Elf Spiele voller Qualen: Der Auswärtsfluch von Plauen
Montag, 29. Oktober 2007, 11:56 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 15:02 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Spielberichte

Wer kann sich noch an Almir Filipovic erinnern? Der exzentrische Bosnier kickte von 1997 bis 2000 im Leutzscher Holz, schoss in vier Jahren 33 Regionalligatore und stand Ende der 90er eigentlich schon mit anderthalb Beinen im Kader des VfB Leipzig (1 Mio. DM waren damals als Ablösesumme im Gespräch!). Was hat der Stürmer, den die grün-weißen Fans entweder liebten (wenn er traf) oder verdammten (wenn er mal wieder daneben schoss) mit dem FC Sachsen Leipzig anno 2007 zu tun?

Er war es, der genau vor zehn Jahren, im Oktober 1997, im Achtelfinale des Sachsenpokals mit seinem entscheidenden 1:0 den letzten Leutzscher Sieg im Plauener Vogtlandstadion sicher stellte. Es kann gar nicht verwundern, wenn Chemie mal wieder mit leeren Händen aus der vogtländischen Provinz zurückkommt: Das sonntägliche 0:2 (0:0) beim VFC Plauen bedeutete das elfte sieglose Auswärtsspiel bei den Plauenern in Folge.

Zwölf Minuten entscheiden die Partie

Der VFC Plauen, ein echter Angstgegner. Dabei kann man den Leutzschern eigentlich keine Vorwürfe machen. Mit Christian Reimann verpflichtete der FC Sachsen im vergangenen Winter den Plauener Torjäger schlechthin. In den letzten beiden Spielzeiten schoss „Reimi“ die Leutzscher zweimal jeweils mit 1:0 im Alleingang ab. Und diesmal? Nix wurde es mit einem Tor des Bekehrten an alter Wirkungsstätte, der kriselnde Torjäger, vom Nebenjob her Laufwunder, versemmelte einen Elfer (62.) – beim Stand von 1:0 für die Plauener.

Quasi im Gegenzug erhöhte VFC-Spieler Böhme auf 2:0 (64.), kurz darauf flog Matthias Kühne mit Gelb-Rot (65.) vom Platz. Die Partie war gelaufen, den Rest kann man getrost unter Leutzscher Schadensbegrenzung verbuchen. Plauen-Urgestein Zapyshnyi (53./Der Ukrainer ist seit 1995 ununterbrochen beim Verein!) hatte zuvor für das 1:0 für die Vogtländer gesorgt. Zwölf Minuten der Aufregung, zwölf Minuten, in denen letztlich das gesamte Spiel stattfand, zwölf entscheidende Minuten, in denen die Leutzscher eine weitere Niederlage in Plauen nicht verhindern konnten.

Mini-Serie gestoppt

Der VFC Plauen stand zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auf dem Spielplan: Gerade hatten sich die Leutzscher erholt, einem mühsamen 2:0-(0:0)-Sieg beim VfB Pößneck einen spannenden und kampfstarken 4:2-(2:1)-Erfolg gegen Aufsteiger 1. FC Gera 03 folgen lassen. Vor allem die Moral stimmte gegen Gera. Die grün-weißen gerieten früh durch das 0:1 des Ex-Probstheidaers Maik Sadlo (3.) ins Hintertreffen, fanden aber dank zweier Treffer von Daniel Heinze (11.) und Tino Semmer (37.) zurück ins Spiel. Auch den abermaligen Rückschlag durch Marco Weißhaupts (101 Bundesligaspiele/9 Tore für HSV, Freiburg und Hansa Rostock) 2:2 (54.) verkrafteten die Leutzscher, Daniel Heinze stellte mit seinen Treffern zwei (70.) und drei (71.) den 4:2-Endstand her.

Eine packende Partie, die von beiden Mannschaften offen und ansehnlich geführt wurde. Der Knackpunkt des Spiels: Abwehrmann André Tews (wahrscheinlich insgeheim Chemiker, beschenkte uns vor zwei Jahren mit zwei Eigentoren im Spiel gegen Pößneck) flog kurz nach dem Wechsel mit Gelb-Rot vom Platz. Danach war Gera offen wie ein Scheunentor – um mit Guido Schäfer zu sprechen, hätte das Spiel eigentlich 8:3 ausgehen müssen…

(Vergebliche?) Hoffnung auf Besserung

Auch die Plauener Partie hatte mit dem verschossenen Elfer ihren Knackpunkt. Dennoch wäre es fatal, die Niederlage leichtfertig auf Christian Reimanns Konzentrationsschwäche (Bei Anruf Auswechslung) zu reduzieren. „Reimi“ (traf bisher sechsmal in der Oberliga und einmal im Pokal) ist der Garant für sämtliche vergangene und zukünftige Höhenflüge, rennt 90 Minuten lang für zwei, kann und wird demnächst auch wieder Spiele im Alleingang entscheiden. Und genau das ist der entscheidende Punkt: Der FC Sachsen ist zu leicht auszurechnen und kann sich eben nicht auf die Treffsicherheit eines Torjägers verlassen. Jetzt gilt es, zu hoffen und zu warten. Auf genau die fulminante Serie, auf die wir eigentlich schon seit der letzten Saison warten…




«
»




3 Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!

  1. Gravatar of ml
    Kommentar von
    29.10.2007 um 12:18
    1

    naja, endlich mal ein spiel das ich auch gesehen habe. wir waren quasi zeitgleich im stadion. allerdings stand ich wohl zu dem elfmeter besser, auf der hälfte des spielgeschehens. die mauer stand von der linie. und böhme wurde angeschossen. und naja, ich habe auch schon bessere elfmeter von reimann gesehen. warum der überhaupt spielt wenn sein fru im kreissaal liegt. war auch im spiel (bis auf den elfer hab ich nicht viel von ihm gesehen) gut zugedeckt.

    einzig von der stimmung her war euer block deutlich besser.


  1. Gravatar of ml
    Kommentar von
    29.10.2007 um 12:52
    2

    das ist ja schade 🙂


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    29.10.2007 um 12:27
    3

    Also ich war ehrlich gesagt gar nicht im Stadion, aber ich bereue nichts, Auswärtsfahren sind fast ausnahmslos Frust, selbst wenn der Support geil ist.

    Sicher war der Elfer schwach geschossen. Das passiert, finde ich, und es wird sich bei ihm auch wieder bessern. Letztlich kommt es auf die gesamte Mannschaft an. In Plauen darf man verlieren, die Punkte müssen woanders geholt werden.




Einen Kommentar hinterlassen