Die unendliche Provinzposse vom Fanprojekt-Trägerwechsel
Freitag, 17. Juni 2011, 17:31 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Samstag, 18. Juni 2011, 19:20 Uhr
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Ja, nein, vielleicht – Das Fanprojekt Leipzig sucht seit zwei Jahren einen neuen Träger. Geändert hat sich noch nichts, die Akteure verlieren sich in politischen Ränkespielen. Nun bezeichnet Outlaw den Trägerwechsel zur neuen Saison zumindest vorerst als gescheitert. Von einer Provinzposse

Leipzig ist eine Großstadt mit über einen halben Million Einwohnern. Leipzig ist eine Stadt der Fußballtradition und -kultur. Leipzig befriedigt auf vergleichsweise kleinem Raum verschiedenste Fanvorlieben, wobei die Vielfalt von Roter Stern bis hin zu RasenBallsport große Herausforderungen mit sich bringt. Und Leipzig ist immer wieder gut für Politpossen, wie sie die Provinz nicht besser liefern könnte. Am 1. Juli hätte mit der offiziellen Übergabe des Leipziger Fanprojekts an den neuen Träger Outlaw gGmbH ein zweijähriger Prozess von ideologischen Grabenkämpfen und personellen Querelen abgeschlossen werden sollen. Doch nun, gerade einmal zwei Wochen vor der geplanten Übergabe, zog Outlaw unter Vorbehalt zurück. Was ist passiert?

Neonazis gingen aus und ein

Seit 1992 steht das Fanprojekt Leipzig unter der Trägerschaft der Leipziger Sportjugend e. V (LSJ), der seit über zehn Jahren Udo Ueberschär vorsteht. In der Vergangenheit wurde wiederholt Kritik am bisherigen Träger laut: Nach Recherchen von Ronny Blaschke für sein preisgekröntes Dossier in die Wochenzeitung DIE ZEIT hielt die NPD im Fanprojekt Kader-Treffen ab. Neonazis sollen bis September 2008 ein und ausgegangen sein, darunter auch Enrico Böhm, 2009 NPD-Kandidat für den Leipziger Stadtrat, sowie die berüchtigte Fangruppierung des 1. FC Lok „Blue Caps“. Das Fanprojekt praktiziert so genannte akzeptierende Jugendarbeit – in der Sozialpädagogik ist dieses Konzept hoch umstritten, werden so doch die bereits vorherrschenden Strukturen weiter gestützt. In Leipzig gilt das Kirschberghaus als warnendes Beispiel, das Anfang der neunziger Jahre zum Neonazi-Szenetreff avancierte.

Doch damit der Ungereimtheiten noch nicht genug. So wurden Mitarbeiter eingesetzt, die nicht über eine entsprechende sozialpädagogische Qualifikation verfügten. Darüber hinaus ist es für die Öffentlichkeit schlichtweg nicht nachvollziehbar, wofür die Mittel des Fanprojekts eingesetzt werden. Nur so viel: Technisch ist das Fanprojekt mit Playstation und Flachbildfernsehern gut ausgestattet. Ob diese Anschaffungen mit öffentlichen Mitteln oder privaten Geldern getätigt wurden, kann ich nicht nachprüfen.

Dresden und Plauen als positive Beispiele

Die offizielle Internetseite des Fanprojekts hält sich fernab von Berichten über „erlebnispädagogische Ausflüge“ sehr bedeckt über die alltägliche Arbeit. Was passiert über die Organisation von Bussen zu gemeinsamen Auswärtsfahrten hinaus? Wie steht es um politische und antirassistische Bildungsinhalte? Dass Fanprojekte in Sachsen erfolgreiche Arbeit leisten, beweisen das personell stark aufgestellte Fanprojekt in Dresden um Torsten Rudolph oder das Ein-Mann-Projekt von Volker Herold, dessen Engagement in Plauen kaum hoch genug bewertet werden kann. Zwei Positivbeispiele, die nicht auf Repression, sondern präventive Jugendsozialarbeit schwören.

