Absehbar: Kölmel gewinnt Machtkampf
Mittwoch, 20. Juni 2007, 15:48 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. März 2008, 16:15 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Medienschau, Vereinspolitik

Die unmittelbare Zukunft ist geklärt – dank Zentralstadion und Kölmel-Überweisungen ist die Gefahr der Insolvenz abgewendet worden. Oder zumindest hinausgezögert. Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, einigten sich Stadionbetreiber Michael Kölmel und der Aufsichtsrat des FC Sachsen auf ein Jahr weitere Zusammenarbeit. Dafür müssen wohl Präsident Rolf Heller und Vize Stefan Opitz ihre Posten räumen.

Der Ausgang der Verhandlungen ist gewiss keine Überraschung. Dass Kölmel das Stadion mit Fußballfans füllen muss, liegt auf der Hand. Dafür scheint Kölmel jedes Mittel recht. Dass es dem Filmehändler weniger um den Verein FC Sachsen, als vielmehr um einen bald florierenden Fußballstandort Leipzig geht, wissen die Leutzscher Fans bereits seit der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg 2001. So wurden die Machtkämpfe der letzten Wochen vor allem auf dem Rücken des Vereins und der Fans und auf Kosten der Planungssicherheit für die neue Saison ausgetragen.

Zwar scheint die Forderung Kölmels, dessen Millionen den Verein in den letzten Jahren am Leben hielten, nach dem Rücktritt Hellers und Opitz‘ durchaus berechtigt. Zumal die hochgesteckten Aufstiegsziele in den vergangenen drei Jahren verfehlt wurden. Jedoch trägt der Stadionbetreiber selbst einen großen Teil der Mitschuld zumindest am Fiasko der letzten Saison. Auf sein Geheiß wurde Eduard Geyer installiert, die gesamte Saisonplanung lief quasi an der Vereinsführung vorbei.

Geyer selbst hat inzwischen genug von den Intrigen. „Wir haben zuviele Quatsch-Ärsche“, wetterte der Trainer gegenüber der Bild-Zeitung und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Die Klärung der Stadionfrage hätte schon wesentlich früher angegangen werden müssen. Spätestens seit der unglücklichen Niederlage gegen den späteren Aufsteiger Energie Cottbus II stand fest, dass das Saisonziel verfehlt wird. Das war Ende April. Erst gut zwei Monate später herrscht endgültig Klarheit – aber nur bezüglich der Spielstätte, nicht bezüglich des kickenden Personals …

Die bisherigen Erkenntnisse des Junis 2007: Der FC Sachsen befindet sich mehr denn je in einer prekären Situation. Die finanzielle Abhängigkeit gegenüber Kölmel ist angesichts der drohenden Insolvenz erdrückend. Zudem könnte der Zentralstadion-Betreiber demnächst ein neues Druckmittel in den Händen halten: Mit dem Aufstieg des Probstheidaer Lokalrivalen in die Landesliga hat sich Kölmels Verhandlungspositition ungemein verbessert. Gastauftritte des 1. FC Lok im Zentralstadion werden auch in der nächsten Saison – vor allem in Anbetracht sicherheitsrelevanter Spiele -wahrscheinlich sein.

Somit könnte der FC Sachsen nur austauschbares Mittel zum Zweck sein. Kölmel, Stadt und DFB – so scheint es - wollen Leipziger Bundesligafußball um jeden Preis. Den Verantwortlichen in Leipzig-Leutzsch, das hat das Agieren des Aufsichtsrats in den letzten Wochen gezeigt, bleibt kaum andere Wahl, als auf den fahrenden Zug aufzuspringen – und zu hoffen, dass er nicht entgleist.




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1 Kommentar bisher
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  1. Gravatar of Ulrich Sitte
    Kommentar von
    Ulrich Sitte
    02.07.2007 um 16:44
    1

    Nun wird der FC Sachsen spätestens im September Red Bull Leipzig heißen. Da streuben sich mir als altem Sachenfan und Stammtischbruder von G. Busch alle noch verbliebenen Haare. Ich wünsche Hansi Leitzke etwas mehr Charakter und Vertragsgeschick. Ein ehrlicher anständiger Kerl findet immer sein Brot.




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