Chemie schlägt starke Zwickauer in spannendem Endspurt
Samstag, 30. April 2005, 18:00 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Spielberichte

NOFV-Oberliga Süd 2004/05 – 31. Spieltag
Sa., 30. April 2005: FC Sachsen Leipzig - FSV Zwickau 2:1 (0:0)

Schwesinger und Gerster brillieren mit Traumtoren

Die Tabellensituation suggeriert Eindeutiges: Der viertplazierte FC Sachsen musse gegen die mit beiden Beinen im Abstiegssumpf steckenden Zwickauer einen Sieg einfahren. Allein die beachtliche Serie, die die Westerzgebirgler unter Neutrainer Uwe Ferl auf das Parkett gelegt haben, und die Tatsache, dass es für die Leutzscher um nichts mehr geht, schien die Ausgangssituation auf den Kopf zu stellen. Denn Ferles Schützlinge glänzten zuletzt nicht nur mit einem beachtlichen 2:1-Auswärtssieg beim starken Aufsteiger aus Meuselwitz unter der Woche.

Chemie gegen die Trabant-Städter bedeutete demzufolge ein verkrampft geführtes, von Taktik geprägtes Spiel. Zwickau bot eine anständige Leistung – ganz der starken Formsteigerung unter Frontmann Ferle entsprechend. Leicht amüsant mutete an, dass Grün-Weiß lediglich mitspielte, stets nur reagierte. Und am Ende doch den „Dreier“ einstrich. Bis zwanzig Minuten vor Schluss deutete alles auf ein torloses Unentschieden hin. Zwischen den Leutzschern, die nicht wollten, und den Zwickauern, die nicht konnten. Erst ein wahrliches Traumtor des neuen Torgaranten, personifiziert durch Mittelstürmer Andreas Schwesinger (72.), riss die kontrahenten aus ihrer fatalen Lethargie. Als Zwickau unter höchster Moral fünf Minuten später zurückschlug, schien die Partie mit dem Ausgang der Punkteteilung gelaufen. Doch ausgerechnet vor dem für die nahe Leutzscher Zukunft existent wichtigen Pokalfinale bewies der launische Favorit Abgebrühtheit und konterte seinerseits. Ein direkter Freistoß Frank Gersters stellte in der 83. Minute den Heimsieg fest.

Bis zu besagtem Endstpurt fragten sich die offiziell knapp 2.000 Zuschauer wohl zweimal, weshalb sie den Weg ins Stadion angetreten waren. Die Antwort lieferten sie mit ihrer bloßen Anwesenheit. Polarisiert wirkten die beiden Fangruppen, die Zwickauer waren sogar mit Dresdner Support angetreten. So lieferten sich die Leutzscher mit den gut 300 Gästefans ein rassiges Duell mit allen Klassikern der Fußballchoräle. Angesichts des grauen Oberligaalltags – geprägt von mit der bloßen Hand abzählbaren Beinen, Kuhglocken und Fähnchen – ein echtes Ereignis.

Dass auf dem Rasen des Zentralstadions Fußball gespielt wurde, geriet nur auf Grund der brisanten Tabellensituation der Gäste nicht in Vergessenheit. Zwickau spielte engagiert mit, ohne das Burmeister-Gehäuse jemals ernsthaft in Gefahr zu bringen. Mit einer Ausnahme: Die Leutzscher Abwehr befand sich im Tiefschlaf, als Christian Müller unbedrängt wie im Training zum 1:1 einköpfte (77.). Nur wenige Minuten zuvor hatte „Schwese“ mit einer brillianten Einzelaktion und einer gesunden Portion Torjäger-Egoismus das Leder aus 18 Metern ins Tor gedroschen.

Mit dem Unentschieden wären die Südwestsachsen hochzufrieden gewesen. Aber ein weiterer genialer Moment eines Sachsen-Individuums zerstörte die durch eine Kompatke Zwickauer Mannschaftsleistung aufgekeimten Gästeglücksgefühle. Frank Gerster, der in der ersten Halbzeit bereits zweimal bei einem Freistoß Maß genommen hatte, versenkte den dritten Versuch (allerdings haltbar) im Rothe-Tor.

Mit dem geringstmöglichen Aufwand einen Sieg feststellen – das können sonst nur die Bayern. In Leutzsch werden aber erstmal kleinere Brötchen gebacken. Zumindest solange, wie das Spiel des Jahres im Haus steht. Am Mittwoch geht es im Zentralstadion gegen den CFC um alles oder nichts, um Pokalsieg oder Finalpleite, um Bayern oder Markranstädt…

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