1:1 in Plauen sorgt für Vorentscheidung im Titelrennen
Sonntag, 24. April 2005, 18:00 Uhr
Abgelegt unter: FC Sachsen Leipzig, Spielberichte

NOFV-Oberliga Süd 2004/05 – 30. Spieltag
So., 24. April 2005: VFC Plauen – FC Sachsen Leipzig 1:1 (0:0)

Hohe Moral trotz verschossenem Elfer und Ampelkarte

Wenn es ein männliches Pendant zu der oft metaphorisch bemühten Diva gäbe – der FC Sachsen würde es brilliant verkörpern. Die einzige Konstante im Leutzscher Saisonverlauf ist die Unkonstante: Vielen Tälern stehen beachtliche Berge gegenüber. Überzeugen konnten die Frank-Schützlinge selten; wenn, dann aber richtig. So gegen die Topclubs Jena (1:0-Sieg in Unterzahl), HFC (1:1-Unentschieden mit klaren Vorteilen in der Saalestadt) – und jetzt auch in Plauen.

Geradezu prädestiniert für die Veranschaulichung des Leutzscher Auf und Abs erscheint die Partie in Plauen. Launenhaft und exzentrisch erwachen die Grün-Weißen erst nach einer Stunde – nach einem vergebenem Elfmeter, einem Platzverweis und dem Plauener Führungstreffer…

Verheißungsvoll deutete schon der Start in die Partie auf ein echtes Spitzenspiel hin. Der einheimische Dorfpöbel schrie die bis dato aufstiegsambitionierten Schwarz-Gelben nach vorne – und musste schon nach drei Minuten den ersten Dämpfer hinnehmen. Plauens Rasch hatte Mathes Jack im Strafraum umgestoßen. Die Ironie der Geschichte: Ronny Kujat, einst als Fußball-Gott gefeiert, feuerte die Hundertprozentige in Golles Arme.

Vergeben die erste Chance, die Vogtländer in das Tal der Tränen zu stürzen und vorschnell einen Strich durch die Staffelsieg-Rechnung zu machen. Die Plauener ließen den verqueren Beginn nicht auf sich sitzen, und nahmen das Gehäuse des diesmal hellwachen Jan Burmeister unter Dauerbeschuss. Die vermeintliche Szene des Spiels: Mats Wejsfelt sah nach 25 Minuten berechtigterweise Gelb-Rot. Und die VFC-Kicker drehten von Minute zu Minute mehr auf. Das Führungstor – eine Frage der Zeit, so schien es.

Das 0:0 zur Halbzeit war glücklich. Für beide Kontrahenten. Nicht auszudenken, wenn der Fußball-Gott sich in der 3. Minute auf seine Kaltschnäuzigkeit der Saison 2002/03 besonnen hätte. Nicht auszudenken, wenn die Plauener Kapital aus der Dezimierung des Gegners geschlagen und nur eine von mehreren Gelegenheiten verwertet hätten.

Dass die Leutzscher diese Saison für einige Überraschungen gut sind, bedarf eigentlich keiner weiteren Beweise. In Plauen wurden weitere geliefert. 50 Sekunden waren in der zweiten Hälfte gespielt, da klingelte es schon im Burmeister-Kasten. Bezeichnenderweise Thomas Risch, das Leutzscher Eigengewächs, schien die durch das Unentschieden zur Halbzeit aufgekommenen Hoffnungen auf einen Punktgewinn in Plauen zu begraben. Dass die Kicker von Trainer Tino Vogel im weiteren Verlauf nicht noch eins drauflegen konnten, war allein dem zuletzt nicht fehlerfreien Jan Burmeister zu verdanken.

Doch irgendwie kam alles noch besser, paradoxer. Nach einer Stunde schienen sich die Plauener an ihren Chemie-Komplex zurück zu erinnern und stellten das Spiel gegen am Boden liegende Messestädter ein. Es folgte der große Auftritt der Leutzscher Überraschungseier: Urplötzlich hieß es 1:1. Jack (66.) hatte nach einem Gerster-Eckball aus heiterem Himmel egalisiert. Jetzt lag das Vogtland am Boden, niedergekämpft von einer unglaublichen Moral, personifiziert in Grün-Weiß. Bis zum Schlusspfiff gaben die Leutzscher das Heft nicht mehr aus der Hand und hätten dank Eric Noll (70.), Daniel Ferl (75.) und nicht zuletzt Robert Niestroj (90.) sogar gewinnen können, nein müssen. Der Mittelfeldregisseur versiebte in der Schlussminute die klarste Siegchance, als ihm allein vor VFC-Keeper Golle die Nerven versagten.

Wie auch immer, in Leutzsch konnte man sich auch trotz des Unentschiedens diebisch freuen. Im zweiten Vergleich beider Kontrahenten binnen zweier Monate konnte der FC Sachsen dem ärgsten Verfolger vom designierten Staffelsieger aus Jena erneut zwei Punkte abknöpfen. Der FC Sachsen als Meistermacher. Klingt doch auch nicht schlecht, wenn schon die anderen aufsteigen.

Übrigens, der Autor weiß die Antwort auf die Frage nach den zittrigen Plauener Knien in der Schlussphase. Das VFC-Trauma heißt „FC Sachsen“. Anno 2002 wurden die Vogtländer in Leutzsch dank eines 1:1 am drittletzten Spieltag von der Tabellenspitze gestürzt. Am Ende feierten die Dresdner Dynamos. Ein Jahr später jubelte Leutzsch. Dieses Jahr steht der Staffelsieger auch schon fest. Und er kommt nicht aus Plauen…

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