Zitat des Tages (23): Am Elsterflutbecken nicht vor Anker gehen
Sonntag, 24. November 2013, 14:44 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 24. November 2013, 14:45 Uhr
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Scheiss Bullen – in Leipzig wird’s immer nur Lok und Chemie geben

Den Anker werfen wollte auf der Kogge keiner: Die 6000 Fans … weiterlesen





Red Bull und Leipzig auf dem wohldosierten Höhenflug
Montag, 18. November 2013, 21:23 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 18. November 2013, 23:17 Uhr
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Nach dem Training, vor dem Spiel – der Genuss von Red Bull, dem Energy-Drink, verleiht den Rasenballsportler-Beinen Bundesliga-Flügel. Das hört sich gut an. Sicher nimmt’s auch jemand für voll

​Zufälle sind im Red-Bull-Konzern so zahlreich wie die Nachwende-Erfolge des Leipziger Fußballs. Da muss es schon dumm zugehen, wenn mal wieder ein Hoffnungsträger für immer abstürzt. Aber das hat mit den Erfolgsnachrichten aus Leipzig nichts zu tun. Da läuft alles nach Business-Plan: Ralf Rangnick, der Fußballchef des Konzerns, und seine Getreuen können ausg​​eben, was sie vor Ort nicht einspielen müssen. Die Herzen der seit Jahrzehnten darbenden Leipziger Fans sind ihnen ohnehin gewiss. Die dritte Liga? Allenfalls eine Durchgangsstation zu werbewirksameren Märkten. Die Bundesliga? Keine Frage des Könnens, sondern der Zeit. Das ist kein Zufall. Professor Rangnick weiß für jede erdenkliche Aufgabe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter an seiner Seite. Einer dieser Experten ist Marco Spielau.

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Willkommen in der Provinz
Montag, 21. Oktober 2013, 21:49 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 22. Oktober 2013, 1:01 Uhr
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In der Bezirksliga sportlich ungeschlagen, werden der BSG Chemie Leipzig die Gegner abseits des Platzes zur größten Herausforderung. Nach zwei Absagen ist nun ein drittes Spiel abgebrochen worden

Sie wollen nur spielen, aber man lässt sie nicht. Die mit dem Fünfeck auf der Brust, Alfred Kunze im Kopf, die Leutzscher Legende im Herzen. Wer für die BSG Chemie Leipzig aufläuft, hat die Heldensaga im Ohr, als 1964 die Falschen DDR-Meister wurden. Das war vom System nicht vorgesehen, das verhalf dem „Rest von Leipzig“ zu Glaubwürdigkeit auf der Straße. Im 50. Jahr danach klingen die Konkurrenten nicht mehr nach Arbeiter-und-Bauern-Maloche, führen die Auswärtsreisen nicht einmal mehr über die einstigen DDR-Bezirksgrenzen. Empor Rostock heißt jetzt Bornaer SV 91 und aus dem SC Karl-Marx-Stadt wurde ATSV Frisch Auf Wurzen.

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Auf ein Helles im „Martinique“
Donnerstag, 26. September 2013, 22:06 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 27. September 2013, 12:25 Uhr
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Wir stehen im Blickfeld. Gefühlte zwei Augenblicke schon. Viel zu lange. Der Wirt gibt sich nordisch-unterkühlt bei der Begrüßung: hinsetzen, die in der Raucherecke sehen nichts. So viel Preußentum hätten wir nicht erwartet. Nicht hier im „Martinique“, deren Internetseite uns bayerische Gemütlichkeit versprochen hat. In der Kneipe am Berliner Kreuzberg sollen ausnahmslos alle Spiele des FC Bayern über XXL-Leinwände flimmern.

