Lok-Nazis ohne Freifahrtsschein
Donnerstag, 28. August 2014, 18:03 Uhr
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Endlich schämt man sich beim 1. FC Lok Leipzig für seine braune Vergangenheit. In Probstheida haben Problem-Fans neuerdings Hausverbot. Doch die Ausgesperrten wollen nicht kampflos gehen

Der 1. FC Lok war lange ein dankbarer Gegner. Was musste sich die Vereinsführung nicht alles anhören, damals, als Steffen Kubald, der nach außen geläuterte Ex-Hooligan mit besten Kontakten in die Szene, das Sagen hatte.

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Die Kurve der anderen
Montag, 24. März 2014, 8:53 Uhr
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Fans des 1. FC Union Berlin gelten von jeher als rebellisch. Von ihrer Leidenschaft erzählt der Dokfilm „Union fürs Leben“

Als die Mauer noch stand, die Partei immer Recht hatte und die Stasi genau hinsah, dass ja keiner ausscherte, da hieß es: „Nicht jeder Union-Fan ist ein Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist ein Union-Fan.“

25 Jahre nach dem Fall der Mauer, die Partei und Stasi mit sich riss, freut sich Maja Lopatta noch immer über diese Weisheit aus DDR-Tagen, dieses „schöne Wort“, wie sie es formuliert. Die zierliche Frau, gehüllt in Pink, gezupfte Augenbrauen, sitzt bei Kaffee und Brötchen neben ihrem Sohn. Für Chris Lopatta, Jahrgang 1963, Unioner seit dem 14. Lebensjahr, ist Fußball kein Thema, das man einfach so abfrühstücken könnte. Das Bekenntnis zum 1. FC Union, dem Klub aus Berlin-Köpenick, ist sein Lebensentwurf: Rebellion aus Prinzip. Leiden, weil’s dazugehört. Damals wie heute.


Lebensrolle Unioner: Chris Lopatta neben seiner Mutter Maja. Foto: Frank Marten Pfeiffer

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„Nazi“-Schmähung kostet 500 Euro
Donnerstag, 26. Dezember 2013, 2:29 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 26. Dezember 2013, 11:13 Uhr
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Was als eine Diskriminierung gilt, kann eigenwillige Interpretationen hervorrufen. Dem Sächsischen Fußball-Verband genügt es, wenn ein NPD-Kader als „Nazi“ bezeichnet wird

Das Leben kann manchmal ungerecht sein. Schließlich muss es gar nicht so einfach sein, als politisch engagiertes NPD-Mitglied einen Verein zu finden, dessen Kameraden nichts gegen einen braunen Schlussmann haben. Mathias Möbius sitzt für die NPD im Stadtrad von Wurzen – und hütet für den ATSV Frisch Auf das Tor. Beides ist keine leichte Aufgabe: den Wurzenern unter der Woche was von Überfremdung erzählen und am Wochenende die Bälle aus dem Netz des Bezirksliga-Vorletzten holen.

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Willkommen in der Provinz
Montag, 21. Oktober 2013, 21:49 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 22. Oktober 2013, 1:01 Uhr
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In der Bezirksliga sportlich ungeschlagen, werden der BSG Chemie Leipzig die Gegner abseits des Platzes zur größten Herausforderung. Nach zwei Absagen ist nun ein drittes Spiel abgebrochen worden

Sie wollen nur spielen, aber man lässt sie nicht. Die mit dem Fünfeck auf der Brust, Alfred Kunze im Kopf, die Leutzscher Legende im Herzen. Wer für die BSG Chemie Leipzig aufläuft, hat die Heldensaga im Ohr, als 1964 die Falschen DDR-Meister wurden. Das war vom System nicht vorgesehen, das verhalf dem „Rest von Leipzig“ zu Glaubwürdigkeit auf der Straße. Im 50. Jahr danach klingen die Konkurrenten nicht mehr nach Arbeiter-und-Bauern-Maloche, führen die Auswärtsreisen nicht einmal mehr über die einstigen DDR-Bezirksgrenzen. Empor Rostock heißt jetzt Bornaer SV 91 und aus dem SC Karl-Marx-Stadt wurde ATSV Frisch Auf Wurzen.

