Die Kurve der anderen
Montag, 24. März 2014, 8:53 Uhr
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Fans des 1. FC Union Berlin gelten von jeher als rebellisch. Von ihrer Leidenschaft erzählt der Dokfilm „Union fürs Leben“

Als die Mauer noch stand, die Partei immer Recht hatte und die Stasi genau hinsah, dass ja keiner ausscherte, da hieß es: „Nicht jeder Union-Fan ist ein Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist ein Union-Fan.“

25 Jahre nach dem Fall der Mauer, die Partei und Stasi mit sich riss, freut sich Maja Lopatta noch immer über diese Weisheit aus DDR-Tagen, dieses „schöne Wort“, wie sie es formuliert. Die zierliche Frau, gehüllt in Pink, gezupfte Augenbrauen, sitzt bei Kaffee und Brötchen neben ihrem Sohn. Für Chris Lopatta, Jahrgang 1963, Unioner seit dem 14. Lebensjahr, ist Fußball kein Thema, das man einfach so abfrühstücken könnte. Das Bekenntnis zum 1. FC Union, dem Klub aus Berlin-Köpenick, ist sein Lebensentwurf: Rebellion aus Prinzip. Leiden, weil’s dazugehört. Damals wie heute.


Lebensrolle Unioner: Chris Lopatta neben seiner Mutter Maja. Foto: Frank Marten Pfeiffer

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Wir müssen reden – über RB Leipzig
Freitag, 21. Februar 2014, 0:22 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 21. Februar 2014, 7:33 Uhr
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RB Leipzig steigt auf und erhält problemlos die Zweitliga-Lizenz: Für 11FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster ist das kein Hurra-Szenario. Seine Streitschrift gegen den Leipziger Brauseklub und für eine andere Fußballkultur bereichert die Debatte – und bleibt nicht ohne Wirkung

Dicke weiße Buchstaben auf rotem Grund, kurze Wörter mit großem Eindruck, das ist eigentlich nicht der 11FREUNDE-Stil. „Der Große Red-Bull-Bluff“, titelt das erklärte „Magazin für Fußballkultur“ in Ausgabe #148, „Wie der Leipziger Retortenklub die Liga an der Nase herumführt“. Das ist populistisch. Das verkauft sich. Und das ist auch gut so.

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RB Leipzig macht wohl bald in Farmen
Dienstag, 28. Januar 2014, 23:39 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29. Januar 2014, 21:55 Uhr
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Der FC International bewirbt sich als neue Nummer 2 in Fußball-Leipzig. Zwar ist der erste Versuch, bei der Basis Tritt zu fassen, gründlich schiefgegangen. Der neue Verein mit prominenten Fürsprechern würde dem Masterplan von RB Leipzig aber nicht im Bundesliga-Wege stehen

Als wäre das nicht ohnehin schon alles viel zu kompliziert. Selbst der gemeine Sportschau-Stammgast muss für gewöhnlich ins Straftraining, wenn die vormals zweigeteilte Fußballstadt mit ihren postsozialistischen Lektionen daherkommt: Ja, Fußball-Leipzig gibt sich neuerdings farbenfroh, was die Vereinslandschaft angeht. Inzwischen ist für jeden was dabei. Der Feingeist mit Jahreskarte fürs Opernhaus kann sich bei RasenBallsport Leipzig umtun, während die jeder Derbheit erliegende working class in Leutzsch und Probstheida etwas dafür tut, dem Klischee vom Fußballpöbel gerecht zu werden. Bis dahin ist noch kein Wort über Roter Stern Leipzig verloren, aber jemand, der sich mit Leidenschaft der Sportschau hingibt, hat fürs Milieu sicher weniger übrig.

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„Nazi“-Schmähung kostet 500 Euro
Donnerstag, 26. Dezember 2013, 2:29 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 26. Dezember 2013, 11:13 Uhr
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Was als eine Diskriminierung gilt, kann eigenwillige Interpretationen hervorrufen. Dem Sächsischen Fußball-Verband genügt es, wenn ein NPD-Kader als „Nazi“ bezeichnet wird

Das Leben kann manchmal ungerecht sein. Schließlich muss es gar nicht so einfach sein, als politisch engagiertes NPD-Mitglied einen Verein zu finden, dessen Kameraden nichts gegen einen braunen Schlussmann haben. Mathias Möbius sitzt für die NPD im Stadtrad von Wurzen – und hütet für den ATSV Frisch Auf das Tor. Beides ist keine leichte Aufgabe: den Wurzenern unter der Woche was von Überfremdung erzählen und am Wochenende die Bälle aus dem Netz des Bezirksliga-Vorletzten holen.

