Standortbestimmung: Erneute Auswärtspleite verschafft Gewissheit
Montag, 3. September 2007, 13:16 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:25 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Spielberichte

Zweites Auswärtsspiel, zweite Niederlage. Das 1:2 (0:0) beim FV Dresden-Nord ist ein Ergebnis, das nach dem 1:5-Debakel in Auerbach nicht überraschen darf. Guido Schäfer, Chemie-Experte der LVZ, schreibt die Leutzscher Kicker gewohnt emotional auf den Boden der Tatsachen zurück – reißerisch, ein bisschen zynisch, aber keinesfalls wirklichkeitsfremd:

Im idyllischen Jägerpark zu Dresden wurde vor 748 Zeugen eine schmerzhafte, eine unglaubliche, eine nicht negierbare Wahrheit offenbar: Das Nachtschattengewächs der Landeshauptstadt, der FV Dresden-Nord, ist besser besetzt als Leipzigs beste Fußball-Mannschaft. „Schreibt das ruhig mal so!“, forderte Sachsen-Coach Hans Leitzke nach der verdienten 1:2 (0:0)-Niederlage. „Das ist die Realität, das ist kein Gejammere von mir.“

Dresden-Nord: Gut eingekauft 

Neu-Tabellenführer Dresden-Nord ist das Team der Stunde, eine echte „Überraschungs“-Mannschaft. Aber nur auf den ersten Blick. Guido Schäfers „Nachtschattengewächs der Landeshauptstadt“ gilt seit Jahren als außerordentliche Talentschmiede. Die A-Jugend spielte zeitweise in der Nachwuchsbundesliga, ein Pfund, womit die Männermannschaft heute wuchern kann. Seit Jahren hält das Team der Namenlosen gut in der Oberliga mit. Zudem kam vor dieser Saison eine intelligente Transferpolitik. Vom Stadtnachbarn Dynamo wurde der zweitligaerfahrene Levente Csik losgeeist, aus Emden kam der gestandene Falk Schindler (ehemals Chemnitzer FC).

Robert Koch entscheidet das Spiel 

Ein weiterer Neuzugang war es, der in der Partie gegen den FC Sachsen den berühmten Unterschied ausmachte. Der 21-jährige Robert Koch - seine Empfehlung waren 17 Landesligatore für Neugersdorf in der Vorsaison - machte nach gut einer Stunde abgezockt das 1:0 (56.). Koch zog mit seinem fünften Saisontreffer im vierten Spiel mit Christian Reimann in der Torjägerliste gleich. 14 Minuten später folgte die Entscheidung: Schindler traf per Elfer (70.). Vorangegangen war ein Foul an – natürlich – Robert Koch.

Das blasse Leutzscher Aufbäumen hatte lediglich den Anschlusstreffer durch Norman Lee  Gandaa (77.) zur Folge. Die Vorarbeit kam von einem engagierten, aber glücklosen Christian Reimann. Zu mehr reichte es nicht. Dresden-Nord bestimmte über weite Strecken – abgesehen von der Phase Ende der ersten Halbzeit – das Spiel und nutzte erst spät die zahlreichen Chancen.

Chemie Leipzig: Dünner Kader, dünne Leistung 

Die positive Erkenntnis des Spiels: Von dem Debakel in Auerbach war diese Leutzscher Mannschaft weit entfernt. Und die negative: Fehlen Stützen wie Karsten Oswald (Muskelverletzung) und Béla Virág (musste in der 20. Minute wegen Aduktorenproblemen ausgewechselt werden), sieht es düster aus um die Perspektiven der jungen Mannschaft. Im Dresdner Jägerpark gaben mit Christian Reimann und Catalin Racanel einmal mehr die gestandenen Spieler die Richtung im Offensivspiel an.

Das aus der Not geborene Vertrauen in die Verlässlichkeit und Verletzungsresistenz der älteren Spieler ist ein gefährliches Vabanquespiel. Guido Schäfer spricht bezüglich der dünnen Besetzung des Leutzscher Kaders sogar von der „schlechteste[n] Mannschaft [des DDR-Meisters von 1964] seit Menschengedenken“. Etwas nüchterner sah es Christian Reimann gegenüber der Bild (FC Sachsen abgeKOCHt): „Vielleicht reichts mit dieser Mannschaft einfach nicht für mehr…“

In der Karl-Tauchnitz-Straße müssten jetzt die Alarmglocken läuten, die Regionalliga-Quali scheint ernsthaft in Gefahr. Nach nur vier Spielen beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Dresden-Nord bereits sechs Punkte. Und das völlig zurecht. Anscheinend gibt es in dieser stärksten Oberliga aller Zeiten genügend Mannschaften, die diesen FC Sachsen zu Hause in die Knie zwingen können. Am nächsten Wochenende kommt Germania Halberstadt ins Zentralstadion. Die haben diese Saison bereits beim Chemnitzer FC gewonnen…




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