„Es gibt keinen Fußball-Gott mehr“
Montag, 10. September 2007, 11:50 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 6. November 2009, 11:51 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Spielberichte

Siegergesten, Jubelposen, völlige Ekstase. Die Bilder sind bekannt. Nach 90 Minuten Fußball im Zentralstadion jubeln – die Gäste. Das machte schon Trainerfuchs Wolfgang Frank zu schaffen, natürlich auch dem unverwüstlichen Ede Geyer. Jetzt ist Hansi Leitzke der Leidtragende. Neben tausenden Fans. „Es gibt keinen Fußball-Gott mehr“, verzweifelte die Torjägerlegende gegenüber der LVZ angsichts sovieler unseliger Qualen. Pech, Unvermögen oder einfach ein schlechtes Karma? Wofür werden Verantwortliche und Fans des FC Sachsen systematisch und erbarmungslos bestraft?

90. Minute – Schicksalsminute

Gegen Germania Halberstadt dauerte die 90. Minute gefühlte fünf Minuten. Irgendwann gegen 15:45 Uhr hatte Referee Tino Wenkel aus Mühlhausen drei Finger hochgestreck. Drei Minuten fehlten zum Abpfiff und zum knappen, aber verdienten 1:0-Sieg gegen die Würstchenstädter. Die Germanen kamen gar nicht mehr hinten raus, vorne spielten die Techniker Ronny Garbuschewski und Catalin Racanel abgezockt auf Zeit und schoben sich an der Seitenlinie den Ball gegenseitig zu. Dahinter standen die Leutzscher Fans unter den offiziell 2261 Zuschauern, die den Weg ins Stadion gefunden hatten. Stehende Ovationen, irgendwie Handballathompshäre. Oder wie im Theater.

Es war irgendwann gegen Ende dieser 90. Minute. Freistoß für Halberstadt aus unscheinbarer Position, ein Querpass, Nils Pölzing zieht aus 35 Metern ab, der Ball wird immer länger, senkt sich – im Sektor B konnte man alles wie in Zeitlupe beobachten – ins Dreiangel. Ein überragender Steffen Süßner geschlagen, die Mannschaft geschlagen, Hansi, die Fans. 90 Minuten Kampf umsonst. Ein Moment der Trauer, der Wut, das kann doch nicht wahr sein. War es aber.

Guter Start einer mutlosen ersten Hälfte

90 Spielminuten früher, der FC Sachsen eröffnet das Spiel wie schon gegen Budissa Bautzen mit einem frühen Tor. Christian Reimann (sechster Saisontreffer – wer sonst?) köpfte einen Garbuschewski-Freistoß ins lange Eck (6.). Das war es dann auch mit der Leutzscher Herrlichkeit, den Rest der ersten Hälfte bestimmten die Halbstädter, ohne jedoch zwingende Torchancen herauszuarbeiten. Die grün-weiße Abwehr war einmal mehr anfällig, spielte wenig sattelfest und unsicher. Nach 27 Minuten musste zudem Notabwehrchef Karsten Oswald (Béla Virág verletzt, Robert Gerber offensichtlich nicht für tauglich befunden) humpelnd vom Feld, für ihn kam Kai Hempel.

Glückloser Konterfußball in Halbzeit zwei

Nach dem Pausentee dann ein Klasse Spiel: auf der einen Seite alles nach vorne werfende Halberstädter, auf der anderen Seite konternde Chemiker. So eindeutig auch der Ballbesitz zu Gunsten der Germanen verteilt waren, die gefährlicheren Chancen hatten die Leutzscher. Tino Semmer, Christian Reimann, Catalin Racanel, soger der spät eingewechselte, reintegrierte und sichtlich engagierte Marcel Rozgonyi prüften einen starken Halberstädter Torhüter.

Gehaltener Elfmeter wird (fast) zum Knackpunkt

Die – zumindest bis zur Schlussminute – Schlüsselszene des Spiels: Steffen Süßner hält einen (schwach geschossenen) Elfer von Germania-Kapitän Enrico Gerlach (58.). Danach bauten die Gäste immer mehr ab, die Leutzscher schienen konditionell und kräftebedingt überlegen. Ein Spiel, bei dem es keinen Punktverlust mehr geben darf!

Doch der Rest ist bekannt, ein kapitaler Glücksschuss traf die Leutzscher – um mit Steffen Enigks treffender heutiger Artikelüberschrift zu sprechen – „Mitten ins Herz“…




«
»




Keine Kommentare bisher
Hinterlasse deinen Kommentar!



Einen Kommentar hinterlassen