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Babelsberg, Lok-Nazis und der Ballermann
Donnerstag, 22. August 2013, 22:34 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 22. August 2013, 22:40 Uhr
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Den Problemfans des 1. FC Lok Leipzig war die Reise nach Potsdam-Babelsberg eine dankbare Angelegenheit. Im Verein ist man sich des Problems mehr bewusst denn je. In der Ferne staunt der Badeurlauber

Als sich Probstheida mitsamt fragwürdigem Gefolge in Babelsberg umtut, liege ich auf Mallorca (wohl gewollt) am Ballermann (ein Versehen) am Strand und träufle mir kühles Dosenbier ein. Regionalliga-Auftakt, 3. August, Babelsberg 03 siegt 1:0 gegen den 1. FC Lok Leipzig, das Ergebnis war nebensächlich. Was auf den Rängen abgegangen ist, erfahre ich – den geneigten Nutzer dieses Internets mag das belustigen – zwei Tage später aus der Zeitung. (Wenngleich nicht auf gewesenem Holz, sondern dem Tablet.) Die Lektüre hat mich schnell aus dem unfreiwilligen Ballermann-Dasein gerissen. Lok, Nazis, Medienreaktionen, das geht einfach immer.

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Fußball ist immer noch wichtig
Freitag, 26. Juli 2013, 9:16 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 26. Juli 2013, 9:43 Uhr
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Das Melt! war diesmal wahrlich zum Dahinschmelzen. Europas größtes Electro- und Indiefestival unter den Stahlmonstern von Ferropolis, 20 000 immer entspannte Partymenschen jeder Herkunft, ein alljährlicher Pflichttermin mitten im Juli. Zelte und all das andere Inventar schleppen, im Campingstuhl lungern, ohne Unterlass Bässe von irgendwoher aufsaugen, viel zu warmes Bier schlürfen – jedes Jahr das gleiche, es wird nie langweilig. Abschalten, vier Tage lang. In diesem Jahr glühte die Sonne wie im Badeurlaub, nur dass so mancher nachher eine Krankschreibung brauchte.

Mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Fußball ist dort nicht wichtig, genauso wenig wie die restliche Außenwelt, schon allein weil die Akkukraft unsere Nachrichtenzentralen nicht über vier Tage am Leben hält. Samstagvormittag, die Smartphones werden heiß, der Empfang ist so mies, wie man es in einer Ödnis erwartet, die ein paar Mal im Jahr von Zehntausenden bevölkert wird. Habt ihr schon gehört – so beginnt der Satz, der damit endet, wer am Vortag die Etappe der Tour de France gewonnen hat.

Am Freitag, da war doch was. Drittligaauftakt. Eine große Feier im mitteldeutschen Heimatfernsehen. Ein Kulturderby, habe ich irgendwo gelesen, solche Worte wären vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, wenn vom Halleschen FC die Rede war. RB Leipzig, auf diesem Projekt liegt alle Hoffnung der Stadt, in der ich groß geworden bin, mit deren tragikomischen, in meinen Augen grün-weißen Fußball ich sehr eng verbandelt bin. Noch immer. Ich muss wissen, wie das Spiel ausging – und bin im nächsten Augenblick enttäuscht. 1:0 für RB.

Ich schimpfe etwas, soweit es die unaufgeregte Atmosphäre zulässt. Meine Zeltnachbarn und ich, wir sind uns einig (zumindest noch). Wir sind Leipziger, aber die Stadt und ihr Fußball hat unseren Lokalpatriotismus nicht nötig. Wo man auch hinkommt, jeder scheint die New York Times gelesen zu haben. Auch wer noch nicht da war, findet diese Stadt schön, lebenswert, hip. Das schickt sich so. „Hypezig“, sagen fremde Frühzwanzigerinnen beim oberflächlichen Kennenlernen stolz und erwarten, dass sich das Leipziger Gegenüber über diese Sprache freut.

Um die Stadt hat sich seit ein paar Jahren jener Hype entwickelt, den Red Bull im städtischen Fußballalltag zunehmend zu kopieren weiß: Kein Vorbeikommen an den Dosen und RB Leipzig, wohin man auch geht. Ein bisschen fühle ich mich wie ein fußballpolitischer Flüchtling, aber das zählt nicht, ich bin freiwillig nach Berlin gegangen, und das ist schon eine Weile her. Aber wenn ich den Sportteil aufschlage, weiß ich manchmal nicht, was ich in Leipzig noch sollte.