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Babelsberg, Lok-Nazis und der Ballermann
Donnerstag, 22. August 2013, 22:34 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 22. August 2013, 22:40 Uhr
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Den Problemfans des 1. FC Lok Leipzig war die Reise nach Potsdam-Babelsberg eine dankbare Angelegenheit. Im Verein ist man sich des Problems mehr bewusst denn je. In der Ferne staunt der Badeurlauber

Als sich Probstheida mitsamt fragwürdigem Gefolge in Babelsberg umtut, liege ich auf Mallorca (wohl gewollt) am Ballermann (ein Versehen) am Strand und träufle mir kühles Dosenbier ein. Regionalliga-Auftakt, 3. August, Babelsberg 03 siegt 1:0 gegen den 1. FC Lok Leipzig, das Ergebnis war nebensächlich. Was auf den Rängen abgegangen ist, erfahre ich – den geneigten Nutzer dieses Internets mag das belustigen – zwei Tage später aus der Zeitung. (Wenngleich nicht auf gewesenem Holz, sondern dem Tablet.) Die Lektüre hat mich schnell aus dem unfreiwilligen Ballermann-Dasein gerissen. Lok, Nazis, Medienreaktionen, das geht einfach immer.

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Als Jürgen Bogs bei der BSG Chemie Leipzig abstieg …
Mittwoch, 19. Juni 2013, 23:18 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 20. Juni 2013, 8:05 Uhr
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… oder warum ich schambefreit für die neue 11 FREUNDE-Ausgabe werbe

1966 ist der Spuk vorbei. Die BSG Chemie Leipzig war noch einmal Pokalsieger geworden, der letzte Ausrutscher im DDR-Fußball nach der außerfünfjahresplanmäßigen Meisterschaft 1964, der Leutzscher Legende. Die besten Spieler werden wegdelegiert, Jahr für Jahr, Alfred Kunzes Mannschaft stürzt in die sportliche Bedeutungslosigkeit – und auf der Tribüne sitzt: Jürgen Bogs.

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Beziehungsstatus: kompliziert
Montag, 25. Februar 2013, 19:37 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 25. Februar 2013, 19:39 Uhr
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Geld oder Liebe – im entzweiten Leutzscher Fußball hat man weder das eine noch das andere füreinander übrig

Wer jemals Zweifel hatte, Medien würden weder verdichten noch verkürzen, weder deuten noch verzerren, der findet an dieser Stelle ganz neue Denkanstöße. Ende Januar erschien in der Leipziger Volkszeitung ein Interview mit Vereinsvorständen von BSG Chemie und SG Leipzig-Leutzsch, das ich fälschlicherweise als frühes Rendezvous interpretierte und das im Nachhinein betrachtet wohl eher als medialer Kupplungsversuch durchgeht. Wenn das mal alles so einfach wär: Ja, ich will, heißt es hier wie da. Sie dürfen die Braut … – lassen wir das besser.

Denn von Körperlichkeiten sind die beiden grün-weißen Vereine weit entfernt, zumindest wenn damit Liebkosungen gemeint sind. Von einer „Welle an gewalttätigen Angriffen“ weiß die SG Leipzig-Leutzsch in einer aktuellen Stellungnahme vieldeutig zu berichten. Die Vorwürfe, frei übersetzt: Bei der BSG Chemie habe man es mit Kriminellen zu tun, die die Medien infiltrieren und so gar nicht daran interessiert sind, im Leutzscher Holz auf heiles Familienidyll zu machen.