Aber zurück nach Leipzig. Spätestens als Blaschke das Dossier in DIE ZEIT veröffentlicht hatte, nahm der Druck auf Ueberschär und seine Leipziger Sportjugend stark zu. Stadt Leipzig und der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die neben dem Freistaat Sachsen das Fanprojekt zu je einem Drittel finanzieren, drängten auf einen Trägerwechsel. Der wurde 2009 mit einer Ausschreibung eingeleitet, auf die sich unter anderem die Outlaw gGmbH bewarb, die unter anderem bereits das Fanprojekt in Münster betreut. Bereits vor einem Jahr wurde Vollzug gemeldet: Das Jugendamt verkündete im Juni 2010 den Trägerwechsel zur Saison 2011/12.

Stimmen zum Trägerwechsel

Ich begab mich damals in die Spur und recherchierte für die Leipziger Volkszeitung. Ich habe ausführliche Hintergrundgespräche geführt, zahlreiche Stimmen und Meinungen eingeholt. Heraus gekommen ist mit „Neues Konzept, neue Inhalte“ ein Beitrag, der kaum an Aktualität eingebüßt hat. Die wichtigsten Argumente: die akzeptierende Jugendarbeit birgt grundlegende Risiken, ein Fanprojekt ist kein Repressionsorgan, sondern muss sozialpädagogisch ausgerichtet sein. Die Stimmen:

Die LSJ setzt auf die Befriedung von gewaltbereiten Fans. Es muss aber darum gehen, zu verhindern, dass Jugendliche überhaupt erst in die Gewaltszene hineinwachsen. (Juliane Nagel, jugendpolitische Sprecherin der Leipziger Stadtrats-fraktion der Linken)

Fanarbeit ist eine sozialpädagogische und keine ordnungspolitische Aufgabe. (Rüdiger Ulrich, stellver-tretender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Leipzig)

Diese Sichtweisen decken sich mit den Empfehlungen des DFB, die bereits 1992 (!) im Rahmen des „Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit“ (NKSS) erarbeitet wurden. Dementsprechend positiv über den bevorstehenden Trägerwechsel äußerte sich mir gegenüber auch Michael Gabriel, der die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) leitet. Gabriel appellierte an die LSJ, persönliche Befindlichkeiten zurückzustellen. Ich erwischte ihn damals telefonisch in Südafrika. Da er erst durch mich über den Trägerwechsel informiert wurde, war Gabriel leicht überrascht und hörbar um Diplomatie bemüht:

Es ist unverzichtbar, dass jetzt alle an einem Strang ziehen. Ich wünsche mir, dass die Stadt den Übergangsprozess moderiert.

Ähnlich zurückhaltend gab sich auch Outlaw-Geschäftsführer Theo Boomgaarden, der betonte, dass man sehr offen für Bewerbungen der Mitarbeiter des derzeitigen Trägers sei. Am Ende kam alles anders. Meinem Kenntnisstand nach bewarb sich keiner der LSJ-Mitarbeiter bei Outlaw. Dafür vereinbarte Ueberschär mit der Stadt einen kooperativen Übergang, wie es zuvor auch Politik, Jugendamt und KOS gefordert hatten. Ende Mai lud die Outlaw gGmbH zu Vorstellungsgesprächen, neues, qualifiziertes Personal wurde gefunden, im Juli hätte es losgehen können. Das Konzept legte den Schwerpunkt auf präventive Jugendsozialarbeit und hatte zum Ziel, die Werte Toleranz, Solidarität und Integration zu vermitteln.

CDU-geführtes sächsisches Innenministerium interveniert

Doch das passte dem CDU-geführten sächsischen Innenministerium nicht. Der Freistaat stemmte sich von Anbeginn gegen den Trägerwechsel. Hintergrund: Die Leipziger Polizei fühlt sich durch das Fanprojekt bestens informiert über die Fanszene. Es fungiert quasi als verlängerter Arm der Exekutive. Diesen Informationskanal will man in Dresden nicht einfach so gekappt wissen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte am 11. Juni in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung:

Wir geben als Freistaat insgesamt 300 000 Euro in die großen sächsischen Fanprojekte. Deshalb verstehen wir auch nicht, wenn beim Leipziger Fanprojekt ein neuer Träger gesucht werden soll. Für uns ist der Verantwortliche des Leipziger Fanprojekts ein verlässlicher Partner und das soll auch so bleiben. Wenn es zu einem Wechsel käme, würden wir überlegen, ob wir die Fördergelder wie bisher weiterzahlen. Das ist in der Diskussion.

