, Sekunden später durfte auch Ersatzspieler Stefan Schumann (72.) vorzeitig duschen gehen.

Vorausgegangen waren eine Rangelei und „Rudelbildung“. Mitten drin: der einsatzfreudige Norman Lee Gandaa, der seinerseits Glück hatte, dass er noch auf dem Platz stand. In der ersten Hälfte hatte Gandaa (45.) CFC-Akteur Felix Bachmann ins Krankenhaus gegrätscht, Gelb war ein Muss, bei Rot hätten sich die Leutzscher nicht beschweren können.

Zum Zeitpunkt des Doppelplatzverweises hatte René Hammer längst jegliche Kontrolle verloren. Viele Nicklichkeiten, viele Unterbrechungen. Letztlich der Grund, weshalb Hammer fünf Minuten Nachspielzeit anzeigte, die die Leutzscher ins Verderben führten. Trauriger Tiefpunkt: der eingewechselte Heiko Gerber (90.+3) köpfte das Leder zum 2:2 ins eigene Netz.

In Deckung: Gefährliche Wurfgeschosse

Den Schlusspunkt der Partie setzte aber ein anderer Leutzscher. Der für Gerber ausgewechselte Catalin Racanel, dem man mal mangelnde Kampf- und Einsatzbereitschaft nachsagte, warf den sprichwörtlichen Fehdehandschuh. Und zwar aufs Spielfeld. Wutentbrannt, tobend. Hammer zeigte wieder Rot, zum vierten Mal. Baumwollallergie? Wer weiß. Dann war Schluss, Hammer flüchtete, ohne seine Assistenten einzusammeln, in die Kabine. Racanel, offensichtlich zu jeder Schandtat bereit, konnte nur von Hansi Leitzke zurückgehalten werden. Klar, das gibt einen ordentlichen Sonderbericht, der Leutzscher spiritus rector wird wohl extra lange zwangspausieren. Aber egal: Danke, Catalin, alle im Stadion konnten dich verstehen…

Leitzke: Wir hätten das Spiel trotzdem ziehen müssen

Gegenüber der LVZ kommentierte Hansi Leitzke die Schlüsselszenen der Partie so:

„Die vier Platzverweise waren überzogen, der Elfmeter war eine Frechheit. Der Linienrichter wollte Einwurf geben, hat sich nicht getraut, den Chef auf seinen Sehfehler hinzuweisen. Und dass jemand wegen eines Handschuhwurfs Rot sieht, war mir auch neu. Wir müssen jetzt auf den Bericht des Schiris warten. Klar ist aber auch: Wir hätten das Spiel trotzdem ziehen müssen.“

Wenn das Ergebnis nicht so bitter wäre und es nicht gerade um existentielle Fragen wie Insolvenzabwendung und Regionalligaqualifikation ginge, man hätte geradezu Mitlied mit René Hammer haben müssen. Es stellt sich die Frage: hat der NOFV keine besseren Schiedsrichter? Lieber Nachwuchs, lasst das Kicken sein und greift zur Pfeife! Fernab von jeder Ironie, in der Bundesliga wäre dieses Spiel als Skandalspiel in die Analen eingegangen. Übrigens, Hammer pfeift auch Regionalliga. Und ist auch dort schon spielentscheid in Erscheinung getreten




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2 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of ml
    Kommentar von
    07.11.2007 um 23:37
    1

    echt übles spiel, der schiri … so ist das halt kein fußball, leider.


  1. Gravatar of chemieblogger.de – Das Blog rund um den FC Sachsen Leipzig
    2

    [...] fragwürdigen Elfer zugesprochen bekamen. Im November 2007 hatte Schiri René Hammer (Ranis) maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des 2:2 gegen den Chemnitzer FC. Im selben Monat wurde beim 1:1 in Sangerhausen Markus Richter ein Webley-Tor verwehrt, Tino Wenkel [...]




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