Ausgesperrte Fans zum Politderby
Freitag, 19. Oktober 2007, 10:14 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:23 Uhr
Abgelegt unter: Fußball & Politik, Gewalt & Rassismus, Medienschau

Fußball-Leipzig macht mal wieder bundesweite Negativschlagzeilen. Ausgerechnet während der diesjährigen FARE-Aktionswoche sperrt Lok Leipzig zu der politisch brisanten Partie seiner zweiten Mannschaft gegen Roter Stern Leipzig (Stadtliga Leipzig) die Öffentlichkeit aus. Steffen Kubald erklärte gestern gegenüber der Leipziger Volkszeitung, warum die Stadiontore geschlossen bleiben:

„Wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch. Denn ich bin mir nicht sicher, ob das Ganze so friedlich abläuft, wie das die Verantwortlichen von Roter Stern gerne möchten.“ […] „Wenn etwas passiert, sind wir wieder die Dummen.“ […] „Der 1. FC Lok ist nicht der Spielball vom Roten Stern, bloß weil es ein kleiner Verein ist, über den keiner berichtet. Wir müssen uns nicht dazu hinreißen lassen, um irgendwelche Aktionen irgendwelcher Gruppierungen mit großem Aufwand zu begleiten, wenn Gut gegen Böse marschiert.“

Mit diesen Aussagen komprimittiert sich Lokführer Kubald einmal mehr selbst. Inhaltlich – darum soll es aber nicht gehen – ist jeder Satz hinterfragbar. Fakt ist, Kubald macht es sich viel zu einfach. Laut RSL-Pressemitteilung befürchtet Kubald, dass eine von dem Connewitzer Szeneverein organisierte Demonstration nicht nur auf der Straße stattfindet, sondern auch im Bruno-Plache-Stadion fortgesetzt wird. Wie die LVZ berichtet, hatten die Sterne vor dem Hintergrund der FARE-Aktionswoche eine Demonstration unter dem Motto „Love Football, Hate Fascism!“ vom Connewitzer Kreuz bis zum Plache-Stadion angemeldet. Wie der RSL mitteilte, wollten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demo sich auch im Stadion gegen Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus positionieren.

Verschiedene Welten prallen aufeinander

FARE, „Football Against Racism In Europe“, ist eine Idee, der RSL ist eine Idee – Lok Leipzig ist eine andere Idee. Es ist ein Spiel, das polarisiert, das noch mehr für die politischen Gegensätze steht, als es zuletzt im Lokalderby der Fall war. Auf der einen Seite Roter Stern Leipzig, ein Fußballverein, der sich laut Wikipedia selbst als „kultur-politisches Sportprojekt im Spannungsfeld zwischen normalen Fußballverein und linksradikaler Politik“ (Fehler im Original) versteht, auf der anderen Seite Lok Leipzig, „ein in der Vergangenheit durch rassistische und gewalttätige Aktionen seiner Fans in den öffentlichen Fokus gerückter Verein“, wie es der RSL sachlich-neutral formuliert. Ein echtes Politderby also.

Politische Gründe für Fanaussperrung?

Es scheint offensichtlich, dass es Kubald nicht um mögliche Randale geht. Der RSL spricht es an: Andere Vereine, wie Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue und FC Sachsen Leipzig, sind trotz allen Hasses, trotz des enormen Gewaltpotentials im Bruno-Plache-Stadion willkommen. Gegen den RSL soll es wohl nicht zur politischen Auseinandersetzung kommen, gerade jetzt, wo sich Lok ja schon zum zweiten Mal (scheinheilig?) an der FARE-Aktionswoche beteiligt. Rechtes Klientel findet sich nach wie vor in den Lok-Fanblöcken.

Die Fanaussperrung – in der achten Liga! – ist zutiefst willkürlich, vermutlich ist sie sogar ein Novum im deutschen Fußball. Jeder Verein, der es sich leisten kann, könnte demnächst aus den unterschiedlichsten Gründen zu diesem fragwürdigen Mittel greifen. Auf Lok Leipzig wirft diese Maßnahme kein gutes Bild. Die Chance, zur FARE-Aktionswoche Weltoffenheit und Toleranz zu demonstrieren, ist verspielt, und kann mit keiner lächerlichen Plakataktion wieder gut gemacht werden.




