Chemiker jagen Einhörner
Sonntag, 30. November 2014, 15:59 Uhr
Abgelegt unter: BSG Chemie Leipzig, Vereinspolitik

Der FC International Leipzig grüßte lange Zeit aus weiter Ferne von der Tabellenspitze der Landesliga. Doch der Vorsprung auf die BSG Chemie ist mit der Niederlage im Alfred-Kunze-Sportpark erheblich zusammengeschrumpft.

Um große Töne ist man beim FC Inter nicht verlegen. „Ich sage den Jungs, dass sie am besten mit uns in den Profibereich klettern können“, erklärte Trainer Heiner Backhaus jüngst in der Leipziger Volkszeitung. Kurz darauf ließen die selbsterklärten Profi-Aspiranten am vorletzten Hinrundenspieltag beim 0:2 alle Punkte bei der BSG Chemie. Seitdem ist die Herbstmeisterschaft zwischen den beiden Kontrahenten wieder offen. Ja, die Leutzscher sind nach dem holprigen Saisonstart als Aufsteiger endgültig angekommen in der Sachsenliga. Und nein, so einfach will die Konkurrenz den FC Inter dann doch nicht in höhere Sphären ziehen lassen.

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Lok-Nazis ohne Freifahrtsschein
Donnerstag, 28. August 2014, 18:03 Uhr
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Endlich schämt man sich beim 1. FC Lok Leipzig für seine braune Vergangenheit. In Probstheida haben Problem-Fans neuerdings Hausverbot. Doch die Ausgesperrten wollen nicht kampflos gehen

Der 1. FC Lok war lange ein dankbarer Gegner. Was musste sich die Vereinsführung nicht alles anhören, damals, als Steffen Kubald, der nach außen geläuterte Ex-Hooligan mit besten Kontakten in die Szene, das Sagen hatte.

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„Die Leutzscher Legende lebt“
Samstag, 10. Mai 2014, 11:44 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 13. Mai 2014, 11:12 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fanszene, FC Sachsen Leipzig, Vereinspolitik

Fan, Buchautor, Sponsor und Macher: Jens Fuge, Jahrgang 1963, hat im Leutzscher Fußball schon alles durch, was geht. Jetzt hat sich der Chronist der „Leutzscher Legende“ am Niedergang des Leutzscher Fußballs abgearbeitet. Ich sprach mit Jens Fuge über sein neues altes Buch, die Wut des Autors, intime Einblicke in zwei Jahrzehnten FC Sachsen Leipzig, ehrliche Hoffnungsschimmer und das 50-jährige Jubiläum des Meistertitels am 10. Mai 1964.

Jens, statt des leidenschaftlichen Fans und Machers gibst du inzwischen den zottelhaarigen Motorradrocker, der durch die Welt reist. Ist das eine ganz normale Midlife-Crisis oder hast du dich ernsthaft vom Alfred-Kunze-Sportpark entliebt?

Jens Fuge: Die Mid-life-crisis habe ich hinter mir. Bei zwei Firmen kam ich auf einen Arbeitstag von zwölf, 14 Stunden, sieben Tage die Woche. Ich wusste nicht mehr, wie Wald und Wiese riechen. Bevor ich den Spiegel auslesen konnte, kam nach einer Woche schon der nächste. Ich beschloss, aus dem Hamsterrad auszubrechen, um mich dem Leben zuzuwenden: mehr reisen, mehr Zeit nehmen für das wirklich Wichtige, für Freunde.

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Die Kurve der anderen
Montag, 24. März 2014, 8:53 Uhr
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Fans des 1. FC Union Berlin gelten von jeher als rebellisch. Von ihrer Leidenschaft erzählt der Dokfilm „Union fürs Leben“

Als die Mauer noch stand, die Partei immer Recht hatte und die Stasi genau hinsah, dass ja keiner ausscherte, da hieß es: „Nicht jeder Union-Fan ist ein Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist ein Union-Fan.“

25 Jahre nach dem Fall der Mauer, die Partei und Stasi mit sich riss, freut sich Maja Lopatta noch immer über diese Weisheit aus DDR-Tagen, dieses „schöne Wort“, wie sie es formuliert. Die zierliche Frau, gehüllt in Pink, gezupfte Augenbrauen, sitzt bei Kaffee und Brötchen neben ihrem Sohn. Für Chris Lopatta, Jahrgang 1963, Unioner seit dem 14. Lebensjahr, ist Fußball kein Thema, das man einfach so abfrühstücken könnte. Das Bekenntnis zum 1. FC Union, dem Klub aus Berlin-Köpenick, ist sein Lebensentwurf: Rebellion aus Prinzip. Leiden, weil’s dazugehört. Damals wie heute.