Ein paar warme Bier später (die Temperatur nimmt proportional zur Tageszeit zu), auf dem Festivalgelände. Man trifft dort Leute, von denen man ahnt, sie könnten da sein, auch wenn man sich nicht verabredet hat. Meine ehemalige Mitbewohnerin, mein ehemaliger Mitbewohner und so weiter. Ich bleibe bei einem Bekannten hängen, er hat sich dem Halleschen FC verschrieben, er meint es sehr ernst mit dem Verein. Ich bekunde höflich Beileid zur vorabendlichen Niederlage gegen meine Stadt und ihr Projekt, das ich doch lieben müsste. Am nächsten Tag lernen wir auf dem Zeltplatz die Gruppe von nebenan kennen, natürlich Hallenser, sie haben am Morgen zuvor unsere sanften Tiraden eingedenk des Ergebnisses gehört – wenn sie davon erzählen, klingt es so, als wunderten sie sich, wie man es in Leipzig nicht so gut mit RB halten kann.

Als vom Melt! in meinem Leben noch nichts zu ahnen war, fuhr ich einmal nach Casaleccio di Reno. Zu den Mondiali Antirazzisti, dem Fußballfestival für Ultras, die keine Nazis mögen. „Antifa Hooligans“, so würden es Los Fastidios nennen. Ihr Auftritt, damals in Italien, liegt mir wieder in den Ohren, seit ich auf diesem Melt! Feine Sahne Fischfilet (die Herren spielen weder Electro noch Indie) gehört und mit Leuchtfeuer auf der Bühne gesehen habe. Es war ein bisschen so, als würden Egotronic noch einmal beim Roten Stern im Bierzelt oder im Leipziger Fanprojekt zwei Boxen aufbauen und die „Bismarck“ versenken.





Als Jürgen Bogs bei der BSG Chemie Leipzig abstieg …
Mittwoch, 19. Juni 2013, 23:18 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. Juni 2013, 8:05 Uhr
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… oder warum ich schambefreit für die neue 11 FREUNDE-Ausgabe werbe

1966 ist der Spuk vorbei. Die BSG Chemie Leipzig war noch einmal Pokalsieger geworden, der letzte Ausrutscher im DDR-Fußball nach der außerfünfjahresplanmäßigen Meisterschaft 1964, der Leutzscher Legende. Die besten Spieler werden wegdelegiert, Jahr für Jahr, Alfred Kunzes Mannschaft stürzt in die sportliche Bedeutungslosigkeit – und auf der Tribüne sitzt: Jürgen Bogs.

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Mit Chemie im DeLorean – und auf der Rückbank sitzt Prinz Pi
Dienstag, 14. Mai 2013, 21:18 Uhr
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Der Soundtrack zur Zeitreise nach Leutzsch zurück ins Jahr 1994 versteht sich auf Schwermut und einen Treueschwur

Liebe ist ein großes Wort, doch wir müssen uns ihr stellen. Wir sind Fußballfans und als solche wenig vernunftbegabt. Uns kennt man als die harten Jungs, die unentwegt Bier trinken und den Sicherheitsdienst bepöbeln. Doch wir wissen: So einfach, wie sie und wir es uns machen wollen, ist es nicht.

Von Prinz Pi ist nicht bekannt, wieviel er mit Fußball anzufangen weiß. Nachdenkliche, eindringliche Texte rappen kann er aber. Auch über die Liebe. Schwermut, unerwartete Bilder, melancholisches Sinnieren über „Glück“, so heißt der Titel, der nicht mehr raus will aus meinem Kopf, seitdem ich die Bilder vom S-Bahnhof Leutzsch gesehen habe, gefangen im Dort-und-Damals von 1994. „Hol‘ den DeLorean“, singt Prinz Pi in Anspielung auf die fabulöse Zurück-in-die-Zukunft-Zeitmaschine, „lass uns damit zurück fahren“.

