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Der Soundtrack zur Zeitreise nach Leutzsch zurück ins Jahr 1994 versteht sich auf Schwermut und einen Treueschwur
Liebe ist ein großes Wort, doch wir müssen uns ihr stellen. Wir sind Fußballfans und als solche wenig vernunftbegabt. Uns kennt man als die harten Jungs, die unentwegt Bier trinken und den Sicherheitsdienst bepöbeln. Doch wir wissen: So einfach, wie sie und wir es uns machen wollen, ist es nicht.
Von Prinz Pi ist nicht bekannt, wieviel er mit Fußball anzufangen weiß. Nachdenkliche, eindringliche Texte rappen kann er aber. Auch über die Liebe. Schwermut, unerwartete Bilder, melancholisches Sinnieren über „Glück“, so heißt der Titel, der nicht mehr raus will aus meinem Kopf, seitdem ich die Bilder vom S-Bahnhof Leutzsch gesehen habe, gefangen im Dort-und-Damals von 1994. „Hol‘ den DeLorean“, singt Prinz Pi in Anspielung auf die fabulöse Zurück-in-die-Zukunft-Zeitmaschine, „lass uns damit zurück fahren“.
Eine Strecke für 1,50 D-Mark, ermäßigt kostet das Ticket 80 Pfennig. Auf einer Tafel stehen die Leipziger S-Bahn-Tarife von vor 19 Jahren. Graffiti säumen die Wände, der Putz bröckelt. Wer in diesen Tagen den Leutzscher S-Bahnhof unweit des Alfred-Kunze-Sportparks betritt, begibt sich auf eine Zeitreise wie Prinz Pi im DeLorean: Das bröckelnde Gebäude erzählt davon, was sich verändert hat und was bleibt.
Wenige Meter weiter protzen längst grauer Beton und Stahl. Die renovierte Bahntrasse musste ebenso mit der Zeit gehen wie der Leipziger Fußball. Jetzt haben andere das Sagen, sie geben sich so nüchtern, steril und makellos wie die Lautsprecherdurchsage aus dem Bahn-Computer. Wofür braucht es da einen halb verfallenen Bahnhof? Wofür braucht es noch die BSG Chemie?
Vor 19 Jahren war die Leipziger Fußball-Welt noch übersichtlich. Es gab nur den VfB und den FC Sachsen, aber selbst das war vielen schon zu kompliziert. Heute sind beide Vereine Geschichte, einfacher geworden ist es aber bestimmt nicht. In Leutzsch kämpft man nicht mehr um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, sondern gegen den Fall in Liga sieben und eine ungleiche Zwillingsschwester (morgen, 18.30 Uhr, auch auf dem Platz).
Seit ein nicht ganz unbekannter Chemie-Diablos-Kopf Prinz Pi unbedingt bei einem Festival sehen wollte, ist mir der Rapper ein Begriff. In „Glück“ bezeichnet er sich als unvernünftigen Wiederholungstäter. Er ist einer wie wir. Uns geht diese BSG Chemie genauso zu Herzen wie am ersten Tag. „Wir meinten immer nur einander, wenn wir ‚Glück‘ sagten“, rappt Prinz Pi. Und:
Wenn alles untergeht, bleib‘ ich hier und bleib‘ bei dir,
du bei mir, wenn nichts anderes übrig bleibt, bleibt das Wir
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Vor vier Jahren startete das RasenBallsport-Projekt am Elsterflutbecken – in Fußball-Leipzig aber hat sich im Grunde nichts geändert
Karfreitag in Leutzsch, Zeitpunkt und Ort für die ganz großen Gedanken. Wie steht’s um den Leipziger Fußball? Das wollen die OstDerby-Initiatoren Michael Kummer und Fedor Freytag, zwei Rot-Weiße aus Erfurt, wissen.
Matthias Kießling, der Rotebrauseblogger, und ich sollen uns ein Streitgespräch liefern: zu Red Bull in Leipzig und dem verkümmerten Rest in Leutzsch und Probstheida. Das ist verdammt schwierig. Nullachtfuffzehn-Argumente ziehen nicht, aber das ist hier nur eine Randnotiz, das Ergebnis wird in der kommenden OstDerby-Ausgabe zu lesen sein.