Der Freistaat droht mit dem Entzug von Geldern und Legitmität – das ging Outlaw zu weit. In einer Stellungnahme erklärte Geschäftsführer Boomgaarden gestern:

Die Übernahme der Trägerschaft der Fanprojekte in Leipzig durch die OUTLAW gGmbH zum Beginn der Spielzeit 2011/2012 ist gescheitert. Zwar hat sich die Stadt Leipzig in diesem Jahr eindeutig für die Übertragung an uns ausgesprochen, die Entscheidungen über die Mitfinanzierung durch das Land Sachsen und den DFB fehlen aber immer noch. Nach der endgültigen Einigung mit der Stadt Leipzig haben wir im April dieses Jahres einen Kostenübernahmeantrag an das Land gestellt. Einen Bescheid haben wir bis heute nicht erhalten, selbst eine Eingangsbestätigung hat es nicht gegeben. Stattdessen haben wir einem Interview mit dem Innenminister des Freistaates Sachsen entnommen, dass das Land keinen Trägerwechsel will. Da die Fanarbeit zu je einem Drittel von der Kommune, dem Land und dem DFB bezahlt wird, und der Anteil des DFB sich an der Höhe der Finanzierung durch die staatlichen Stellen orientiert, ist die Finanzierung des Projektes auch nicht ansatzweise mehr gegeben.

Präventive Jugendsozialarbeit bleibt auf der Strecke

Wäre die Sache nicht eine so wichtige, würde ich nur noch lachen. Dass der Trägerwechsel nun zumindest vorerst nicht zustande kommt, weil Sachsen damit droht, die Gelder zurückzuziehen, und der DFB offensichtlich politisch nicht gewillt ist, entschieden für seine Interessen einzutreten, ist eine peinliche Posse. Der Fußball und seine Fans werden hier zum Gegenstand politische Ränkespiele und ideologischer Dogmen. Auf der Strecke bleiben am Ende nicht nur die Sozialpädagogen, die mit Outlaw endlich für einen zeitnahen Neustart beim Leipziger Fanprojekt sorgen wollten, sondern vor allem auch die jungen Fans, die auf der Suche nach der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit auf Abwege geraten.




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7 Kommentare bisher
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  1. Gravatar of Chaosblogger
    Kommentar von
    19.06.2011 um 16:29
    1

    So gern ich deine Beiträge manchmal lese, so sehr muss ich diesen Kritisieren.
    Über die Sinnhaftigkeit des Trägerwechsels kann man sicherlich lange diskutieren und es gäbe meines Erachtens auf beiden Seiten gute Argumente die ein Für und Wieder begründen könnten.
    Was mir aber in dem Beitrag von dir zu kurz kommt ist ganz klar auch Kritik an der Stadt Leipzig sowie am Träger Outlaw selber. Vielmehr ist dein Bericht einseitig veranlagt und vergisst dabei recht wichtige Fakten.
    Zu der Naziproblematik gab es vom Fanprojekt eine klare Reaktion, den betreffenden Leuten wurde ein Hausverbot ausgesprochen, nachzulesen u.a. hier. Ging damals auch durch die LVZ. Daher fände ich es journalistisch Wervoll das hier wenigstens irgendwo zu erwähnen.
     
    Die Stadt Leipzig verkündete bereits im Juni 2010 den Trägerwechsel zu Outlaw, siehe hier. In der Presseerklärung von Outlaw wiederrum steht aber man sei sich erst im April, endgültig einig geworden. Das beisst sich doch und müsste mal tiefer durchleuchtet werden.
    Das von dir genannte Zitat von Michael Gabriel ist meines Erachtens auch zu hinterfragen. Wenn die Stadt moderien sollte, warum konnte sie das Ausscheiden Outlaws dann nicht verhindern. Viel mehr noch, warum soll jemand einen Prozess moderieren, der ersten Geldgeber ist und zweitens auch noch parteiisch und seine Entscheidung bereits vor einem Jahr bekannt gab?
    Das schließt meines Erachtens eine saubere Moderation aus.
     