Lebensrolle Unioner: Chris Lopatta neben seiner Mutter Maja. Foto: Frank Marten Pfeiffer

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Wir müssen reden – über RB Leipzig
Freitag, 21. Februar 2014, 0:22 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 21. Februar 2014, 7:33 Uhr
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RB Leipzig steigt auf und erhält problemlos die Zweitliga-Lizenz: Für 11FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster ist das kein Hurra-Szenario. Seine Streitschrift gegen den Leipziger Brauseklub und für eine andere Fußballkultur bereichert die Debatte – und bleibt nicht ohne Wirkung

Dicke weiße Buchstaben auf rotem Grund, kurze Wörter mit großem Eindruck, das ist eigentlich nicht der 11FREUNDE-Stil. „Der Große Red-Bull-Bluff“, titelt das erklärte „Magazin für Fußballkultur“ in Ausgabe #148, „Wie der Leipziger Retortenklub die Liga an der Nase herumführt“. Das ist populistisch. Das verkauft sich. Und das ist auch gut so.

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RB Leipzig macht wohl bald in Farmen
Dienstag, 28. Januar 2014, 23:39 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29. Januar 2014, 21:55 Uhr
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Der FC International bewirbt sich als neue Nummer 2 in Fußball-Leipzig. Zwar ist der erste Versuch, bei der Basis Tritt zu fassen, gründlich schiefgegangen. Der neue Verein mit prominenten Fürsprechern würde dem Masterplan von RB Leipzig aber nicht im Bundesliga-Wege stehen

Als wäre das nicht ohnehin schon alles viel zu kompliziert. Selbst der gemeine Sportschau-Stammgast muss für gewöhnlich ins Straftraining, wenn die vormals zweigeteilte Fußballstadt mit ihren postsozialistischen Lektionen daherkommt: Ja, Fußball-Leipzig gibt sich neuerdings farbenfroh, was die Vereinslandschaft angeht. Inzwischen ist für jeden was dabei. Der Feingeist mit Jahreskarte fürs Opernhaus kann sich bei RasenBallsport Leipzig umtun, während die jeder Derbheit erliegende working class in Leutzsch und Probstheida etwas dafür tut, dem Klischee vom Fußballpöbel gerecht zu werden. Bis dahin ist noch kein Wort über Roter Stern Leipzig verloren, aber jemand, der sich mit Leidenschaft der Sportschau hingibt, hat fürs Milieu sicher weniger übrig.

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Red Bull und Leipzig auf dem wohldosierten Höhenflug
Montag, 18. November 2013, 21:23 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 18. November 2013, 23:17 Uhr
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Nach dem Training, vor dem Spiel – der Genuss von Red Bull, dem Energy-Drink, verleiht den Rasenballsportler-Beinen Bundesliga-Flügel. Das hört sich gut an. Sicher nimmt’s auch jemand für voll

​Zufälle sind im Red-Bull-Konzern so zahlreich wie die Nachwende-Erfolge des Leipziger Fußballs. Da muss es schon dumm zugehen, wenn mal wieder ein Hoffnungsträger für immer abstürzt. Aber das hat mit den Erfolgsnachrichten aus Leipzig nichts zu tun. Da läuft alles nach Business-Plan: Ralf Rangnick, der Fußballchef des Konzerns, und seine Getreuen können ausg​​eben, was sie vor Ort nicht einspielen müssen. Die Herzen der seit Jahrzehnten darbenden Leipziger Fans sind ihnen ohnehin gewiss. Die dritte Liga? Allenfalls eine Durchgangsstation zu werbewirksameren Märkten. Die Bundesliga? Keine Frage des Könnens, sondern der Zeit. Das ist kein Zufall. Professor Rangnick weiß für jede erdenkliche Aufgabe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter an seiner Seite. Einer dieser Experten ist Marco Spielau.