Eine Strecke für 1,50 D-Mark, ermäßigt kostet das Ticket 80 Pfennig. Auf einer Tafel stehen die Leipziger S-Bahn-Tarife von vor 19 Jahren. Graffiti säumen die Wände, der Putz bröckelt. Wer in diesen Tagen den Leutzscher S-Bahnhof unweit des Alfred-Kunze-Sportparks betritt, begibt sich auf eine Zeitreise wie Prinz Pi im DeLorean: Das bröckelnde Gebäude erzählt davon, was sich verändert hat und was bleibt.

Wenige Meter weiter protzen längst grauer Beton und Stahl. Die renovierte Bahntrasse musste ebenso mit der Zeit gehen wie der Leipziger Fußball. Jetzt haben andere das Sagen, sie geben sich so nüchtern, steril und makellos wie die Lautsprecherdurchsage aus dem Bahn-Computer. Wofür braucht es da einen halb verfallenen Bahnhof? Wofür braucht es noch die BSG Chemie?

Vor 19 Jahren war die Leipziger Fußball-Welt noch übersichtlich. Es gab nur den VfB und den FC Sachsen, aber selbst das war vielen schon zu kompliziert. Heute sind beide Vereine Geschichte, einfacher geworden ist es aber bestimmt nicht. In Leutzsch kämpft man nicht mehr um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, sondern gegen den Fall in Liga sieben und eine ungleiche Zwillingsschwester (morgen, 18.30 Uhr, auch auf dem Platz).

Seit ein nicht ganz unbekannter Chemie-Diablos-Kopf Prinz Pi unbedingt bei einem Festival sehen wollte, ist mir der Rapper ein Begriff. In „Glück“ bezeichnet er sich als unvernünftigen Wiederholungstäter. Er ist einer wie wir. Uns geht diese BSG Chemie genauso zu Herzen wie am ersten Tag. „Wir meinten immer nur einander, wenn wir ‚Glück‘ sagten“, rappt Prinz Pi. Und:

Wenn alles untergeht, bleib‘ ich hier und bleib‘ bei dir,
du bei mir, wenn nichts anderes übrig bleibt, bleibt das Wir





Zitat des Tages (22): Finale für das System Red Bull?
Dienstag, 30. April 2013, 0:19 Uhr
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Am Schluss wird das passieren, was man hoffen kann: Die Dinge werden so pervers sein, dass die Leute davon abgestoßen sind, dass es kontraproduktiv ist, dass die Leute sich von der Marke abwenden.

Hermann Strittmatter, Werbefachmann der Agentur GGK, über die Zukunft der bisher äußerst erfolgreichen Strategie des Red-Bull-Konzerns, das eigene Produkt im Kontext von zum Teil grotesken Extremsportler-Stunts zu vermarkten. Das Interview ist Teil des ARD-Dokumentation „Die dunkle Seite von Red Bull“, in der das Filmteam sechs Todesfälle von Red-Bull-Sportlern nachrecherchiert hat – die Beispiele um den 2009 tödlich verunglückten Freeskier Shane McConkey, dessen Schicksal Red Bull postum mit einem Spielfilm für die Marke nutzen will, sind offenbar nur eine Auswahl. Und selbst wenn im Fußballhaus Red Bull bisher noch niemand gestorben, so ist es doch zumindest spannend, dass der Film den Konzern von Dietrich Mateschitz als „Mischung aus Baghwan und Ikea“ charakterisiert und dessen Beschäftigte mit Sektenanhängern vergleicht.