    Outlaw als möglicher neuer Träger bleibt hier auch klar vorzuhalten nicht alles Mögliche für einen Wechsel getan zu haben. Wenn ich das Fanprojekt wirklich übernehmen will, dann schließe ich nicht erst im April die Verträge mit der Stadt und fange dann ca. 2 Monate vor ultimo an, mich um alles andere zu kümmern, was die Übername betrifft. Zeit hatte Outlaw doch genug, das Interesse signalisierten sie doch schon 2009 in der Ausschreibung zur Trägerschaft.
     
    Dieses von dir genannte Zitat von Julian Nagel: „Die LSJ setzt auf die Befriedung von gewaltbereiten Fans. Es muss aber darum gehen, zu verhindern, dass Jugendliche überhaupt erst in die Gewaltszene hineinwachsen.“ist für mich auch zum Nachdenken anregend.
    Du bist ja nun keine unbekannte im Leipziger Fußball und du kannst sicherlich auch gut einschätzen wie es um den Nachwuchszulauf in den Fanszenen aller Verein steht. Hier meine ich LOK, FCS und Chemie.
    Meiner Meinung nach ist der Zulauf da überaus Mau. Und deshalb ist es gerade in Leipzig, nicht vergleichbar zu Dresden und Plauen, wie von dir genannt, überaus wichtig mit der exestierenden Fanszene zu arbeiten und sogenannte Gewaltbereite Fans zu „befrieden“. Natürlich muss ein Nachwuchs auch präventiv von der Gewalt ferngehalten werden. Der Nachwuchs in Leipzig hat aber nicht diesen Zulauf, das man durch Prävention nachhaltige Veränderungen bekommt.
    Hier konnte das aktuelle Fanprojekt für meinen Geschmack gute Erfolge erzielen indem es mit der vorhandenen Fanbasis arbeitete.
    Wie gesagt man kann stundenlang drüber Diskutieren.
     
    Was ich eigentlich schreiben wollte, wenn du eine Analyse geben willst, dann musst duch dich mit allen Seiten kritisch auseinander setzen. Dies kam mir in deinem Beitrag ein wenig zu kurz.
     
    Diese ganze Trägerwechselgeschichte ist für mich ein absoluter Farce und um Inhalte der Fanarbeit geht es schon lange nicht mehr. Es ist ein politisches Machtspiel geworden. Ausgetragen auf dem Rücken derjenigen, welche eigentlich nichts dafür können, die zu betreuenden Fußballfans.


  1. Gravatar of Chaosblogger
    Kommentar von
    19.06.2011 um 16:32
    2

    Unglücklicherweise funktionierte das Verlinken im obrigen Beitrag nicht richtig!
    Wenn dud as ändern aknnst würde ich das sehr begrüssen!


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    19.06.2011 um 16:36
    3

    Vielen Dank für die wertvollen Hinweise. Ich muss mir in einer ruhigen Minute mal Gedanken machen, bin grad auf dem Sprung. Antwort folgt also. Die Links habe ich korrigiert.


  1. Gravatar of Bastian (Chemieblogger)
    Kommentar von
    20.06.2011 um 9:21
    4

    Aus meiner Sicht hat der Konflikt mindestens zwei Ebenen:
    - die personelle, inhaltliche und lokale Ebene
    - die politische und globale Ebene.

    Zu Letzterer: Die Fanprojektposse ist ein weiteres Kapitel aus dem Buch Freistaat (CDU) schießt gegen Stadt (SPD). Es geht hier nicht primär um die inhaltliche Auseinandersetzung mit Konzepten, sondern um politischen Profit. Leipzig ist bis heute eine SPD-Bastion geblieben, und das möchte die CDU gerne ändern. Laut Medienberichten will sich Polizeipräsident Bernd Merbitz als zukünftiger Oberbürgermeister in Stellung bringen. Die Strategie: Ob „Disko-Krieg“, Drogenpolitik oder Fansozialarbeit – Leipzig fährt einen „Kuschelkurs“, so der Vorwurf aus Dresden. Verschärfend hinzu kommt, dass die Leipzig in einer historischen Konkurrenzsituation zu Dresden steht und finanziell vom Freistaat abhängig ist. Daher rührt auch die Zurückhaltung in der Stadt. Dass auf dem Rücken der Fansozialarbeit solche politischen Spiele ausgetragen werden, ist eine Farce. Genau das haben auch DFB und KOS erkannt, dementsprechend zurückhaltend sind deren Ambitionen, öffentlich Position beziehen.