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Babelsberg, Lok-Nazis und der Ballermann
Donnerstag, 22. August 2013, 22:34 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 22. August 2013, 22:40 Uhr
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Den Problemfans des 1. FC Lok Leipzig war die Reise nach Potsdam-Babelsberg eine dankbare Angelegenheit. Im Verein ist man sich des Problems mehr bewusst denn je. In der Ferne staunt der Badeurlauber

Als sich Probstheida mitsamt fragwürdigem Gefolge in Babelsberg umtut, liege ich auf Mallorca (wohl gewollt) am Ballermann (ein Versehen) am Strand und träufle mir kühles Dosenbier ein. Regionalliga-Auftakt, 3. August, Babelsberg 03 siegt 1:0 gegen den 1. FC Lok Leipzig, das Ergebnis war nebensächlich. Was auf den Rängen abgegangen ist, erfahre ich – den geneigten Nutzer dieses Internets mag das belustigen – zwei Tage später aus der Zeitung. (Wenngleich nicht auf gewesenem Holz, sondern dem Tablet.) Die Lektüre hat mich schnell aus dem unfreiwilligen Ballermann-Dasein gerissen. Lok, Nazis, Medienreaktionen, das geht einfach immer.

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Red Bull und der erbärmliche Rest von Leipzig

Vor vier Jahren startete das RasenBallsport-Projekt am Elsterflutbecken – in Fußball-Leipzig aber hat sich im Grunde nichts geändert

Karfreitag in Leutzsch, Zeitpunkt und Ort für die ganz großen Gedanken. Wie steht’s um den Leipziger Fußball? Das wollen die OstDerby-Initiatoren Michael Kummer und Fedor Freytag, zwei Rot-Weiße aus Erfurt, wissen.

Matthias Kießling, der Rotebrauseblogger, und ich sollen uns ein Streitgespräch liefern: zu Red Bull in Leipzig und dem verkümmerten Rest in Leutzsch und Probstheida. Das ist verdammt schwierig. Nullachtfuffzehn-Argumente ziehen nicht, aber das ist hier nur eine Randnotiz, das Ergebnis wird in der kommenden OstDerby-Ausgabe zu lesen sein.

Die Fundamentalkritik greift zu kurz

Ich sitze unvorbereitet am Wohnzimmertisch bei Kaffee und Kuchen. Die ganz großen Gedanken kommen schon von alleine, habe ich mir vorher gedacht. Ich führe mir immer wieder vor Augen: RasenBallsport Leipzig ist die äußerste Konsequenz der Profifußball-Logik, darin unterscheiden sich Sport und Markt nicht, es geht stets um erfolgreichen Wettbewerb. Die Fundamentalkritik, mit der sich viele Traditionsbewahrer aus dem Lager der Ultras bis hin zu BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dem Leipziger Red-Bull-Projekt entgegenstellen, greift fast immer zu kurz.

Kühlen Köpfen wie Matthias Kießling ist das eine Steilvorlage: Er seziert die Kritik genüsslich und findet gute Gegenargumente. Trotz noch immer ausbleibenden Erfolgs wächst der Fanzuspruch beständig. Red Bull wird kein zweites Hoffenheim, weil sich Leipzig so sehr nach der Bundesliga sehnt wie Mäzen Dietmar Hopp nach Anerkennung. Anderswo, in Wolfsburg etwa, muss sich der Fußballclub ebenfalls nicht selbst refinanzieren, sondern kann auf potente externe Geldgeber setzen. Und gerät einer der sagenumwobenen Traditionsvereine in finanzielle Nöte, greift die öffentliche Hand schon mal in die Staatskasse.

Ein Argument aber, das die Red-Bull-Befürworter gerne anführen, hat sich bisher noch nicht bewahrheitet: Die übrigen Leipziger Vereine, heißt es immer, müssten nicht um ihre Existenz fürchten, für deren Sponsoren sei RB Leipzig keine Konkurrenz. Stattdessen könnten Leutzsch und Probstheida im Windschatten durchstarten und etwa von der umfassenden Nachwuchsarbeit profitieren.