Red Bull und der erbärmliche Rest von Leipzig

Vor vier Jahren startete das RasenBallsport-Projekt am Elsterflutbecken – in Fußball-Leipzig aber hat sich im Grunde nichts geändert

Karfreitag in Leutzsch, Zeitpunkt und Ort für die ganz großen Gedanken. Wie steht’s um den Leipziger Fußball? Das wollen die OstDerby-Initiatoren Michael Kummer und Fedor Freytag, zwei Rot-Weiße aus Erfurt, wissen.

Matthias Kießling, der Rotebrauseblogger, und ich sollen uns ein Streitgespräch liefern: zu Red Bull in Leipzig und dem verkümmerten Rest in Leutzsch und Probstheida. Das ist verdammt schwierig. Nullachtfuffzehn-Argumente ziehen nicht, aber das ist hier nur eine Randnotiz, das Ergebnis wird in der kommenden OstDerby-Ausgabe zu lesen sein.

Die Fundamentalkritik greift zu kurz

Ich sitze unvorbereitet am Wohnzimmertisch bei Kaffee und Kuchen. Die ganz großen Gedanken kommen schon von alleine, habe ich mir vorher gedacht. Ich führe mir immer wieder vor Augen: RasenBallsport Leipzig ist die äußerste Konsequenz der Profifußball-Logik, darin unterscheiden sich Sport und Markt nicht, es geht stets um erfolgreichen Wettbewerb. Die Fundamentalkritik, mit der sich viele Traditionsbewahrer aus dem Lager der Ultras bis hin zu BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dem Leipziger Red-Bull-Projekt entgegenstellen, greift fast immer zu kurz.

Kühlen Köpfen wie Matthias Kießling ist das eine Steilvorlage: Er seziert die Kritik genüsslich und findet gute Gegenargumente. Trotz noch immer ausbleibenden Erfolgs wächst der Fanzuspruch beständig. Red Bull wird kein zweites Hoffenheim, weil sich Leipzig so sehr nach der Bundesliga sehnt wie Mäzen Dietmar Hopp nach Anerkennung. Anderswo, in Wolfsburg etwa, muss sich der Fußballclub ebenfalls nicht selbst refinanzieren, sondern kann auf potente externe Geldgeber setzen. Und gerät einer der sagenumwobenen Traditionsvereine in finanzielle Nöte, greift die öffentliche Hand schon mal in die Staatskasse.

Ein Argument aber, das die Red-Bull-Befürworter gerne anführen, hat sich bisher noch nicht bewahrheitet: Die übrigen Leipziger Vereine, heißt es immer, müssten nicht um ihre Existenz fürchten, für deren Sponsoren sei RB Leipzig keine Konkurrenz. Stattdessen könnten Leutzsch und Probstheida im Windschatten durchstarten und etwa von der umfassenden Nachwuchsarbeit profitieren.

Geldnöte und Grabenkämpfe

Und? Im Jahr vier nach dem Red-Bull-Einstieg droht dem viertklassigen Probstheida die dritte Insolvenz, Hunderttausende Euro fehlen trotz nach wie vor großen Potenzials und Engangements der Fans. Im sechstklassigen Leutzsch streiten sich zwei Vereine um das Erbe von Alfred Kunze und den gleichnamigen Sportpark, um die Betriebskostenabrechnung und die richtige Idee. Dem Modell des basisdemokratischen, „geilen Stadtteilvereins“ der BSG Chemie steht die SG Leipzig-Leutzsch mit ihrem Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Club gegenüber, der es in naher Zukunft seinem Vorbild, dem FC Sachsen Leipzig, gleichtun könnte: Die erklärte einstige „Hoffnung Mitteldeutschlands“ verschwand nach dem zweiten Insolvenzverfahren 2011 aus dem Vereinsregister.

So nachvollziehbar die Probleme und Streitigkeiten im Detail sein mögen, in der Außenperspektive gibt Fußball-Leipzig ein erbärmliches Bild ab, darin hat sich seit der politischen und der Red-Bull-Wende also überhaupt nichts geändert. Das ist ein gar nicht so ganz großer Gedanke, den ich ohne das dreistündige Streitgespräch niemals so klar hätte fassen können.




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