Die Fundamentalkritik greift zu kurz
Ich sitze unvorbereitet am Wohnzimmertisch bei Kaffee und Kuchen. Die ganz großen Gedanken kommen schon von alleine, habe ich mir vorher gedacht. Ich führe mir immer wieder vor Augen: RasenBallsport Leipzig ist die äußerste Konsequenz der Profifußball-Logik, darin unterscheiden sich Sport und Markt nicht, es geht stets um erfolgreichen Wettbewerb. Die Fundamentalkritik, mit der sich viele Traditionsbewahrer aus dem Lager der Ultras bis hin zu BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dem Leipziger Red-Bull-Projekt entgegenstellen, greift fast immer zu kurz.
Kühlen Köpfen wie Matthias Kießling ist das eine Steilvorlage: Er seziert die Kritik genüsslich und findet gute Gegenargumente. Trotz noch immer ausbleibenden Erfolgs wächst der Fanzuspruch beständig. Red Bull wird kein zweites Hoffenheim, weil sich Leipzig so sehr nach der Bundesliga sehnt wie Mäzen Dietmar Hopp nach Anerkennung. Anderswo, in Wolfsburg etwa, muss sich der Fußballclub ebenfalls nicht selbst refinanzieren, sondern kann auf potente externe Geldgeber setzen. Und gerät einer der sagenumwobenen Traditionsvereine in finanzielle Nöte, greift die öffentliche Hand schon mal in die Staatskasse.
Ein Argument aber, das die Red-Bull-Befürworter gerne anführen, hat sich bisher noch nicht bewahrheitet: Die übrigen Leipziger Vereine, heißt es immer, müssten nicht um ihre Existenz fürchten, für deren Sponsoren sei RB Leipzig keine Konkurrenz. Stattdessen könnten Leutzsch und Probstheida im Windschatten durchstarten und etwa von der umfassenden Nachwuchsarbeit profitieren.
Geldnöte und Grabenkämpfe
Und? Im Jahr vier nach dem Red-Bull-Einstieg droht dem viertklassigen Probstheida die dritte Insolvenz, Hunderttausende Euro fehlen trotz nach wie vor großen Potenzials und Engangements der Fans. Im sechstklassigen Leutzsch streiten sich zwei Vereine um das Erbe von Alfred Kunze und den gleichnamigen Sportpark, um die Betriebskostenabrechnung und die richtige Idee. Dem Modell des basisdemokratischen, „geilen Stadtteilvereins“ der BSG Chemie steht die SG Leipzig-Leutzsch mit ihrem Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Club gegenüber, der es in naher Zukunft seinem Vorbild, dem FC Sachsen Leipzig, gleichtun könnte: Die erklärte einstige „Hoffnung Mitteldeutschlands“ verschwand nach dem zweiten Insolvenzverfahren 2011 aus dem Vereinsregister.
So nachvollziehbar die Probleme und Streitigkeiten im Detail sein mögen, in der Außenperspektive gibt Fußball-Leipzig ein erbärmliches Bild ab, darin hat sich seit der politischen und der Red-Bull-Wende also überhaupt nichts geändert. Das ist ein gar nicht so ganz großer Gedanke, den ich ohne das dreistündige Streitgespräch niemals so klar hätte fassen können.
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 7. März 2013, 20:47 Uhr
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Wie mich ein denkwürdiges Spiel mit dem Leutzscher Fußball infizierte
Die Flut kam von ganz oben. Das war kein gewöhnlicher Regenguss mehr. Die Ukraine spielte kaum fünf Minuten bei der heimischen Europameisterschaft in Donezk gegen Frankreich, als das Spiel unterbrochen werden musste. Ein Wassermarsch. An so ein Regenspiel könne er sich in seiner Karriere als Torwart nicht erinnern, hatte ZDF-Experte Oliver Kahn im Anschluss gesagt. Doch sein Arbeitgeber wusste es besser.
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20. Juni 2012, 23:21 Uhr
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Das Lob sei vergiftet, sagt ein Freund am Telefon. Es ist der Tag zwei nach dem beschwingenden Sieg im ‚Derby‘ gegen die SG Leipzig-Leutzsch. Zeit für eine Bestandsaufnahme. „Da sind richtig kreative Jungs im Block, die für gute Stimmung sorgen“, hatte Jamal Engel gegenüber LVZ Online gesäuselt. Es ist das erste öffentliche Lob des SGLL-Vorstandssprechers für die Chemie-Fans, und es ist alles andere als ironiefrei. Vor dem Spiel im Alfred-Kunze-Sportpark hatten Anhänger der BSG Chemie ein Kassenhäuschen gestürmt und einen Ordner der Sicherheitsfirma „Leipziger Löwen“ brutal zusammengeschlagen. Der Verein hat schnell reagiert und die Ereignisse verurteilt. Dieses Vorgehen ist alternativlos. Fans und Verein müssen sich der Kritik stellen, ihre Lehre daraus ziehen. Sich am Leitbild messen lassen, das nicht nur Folklore sein soll.