Geldnöte und Grabenkämpfe

Und? Im Jahr vier nach dem Red-Bull-Einstieg droht dem viertklassigen Probstheida die dritte Insolvenz, Hunderttausende Euro fehlen trotz nach wie vor großen Potenzials und Engangements der Fans. Im sechstklassigen Leutzsch streiten sich zwei Vereine um das Erbe von Alfred Kunze und den gleichnamigen Sportpark, um die Betriebskostenabrechnung und die richtige Idee. Dem Modell des basisdemokratischen, „geilen Stadtteilvereins“ der BSG Chemie steht die SG Leipzig-Leutzsch mit ihrem Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht-Club gegenüber, der es in naher Zukunft seinem Vorbild, dem FC Sachsen Leipzig, gleichtun könnte: Die erklärte einstige „Hoffnung Mitteldeutschlands“ verschwand nach dem zweiten Insolvenzverfahren 2011 aus dem Vereinsregister.

So nachvollziehbar die Probleme und Streitigkeiten im Detail sein mögen, in der Außenperspektive gibt Fußball-Leipzig ein erbärmliches Bild ab, darin hat sich seit der politischen und der Red-Bull-Wende also überhaupt nichts geändert. Das ist ein gar nicht so ganz großer Gedanke, den ich ohne das dreistündige Streitgespräch niemals so klar hätte fassen können.





Beziehungsstatus: kompliziert
Montag, 25. Februar 2013, 19:37 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 25. Februar 2013, 19:39 Uhr
Abgelegt unter: Abseits des Platzes, BSG Chemie Leipzig, Fußball & Politik, Vereinspolitik

Geld oder Liebe – im entzweiten Leutzscher Fußball hat man weder das eine noch das andere füreinander übrig

Wer jemals Zweifel hatte, Medien würden weder verdichten noch verkürzen, weder deuten noch verzerren, der findet an dieser Stelle ganz neue Denkanstöße. Ende Januar erschien in der Leipziger Volkszeitung ein Interview mit Vereinsvorständen von BSG Chemie und SG Leipzig-Leutzsch, das ich fälschlicherweise als frühes Rendezvous interpretierte und das im Nachhinein betrachtet wohl eher als medialer Kupplungsversuch durchgeht. Wenn das mal alles so einfach wär: Ja, ich will, heißt es hier wie da. Sie dürfen die Braut … – lassen wir das besser.

Denn von Körperlichkeiten sind die beiden grün-weißen Vereine weit entfernt, zumindest wenn damit Liebkosungen gemeint sind. Von einer „Welle an gewalttätigen Angriffen“ weiß die SG Leipzig-Leutzsch in einer aktuellen Stellungnahme vieldeutig zu berichten. Die Vorwürfe, frei übersetzt: Bei der BSG Chemie habe man es mit Kriminellen zu tun, die die Medien infiltrieren und so gar nicht daran interessiert sind, im Leutzscher Holz auf heiles Familienidyll zu machen.

Die BSG Chemie hat indes sehr gute Argumente gegen eine mögliche Scheinehe:

Im Gegensatz zur SG Leipzig Leutzsch ist die BSG Chemie Leipzig nicht bestrebt, eine “Leutzscher Einheit” ohne jegliche Vorbedingungen zu realisieren – und dies aus guten Gründen: Wir sind fest entschlossen, aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, weshalb sowohl der Name Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig e. V. als auch die im Leitbild festgelegte, demokratische Grundstruktur des Vereins in keinem Maße verhandelbar ist. Bei uns nehmen alle Chemiker aktiv an der Vereinsgestaltung teil, was sich auch in der bunt gemischten Zusammensetzung der – ehrenamtlich arbeitenden – Gremien widerspiegelt. Verglichen damit erscheint uns die SG Leipzig Leutzsch derzeit nicht als geeigneter Partner.

Selten hatte sich ein „Basta!“ leidenschaftlicher den Weg durchs Leutzscher Holz gebahnt! Mehr noch, die SG Leipzig-Leutzsch scheint nicht nur vom Charakter her, sondern auch das liebe Geld betreffend keine gute Partie. Die BSG Chemie hat die Betriebskostenzuzahlung an Jamal Engel und Freunde eingestellt. Der Grund: fehlende Transparenz in der Abrechnung.

Minus 22.730,99 Euro soll der Kassenstand der SG Leipzig-Leutzsch am 6. Februar betragen haben. Der Kontoauszug liegt offenbar der Leipziger Internet Zeitung vor. Der Verein ist besorgt: Engel & Co. wähnen sich als Opfer von Datendiebstahl. Und die Finanznot? In dieser Frage reicht es nicht einmal für ein Dementi.




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