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2 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of berT
    Kommentar von
    berT
    19.10.2007 um 11:10
    1

    ja der hat doch wie immer recht .. der basti .. 😉


  1. Gravatar of Thomas
    Kommentar von
    19.11.2007 um 12:49
    2

    Ja, so gibt es unterschiedliche Sichtweisen zu dieser Problematik und ich möchte hier mal meine Position darlegen:
    Der Begriff Fanaussperrung ist hier eine besondere Sichtweise des „Roten Stern“ trifft aber meines Erachtens in keiner Weise zu! Es sollte eine politische Demonstration stattfinden! Eine Demonstration, die in aller erster Linie das Spiel des 1. FC Lok II gegen Roter Stern Leipzig zum Anlass nahm um Stimmung zu machen gegen den vermeintlich „rechten“ Verein! Aber auch das ist eben nur die Sichtweise des „Roten Stern“.
    Der zweit Fakt ist, das dieses Spiel nicht im Stadion selbst, sondern auf einem der Nebenplätze stattfand. Im Stadion selbst spielen grundsätzlich nur erste Mannschaften.
    Das eine linksradikale Demonstration nicht unbedingt von friedlichem Charakter ist, davon konnte man sich in der Vergangenheit schon oft überzeugen! Also musste man auch beim 1. FC Lok um die Sicherheit bangen (für die man als Veranstalter garantieren muß) und das nicht wegen ein paar Chaoten bei Lok, sondern auf Grund des Gewaltpotentials, was da an diesem Tag Richtung Bruno-Plache-Stadion marschierte. Dem 1. FC Lok blieb also gar keine andere Wahl, als so eine unpopuläre Entscheidung zu treffen. Und glaubt mir – auch die Lok-Fans mussten damit leben, das Spiel ihrer Mannschaft nicht sehen zu dürfen! Das Spiel allerdings ins Stadion zu verlegen, nur um die Sicherheit gewährleisten zu können, ist ein Kostenfaktor, der für dieses Spiel einfach nicht angemessen war, gemessen an der Anzahl der Zuschauer und der damit zu erwartenden niedrigen Einnahmen. Niemand, auch kein Verein „Roter Stern“ kann jedoch den 1. FC Lok zu Ausgaben nötigen, die der Sache nicht angemessen sind!
    Zum zweiten Punkt: Der 1. FC Lok nahm das zweite Jahr an der FARE-Aktionswoche teil. Diese Teilnahme ist nicht „scheinheilig“ sondern spiegelt die Haltung der Mehrheit der Vereinsmitglieder und Fans des 1. FC Lok wieder. Die Initiative gemeinsam mit einem Transparent beim Ortsderby aufzulaufen stammte vom 1. FC Lok Leipzig und der FC Sachsen hat diese Initiative geachtet und deshalb und wohl auch aus eigener Überzeugung mitgemacht. Die selbe Initiative auch für das Spiel 1. FC Lok II gegen Roter Stern, wurde von den Verantwortlichen des Vereins Roter Stern abgelehnt! Daraus erkennt man die wahren Zusammenhänge! Es ging bei der Demo zu Bruno-Plache-Stadion nicht gegen Rassismus, sondern es ging um einen „Angriff“ gegen einen vermeintlichen „Feind“ … jedenfalls in den Köpfen derer, die Ihre radikalen Parolen an Schluß durch den Zaun des Bruno-Plache-Stadions blökten!!!
    Weltoffenheit und Toleranz kann man zeigen, in dem man ohne politische Parolen an einem Fußballspiel Anteil nimmt so wie das beim 1. FC Lok seit Jahr und Tag üblich ist. Wer allerdings versucht, den Sport für seine politischen Zwecke zu missbrauchen, der hat für Toleranz und Weltoffenheit nicht viel übrig und dabei ist es egal, welcher radikalen Gruppierung (Rechts oder Links) er angehört. Der Beitrag oben und auch die Presseerklärung des RSL strotzen jedenfalls nur so von Intoleranz und Kleinkariertheit!




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