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Zitat des Tages (23): Am Elsterflutbecken nicht vor Anker gehen
Sonntag, 24. November 2013, 14:44 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Sonntag, 24. November 2013, 14:45 Uhr
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Scheiss Bullen – in Leipzig wird’s immer nur Lok und Chemie geben

Den Anker werfen wollte auf der Kogge keiner: Die 6000 Fans … weiterlesen





Red Bull und Leipzig auf dem wohldosierten Höhenflug
Montag, 18. November 2013, 21:23 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Montag, 18. November 2013, 23:17 Uhr
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Nach dem Training, vor dem Spiel – der Genuss von Red Bull, dem Energy-Drink, verleiht den Rasenballsportler-Beinen Bundesliga-Flügel. Das hört sich gut an. Sicher nimmt’s auch jemand für voll

​Zufälle sind im Red-Bull-Konzern so zahlreich wie die Nachwende-Erfolge des Leipziger Fußballs. Da muss es schon dumm zugehen, wenn mal wieder ein Hoffnungsträger für immer abstürzt. Aber das hat mit den Erfolgsnachrichten aus Leipzig nichts zu tun. Da läuft alles nach Business-Plan: Ralf Rangnick, der Fußballchef des Konzerns, und seine Getreuen können ausg​​eben, was sie vor Ort nicht einspielen müssen. Die Herzen der seit Jahrzehnten darbenden Leipziger Fans sind ihnen ohnehin gewiss. Die dritte Liga? Allenfalls eine Durchgangsstation zu werbewirksameren Märkten. Die Bundesliga? Keine Frage des Könnens, sondern der Zeit. Das ist kein Zufall. Professor Rangnick weiß für jede erdenkliche Aufgabe einen wissenschaftlichen Mitarbeiter an seiner Seite. Einer dieser Experten ist Marco Spielau.

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Willkommen in der Provinz
Montag, 21. Oktober 2013, 21:49 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Dienstag, 22. Oktober 2013, 1:01 Uhr
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In der Bezirksliga sportlich ungeschlagen, werden der BSG Chemie Leipzig die Gegner abseits des Platzes zur größten Herausforderung. Nach zwei Absagen ist nun ein drittes Spiel abgebrochen worden

Sie wollen nur spielen, aber man lässt sie nicht. Die mit dem Fünfeck auf der Brust, Alfred Kunze im Kopf, die Leutzscher Legende im Herzen. Wer für die BSG Chemie Leipzig aufläuft, hat die Heldensaga im Ohr, als 1964 die Falschen DDR-Meister wurden. Das war vom System nicht vorgesehen, das verhalf dem „Rest von Leipzig“ zu Glaubwürdigkeit auf der Straße. Im 50. Jahr danach klingen die Konkurrenten nicht mehr nach Arbeiter-und-Bauern-Maloche, führen die Auswärtsreisen nicht einmal mehr über die einstigen DDR-Bezirksgrenzen. Empor Rostock heißt jetzt Bornaer SV 91 und aus dem SC Karl-Marx-Stadt wurde ATSV Frisch Auf Wurzen.

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Auf ein Helles im „Martinique“
Donnerstag, 26. September 2013, 22:06 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 27. September 2013, 12:25 Uhr
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Wir stehen im Blickfeld. Gefühlte zwei Augenblicke schon. Viel zu lange. Der Wirt gibt sich nordisch-unterkühlt bei der Begrüßung: hinsetzen, die in der Raucherecke sehen nichts. So viel Preußentum hätten wir nicht erwartet. Nicht hier im „Martinique“, deren Internetseite uns bayerische Gemütlichkeit versprochen hat. In der Kneipe am Berliner Kreuzberg sollen ausnahmslos alle Spiele des FC Bayern über XXL-Leinwände flimmern.

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Babelsberg, Lok-Nazis und der Ballermann
Donnerstag, 22. August 2013, 22:34 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 22. August 2013, 22:40 Uhr
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Den Problemfans des 1. FC Lok Leipzig war die Reise nach Potsdam-Babelsberg eine dankbare Angelegenheit. Im Verein ist man sich des Problems mehr bewusst denn je. In der Ferne staunt der Badeurlauber

Als sich Probstheida mitsamt fragwürdigem Gefolge in Babelsberg umtut, liege ich auf Mallorca (wohl gewollt) am Ballermann (ein Versehen) am Strand und träufle mir kühles Dosenbier ein. Regionalliga-Auftakt, 3. August, Babelsberg 03 siegt 1:0 gegen den 1. FC Lok Leipzig, das Ergebnis war nebensächlich. Was auf den Rängen abgegangen ist, erfahre ich – den geneigten Nutzer dieses Internets mag das belustigen – zwei Tage später aus der Zeitung. (Wenngleich nicht auf gewesenem Holz, sondern dem Tablet.) Die Lektüre hat mich schnell aus dem unfreiwilligen Ballermann-Dasein gerissen. Lok, Nazis, Medienreaktionen, das geht einfach immer.