Die BSG Chemie hat indes sehr gute Argumente gegen eine mögliche Scheinehe:

Im Gegensatz zur SG Leipzig Leutzsch ist die BSG Chemie Leipzig nicht bestrebt, eine “Leutzscher Einheit” ohne jegliche Vorbedingungen zu realisieren – und dies aus guten Gründen: Wir sind fest entschlossen, aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, weshalb sowohl der Name Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig e. V. als auch die im Leitbild festgelegte, demokratische Grundstruktur des Vereins in keinem Maße verhandelbar ist. Bei uns nehmen alle Chemiker aktiv an der Vereinsgestaltung teil, was sich auch in der bunt gemischten Zusammensetzung der – ehrenamtlich arbeitenden – Gremien widerspiegelt. Verglichen damit erscheint uns die SG Leipzig Leutzsch derzeit nicht als geeigneter Partner.

Selten hatte sich ein „Basta!“ leidenschaftlicher den Weg durchs Leutzscher Holz gebahnt! Mehr noch, die SG Leipzig-Leutzsch scheint nicht nur vom Charakter her, sondern auch das liebe Geld betreffend keine gute Partie. Die BSG Chemie hat die Betriebskostenzuzahlung an Jamal Engel und Freunde eingestellt. Der Grund: fehlende Transparenz in der Abrechnung.

Minus 22.730,99 Euro soll der Kassenstand der SG Leipzig-Leutzsch am 6. Februar betragen haben. Der Kontoauszug liegt offenbar der Leipziger Internet Zeitung vor. Der Verein ist besorgt: Engel & Co. wähnen sich als Opfer von Datendiebstahl. Und die Finanznot? In dieser Frage reicht es nicht einmal für ein Dementi.





Kein Erfolg macht auch bloß nicht sexy
Montag, 28. Januar 2013, 19:25 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 29. Januar 2013, 0:02 Uhr
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Sportlich im Mittelmaß versunken, knüpfen BSG Chemie und SG Leipzig-Leutzsch erste zarte Bande. Öffentlich werben die Vorstände auf beiden Seiten für einen starken grün-weißen Verein. Dafür müssen sie jedoch nicht nur sich selbst überzeugen

Fußball ist eine äußerst simple Angelegenheit. Da ist die Idee: mit Bauch, Bein oder Po das Leder nach vorne treiben, Gegenspieler übersprinten, Spielsysteme sprengen, das Runde ins Eckige befördern, Fans in Ekstase versetzen. Was zählt, sind Tore und Erfolg, das sind die Zutaten, die aus Kicker-Kämpfern Legenden machen, die Geschichten wie jene aus Leutzsch anno 1963/64 erzählen.

Vereinschefs auf Diplomaten-Mission

Das war einmal, dessen wird man sich im Jahre 49 nach Alfred Kunzes Meisterstreich im zweigeteilten Fußball-Leutzsch im grauen Sechstliga-Alltag zusehends deutlicher bewusst. Sportlichem Erfolg ist die grün-weiße Zwietracht von BSG Chemie und SG-Leipzig-Leutzsch abträglich, befinden die Macher hier wie da. Im Interview mit der Leipziger Volkszeitung proben Jamal Engel, 42, Sprachrohr der SG Leipzig-Leutzsch, und das BSG-Chemie-Duo aus Vorstandschef Frank Kühne, 53, und Schatzmeister Siegfried Klose, 58, die Verbrüderung. Das bilaterale Verhältnis? „Keinerlei Probleme“, sagt Chemie-Chef Kühne, „gut bis sehr gut“, sekundiert Klose. „Das kann ich nur bestätigen“, meint Engel.

Die drei Diplomaten stecken das Terrain ab. Was steht einer Leutzscher Einigung im Weg? Sicher, da ist zuallererst der Zwist zwischen beiden Fanlagern, den Frank Kühne bemerkenswert lässig beiseite wischt: In den vergangenen Jahren sei „in Chemie ‚links‘ und die SG ‚rechts‘ hineininterpretiert“ worden. So falsch ist das nicht. Gleichwohl gab es für besagte Interpretationen stichhaltige Beweise, einerseits. Andererseits will sich nicht jeder, der gerne darauf verzichtet, neben einem Neonazi in der Kurve zu stehen, das Etikett „links“ anheften.