    Zur ersten Ebene: Da geht es um die Schlagwörter Ueberschär, akzeptierende Jugendarbeit und Transparenz. Du, @Chaosblogger, hast in das Fanprojekt einen wesentlich größeren Einblick, ich will mir da nicht rausnehmen, irgendwelche die Arbeit, die dort en détail geleistet wird, zu beurteilen. Was aber fakt ist und was ich kritisiere: In der Öffentlichkeit wird nicht ersichtlich, was die LSJ leistet. Und dazu kommen dann noch Geschichten wie von der zuletzt organisierten Auswärtsfahrt nach Zwickau, die mit einem kaputt randalierten Bus endeten. Die Kritikpunkte an der Person Ueberschärs sind wohl bekannt.

    Ja, es gab Hausverbote auf Grund verschiedener Vorfälle und Medienberichte. Daher habe ich auch einschränkend formuliert („bis September 2008″). Trotzdem hast du oben wieder dafür argumentiert, mit den Fans, die da sind, zu arbeiten. Das ist akzeptierende Jugendarbeit. Dagegen würde ich sagen, dass man die Fans, die man in ihrer Persönlichkeitsstruktur ohnehin nicht mehr groß verändern kann, lieber anderen Instanzen überlassen sollte. Der Polizei und der Justiz. Ein Fanprojekt hat doch keine exekutive Aufgabe – wozu gibt es denn „Szenekundige Beamte“ bei der Polizei? Ein Fanprojekt sollte sich dann auf die jüngeren Generationen konzentrieren, mit noch nicht gefestigten Persönlichkeiten, die noch zu erreichen sind. Das ist Sozial-Pädagogik: So können Fankulturen gestaltet werden. Ist das nicht eine tolle Herausforderung? Dass das Fanprojekt deiner Meinung Erfolge bei der „Befriedung“ von Fans vorzuweisen hat, will ich nicht abstreiten. Ich bleibe aber dabei: Das ist nicht die Aufgabe des Fanprojekts, sondern von Polizei und Justiz.

    Zur Stadt als Moderatorin: Gut möglich, dass sie da fehlbesetzt ist. Aber: Sie ist im Gegensatz zu DFB und Freistaat die einzige Akteurin vor Ort. Warum Outlaw so zurückhaltend ist, ist eine andere Frage.

    Und damit zu Outlaw: Dort ist man sehr, sehr vorsichtig, wie es scheint. Das könnte in den oben geschilderten politischen Hintergründen liegen. Ansonsten kann ich nicht viel zu Outlaw sagen, außer, dass ich die Grundlinien des Konzeptes kenne. Und das finde ich in Ordnung. Wie sich Outlaw im Trägerwechsel verhält, kann ich auch nicht richtig nachvollziehen. Aber ich habe zumindest die Hoffnung, dass es unter Outlaw ein anderes Fanprojekt geben könnte als unter der LSJ.

    Es muss schon starke Gründe geben, wenn sich (ehemalige) LSJ-Mitarbeiter nicht bei Outlaw bewerben wollen, obwohl sie dazu ermutigt wurden und über die Qualifikation verfügen. Das will ich nicht so recht verstehen.