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Fußball ist immer noch wichtig
Freitag, 26. Juli 2013, 9:16 Uhr;
zuletzt aktualisiert: Freitag, 26. Juli 2013, 9:43 Uhr
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Das Melt! war diesmal wahrlich zum Dahinschmelzen. Europas größtes Electro- und Indiefestival unter den Stahlmonstern von Ferropolis, 20 000 immer entspannte Partymenschen jeder Herkunft, ein alljährlicher Pflichttermin mitten im Juli. Zelte und all das andere Inventar schleppen, im Campingstuhl lungern, ohne Unterlass Bässe von irgendwoher aufsaugen, viel zu warmes Bier schlürfen – jedes Jahr das gleiche, es wird nie langweilig. Abschalten, vier Tage lang. In diesem Jahr glühte die Sonne wie im Badeurlaub, nur dass so mancher nachher eine Krankschreibung brauchte.

Mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Fußball ist dort nicht wichtig, genauso wenig wie die restliche Außenwelt, schon allein weil die Akkukraft unsere Nachrichtenzentralen nicht über vier Tage am Leben hält. Samstagvormittag, die Smartphones werden heiß, der Empfang ist so mies, wie man es in einer Ödnis erwartet, die ein paar Mal im Jahr von Zehntausenden bevölkert wird. Habt ihr schon gehört – so beginnt der Satz, der damit endet, wer am Vortag die Etappe der Tour de France gewonnen hat.

Am Freitag, da war doch was. Drittligaauftakt. Eine große Feier im mitteldeutschen Heimatfernsehen. Ein Kulturderby, habe ich irgendwo gelesen, solche Worte wären vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, wenn vom Halleschen FC die Rede war. RB Leipzig, auf diesem Projekt liegt alle Hoffnung der Stadt, in der ich groß geworden bin, mit deren tragikomischen, in meinen Augen grün-weißen Fußball ich sehr eng verbandelt bin. Noch immer. Ich muss wissen, wie das Spiel ausging – und bin im nächsten Augenblick enttäuscht. 1:0 für RB.

Ich schimpfe etwas, soweit es die unaufgeregte Atmosphäre zulässt. Meine Zeltnachbarn und ich, wir sind uns einig (zumindest noch). Wir sind Leipziger, aber die Stadt und ihr Fußball hat unseren Lokalpatriotismus nicht nötig. Wo man auch hinkommt, jeder scheint die New York Times gelesen zu haben. Auch wer noch nicht da war, findet diese Stadt schön, lebenswert, hip. Das schickt sich so. „Hypezig“, sagen fremde Frühzwanzigerinnen beim oberflächlichen Kennenlernen stolz und erwarten, dass sich das Leipziger Gegenüber über diese Sprache freut.

Um die Stadt hat sich seit ein paar Jahren jener Hype entwickelt, den Red Bull im städtischen Fußballalltag zunehmend zu kopieren weiß: Kein Vorbeikommen an den Dosen und RB Leipzig, wohin man auch geht. Ein bisschen fühle ich mich wie ein fußballpolitischer Flüchtling, aber das zählt nicht, ich bin freiwillig nach Berlin gegangen, und das ist schon eine Weile her. Aber wenn ich den Sportteil aufschlage, weiß ich manchmal nicht, was ich in Leipzig noch sollte.

Ein paar warme Bier später (die Temperatur nimmt proportional zur Tageszeit zu), auf dem Festivalgelände. Man trifft dort Leute, von denen man ahnt, sie könnten da sein, auch wenn man sich nicht verabredet hat. Meine ehemalige Mitbewohnerin, mein ehemaliger Mitbewohner und so weiter. Ich bleibe bei einem Bekannten hängen, er hat sich dem Halleschen FC verschrieben, er meint es sehr ernst mit dem Verein. Ich bekunde höflich Beileid zur vorabendlichen Niederlage gegen meine Stadt und ihr Projekt, das ich doch lieben müsste. Am nächsten Tag lernen wir auf dem Zeltplatz die Gruppe von nebenan kennen, natürlich Hallenser, sie haben am Morgen zuvor unsere sanften Tiraden eingedenk des Ergebnisses gehört – wenn sie davon erzählen, klingt es so, als wunderten sie sich, wie man es in Leipzig nicht so gut mit RB halten kann.

Als vom Melt! in meinem Leben noch nichts zu ahnen war, fuhr ich einmal nach Casaleccio di Reno. Zu den Mondiali Antirazzisti, dem Fußballfestival für Ultras, die keine Nazis mögen. „Antifa Hooligans“, so würden es Los Fastidios nennen. Ihr Auftritt, damals in Italien, liegt mir wieder in den Ohren, seit ich auf diesem Melt! Feine Sahne Fischfilet (die Herren spielen weder Electro noch Indie) gehört und mit Leuchtfeuer auf der Bühne gesehen habe. Es war ein bisschen so, als würden Egotronic noch einmal beim Roten Stern im Bierzelt oder im Leipziger Fanprojekt zwei Boxen aufbauen und die „Bismarck“ versenken.




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