Eine große Familie wie Union Berlin

Der Blick richtet sich nach vorn. Die Vorstände haben eine Vision: den wiedervereinigten Leutzscher Fußball. Siegfried Klose will einen „Weg wie Union Berlin“ beschreiten. „Unsere Philosophie ist, wie eine große Familie zu sein.“ Sonst wird’s nix, weder sportlich noch finanziell. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich beide Vereine derart offensiv um die Leutzscher Eintracht bemühen.

Die Hürden sind hoch, wie dieser verbale Schlagabtausch andeutet:

Jamal Engel: Das Zusammengehen mit Chemie muss ein Prozess sein, um den Prozess der auseinander driftenden Fans umzukehren. Dass es zu der Fantrennung kam, lag an Fehlentwicklungen beim FC Sachsen, ich konnte die Fans teilweise sogar verstehen.

Frank Kühne: Du musst mir mal erklären, warum man nicht einfach die BSG Chemie, die ja längst gegründet war, hätte als Nachfolger nehmen können? Selbst die Nachwuchssicherung ist unter der SGL ja kaum gelungen.

Jamal Engel: Ich kann bei euch auch das Haar in der Suppe suchen. Am Anfang konnte man sich bei Chemie mit keinem zusammensetzen, die waren trotzig. Der Tenor im Verein klang nicht nach Gemeinsamkeit.

Nun müssen die Macher bei den Fans für ihre hehre Mission werben. Frank Kühne kann sich schon im Sommer einen gemeinsamen Verein mit Landesliga-Startrecht und Aufstiegsambitionen vorstellen. „Es bedarf aber vieler Gespräche“, sagt Kühne. „Einzelne wird es immer geben, die man nicht erreicht.“ Für die wird beim künftigen Leutzscher Einheitsverein zumindest kein Platz mehr sein.





Profi-Fußballer trotzen Rassismus und Homophobie
Samstag, 5. Januar 2013, 14:35 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 6. Januar 2013, 0:24 Uhr
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Die ersten Januartage gelten gemeinhin als nachrichtenarme Zeit, besonders im Fußball. Ausgerechnet jetzt sind zwei Geschichten in den Schlagzeilen, die nichts mit Wintertransfers oder der Rückrundenvorbereitung zu tun haben und keinesfalls originäre Fußball-Themen sind: Kevin-Prince Boateng, 25, vom AC Mailand wehrt sich gegen rassistische Fans und zwei aktive Profi-Fußballer outen sich offenbar als schwul – und das in Russland

Kevin-Prince Boateng nimmt den Ball an, dreht sich um die eigene Achse, dribbelt – und bricht plötzlich ab. Er greift sich das Leder und drischt es auf die Tribüne. Dass Schiedsrichter und Gegenspieler auf ihn einreden, ist ihm egal. Der Mittelfeldspieler des AC Mailand, frustriert von den permanenten rassistischen Sprechchören von der Tribüne, zieht sich das Trikot aus verlässt mit seinen Mitspielern das Spielfeld. Es sind Szenen aus einem Testspiel zwischen Pro Patria und Milan, die eine kontroverse Debatte entfacht haben. Boateng hat nun nachgelegt: Er kann sich vorstellen, Italien zu verlassen. Sein Verhalten stößt prompt auf Kritik, etwa bei Clarence Seedorf.

Boateng macht alles richtig

Dabei macht Boateng, einst bekannt für Eskapaden abseits des Spielfelds, alles richtig. Die italienische wie deutsche Öffentlichkeit diskutiert sein Verhalten – und muss zwangsläufig die Hintergründe reflektieren. Rassismus ist ein globales Alltagsphänomen, selbst wenn es sich hierzulande ungleich latenter äußert als in italienischen Fußballstadien. Affenlaute schallten früher auch in der Bundesliga schwarzen Spielern entgegen. Die Rassisten sind stummer, aber gewiss nicht weniger geworden. Umso bedeutsamer ist es, dass Boateng nun die Zustände in Italien anprangert. Das hilft beim Nachdenken über die „Deutschen Zustände“, nicht nur in den Fankurven.