zuletzt aktualisiert: Freitag, 2. Dezember 2011, 11:36 Uhr
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Das Duell zwischen der BSG Chemie Leipzig und der SG Leipzig-Leutzsch hat bewiesen, warum es zwei grün-weiße Vereine gibt
Nein, mit Derbystimmung hatte das nichts zu tun. Seltsam ruhig war es über weite Strecken des Spiels auf den sehr gut gefüllten Rängen des Alfred-Kunze-Sportparks. 2690 Interessierte – Guido Schäfer mutmaßt in der Leipziger Volkszeitung, dass darunter 1800 Chemiker gewesen seien – wollten sich das Sechstliga-Spiel zwischen der BSG Chemie Leipzig und der SG Leipzig-Leutzsch (SGLL) nicht entgehen lassen. Ebenso wenig wie die journalistische Eliteliga der Republik. Die Süddeutsche Zeitung soll da gewesen sein (und hatte auch im Vorfeld berichtet). Eine Stunde vor Anpfiff schlenderten 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster und Kollege Jens Kirschneck erwartungsfroh am Gästeblock vorbei.
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 7. März 2013, 20:48 Uhr
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Eine Wiedervereinigung des Leutzscher Fußballs braucht keiner. Denn das würde zwangsläufig eine Preisgabe des Selbstverständnisses der BSG Chemie bedeuten. Ein Kommentar
Friede, Freude, Wiedervereinigung – eine Faninitiative will den geteilten Leutzscher Fußball wieder zusammen bringen. Doch die Mühen gleichen einem Kampf gegen Windmühlen – und sind obendrein gar nicht nötig. Denn niemand braucht eine Wiedervereinigung – das hat nicht zuletzt eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit den Vorständen der BSG Chemie und SG Leipzig-Leutzsch gezeigt.
zuletzt aktualisiert: Freitag, 30. September 2011, 11:42 Uhr
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Auf in die niederschlesische Oberlausitz: Dort gibt es ein hübsches Städtchen, leckeres Bier und Fußball
Görlitz, fernes Görlitz. Nett ist es da drüben, im weiten Osten. 185,964 Kilometer liegen Luftlinie zwischen dem Alfred-Kunze-Sportpark und dem Stadion in Görlitz, das den schönen Namen „Junge Welt“ trägt. Mit Geographie Vertrauten ist klar: Görlitz ist das am weitesten entfernte Ziel, das die Landesliga in diesem Jahr für die BSG Chemie Leipzig zu bieten hat. Am Sonntag reist Grün-Weiß in die niederschlesische Oberlausitz. Mit viel Rückenwind und Neugierde.
Gleißendes Licht. Strahlen aus Gold. Ein tief stehender Feuerball. Verspäteter Sommer im Alfred-Kunze-Sportpark. Euphorie auf den Zäunen. … weiterlesen
Die BSG Chemie Leipzig verpflichtet Abwehrroutinier Frank Paulus. Ein Gewinn für das junge Team
Große Namen ziehen ja bekanntlich immer. Und auch in dieser stärksten sechsten Liga aller Zeiten zählen ehemalige Eurofighter noch nicht zur Laufkundschaft. Insofern ist die Verpflichtung von Frank Paulus, die Chemie heute bekannt gegeben hat, schon eine interessante Personalie.
zuletzt aktualisiert: Montag, 5. September 2011, 22:07 Uhr
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Die Fanszene der SG Leipzig-Leutzsch ist rechtsoffen bis offen rechts – das hat das Sachsenpokal-Spiel gegen den Roten Stern Leipzig gezeigt
Das Ergebnis war nur Nebensache. Die Sterne gingen beim selbsternannten Nachfolger des FC Sachsen unter, die SG Leipzig-Leutzsch siegte mit 10:0. Der sportliche Wert: überschaubar. Umso aussagekräftiger war der politische Gehalt der Partie. Im Vorfeld hatten Fans der SGLL auf Flyern mit rechten Parolen keinen Zweifel an ihrer antiantirassistischen Einstellung gelassen – auf den Rängen wurde dieser Eindruck bestätigt. 1280 Zuschauer sollen offiziell in den Alfred-Kunze-Sportpark gekommen sein, darunter 500 Unterstützer des Roten Sterns – und zahlreiche offene oder verkappte Nazis auf der Gegenseite.