  1. Gravatar of JM
    Kommentar von
    JM
    21.06.2011 um 17:33
    5

    Mich beschäftigt das Gesamtthema, mit Abstand von nunmehr fast 4 Jahren, immer mal wieder.
    1. Mir erschließt sich in keinem Fall, weshalb eine Frau Nagel urplötzlich Fansozialarbeit für sich entdeckt und als neues Politikfeld zu besetzen sucht. Die Linke hat ja wohl gegenwertig ein Antisemitismusproblem, neben den vielen anderen von Porschefahrern bis zur Profilierung eines Ex-Spitzels zum Denkmalstürzer in dieser Stadt. Wo war Frau Nagel, als Fansozialarbeit in dieser Stadt noch ehrenamtlich sein musste, weil man sich in Sachsen und speziell in Leipzig einen Dreck um professionelle Strukturen und deren pflichtgemäße Ausstattung/Finanzierung gekümmert hat? Einzig die Grünen engagieren sich im Landtag seit Jahren für strukturelle Verbesserungen und deren nachhaltige Finanzierung!
    2. Mir erschließt sich nicht, wieso ein Trägerwechsel hin zu einem Träger erfolgen musste, der solch unprofessionelles Gebaren an den Tag legt. Diese „rein in die Kartoffeln-raus aus den Kartoffeln“ ist einfach nur noch als Skandal zu bezeichnen und stellt eine Verhöhnung dar! Hier sind Verantwortlichkeiten zu benennen und sonst nichts! So würde ich als Stadt Leipzig nicht mit mir umspringen lassen.
    3. Wenn sich die MA des jetzigen Fanprojektträgers nicht bei Outlaw beworben haben (trotz Aufforderung), dann kann das zwei Gründe haben:
    a. es fehlt an der entsprechenden Qualifikation
    b. es gibt einen Solidarisierungseffekt unter denen, die diese mühsame Arbeit jetzt ein paar Jahre bei dem alten Träger gemacht haben
    Beides wäre menschlich verständlich, aber spricht auch für bzw. gegen diese MA; entweder in Bezug auf ihre Qualifikation oder aber in Bezug auf falsch verstandene Solidargefühle.
    4. Diese Aktion ist nur ein weiterer „Meilenstein“ im Possenspiel professioneller Fansozial -und Präventionsarbeit in Sachsen, insbesondere in Leipzig. Es legt Zeugnis ab, wie hier die unterschiedlichsten Verantwortungsträger ticken, denn wir haben ja noch mehr Probleme (die sich womöglich überlagern) in puncto Jugendsozialarbeit (Drogen) und der primitiven Auseinandersetzung in den Medien zwischen Stadtverwaltung und Polizei. Also nur ein weiteres Kapitel aus dem Buch „Typisch Leipzig“.

    Ich kann mir die zynische Prognose und Schlussfolgerung nicht verkneifen, ob das mal nicht alles so gewollt ist.
    Warum?
    Das gibt Alibis für Polizeieinsätze a la Markkleeberg gg. die Fans von Chemie Leipzig und eignet sich hervorragend zur Profilierung gewisser Politiker/-innen. Schließlich ist ja irgendwann mal wieder Wahl und um die Linke steht`s gerade mal wieder nicht so gut. 
    Außerdem ist die ausbleibende Prävention und fehlende Fansozialarbeit hervorragend dazu geeignet, a.G. zu erwartender Vorkommnisse ganze Fankulturen an den Pranger zu stellen und das Rathausprojekt RB auch auf diesem Weg zu pushen
    .

    Abseits jeder sarkastisch/zynischen Wertung bleibt festzustellen:
    Verantwortungslos+Niveaulos+Planlos=Typisch Leipzig


  1. Gravatar of Sündenbock03
    Kommentar von
    21.06.2011 um 22:26
    6

    @Bastian:
    Auch ich habe so meine Probleme mit der Ausrichtung „akzeptierende Jugendarbeit“, wenn dies z.B. bedeuten soll, rassistische Einstellungen zu akzeptieren und lediglich die gewalttätige Auslebung dieser zu unterbinden, denn damit ist die Wurzel des Übels noch längst nicht ausgemerzt.
    Trotzdem bin ich der Ansicht, jeder Mensch kann von der Falschheit solcher Attitüden überzeugt werden, wenn dafür die richtigen Argumente vorgebracht werden – erst recht, wenn es sich um Jugendliche handelt. Darauf zu warten, dass das Gewaltpotential irgendwann ausbricht, um dann die staatliche Exekutive einzusetzen, die die „Problemkinder“ dann auf ihre ganz eigene Art und Weise zur Raison bringt, finde ich verkehrt, weil damit die menschenfeindlichen Neigungen keineswegs beseitigt werden.


  1. Gravatar of Auseinandersetzungen um das Fußballfanprojekt Leipzig : Juliane Nagel
    7

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