Kokorin und Mamajew: Echtes Outing oder Satire?

Aus Russland kommen immer wieder Nachrichten, die von grassierendem Hass zeugen auf alle, die anders sind. In der Politik wie zuletzt im Fußball bei Fans von Zenit St. Petersburg. Nun könnten sich mit Alexander Alexandrowitsch Kokorin, 21, von Dynamo Moskau und Pawel Konstantinowitsch Mamajew, 24, von ZSKA Moskau zwei russische Profi-Fußballer als schwul geoutet haben. In einem sozialen Netzwerk finden sich Fotos, die beide zusammen in vertrauten Posen zeigen. Alex Feuerherdt (@LizasWelt) ordnet die Bilder ein und trägt zugleich berechtigte Zweifel zusammen, ob es sich tatsächlich um ein Outing handele oder um eine satirische Antwort auf die Petersburger Fan-Forderungen. Zumindest gilt auch hier: Politik, Medien und Gesellschaft kommen an einer Debatte nicht vorbei.





Die Fans sind lauter geworden, auch weil sie schwiegen
Mittwoch, 12. Dezember 2012, 21:56 Uhr
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Je nachhaltiger sich die Fans mit guten Argumenten für ihre Interessen einsetzen, desto größer ist ihre Chance, sich in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen

Huch! Es gab eine Zeit, da kannte Philipp Markhardt kein Mensch und da ging Michael Gabriel als Schlagerbarde durch. Doch das war einmal. Heute wissen wir mehr. Heute, das ist der 12.12.2012. Ein Tag, den ein paar hoffnungslose Romantiker zum Hochzeitstag (v)erklären – einerseits. Andererseits aber auch der Tag, an dem ein paar liebesentwöhnte Politiker und Funktionäre die heile Welt des Profifußballs retten wollen und damit nach dem Geschmack der Fans gründlich daneben liegen.

„Sicheres Stadionerlebnis“ nennen die zur Deutschen Fußball-Liga (DFL) zusammengeschlossenen Profi-Clubs das heute verabschiedete Konzeptpapier, in dem Fanvereinigungen den Rechtsstaat gefährdet sehen. „Vollkörperkontrollen“ ist das Reizwort schlechthin, das die DFL aus einer früheren Arbeitsversion auf Drängen der Fans aus dem Papier gestrichen hat. Das bedeutet aber nicht, dass die Clubs künftig ausschließen, Fans im Namen der Sicherheit eine Reise an einen FKK-Ostseestrand antreten zu lassen. Ohne Wasser und ohne Urlaubsfeeling, versteht sich.

Der Hintergrund: Politik, Polizei und Fußballfunktionäre sorgen sich um Ultras, Pyrotechnik, gefühlte und tatsächliche Gewalt. Eine Diskussion um Sicherheit hier und Freiheit da, welche die Medien in der Vergangenheit allzu häufig verzerrt transportierten. Damit jedoch scheint nun Schluss. Der Polizeigewerkschafter Rainer Wendt mag seine mitunter kruden Thesen zwar weiterhin abspulen, so abwechslungsreich wie eine hängengebliebene CD und so kreative wie eine graue Betonwand.

Aber: Der Zauber des polternden Polizisten schwindet zusehends. Und die Fans werden zunehmend lauter, bezeichnenderweise nicht zuletzt dank jener Protestaktion, die sich an den vergangenen Bundesliga-Spieltagen durch zwölfminütiges Schweigen auszeichnete, passend zum DFL-Beschluss am Schnapszahltag. Michael Gabriel, den Leiter der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS), und Philipp Markhardt, in der Szene kritisch beäugter Vorzeige-Ultrà der Hamburger „Chosen Few“ und ehrlicher Fürsprecher der Faninteressen, ist inzwischen auch dem gemeinen Zeitungsleser bekannt. Das schreibt das aktionismusgetriebene DFL-Papier zwar nicht um, aber es ist mehr, als man sich noch vor Monaten hätte versprechen können.




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